Brunner&Brunner, das ist fast schon Urgestein des Schlagers, das sind zwei Männer die sich dem Leben hingegeben haben, sich haben treiben lassen von Höhen und Tiefen und ihre Eindrücke, Gefühle, ihr Herzblut mit ihren Fans durch ihre Lieder teilen.
Hithaus hat sich mit Jogl und Charly Brunner über ihre „Ich liebe Dich“ - Tournee und das gleichnamige Album, über ihre aktuelle Live-DVD, über Wünsche und Gefühle unterhalten:
Hithaus: Charly & Jogl Brunner, Ihr habt im Zuge Eurer „Ich liebe Dich“ - Tournee , die sich an Euer letztes Album „Ich liebe Dich“ Herbst 2006 anschloss, bereits mehr als 50 große Liveauftritte absolviert. Ist das nicht ungeheuer anstrengend? Ständig unterwegs, kein geregelter Tagesablauf, kein „Gute Nacht-Kuss“ von den Allerliebsten?
Jogl: Super anstrengend! Und man fragt sich natürlich auch gelegentlich, warum man das macht. Ich weiß es auch inzwischen. Es ist nicht der materielle Erfolg, vielmehr das, was man auf der energetischen Ebene gibt und zurückbekommt. Ein Kreislauf, der den Menschen, incl. mir, gut tut. Da kann man auch gern einmal, ein paar Abende, ohne den Gute Nacht Küssen von den Allerliebsten auskommen.
Charly: Die ersten Tourneen waren für mich im Vorfeld schon unüberschaubare Kalendereinträge, wo ich mich teilweise bei 50, 60 oder oft sogar 70 Konzerten nicht rausgesehen habe. Die Aufregung, die Anstrengung, alles kam damals gebündelt daher. Weil wir auch nicht wussten, wie das Publikum unsere Konzerte aufnehmen wird. Doch heute ist das anders. Obwohl eine Tournee sicherlich nichts mit einem „normalen Leben“ zu tun hat, da man aus den gewohnten Abläufen immer wieder raus gerissen wird, gehört diese Zeit zu den Highlights des Lebens. Menschen Gefühle zu schenken und sie wieder zubekommen. Was gibt es Schöneres?
Hithaus: Ein geregelter Tagesablauf, ist das als Künstler überhaupt möglich? Braucht ein Künstler vielleicht sogar ein wenig Chaos um kreativ zu sein? Was verleiht Euch Halt im Alltag?
Jogl: Gute Frage; der Halt ist die ständige Aufgabe, Freude zu erzeugen. Das Bewusstsein, dass du mit deinem Schaffen und deiner Ausstrahlung die Welt in deinem Umfeld schöner werden lassen kannst. Zufriedene Gemüter tun sich gut – und ich kann das jeden Abend spüren und genießen. Chaos würde rücksichtslos gegen dieses Vorhaben arbeiten, also lasse ich es nicht zu.
Charly: Chaos im Herzen, Chaos am Schreibtisch…das gehört dazu. Nicht wissen, was man als erstes machen soll. Die Gedanken ordnen, die Zettel, auf denen man sich im Flieger Verse und Aphorismen aufgeschrieben hat, und, und, und…. Da ist es auch enorm wichtig auch nicht nervös zu werden, auch wenn der Abgabetermin des Albums immer näher rückt. Da helfen einem dann Menschen, die einen ganz genau verstehen und das ist meine Familie.
Hithaus: Woraus schöpft Ihr Eure Kreativität? Ihr schreibt in Eurer „Biographie“ zu dem Album „Ich liebe Dich“, dass auch Ihr durchaus nicht unerschöpfliche Kräfte besitzt und schon einmal vor einem leeren, weisen Blatt Papier sitzt. Ihr schreibt dort „ …. auf einmal ist sie da, die Zeile und binnen weniger Minuten auch der ganze Text. …“ Woher, wie kann man das erklären?
Jogl: Ständige Arbeit an seinem Inneren. Das, was Menschen berührt, ist nie das Äußere. Vom Schein, mit Äußerlichkeiten trumpfen zu können, habe ich mich lange genug täuschen lassen. Nur mit dem Herzen kannst du Kreativität erzeugen und transportieren. Die Motivation dafür und für all mein „übriges Leben“ beziehe ich aus der Natur. Dort, wo die Kraft darauf wartet, uns Menschen zu beflügeln
Charly: Ich glaube, das Wichtigste ist es einfach, nicht immer zu hinterfragen, ob das, was du gerade machst gut oder nicht gut ist. Das ist schon der erste Hemmschuh, wenn man kreativ sein will. Und dann kommt bei vielen so genannten arrivierten Künstlern noch dazu, dass das nächste Produkt auch ein Hit sein muss. Diese Vorgaben, die man sich selber macht hemmen die Kreativität. Die Frage schon im Voraus, will das einer überhaupt hören, verstopft so manchen Energiekanal. Es ist die Angst seinen Ruf, sein Ansehen zu verlieren, sich zu blamieren. Deshalb ist man nicht mehr frei und deshalb ist man auch nicht mehr authent. Von diesen Einflüssen muss man sich ganz schnell verabschieden. Ein kreativer Mensch muss bereit sein, sich lächerlich machen zu dürfen. Man muss seinen so genannten guten Ruf aufs Spiel setzen können. Man muss wieder kindlicher denken, wieder Kind werden.
