In Zukunft möchte Hithaus in seiner Rubrik “Künstler(in) der Woche” in unregelmässigen Abständen auch Künstler präsentieren, die nicht mehr unter uns sind. Den Anfang macht Drafi Deutscher, einer der wohl bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Interpreten, Komponisten, Autoren und Produzenten.
Drafi Deutscher wurde am 09.05.1946 geboren und verstarb am 09.06.2006. .
In diesem Bericht über Drafi Deutscher wollen wir einmal nicht die typischen Biographiedaten und Erfolge auflisten, sondern versuchen, Ihnen den Menschen Drafi Deutscher -unkommentiert in Form dessen, was er selbst über sich und sein Leben gesagt hat- näher zu bringen.
Lesen Sie im Folgenden zuerst einmal ein Interview der Jugendzeitschrift BRAVO aus dem Jahr 1966 und anschließend ein “Sounds”-Interview. Wenn man beide Interviews aufmerksam gelesen hat, kann man sich einen kleinen Eindruck machen, wie, wer und was Drafi wirklich war :
33 Gewissensfragen an Drafi und seine damalige Frau Karin
BRAVO: Wo und wann haben Sie sich zum erstenmal getroffen? Was hatte Karin an?
KARIN: Drafi spielte in der Bar “Rakete” in Lichterfelde in Berlin. Ich trug ein blaues Jersey-Kostüm mit einem Schlitz an der Seite. Ich kam mit 4 Freundinnen.
DRAFI: Es war in der Bar “Rakete”, wo ich damals spielte. Im August 1963. Karin trug schwarze Hosen und einen lichten Pullover. Sie kam mit einer Freundin.
BRAVO: Hat Drafi sofort auf Sie, Karin, Eindruck gemacht?
KARIN: Hat er nicht.
DRAFI: Nee, bestimmt nicht.
BRAVO: Was hat Ihnen an Drafi am besten gefallen, Karin?
KARIN: Seine Art. Er ist zwar schwierig. Aber nur am Anfang, besonders gefällt mir seine Fröhlichkeit.
BRAVO: Was glauben Sie, daß Karin an Ihnen am besten gefallen hat?
DRAFI: Meine burschikose Art. Ich bin anders als Karins Freunde. Mir haben an ihr besonders ihre schwarzen Haare und ihre Figur gefallen.
BRAVO: Wo war der zweite Treff? Wer hat den vorgeschlagen? Mit welchen Worten?
KARIN: Ich hatte Urlaub. Wir fuhren zusammen zum Baden an den Wannsee.
DRAFI: Am nächsten Tag trafen wir uns wieder. Zum Baden. Ich redete sofort von Liebe, schon am ersten Tag.
BRAVO: Was war das erste Geschenk Drafis?
KARIN: Eine Uhr als Souvenir.
DRAFI: Eine Uhr mit Kette.
BRAVO: Wann haben Sie, Karin, sich in Drafi endgültig verliebt?
KARIN: Es war zwei Monate später, nach unserem ersten Krach. Als ich merkte, daß ich nicht mehr ohne ihn sein kann.
DRAFI: Nach unserem ersten Streit. Ich hatte in Düsseldorf in Karins Beisein mit einem anderen Mädchen geflirtet.
BRAVO: Wer war bei der Geburt der Zwillinge aufgeregter?
KARIN: Ich war nicht so aufgeregt, ich dachte: Es ist nun mal so, jetzt mußt du alles durchstehen. Klein-Drafi und René kamen im Abstand von 8 Minuten. Dann hatte ich alles überstanden. Kein Arzt hatte es mir vorher verraten. Ich war völlig überrascht.
DRAFI: Ich erfuhr die Nachricht erst durch die Zeitung. Ich war auf Tournee. Ich dachte, ich träume. Ich raste sofort in ein Blumengeschäft und kaufte 40 Nelken. Dann noch 3 Pfund Obst. Ich selbst nahm einen vierfachen Kognak.
BRAVO: Wer hat die Namen der Zwillinge vorgeschlagen?
KARIN: Drafi. Rene fiel uns zufällig ein.
DRAFI: Ich. René ist ohne besondere Bedeutung.
BRAVO: Wann hat Drafi zum erstenmal von Heirat gesprochen?
KARIN: Eigentlich stand es schon immer fest, daß wir heiraten.
DRAFI: Im Frühjahr 1965, als wir auf Mallorca Urlaub machten.
