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Udo Jürgens - “Jetzt oder nie - Live 2006″ - DVD

Mittwoch, 18. April 2007

Seine Konzerte zu besuchen heißt sich in einen Rausch der Gefühle zu begeben: Udo Jürgens. Seine Tourneen sind europaweite Familientreffen mit Wunderkerzen und Evergreens, aber auch die neuen Klänge finden immer ihren Platz im Programm.

Seine Konzerte zu besuchen heißt sich in einen Rausch der Gefühle zu begeben: Udo Jürgens. Seine Tourneen sind europaweite Familientreffen mit Wunderkerzen und Evergreens, aber auch die neuen Klänge finden immer ihren Platz im Programm.
Udos letztes Studioalbum “Jetzt oder nie” sprengte alle Erwartungen und chartete souverän in den Top 20 der deutschen Album-Bestenliste (Einstieg auf #14!). Das bedeutete den größten Verkaufserfolg seit 1978! Beste Vorzeichen also um mit diesen Titeln einmal mehr auf Hallentour zu gehen und gemeinsam mit der Pepe Lienhardt Band das Land zu rocken - und machmal auch zum Stillschweigen zu bringen.

Die Dokumentation dieses Triumphzuges liegt jetzt nach der Doppel-CD auch auf DVD vor: “Jetzt oder nie - live 2006″. Natürlich mit den bewegendsten Liedern der letzten Produktion (”Flieg mit mir”, “Verdammt in alle Einsamkeit”, “Bis ans Ende meiner Lieder”, “In allen Dingen lebt ein Lied” oder “Der Mann mit dem Fagott” zu seinem gleichnamigen Roman) und den Klassikern à la “Mit 66 Jahren”, “Ein ehrenwertes Haus”, “Aber bitte mit Sahne”, “Ich weiß, was ich will”, Liebe ohne Leiden” oder “Mercie Cherie”. Daneben stehen in jedem Jahr die Lieder, die sich nicht zu den größten Hits seiner Karriere entwickelt haben, die aber bei Udo-Fans unangetasteten Adels-Status erlangt haben: Das ergreifende “Der gekaufte Drachen”, das apokalyptische “5 Minuten vor 12″, das melancholisch-bewegte “Das wünsch ich dir” oder das niemals als Single erschienene “Ich war noch niemals in New York”, das sich damals seinen Weg über die Freiburger Studentenbewegung ins ganze Land gebahnt hat. Womit bewiesen wäre: Udo ist lebendige Geschichte. Allein seine legendäre Bademantel-Zugabe wäre schon eine Reise durchs halbe Land wert. Wer ihn nicht live erlebt hat, weiß nichts über den Zauber der Musik.
Quelle: Tobias Reitz Sony BMG

DVD 88697066709
VÖ am 20.04.2007
http://www.abella.de/detailanz/produktanzeige.rt?prid=515675

Udo live (Solokonzerte):
01.06.2007 Essen Grugapark
03.06.2007 Calden Schloss Wilhelmsthal
07.06.2007 Butzbach Hessentag - Schloss
09.06.2007 Emmendingen Schlosshof
15.06.2007 Weissenburg Wülzburg
16.06.2007 Herrenchiemsee Schloßhof
17.06.2007 Klagenfurt Seebühne
22.06.2007 Salem Schloss
23.06.2007 Weinheim Schlosspark
24.06.2007 Erftstadt-Gymnich Schloß Gymnich
29.06.2007 St. Margarethen Römersteinbruch
30.06.2007 Leoben Hauptplatz
01.07.2007 Krems Schloss Grafenegg
06.07.2007 Hamm Maximilians-Park
07.07.2007 Ludwigslust Schlosspark