Hithaus: Wie empfindet Ihr diese plötzliche, unglaublich schöpferische Kreativität?
Jogl: Die ist ja nicht über Nacht gekommen, sondern ist etwas, was jeder Mensch in sich trägt. Viele verbergen sie eine Zeit lang, andere ein ganzes Leben, weil sie sich vorm Fernseher nicht blicken. Ich bin mir bewusst, dass sie mein Lebenselexir ist – Im Grunde genommen ist sie eine Form von Liebe, ja so einfach ist das.
Hithaus: Aktuell erscheint zum 1. Juni „Brunner&Brunner Live 2007 – Wir sind ein Feuerwerk“ als DVD und Album. Dies ist ein Livemitschnitt Eures Konzerts vom 16.03.2007 in der Wiener Stadthalle und das Endprodukt enthält daher so gut wie alle Eure großen Hits. Woher kam die Idee für diese Best of – Aufzeichnung?
Jogl: War keine Idee, sondern visualisiert mit „gutem Ton“ unser Schaffen der letzten 15 Jahre. Die Menschen wollen an einem Konzertabend halt die großen Hits hören und so kommt es eben zu einem Hitbildtonträger, der sich sehen und hören lassen kann.
Hithaus: Wo kann man dieses neue Produkt kaufen?
Jogl: Hoffentlich in allen CD Läden. An dieser Stelle ein kräftiger Appell an unsere Plattenfirma Sony BMG, ganz Deutschland damit schön flächendeckend zu versorgen. Außerdem über unsere Homepage www.brunner-brunner.de. In den nächsten Wochen können von dieser Seite aus auch direkte Downloads von sämtlichen Brunner & Brunner Songs gemacht werden. Ein Service, das dem interessierten Musikpublikum die Möglichkeit gibt, gezielt und übersichtlich, Brunner & Brunner Songs, kostengünstig, in einer sehr guten Qualität, einzeln zu beziehen.
Hithaus: Außerdem läuft gerade die Promotion für Euer neues Werk „Wir sind ein Feuerwerk“, passend zum Titel der DVD. Erzählt uns ein wenig über diesen neuen Song!
Jogl: Wie aus einem Vulkan, ist diese Zeile, spontan, aus dem Inneren ausgebrochen – um mit einfachen, aber starken Metaphern, den Menschen nahe zubringen, wie man sich durch Zusammenhalt und dem Glauben an die Liebe und das Leben, sich selbst und andere, stark machen kann.
Hithaus: Wo kann man Eure Lieder legal downloaden?
Jogl: Ich denke überall; bei allen renommierten Downloadanbietern wie zBsp. itunes.
Hithaus: Zu Eurem Song „Mein Leben“ aus dem Album „Ich liebe Dich“ habt Ihr beide ein ganzCharly: Ich glaube, das Wichtigste ist es einfach, nicht immer zu hinterfragen, ob das, was du gerade machst gut oder nicht gut ist. Das ist schon der erste Hemmschuh, wenn man kreativ sein will. Und dann kommt bei vielen so genannten arrivierten Künstlern noch dazu, dass das nächste Produkt auch ein Hit sein muss. Diese Vorgaben, die man sich selber macht hemmen die Kreativität. Die Frage schon im Voraus, will das einer überhaupt hören, verstopft so manchen Energiekanal. Es ist die Angst seinen Ruf, sein Ansehen zu verlieren, sich zu blamieren. Deshalb ist man nicht mehr frei und deshalb ist man auch nicht mehr authent. Von diesen Einflüssen muss man sich ganz schnell verabschieden. Ein kreativer Mensch muss bereit sein, sich lächerlich machen zu dürfen. Man muss seinen so genannten guten Ruf aufs Spiel setzen können. Man muss wieder kindlicher denken, wieder Kind werden.
Jogl: Das ist nichts Besonderes, außer, dass wir uns mit unserem Leben kreativ beschäftigen. Ein auf 4 Minuten zusammen gefasstes Jahrzehntetagebuch, mit melodiösen Bildern gemalt.
Hithaus: In diesem Werk, - „Mein Leben“ - , singt Ihr über Euer eigenes Leben und auch über den Tod. Ist dieses Werk ein Teil einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod? Wie sieht Euer Verhältnis zu dem unausweichlichen Faktum „Tod“ aus?