BRAVO: Wie groß wird Ihre Traumwohnung sein?
KARIN: Ein schönes Haus mit schicker Küche und prima Garten.
DRAFI: Ich will mir ein Ein-Familien-Haus mieten mit 5 Zimmern, schönem Garten und einem Arbeitszimmer mit Flügel, Stereo-Anlage, 2-3 Sessel, Tisch, Wollteppich.
BRAVO: Wie werden Sie das Wohnzimmer einrichten?
KARIN: Fürs Wohnzimmer hat Drafi schon die Möbel in seiner jetzigen Wohnung. Eine Juchtenleder-Couch und ein flacher Fernsehapparat. Es ist alles komplett.
DRAFI: Ich habe die Einrichtung schon. Eine kognakfarbene Ledergarnitur, ein Schrank aus hellem Teak.
BRAVO: Wie soll das Kinderzimmer aussehen?
KARIN: Zwei süße Bettchen und Micky-Mouse-Tapete.
DRAFI: Bunt und lustig, mit komischen Tapeten.
BRAVO: Wie werden Ihre Mahlzeiten aussehen?
KARIN: Ich verstehe noch nicht viel vom Kochen. Drafi kann das besser. Er macht gute Soßen.
DRAFI: Wir essen beide gern. Ich koche gut, besonders Soßen sind meine Spezialität.
BRAVO: Was sind Drafis Lieblingsgerichte?
KARIN: Erbsensuppe.
DRAFI: Erbsen mit Speck, Kohlrouladen
BRAVO: Wie oft im Jahr wollen Sie Ferien machen? Wo wollen Sie die verbringen?
KARIN: So oft wie möglich. Wohin ist mir egal.
DRAFI: Einmal im Jahr, und dann nur in südlichen Ländern.
BRAVO: Wie viele Anzüge hat Drafi?
KARIN: Ich glaube mehr als 25 Anzüge.
DRAFI: 15 Anzüge und viele Hemden, Pullis und Hosen.
BRAVO: Wie viele Kleider hat Karin?
DRAFI: 10, glaube ich.
KARIN: 12 Kleider.
BRAVO: Wie verbringen Sie am liebsten Ihre freien Abende?
KARIN: Ins Kino gehen und dann in eine schicke Bar.
DRAFI: Ins Kino gehen oder gut essen.
BRAVO: Mögen Sie Nachtlokale?
KARIN: 0 ja, ich gehe gern in eine Bar. Leider tanzt Drafi nicht gerne.
DRAFI: Ja, ja, ja! Ich tanze hie und da ganz gerne.
BRAVO: Was sollen Ihre Kinder werden?
KARIN: Vielleicht werden sie auch wie ihr Vater Sänger.
DRAFI: Sie sollen Musik studieren. Aufs Konservatorium gehen. Aber wenn sie nicht wollen, werde ich sie nicht dazu zwingen.
BRAVO: Mögen Sie noch mehr Kinder?
KARIN: Ich habe erst einmal die Nase voll.
DRAFI: Ja, ein Mädchen hätte ich noch gern.
BRAVO: Was gefällt Ihnen an Drafi am besten, Karin?
KARIN: Er ist mein Typ. Mir gefällt sein Ehrgeiz.
BRAVO: Was glauben Sie, daß Karin an Ihnen am besten gefällt?
DRAFI: Meine Art. Außerdem bin ich ihr Typ.
BRAVO: Was bringt Drafi in Wut, Karin?
KARIN: Ich kenne ihn nicht wütend.
BRAVO: Was kann Sie in Wut bringen?
DRAFI: Wenn Karin unlogisch ist.
BRAVO: Sind Sie eifersüchtig?
KARIN: Sehr sogar.
DRAFI: Ja.
BRAVO: Können Sie verzeihen, wenn Sie einmal Grund zur Eifersucht hatten?
KARIN: Das muß ich wohl.
DRAFI: Ja, aber ich bin nachtragend.
BRAVO: Haben Sie manchmal Meinungsverschiedenheiten? Aus welchem Grund entstehen die?
KARIN: Es sind nur Kleinigkeiten.
DRAFI: Nur manchmal. Besonders dann, wenn Karin nicht Verständnis für meinen Beruf aufbringt. Wenn ich zuviel auf Tourneen bin.
BRAVO: Wer gibt nach, wenn es eine Meinungsverschiedenheit gibt?
KARIN: Ich.
DRAFI: Karin.