Linktipps:
www.udojuergens.de
www.ariola.de

Die aktuelle Udo Jürgens DVD: Konzertaufzeichnung der Tournee 2006
Die letztjährige Udo Jürgens Konzerttournee Jetzt oder nie ist mit 78 Konzerten und 320000 Zuschauern als eine der Besten in die lange Konzertchronik des beliebten Sängers und Komponisten eingegangen. Die aktuelle DVD wurde anlässlich des Konzertes vom 6. November in der Colorline Arena Hamburg aufgezeichnet und beinhaltet das gesamte Programm von über zwei Stunden Live-Musik inklusive der legendären Bademantel-Zugaben. Für Insider erwähnenswert ist die Tatsache, dass das erweiterte Pepe Lienhard Orchester die Herbstdaten der Tourneeverlängerung mit leicht veränderter Besetzung im Orchester, der Streichersektion und dem Begleit-Chor bestritten hat. So ist neben den exzellenten Vokal-Solistinnen Dorothea Lorene und Natascha Wright – im Gegensatz zur Live-CD, die bereits während der Frühjahrsdaten aufgezeichnet wurde – auch der Kanadier Kent Stetler wieder mit von der Partie. Die ARD hatte am Silvesterabend sozusagen als Appetizer bereits 45 Minuten des bewegenden Konzertes ausgestrahlt. Udos 132. (!) Konzert in seiner Lieblingsstadt Hamburg zeigt den Künstler in der vielleicht eindrucksvollsten Form seiner bisherigen Laufbahn. Um den grossen Entertainer Udo Jürgens und sein beeindruckendes Charisma vollständig erfassen zu können, sollte man ihn nicht nur hören, sondern auch sehen: Die Bilder aus der Colorline Arena zeigen alle Facetten eines faszinierenden Konzertes, das dem Betrachter auch eindrücklich vor Augen und Ohren führt, weshalb sich die steile Karriere von Udo Jürgens seit vier Jahrzehnten ohne eigentliche Brüche und mit schier beispielloser Konstanz fortsetzt. Udo Jürgens erzählt mit seinen Liedern emotionale, zeitkritische und auch satirische Alltagsgeschichten, die in Zusammenarbeit mit den besten Textdichtern des Genres entstehen. Als deutschsprachiger Chansonnier hat er deshalb schon immer eine absolute Pionierrolle eingenommen. Diese Tatsache ist durch das aktuelle Album Lieder voller Poesie von Bastian Sick wieder ins Rampenlicht der Medien und der Öffentlichkeit gerückt. Aber erst die Kombination der Texte mit der varianten- und stilreichen Musik von Udo Jürgens und dem reich besetzten Pepe Lienhard Orchester führt zu einem Konzertgenuss für alle Liebhaberinnen und Liebhaber zeitgenössischer Unterhaltungsmusik, der seinesgleichen sucht. Ein Konzertereignis, dass die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel Der Sonnenkönig mit einem fast dreistündigen Abend der vorbeirauschte wie aus dem Lehrbuch alter Entertainmentschule zusammenfasste. Etwas prosaischer umschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung das Phänomen Udo Jürgens: Er ist Deutschland – Ein Sänger von Weltformat. Diese DVD ist so gesehen also schon beinahe ein Muss für alle Sammler der jüngeren Deutschen Musikgeschichte.
Quelle: Sony BMG

Udo Jürgens - Jetzt oder nie - live

Donnerstag, 17. August 2006

Seine Konzerte zu besuchen heißt sich in einen Rausch der Gefühle zu begeben: Udo Jürgens. Seine Tourneen sind europaweite Familientreffen mit Wunderkerzen und Evergreens, aber auch die neuen Klänge finden immer ihren Platz im Programm. Udos letztes Studioalbum “Jetzt oder nie” sprengte alle Erwartungen und chartete souverän in den Top 20 der deutschen Album-Bestenliste (Einstieg auf #14!). Das bedeutete den größten Verkaufserfolg seit 1978! Beste Vorzeichen also um mit diesen Titeln einmal mehr auf Hallentour zu gehen und gemeinsam mit der Pepe Lienhardt Band das Land zu rocken - und machmal auch zum Stillschweigen zu bringen.
Die Dokumentation dieses Triumphzuges liegt jetzt kompakt auf Doppel-CD vor: “Jetzt oder nie - live 2006″. Natürlich mit den bewegendsten Liedern der letzten Produktion (”Flieg mit mir”, “Verdammt in alle Einsamkeit”, “Bis ans Ende meiner Lieder”, “In allen Dingen lebt ein Lied” oder “Der Mann mit dem Fagott” zu seinem gleichnamigen Roman) und den Klassikern à la “Mit 66 Jahren”, “Ein ehrenwertes Haus”, “Aber bitte mit Sahne”, “Ich weiß, was ich will”, Liebe ohne Leiden” oder “Mercie Cherie”. Daneben stehen in jedem Jahr die Lieder, die sich nicht zu den größten Hits seiner Karriere entwickelt haben, die aber bei Udo-Fans unangetasteten Adels-Status erlangt haben: Das ergreifende “Der gekaufte Drachen”, das apokalyptische “5 Minuten vor 12″, das melancholisch-bewegte “Das wünsch ich dir” oder das niemals als Single erschienene “Ich war noch niemals in New York”, das sich damals seinen Weg über die Freiburger Studentenbewegung ins ganze Land gebahnt hat. Womit bewiesen wäre: Udo ist lebendige Geschichte. Allein seine legendäre Bademantel-Zugabe wäre schon eine Reise durchs halbe Land wert. Wer ihn nicht live erlebt hat, weiß nichts über den Zauber der Musik.
Quelle: Tobias Reitz Sony BMG

Udo Jürgens - Jetzt oder nie - live
2 CD 82876863742
VÖ am 01.09.2006
Abella Shop:

Titelliste:
CD 1
1. In allen Dingen lebt ein Lied
2. Jetzt oder nie
3. Bis ans Ende meiner Lieder
4. Flieg mit mir
5. Nach all den Jahren
6. Verdammt in alle Einsamkeit
7. Ich will - ich kann, I can - I will
8. Dass ich dich liebe, was geht es dich an?
9. Laster - Medley
10. Fünf Minuten vor 12
11. Ein ehrenwertes Haus (Die Leute)

CD 2
1. In allen Dingen lebt ein Lied (Orchester Opening)
2. Jetzt oder nie
3. Auch kleine Steine ziehen große Kreise
4. Frauen
5. Der gekaufte Drachen
6. Der Mann mit dem Fagott
7. Vielen Dank für die Blumen
8. Ich war noch niemals in New York
9. Hit - Medley
10. Mein Weg zu mir
11. Das wünsch ich dir
12. Merci chérie (Danke)
13. Mit 66 Jahren
14. Bademantel

Linktipps:
www.udojuergens.de
www.ariola.de

Udo Jürgens noch nie so wie jetzt: aktuelle Live Doppel-CD der Tournee 2006
Als Udo Jürgens unter dem Titel ?Jetzt oder nie? 2005 seine aktuelle Konzerttournee ankündigte, hat er den Nerv der Zeit einmal mehr zielsicher getroffen. Sowohl politisch als auch gesellschaftlich betrachtet, ist in der Zwischenzeit viel passiert, was mit der aufmunternden Aufforderung des gereiften Sängers interpretiert werden könnte. Selten waren Engagement und Wille für Veränderungen so gefragt wie heute. Und ein Fussballfest später wissen wir, dass sogar unter ungünstigen Voraussetzungen bei entsprechendem Einsatz das als unmöglich erscheinende plötzlich in Reichweite rückt. Es ist auch kein Geheimnis, dass sich Udo Jürgens mit der eigenen Liedzeile über private Probleme und Schicksalsschläge hinweghilft. Und dies offenbar mit Erfolg, denn der Musiker und Entertainer präsentiert sich auf der Live Doppel-CD der aktuellen Tournee mit grosser Präsenz und von seiner besten Seite.
Udo Jürgens geniesst als einer, der unbeirrt von vielen Hindernissen seinem langen Karriereweg geht und als sicherer musikalischer Wert für das Publikum grosse Sympathie und Anerkennung. Davon zeugen die vielen Standing Ovations und überschwenglichen Kritiken. Deshalb geriet das Motto ?Jetzt oder nie? im Laufe der Tournee immer mehr zum anerkennenden Umkehrschluss ?noch nie so wie jetzt? der Medien. So kommentierte die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel ?Der Sonnenkönig? einen ?…fast dreistündigen Abend der vorbeirauschte wie aus dem Lehrbuch alter Entertainmentschule…? und weiter ?er ist nicht der grosse Exzentriker und nicht der Gedankenzerfurchte ? er ist der Sonnenkönig des deutschsprachigen Liedes: mit all seinen Lieben und Leiden ein armer Irrer wie wir alle, allein: mit was für einer Eleganz findet der Mann kleine Töne und knappe Gesten, wo seine vielen Nachfolger aus dem Show- und Schlagergewerbe immer nur kräftig auf die Pauke hauen. So einer ist nicht mit Marschmusik grossgeworden, sondern mit Jazz, und wenn man sich davon überzeugen will, muss man Udo Jürgens eben doch auf der Bühne gesehen haben.? Die Frankfurter Allgemeine Zeitung brachte es mit der Headline ?Er ist Deutschland ? Ein Sänger von Weltformat? direkt und schon beinahe ehrfurchtsvoll auf den Punkt.
Die aktuelle Live Doppel-CD präsentiert in der mehr als zweistündigen Konzertaufzeichnung einen gereiften Musiker und Sänger, der seine Musik über alles stellt. Der erstmals seit vielen Jahren wieder in dezentem Schwarz gehaltene grosse Konzertflügel steht für das konzertante Programm eines Klassikers, der in seiner Bühnenshow ganz ohne Effekthascherei auskommt. Dafür weiss er mit seiner sorgfältig zusammengestellten Werkschau zu überzeugen. Udo Jürgens hat es geschafft, die alten und neuen Lieder, vom Opening bis zu den obligaten Medleys mit seinen grössten Hits, so in massgeschneiderte Arrangements zu verpacken, dass sich dem Zuhörer immer wieder neue, spannende musikalische Liveaspekte offenbaren. Die 25 Titel samt Bademantel-Zugabe zeugen von des Sängers ernsthafter Absicht, die Menschen zu unterhalten, ihnen in einer schwierigen Zeit aber auch Mut zuzusprechen. Bei der über zweistündigen Konzertaufzeichnung geht Pepe Lienhard mit seinem Orchester so richtig in die Vollen: Eine Bläser- und eine Streichersektion sowie drei ChorsängerInnen sorgen neben der grundsoliden Rhythmussektion, den Gitarren und dem Keyboard für reichlich Hörspass mit stilistisch grenzüberschreitenden Ausflügen. Bei dieser Konzerttournee manifestiert sich klar, was sich bei der vorgängigen Solotournee bereits andeutete: Udos aussagekräftigen, poetischen und satirischen Lieder finden ihr Publikum in jeder Darbietungsform. Er ist einer der wenigen grossen Unterhaltungskünstler Europas, der sich als Komponist, Musiker und Interpret einen festen Stammplatz in den Ohren und Herzen eines alterslosen Publikums erobert hat, das sich stets erneuert.
Quelle: Sony BMG