Jogl: Ich hatte einen mir sehr wichtigen Menschen in den Tod begleitet. Ein Erlebnis, das mit Worten nicht auszudrücken ist. Der Tod kann die Erfüllung des Lebens sein, wenn du auf deinem Totenbett ein Lächeln hast.
Hithaus: Empfindet Ihr das Älterwerden als schwer?
Jogl: Im Gegenteil es erleichtert ungemein. Die Bedürfnisse, die einem vorgaukeln, dass man ohne sie nicht leben könne, stellen sich immer mehr als Täuschung dar und ich mach von ihnen immer weniger Gebrauch.
Hithaus: Brunner&Brunner sind seit mehreren Jahrzehnten im Schlagergeschäft tätig. Man hört es in Euren Liedern, man sieht es auch in Euren Gesichtern, Ihr habt das Leben voll angenommen und seid tief eingetaucht in all das, was es zu empfinden und zu erfahren gibt. Auf Eurer Internetpräsenz zitiert Ihr Oscar Wild: „Auf dieser Welt gibt es nur 2 Tragödien: Wenn Wünsche enttäuscht werden und wenn sie erfüllt werden. Das zweite ist viel schlimmer.“ Habt Ihr Wünsche? Welche sind das? Wünscht Ihr Euch auch, dass sie erfüllt werden?
Jogl: Wünsche sind eben diese, vom Egoismus genährten Trugbilder, die mich unrund machen. Und wenn ich es einmal geschafft haben sollte, sie nicht mehr zu haben, dann werde ich „wunschlos glücklich“ sein.
Hithaus: Ihr seid beide tiefgründige Personen, könnt Ihr diese Tiefgründigkeit auch mit Euren jeweiligen Ehepartnern teilen?
Jogl: Klar, ansonsten würden wir ja schon längst, getrennte Wege gehen. So lassen wir uns, in einer starken Verbundenheit, jedoch jeden für sich die Freiheit, seine eigenen Wege zu gehen.
Hithaus: Welchen Stellenwert haben Eure Ehen für Euch Zwei?
Jogl: Das Wort Ehe hat für mich und meine Frau im kirchlichen Sinn keine Bedeutung mehr, sondern bezieht sich ausschließlich auf die gesellschaftliche, rechtliche Relevanz.
Hithaus: … denn die Verbundenheit zwischen Euch Brüdern ist auf Grund Eurer Tätigkeit auch so etwas wie eine Ehe geworden?
Jogl: Nur das nicht. Die Eigenständigkeit hab ich, durch die kreative Zusammenarbeit mit Charly, nirgends so gut lernen können. Lasst jedem seine eigene Persönlichkeit, sein eigenes Denken!
Hithaus: Hat diese Konstellation einmal zu Schwierigkeiten geführt?
Jogl: 1000 Mal ? Ja, bestimmt.
Hithaus: Welches Erlebnis Eurer Laufbahn hat Euch besonders bewegt oder amüsiert?
Jogl: Ständiges Belächeln der eigenen Dummheit und Begrenztheit durch anerzogene oder sich selbst auferlegte Muster, die alleine durch meine persönliche Entwicklung, einen großen Mülleimer füllen.
Hithaus: Jogl ist der Jüngere von Euch beiden. Hat Charly da manchmal die Rolle des großen Bruders übernommen? Fliegen zwischen Euch auch einmal die Fetzen?
Jogl: Die sind und werden hoffentlich noch lange fliegen. Vom Wind getragene, flatternde, farbenfrohe Gebilde, die sich dann, wiederum gelandet, in schöne wertvolle B&B Songs verwandeln.
Hithaus: Man sieht Euch auf der Bühne, in den Medien, immer als Einheit – Brunner&Brunner eben. Wo liegt der Unterschied zwischen Euch? Charakterisiert Euch bitte kurz gegenseitig!
Jogl: Wir geben uns die Möglichkeit, den anderen als Projektionsleinwand zu sehen, auf der die stark ähnlichen, guten als auch schlechten Eigenschaften, potenziert durch unsere Blutsverwandtschaft, immer deutlicher zu sehen sind. Unterscheiden voneinander, tun wir uns Menschen doch alle. Gott sei dafür Dank.
Hithaus: Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Wie wird es weiter gehen mit Brunner&Brunner?
Jogl: Wir wollen …….., na ja , da wären wir wieder bei den Wünschen
Hithaus: Wo kann man die Tourdaten für 2007 abfragen?
Jogl: Unter www.brunner-brunner.at
Hithaus: Was wünscht Ihr Österreich, Deutschland, der Welt für die Zukunft?
Jogl: Emotionen der Menschen, die Licht ins Dunkel bringen. Gemeinsam können wir die Welt erhellen und Frohmut leben. Mir macht’s Spaß, dieses Leben.
Hithaus bedankt sich herzlich bei Brunner&Brunner für das Interview und wünscht Euch alles Gute und weiterhin viel Erfolg.