BRAVO: Wer sind Ihre drei Schlagerlieblinge?
KARIN: Drafi natürlich, die Beatles und Chris Andrews.
DRAFI: Cliff Richard, die Beatles, Chris Andrews.
BRAVO: Was soll Drafi mit 30 Jahren erreicht haben?
KARIN: Ich hoffe, daß er noch nicht mit 30 vergessen sein wird.
DRAFI: Produzent, Komponist und Texter. Und vielleicht Sänger, wenn ich Fans habe.
BRAVO: Lieben Sie Luxus?
KARIN: Ich bin mit unserem Leben jetzt zufrieden. Ich will keinen Luxus, keinen Nerzmantel. Ich bin so glücklich.
DRAFI: Ein Häuschen, schön verreisen das ist eigentlich alles.
SOUNDS-Interview 1982: “Ich glaube, dass ich ein Guter bin” von Götz Achilles:
Ich hab’ gelesen, daß Du bald mit einem Film herauskommst; Titel: “Marmor, Stein und Eisen bricht”. Was passiert in dem Film, worum geht es, mit wem hast du ihn gedreht?
Drafi: Der Film läßt natürlich zu allererst vermuten, daß das meine Lebensgeschichte sei, was in etwa richtig ist, nur mit dem großen Unterschied, daß das nicht authentisch ist, sondern daß das Ganze in einer Art modernem Märchen dargestellt wird. Im Prinzip: Der böse Nachbar, der es nicht ertragen kann, daß neben ihm jemand wohnt, der durch irgendwelche für ihn nicht verständliche Gründe populär geworden ist und mit einer kleinen Stimme nun auch zu Erfolgen gekommen ist. Der singt ja nur und verdient Geld. Und außerdem ist das ein Schwein, weil die machen jeden Tag Orgien; und dann ist er ja auch ein Kinderbumser, weil der steht nackend am Fenster, und Kinder haben ihn gesehen, das muß ein Kinderbumser sein. Das wird angesprochen in dem Film; aber nicht so brutal, wie ich es eben gesagt habe, sondern sehr romantisch verpackt. Witzig ist vielleicht in dem Zusammenhang, daß die Hauptrolle von dem Volker Spengler gespielt wird, der durch Fassbinder-Filme sehr bekannt geworden ist und der, wie man weiß, homosexuell ist, und er spielt in dem Film einen Heterosexuellen, und der Heinz Schubert, der heterosexuell ist, spielt seinen Manager, einen Schwulen. Das ist unheimlich schön, ist unheimlich witzig. Und dann gibt es auch noch eine Liebesgeschichte mit einer Frau, die eine Kneipenbesitzerin ist, die Gertrud, und die wird dargestellt von der Mutter von der Nina Hagen von der Eva-Maria Hagen. Also nicht die authentische Lebensgeschichte von Drafi Deutscher, sondern Sechzigerjahre, Kreuzberger Milieu und dann diese Geschichte am Rande als modernes Märchen.
Wen hast Du Dir als Publikum vorgestellt als Du den Film gemacht hast?
Drafi: Ich glaube eigentlich, daß man das am besten so erklären kann, daß ja “Marmor, Stein und Eisen bricht”, ein Song, der immer irgendwo - in der Anfangszeit jedenfalls - als banaler Song hingestellt wurde, dann irgendwann mal den Touch gekriegt hat, daß er auch bei Intellektuellen ankommt. Ich glaube, das ist ein Intellektuellen-Film; damit will ich sagen, daß es kein kommerzieller ist. Der wird also höchstwahrscheinlich gar nicht großes Geld bringen, sondern der wird vielleicht künstlerisch wertvoll sein, und damit meine ich jetzt auch den Regisseur, den Christoph Stenzel, der den gemacht hat, der schon mehrere Bundesfilmpreise hat und der für mich ein sehr integerer und sehr großartiger Künstler ist; ich glaub nur, daß ihn manche Leute vielleicht nicht verstehen.
Drafi, Du sagst, daß die Hauptrolle jemand anderes spielt. Ich hatte vermutet, daß Du Dich selbst spielst.
Drafi: Nein, nein! Das wäre auch überhaupt kein Gag gewesen. Ich spiele einen Gast in dieser Kneipe, die Kneipe, die der Gertrud gehört, da spiel ich einen Gast, und ich bin verliebt in die Gertrud und möchte mich mit ihr liieren, und das geht über merkwürdige Wege, und am Ende bin ich dann doch mit ihr zusammen. Ich spiele einen ganz normalen Gast in dieser Kneipe, ich heiße “Löwenschlucker”, weil ich soviel saufe, und ich hab’ praktisch diese kleine Nebenrolle gemacht und hab die ganze Musik geschrieben; auch die Background-Musik.