Wer hätte es geahnt Annett Louisan heimlich verheiratet

Dienstag, 11. Juli 2006

Die Sängerin Annett Louisan, die als eiserner Single gilt, ist seit einem Jahr heimlich verheiratet mit Gazi Isiktil (25). “Ich verstecke meinen Mann nicht, sondern respektiere seinen Wunsch, nicht in der Öffentlichkeit stehen zu wollen”, sagte die 26-Jährige der Zeitschrift “Bunte”. Weil sie keine Zeit für die Wohnungssuche habe, lebten sie immer noch in ihrer 25 Quadratmeter großen Studentenbude in Hamburg. Zärtlichkeit und Sex seien für sie sehr wichtig. Konflikte auf Grund der türkischen Herkunft ihres Mannes gebe es bei ihnen nicht. Gazi sei zwar in der Türkei geboren, aber sehr europäisch erzogen worden. “Und ich liebe die türkische Kultur, spreche sogar ein bisschen Türkisch”, so Louisan.
(c) dpa

Schlagerfrühling 2006

Sonntag, 12. März 2006

?Einmal werden Träume wahr?… prophezeite die Hamburger Popband ?Felix de Luxe? vor knapp 20 Jahren auf ihrer LP ?Männer wie wir?. Selbstverständlich wird jeder von uns sein ganzes Leben lang verschiedene Wünsche und Träume durch seine Gedankenwelt spazierengehen lassen, deren Realisierung er sich so sehnsüchtig erhofft. Der Traum eines jeden Musikfreundes, Schallplattensammlers oder Schlagerhistorikers schlechthin ist es, seine langgesuchte, extrem rare, weil schon zig Jahre alte Lieblingsplatte aus den unbeschwerten Tagen der Jugend irgendwo auftreiben zu können. Deshalb geht der unverbesserliche Popfan häufig auf Schallplattenbörsen, Flohmärkte, in Zweite-Hand-Läden, schaut bei ?E-Bay? oder ?Amazon? im Internet…. Wenn er übergroßes Glück hat, sieht er eines Tages tatsächlich seine Lieblingsscheibe; vielleicht total abgespielt, zerkratzt, gänzlich unbrauchbar und/oder ausschließlich zu einem unerschwinglichen Preis angeboten. So gibt es alte Schallplatten, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, die im Grunde genommen nicht mehr wiederhol- bzw. wiederhervorholbare Geschichte markieren. Nicht wenige Sammler haben es daher längst aufgegeben, nach dem einen oder anderen langersehnten Vinyl-Schmankerl aus ferner Vorzeit Ausschau zu halten.
Viele, viele Schlageranhänger werden jedoch große, ungläubige Augen machen, in stillen Jubel verfallen oder gar brachiale Freudengesänge anstimmen, wenn sie vom neuesten Coup des Medienriesen SONY-BMG erfahren. Denn die Münchener Company hat soeben ihre brandaktuelle Aktion ?Schlagerfrühling 2006? gestartet, im Rahmen derer (vorerst) sechs lange verschollene Klassiker des deutschen Schlagerliedguts erstmals seit Entstehen dieses Formats auf CD gepreßt wurden. Es handelt sich dabei um ein halbes Dutzend überwiegend interessanter Schlageralben, die selbst ein radikaler Flohmarktgänger (wie der Rezensent einer ist), der seit über zehn Jahren Wochenende für Wochenende einen Trödelmarkt nach dem anderen nach raren LPs durchforstet, beinahe vollständig abgeschrieben hat; womöglich hat er zwischenzeitlich mit Wehmut akzeptiert, die auf jenen sechs Tonträgern versammelten Lieder niemals mehr zu hören, geschweige denn, sie seinem heimischen Poparchiv hinzufügen zu können.
Die Verantwortlichen dieses lobenswerten Projekts haben dafür ein paar reale Perlen aus ihrem umfangreichen Katalog zusammengesucht, mit deren ? zumal originalgetreuer ? Wiederaufbereitung sie den immer noch zuhauf vorhandenen Liebhabern des deutschen Schlagers der 70er Jahre eine immense Freude bereiten. Schon seit Weihnachten geisterte das Gerücht durch die Schlagerwelt, in Bälde würden tief verborgene Schätze aus dem unergründlichen Ariola-Archiv ihre Auferstehung feiern. Niemand wußte genaueres, fest stand nur, daß das auf Plattenbörsen mit bis zu 80/100 Euro dotierte Debütopus des einstigen Kinderstars Juliane Werding unter den ausgewählten Wiederveröffentlichungen sein würde. ?In tiefer Trauer? erblickte in Vinyl-Form 1972 das Licht der (wie man bei genauerer Betrachtung der darauf gejammerten Texte eingestehen muß) furchterregenden, grausamen, kalten, erzkapitalistischen Welt. Alleine die Tatsache, daß eine gerade 16jährige Teenagerin mit hübschen, aber traurigen Augen ihre Debüt-LP ?In tiefer Trauer? nannte, auf dem Cover eine überdimensionale, schwarzumrandete Todesanzeige abbildete und sich zu allem Überfluß von ihrer Plattenfirma mit dem Slogan ?Ein 16jähriges Mädchen singt für eine bessere Welt? anpreisen ließ, verdeutlicht, daß man über 30 Jahre später die zwölf zwischen krudem Hippie-Folk, Chanson, Country und schwermütiger Ballade angesiedelten Winseleien ausschließlich aus der Zeit ihrer Entstehung heraus betrachten kann, weil sonst beim Hörer garantiert ein stetiges Grinsen und Feixen einsetzt, je mehr Klein-Juliane die in Gänze von ?Hansa?-Hausdichter Hans-Ulrich Weigel betexteten Protestschnulzen vor sich hin wimmert. ?Am Tag, als Conny Kramer starb?, eine nicht unglückliche deutsche Version des Joan-Baez-Klassikers ?The Night, they drove old Dixie down?, führte 1972 wochenlang die deutschen Charts an und etablierte ihre blutjunge Interpretin umgehend als gefragten Schlagerstar ? wie man so schön sagt - mit Anspruch und Problembewußtsein. Unbotmäßiger Drogenkonsum hatte den schnieken Hippiebuben Cornelius K. dahingerafft, so daß Juliane in beinahe allen Nummern ihres LP-Einstandes auf die tödlichen Folgen der Rauschgifteinnahme hinwies ? ob diese ?Message? nun zum Rest des Liedtextes paßte oder nicht. ?Hunger und Haß?, ?erstickte Todesschreie?, ?Cholera und Monsun? oder `tötende und sterbende Soldaten? bieten den geradezu Heul- (wenn nicht gar viel eher Lach-)krämpfe auslösenden Inhalt des weiteren Joan-Baez-Covers ?Bangla-Desh? (?Song of Bangladesh?): Soviel Schwarzseherei, Negativformulierungen und gelebte Betroffenheit auf einmal schafften zu späterem Zeitpunkt nicht einmal Holland-Jammerbarde Robert Long in den 80ern bzw. die plüschigen Minderheiten-Popper ?PUR? in den 90ern in einem einzigen Song unterzubringen. Gesundheitsschädigende Nebenwirkungen von radikalkapitalistischem Leistungsdruck (?Mach Dich nicht kaputt?), verschlüsselte Aufrufe zur Jugendrevolte (?Danke, Freunde!?), scheinbar persönlichkeitshemmende Pubertätsnöte (?Fünfzehn ist ein undankbares Alter? ? Udo Jürgens sähe dies sicher anders… der Verf.), durch inhumane Großunternehmer und ?militärisch-industriellen Komplex? herausgeforderte kriminelle Karrieren bedauernswerter Vorstadtversager (?Ein morscher Baum trägt keine guten Früchte? ? zur Musik von Barry McGuires Weltuntergangsdrama ?Eve of Destruction?), böse Ölkonzerne, die zwar keine Heuschrecken, dafür jedoch den ?letzten Kranich vom Angerburger Moor? vertreiben, obskure Vorstellungen von der ?Freiheit, die ich meine? (Textzitat: ?Ein Parkplatz, auf dem Kinder spielen… Ein Polizist mit langen Haaren… Ein Gespräch mit alten Leuten im Bus?…) oder die schleichende Computerisierung der Gesellschaft (?Der Computer macht alles?) ? Grau in Grau muß es seinerzeit in der ?BRD? ausgesehen haben, wenn man Frl. Werdings gesungener Depression Glauben schenken darf. Denn positive Aussagen, hoffnungsvolle Zukunftsaussichten, das sprichwörtliche ?Licht am Ende des Tunnels? sind in den penetrant auf kindliche Unschuld getrimmten Pseudo-Protesthymnen selbst in kleinsten Nuancen nicht zu verspüren. Die knapp dreiviertelstündige CD endet mit dem Allzeithit über das grausige Schicksal Conny Kramers, der heutzutage übrigens weniger Heulen und Zähneknirschen, denn munteres, kultvolles Mitgrölen auf dem ?Schlager-Move? verursacht und zweifelsohne bis in die Jetztzeit hinein als vielzitiertes Standardwerk deutscher Popmusik gilt, so daß die berühmt-berüchtigte Hamburger Punkcombo ?Die Goldenen Zitronen? den Klassiker 1987 hinsichtlich des allbekannten, bitterst polarisierenden Sangesknaben von ?Modern Talking? zu ?Am Tag, als Thomas Anders starb? umdeutete, während drei Jahre zuvor in des Rezensenten neunter Klasse zuungunsten einer unansehnlichen und äußerst langweilig unterrichtenden Lateinlehrerein stimmbrüchig geröhrt wurde ?Am Tag, als Frau Dr. S. starb (und alle Schüler sich freuten)?…