Alte Titel von Dir?
Drafi: Es ist drin “Marrnor,Stein und Eisen bricht”, es ist drin “Don”, es ist drin ein neuer Titel von mir von der neuen LP, und ansonsten hab’ ich die ganzen Background-Musiken geschrieben. Ich hab das absichtlich nicht als eine Drafi-Deutscher-Hitparade abziehen wollen, das wär’ ja nun auch billig.
Hast Du an dem Konzept mitgearbeitet?
Drafi: Nein, das Konzept war vorher fertig, das hat der Christoph Stenzel gehabt, aber ich hab nachher natürlich ein bißchen darauf Einfluß nehmen können; wobei ich im Wesentlichen eigentlich nichts verändert habe, sondern ich hab’ es nur durch die Musikgestaltung und durch das, was ich noch mal angeregt habe aus meinen eigenen Erlebnissen, hautnaher gemacht. Also, wer den Deutscher kennt, der sagt: “Ach!”
Was hast Du zwischen Deinen großen Erfolgen und heute getrieben?
Drafi: Ich hab immer geschrieben, das war von vornherein die große Absicht. Daß ich als Sänger angefangen habe, war ein großer Zufall, denn ich hab einen Titel geschrieben, hab denselben als Demo gesungen, hab’ ihn vorgestellt, und die haben gesagt: “Wir haben keinen Sänger, warum singen Sie den denn nicht selbst?” Und so bin ich eigentlich dazu gekommen. Aber die Absicht war immer zu schreiben. Ich seh’ mich auch mehr als Komponist und Textdichter, und in der Zwischenzeit als Produzent. Ich hab alles rein autodidaktisch gemacht, es hat mir nie jemand eine Note beigebracht, es hat mir nie jemand gezeigt, wie die Elektronik zu bedienen ist, das hab ich mir alles selbst beigebracht, und inzwischen, glaube ich, kann ich es. Ja, wie gesagt: Hauptsächlich geschrieben.
Für wen hast Du geschrieben?
Drafi: Für Peggy March, Peter Orloff, Bernd Klüver, Katja Ebstein, Roberto Blanco, Mireille Mathieu - und für mich.
Was verdient man so, wenn man für andere Stars Musik schreibt?
Drafi: Das kommt auf den Umsatz an. Es gibt Riesenhits und es gibt Gar-Keine-Hits, das kann man eigentlich auch gar nicht pauschal sagen. Ich kann Dir sagen, was Du an einer Platte verdienst: also, 6 Pfennig als Komponist und 4 Pfennig als Textdichter, und dann gibt’s ja auch da noch die Steuer.
Zum Film nochmal: Du hast vorhin gesagt, Intellektuelle seien die Zielgruppe.
Drafi: Das vermute ich.
Glaubst Du nicht, daß ‘ne ganze Menge Deiner alten Fans auch dazugehören?
Drafi: Ja, aber dazu ist der Film nicht kommerziell genug, es fehlt Action, es fehlt Spannung, es ist eine Betrachtung. Es ist so ein Film, der schwebt irgendwo auf so einer rosa Wolke, und Du mußt ja auch immer mitdenken und Du mußt immer sagen. “Ach, das hat er gemeint.” Damit will ich nicht unterstellen, daß Nicht-Intellektuelle das nicht empfinden können, aber der Stil des Christoph Stenzel ist halt schon intellektuell. Ich hab eine Situation gehabt, wo wir eine lustige Szene hatten in der Kneipe, und der Christoph sagt: “Ist das nicht zu lustig?” Das hab ich vorher noch nie gehört. “Ist das nicht zu lustig”, sagt der. Ich hab Tränen gelacht, und er fand es zu lustig, das hat mir zu denken gegeben. Auch da wird noch unterschieden. Lustig, lustiger, am lustigsten. Bitte sei nicht so lustig. Don´t be lustig.
Ich habe natürlich im Zeitungs-Archiv ein bißchen gestöbert. Man blättert das so durch und alle Überschriften aus 15 Jahren sind immer skandalös umwittert.
Drafi: Naja, also höchstwahrscheinlich hab’ ich durch mein eigenes Verhalten mich zu einem enfant terrible gemacht - und bis dahin gab es wohl auch kein enfant terrible in der Schlagerbranche - also war ich der Lutscher, und nun haben sie alle rumgelutscht, und immer, wenn Drafi Deutscher erwähnt wurde, dann wurde das auch mit aufgewärmt. Auch heute noch. Es gibt auch heute noch Leute, die sagen: “Und das müssen wir ja auch noch erwähnen!” Das hast Du ja jetzt auch getan.
Wie erklärst Du Dir, daß ein erklärter Star von einem Tag auf den anderen durch die Presse so brutal behandelt wird?
Drafi: Dahinter stand wohl in erster Linie die Springer-Presse; die brauchen den täglichen Journalismus, und Du weißt selbst, daß sich negative Dinge besser verkaufen lassen als positive. Es ist einfach langweilig, positive Sachen ständig zu lesen.
Aber warum gerade bei Dir?
Drafi: Weil ich niemals jemand war, der anderen in den Arsch gekrochen ist. Ich war ein Rebell, ich hab ehrlich gesagt, was ich gefühlt habe, und wenn mir jemand nicht gepaßt hat, habe ich gesagt: “Du bist ein Arschloch.” Das war mir piepegal, ob das der Unterhaltungschef vom ZDF war oder der Intendant vom Sender Freies Berlin, es war mir piepe. Ich war 17, da bin ich das erste Mal eingeladen worden zum Sender Freies Berlin, da hatten die eine Veranstaltung. Da wurde abends ein kaltes Buffet gereicht, und die Brötchen waren trocken. So, und ich hab gesagt “Scheiße, das ist trocken.” Und wer war der Idiot? Icke! Ick bin eben halt so. Die haben die Pistolen durchgeladen und gewartet, bis ich wieder im Fadenkreuz erscheine. Das ist auch zum Teil meine Schuld. Aber es ist genauso die viel größere Schuld derjenigen, die mich damals beraten haben; die hätten mich ja auch besser beraten können.
Die haben Dich also falsch aufgebaut?
Drafi: Vielleicht, weiß ich nicht, will ich auch gar nicht behaupten. Vielleicht hätten die mich lieber als Rex Gildo gesehen. Im bunten Anzug und freundlich, mit Scheinhochzeiten.
Hast Du was gegen Schwule?
Drafi: Bitte? Nein, nein! Ich hab’ überhaupt nichts gegen Schwule.
Hast Du was gegen verlogene Schwule?
Drafi: Ja, dagegen hab ich was.
Also Du magst es nicht, wenn Rex Gildo …
Drafi: … eine Scheinhochzeit macht und so tut, als sei er nicht schwul. Das finde ich Scheiße. Das ist gelogen, das ist unfair.
Und wie hast Du dann die Kurve nach Amerika gekriegt? Zu produzieren und Musik herzustellen, zu komponieren und an die USA zu verkaufen. Und das aus einer Situation heraus, wo keiner mehr ein Stück Brot von Dir genommen hätte.
Drafi: Schau mal, ich glaube einfach, daß das eine Frage des Talents ist. Und wenn du etwas kannst, dann kannst du es hier verkaufen und dort verkaufen. Irgendwann muß es mal aufgehen. Wenn du eine Null bist, wirst du hier nicht verkaufen und da nicht verkaufen. Dann wirst du vielleicht mal einen Achtungserfolg erzielen, du wirst eine Eintagsfliege sein. Ich glaube, daß ich ein Guter bin. Ich glaube, daß ich jeden Tag wieder etwas erreichen kann. Ich habe keine Angst, ganz egal, ob ich zwei Jahre nicht in der Hitparade bin als Komposer. Ich weiß, daß ich irgendwann wieder in der Hitparade bin und dann ‘nen großen Lutscher habe. Und dann etwas, wo sie nicht sagen können, das ist eine abgewichste Eintagsfliegenschnulze, sondern das dauert eben ein bißchen länger. Und da müssen sie auch ein bißchen länger dran knabbern. Tageshits, die 3 Wochen in der Hitparade sind, die kann ich jeden Tag schreiben, aber die will ich nicht. Ich muß auch dahinterstehen können, mir muß das gefallen. Mir selbst. Ich bin keiner, der sich das aus dem Hoden schüttelt. Ich will dabei auch ‘was empfinden. Ich will das Ding selbst onaniert haben. Und nicht, daß da einer gekommen ist, und der hat sich ‘nen Handschuh übergezogen und sagt. “Ich mach mal für dich”. Das will ich nicht. Das laß Jack White machen.