Vier Jahre nach 1968 hatte ?In tiefer Trauer? für die aufgewühlte, haschischvernebelte, dauerdemonstrierende Jugendlichkeit sicherlich seine Berechtigung gehabt. Textdichter Weigel vermochte es vorzüglich, nahezu jede einzelne Liedzeile zu einem politischen Statement auszugestalten; die schüchtern-verträumte Juliane eignete sich ebenso hervorragend, diese naiv-kindliche Sichtweise, wie mies die Welt doch in Wirklichkeit sei, ehrlich und ungekünstelt auf den Punkt zu bringen. Bürgerliche Anhänger von Rainer Barzel oder Franz Josef Strauß dürften ergo in jenen Tagen trotz massiv linkslastiger Reime viel eher Julianes liebenswertem Charme erlegen sein, als ihre anpolitisierten Schmonzetten als barsche sozialistische Propaganda zu tadeln; für Linksradikale und Revoluzzer aller Schattierungen werden diese Lieder vermutlich viel zu undogmatisch und schöngeistig gewesen sein, um der 16jährigen Schülerin vielleicht die Ehrenmitgliedschaft in der ?SDAJ? angetragen zu haben. ?In tiefer Trauer? trifft den Zeitgeist der beginnenden 70er mitten ins Herz, stellt somit letztendlich musikalischen Geschichtsunterricht dar. Für heutige Verhältnisse aber wirken die meisten Songs wie am Reißbrett entworfen und auf Teufel komm raus als ?kritisch? verbraten, so daß sie aller Voraussicht nach nur noch als parodistischer ?Trash-Faktor? wahrgenommen werden.
Eine dem vollkommen entgegengesetzte Sicht der Dinge, verbreitete das norwegische Energiebündel Wencke Myhre auf seiner 1977 entstandenen LP ?So bin ich?, für das die quirlige Entertainerin zwölf mal mehr, mal weniger bekannte internationale Schmankerl aus den Schubladen Country, Chanson, einwenig Samba und leichten Soulanleihen in deutscher Sprache aufgenommen hatte. Der frech, kecke Schlagerpopper ?Eine Mark für Charlie? erwuchs daraus zu einem der größten Hits in Wenckes künstlerischer Laufbahn. Doch auch die anderen Beiträge auf ?So wie ich? ? natürlich dieser Tage gleichsam erstmalig als Silberling erhältlich ? können sich ohne Frage hören lassen: Etwa ?Sommernacht?, die gekonnte deutsche Fassung von Glen Campbells US-Hit ?Southern Nights?, der im Original von Countryrocker Eddie Rabbit geschriebene Ohrwurm ?Bleib doch über Nacht heut Nacht?, nicht weniger sympathisches Countrygeplänkel a`la ?Einen Mann, wie Dich, halt ich nicht länger aus?, ?Es liegt nun in Deiner Hand? oder ?Trotz alledem bist Du mir die Erfahrung wert?, bläsergetriebener, zickiger Soulpop aus der Feder des legendären Komponistenteams Jerry Leiber/Mike Stoller (?Tingel-Tangel?) kesser 70er-Jahre-Schlager (?Noch fünfundvierzig Minuten?, ?Don Pedros Hochzeitsnacht?) oder das autobiographische Heimatchanson ?In Oslo steht ein Haus? sind keineswegs von schlechten Eltern. Sogar Stevie Wonders hypereingängiger Tophit ?Sir Duke? erweist sich nicht als zu abgehoben, zu mondän, zu ?schwarz? für die 2006 weiterhin aktive skandinavische Showgröße. In ?Die Musik läßt uns leben?, einer properen deutschen Version dessen, legte Wencke frühzeitig Zeugnis darüber ab, daß ihr selbst Swingendes und Jazziges keinerlei Probleme bereitet. ?So bin ich? ist folglich ein traditionelles Schlageralbum mit Ecken und Kanten, facettenreich und vielfältig, das in erster Linie durch Wencke Myhres kraftvolle, energetische Gesangsweise an Wert zulegte, die manch lyrische Peinlichkeit oder übertriebene Heiterkeit passabel ausgleicht. Schön, aber nicht zwingend notwendig, war die Ausgrabung der 40-Minuten-Scheibe im CD-Format.
Übermäßig gedämpft, betulich, in Tempo und Lautstärke sehr zurückhaltend rieselt Wiederveröffentlichung Numero Drei aus den Boxen. Das LP-Debüt des Hildesheimer Schlagersängers Bernd Clüver, ?Der Junge mit der Mundharmonika?, kam in seiner Urform kurz nach Jahresbeginn 1973 auf den Markt und wartete mit einer von Peter Orloff produzierten und größtenteils auch geschriebenen Liederkollektion auf, deren einschmeichelnder Titelsong nicht nur siegreich die ?ZDF-Hitparade? des Dieter Thomas Heck verließ, sondern zugleich auf den ersten Rang der Verkaufscharts schoß und am 10. April 1973, passend zum 25. Geburtstag ihres Interpreten an jenem Tage, für 500.000 verkaufte Exemplare Gold verliehen bekam. Das darauf aufgebaute, gleichnamige Album präsentiert zumeist (zu) stille Balladen, die im Heute vor allem durch ihre pathetisch-schwülstige, gezwungen literarisch-superb ausgerichtete Betextung auffallen ? und dies nicht zuvorderst positiv. ?Was wird aus einer verlorenen Liebe?, ?Ein Stern ging auf?, ?Mandoline?, ?Phantasie? oder ?Leere Schatten an der Wand? sind keineswegs unsympathische Schlagerchen, deren von Clüver süßholzraspelnd gehauchte Reime jedoch in den meisten Fällen allzu dick aufgetragen, wenn nicht gar aufgedunsen-hypertroph wirken. ?Der Raum des Schweigens? basiert auf Simon & Garfunkels Welthit ?The Sound of Silence?, besteht aber inhaltlich fast gänzlich aus hohlen, möchtegern-philosophischen Phrasen (?Die vielen Fehler sind ein Mann / Der alles will und gar nichts kann / Voller Regen sind die Augen schwer / Er will weinen, doch er kann nicht mehr…?). Der wiegende, bläsergetriebene Popblues ?Sie kommt wieder? fungierte 1971, kurz nach seiner Entdeckung in der Fernsehshow ?Talentschuppen? auf der Berliner Internationalen Funkausstellung, als erste 45er des damaligen Jurastudenten; der große Durchbruch gelang diesem allerdings erst ein Jahr später mit jenem gemächlichen, einlullenden Märchen vom ?Jungen mit der Mundharmonika?. Drei Monate, nachdem er damit die Topposition der hiesigen Singlecharts eingenommen hatte, folgte eine zweite Auskoppelung, die da lautete ?Der kleine Prinz (Ein Engel der Sehnsucht heißt)?, von manchem Musikwissenschaftler als latent homoerotische Phantasie eingeschätzt wurde, erneut Platz Eins der Singlehitlisten erklomm und insgesamt 18 Wochen unter den ersten Zehn bestverkauften Platten in Deutschland verharren konnte. ?Alles, was sie will?, der Ideenwelt von Produzent und Clüver-Entdecker Peter Orloff entsprungen, erinnert von Art und Aufmachung her fatal an Peter Maffays Schnulzenerstling ?Du?, der zum selben Zeitpunkt gleichfalls aus dem Stall Peter Orloffs den Weg in die höchsten Chartregionen dieses unseren Landes ansteuerte. Als qualitatives Highlight ist die 40minütige CD ?Der Junge mit der Mundharmonika? in keinem Falle einzustufen. Sie bietet zwei Tophits der frühen 70er Jahre auf, die von dahinplätscherndem, nichtssagenden Pop-Mittelmaß umgeben sind: Eindeutig die unnötigste Neuauflage innerhalb der sechsteiligen CD-Serie unter dem Motto ?Schlagerfrühling 2006?.
?Fiesta Mexicana?, Rex Gildos Top-5-Hit aus dem Jahre 1972, entpuppte sich für seinen Interpreten als Segen und Fluch zugleich. Zwar gelang dem 1999 verstorbenen Entertainer aus München damit ein unvergeßlicher Evergreen, der besonders seit den 90er Jahren nachgewachsenen Partyfreaks Dank seines grell-hüpfenden ?Hossa! Hossa!?-Intros als kaum zu überbietender Kultsong gilt, andererseits wurde der Sänger in den letzten Jahren seines Lebens, die er nicht mehr auf den großen Bühnen dieser Welt verbrachte, sondern hauptsächlich auf Kleinstadtfesten und Autohaus-Eröffnungen, fast vollständig darauf reduziert. Was der einstige ?Regensburger Domspatz? ab Mitte der 80er auch alles an neuen Liedern veröffentlichte, das Publikum war daran in keinster Weise interessiert. Rex blieb der ewig strahlende ?Hossa?