Du hast Dir ein sehr beeindruckendes Video-Equipment zugelegt. Was hast Du damit vor?
Drafi: Ich will ´nen Film machen, selber. Das mach ich natürlich mit der kleinen Anlage nur als Demo erstmal und dann werde ich damit zu einer Anstalt gehen, zu einer Fernsehanstalt, und werde das anbieten und hoffe auf einen Auftrag.
Wird das ein neues Standbein?
Drafi: Ja, weil ich glaub’, daß ich das kann. Ich halte mich für einen noch nicht erblühten Regisseur und Drehbuchautor.
In welche Richtung willst Du denn blühen?
Drafi: Ich würde gerne Tagesprobleme machen. Ich könnte mir vorstellen, daß ich das aber komisch machen würde. Ich selbst bin zwar in meinen stillen Stunden ein ernster Mensch, aber meistens doch fröhlich und auch zum Komischen tendierend. Ich bin recht schlagfertig, und ich mag eigentlich das Lachen.
Mich interessiert Dein Sex-Life.
Drafi: Wir lassen uns jetzt scheiden, weil ich komm’ mit der jugoslawischen Küche nicht klar.
Ach was.
Drafi: Das ist mir zu scharf.
Und sonst? Sie wird doch nicht den ganzen Tag nur kochen?
Drafi: Ja, aber doch hauptsächlich. Sie näht auch sehr gut; sie näht Bauernröcke, jugoslawische Bauernröcke. Sie ist auch eine unheimlich attraktive Frau. Nur, ich kann das auf die Dauer nicht ertragen, das wird wär zuviel. Ich bin ein sehr einfacher Mensch, auch in meinen Ansprüchen. Mir reicht ‘ne Gulaschsuppe, mir reicht auch das “Gasthaus zur Birke”, ich muß nicht im Plaza wohnen…
Könntest du denn im Plaza wohnen?
Drafi: Ich könnte das schon, aber ich muß nicht. Meine Frau hat andere Ansprüche; außer dem Schewabscheschie, was sie kocht – hervorragend - und den Bauernröcken; und so haben wir uns eben halt zwischen dem Schewabscheschie und dem Bauernrock auseinandergelebt. Ich bin hier ins “Gasthaus zur Birke” gezogen. Ich fühle mich dem Haus sehr verbunden und auch der Birke und probier jetzt, wie es ist, wenn man nun wieder allein ist und hab’ festgestellt, das es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Ich hab’ vorher gedacht, du kannst alleine gar nicht sein, weil ich bin ja ein sehr bequemer Mensch und mag es natürlich unheimlich gern, wenn ich nach Hause komme und die Bratkartoffeln sind fertig, das Bettchen ist gemacht, es ist alles lieb und schön und der Hund sagt guten Tag, die Katze miaut und so; das sind so Bequemlichkeiten, die ich gern hab. Darauf muß ich jetzt im Moment verzichten. Aber, ich glaub’, daß ich das eines Tages ‘mal wieder haben werde. Denn jetzt, wie ich es im Moment habe, ist das unter irgendwelchen Bedingungen. Ich bin ein Mann, und ich habe meine eigene Meinung, und ich habe mich emanzipiert, und ich trage keine Unterwäsche von Fruit of the Lume, ich trag ganz normale von C & A. Und wenn’s sein muß, bügele ich die auch selber und kochen kann ich auch. Also ich versuch’ jetzt mal ganz auf meinen eigenen Füßen zu stehen, verdammt noch mal.
Gibt es irgendwelche neue Bindungen für Dich?
Drafi: Im Moment onaniere ich, denn keine Frau kann schöner sein als die, die ich mir beim Onanieren vorstelle.
Was planst du auf dem Sektor Musik für die Zukunft?
Drafi: Ich hab da eine Tante entdeckt aus Berlin, ein eingehutzeltes Wesen, sieht aus wie eine Schrippe, also angucken würdest du die nicht, wenn du die irgendwo triffst. Aber dann mußt du die hören, die singt, wie Olivia Newton-John immer singen wollte. Das wird also höchstwahrscheinlich ‘ne Weltkarriere werden. Da will ich meine ganze Kraft reinlegen. Hinzu kommt, daß die Tante nicht nur sehr dufte singt, sondern auch noch ein unheimlich netter Mensch ist