-Clown, was ihn zunehmend deprimierte, so daß bald Gerüchte über Alkohol- und Tablettensucht des früheren Schlagerkönigs auftauchten, bis sich dieser im Oktober 1999 aus niemals geklärten Gründen aus dem Fenster seiner Münchener Wohnung stürzte. ?Fiesta Mexicana?, geschrieben von Schlagermogul Ralph Siegel und Michael Holm, war der Aufhänger von Gildos allererstem Ariola-Album überhaupt, ?Mein Autogramm?, das nun ebenfalls eine wichtige Rolle in der Aktion ?Schlagerfrühling 2006? spielt. Die zwölf Songs des rund 37minütigen Werks mögen vor 34 Jahren das bürgerliche, nicht ?Willy-wählende? Deutschland zu regelrechten Begeisterungsstürmen hingerissen haben, heutzutage vermitteln die meisten Lieder einen eher skurrilen bis spaßigen Eindruck. Denn Gildo hatte damals nicht nur opulente Schlager gehobener Güteklasse, wie etwa die ebenso von Ralph Siegel ersonnene Abschiedshymne ?Mit gebundenen Händen? oder das großorchestrale Chanson ?Einsamkeit vergeht zu zweit? bzw. nette, zeittypische Früh-70er-Popper (?Monte Christo?) im Programm, sondern gleichzeitig recht simple Trinklieder (?Prost, Skal, Salute?) dümmliche Sowjet-Romanzen (?Russisch Roulette?) oder fragwürdiges, wenn auch sanft rockendes Seemannsgarn über zu Volkshelden avancierte Piraten (?Mighty Joe?). Schnulzig-tränendrüsendrückend verabschiedete sich das damalige Teenageridol, das bereits seit 1960 die einheimischen Hitlisten durcheinanderwirbelte, mittels der sämigen Folkballade ?Hey, hey, Good Morning, Mama? von seinem Elternhaus, nicht weniger rührselig, etwas mediterran angehaucht, heulte er in ?Keine war wie Du? einer offenbar historisch singulären, verflossenen Schönen hinterher. Niedlich, locker und anregend dagegen: des schwarzhaarigen Wunsch-Schwiegersohns diffizile Beschreibung seiner hauseigenen Eisenbahnanlage (?Mein Land ist aus Pappe gebaut?) oder der freundliche Ragtime über die Stummfilmidole ?Stan & Olli? (alias ?Dick & Doof?). ?Mein Autogramm? mag eines der erfolgreichsten und begehrtesten Langspiel-Produktionen von Rex Gildo gewesen sein ? wobei zur Erreichung dieses Status zuallererst der dauerfröhliche Singleknaller über die mexikanische Fete beitrug -, seine besten, ausdrucksstärksten Songs finden sich darauf nicht. Sammler und Musikchronisten jubeln zweifellos über vorliegende CD-Neuauflage, Schlagerparty-D.J.`s erhalten trashiges neues Material für ihre Sets in der Dorfdisco; für den Rest der Welt bleibt ?Mein Autogramm? allerdings völlig unerheblich.
Stilistisch ähnlich aufgebaut, aber nahezu ausnahmslos von Ralph Siegel komponiert und produziert, was dem ganzen ein (im wahrsten Sinne des Wortes) reales Güte-Siegel verabreicht, ertönt Chris Roberts` Anfang 1974 erstmals erschienene LP ?Du kannst nicht immer 17 sein?. 1966 hatte der in München-Schwabing geborene Sunnyboy seine erste (englischsprachige) Platte eingesungen, aber rockenden Beat wollte niemand von ihm hören, so daß er vollends ins Schlagerfach wechselte und in diesem Spektrum eine Vielzahl unvergessener Mitklatsch-Hits erzielen konnte. 1973 jedoch geriet die Karriere des Konrad-Adenauer-Anhängers kurzzeitig ins Stocken, so daß er seinen Plattenvertrag mit Polydor aufkündigte und zu Ralph Siegels soeben ins Leben gerufenem Label Jupiter Records wechselte. Dieser Schritt sollte sich für beide gehörig auszahlen: Der Firmengründer startete seine neue Leidenschaft als Geschäftsmann sogleich mit einem Topkracher; der brünette Sänger landete mit dem Titelsong der nun ebenfalls neuaufgelegten Scheibe einen profunden Top-3-Reißer, der insgesamt zwölf Wochen in den deutschen Top 10 verweilen konnte. Während Rex Gildo in den für ihn ausgesuchten Liedern von Thema zu Thema sprang und, wie beschrieben, mal über sozialistische Seeleute, dann wiederum über selbstgebastelte Kunstlandschaften oder tödliche Fehden russischer Kerle trällerte, ist bei Chris Roberts` 74er-CD durchaus eine rote Linie zu erkennen: Optimismus, Lebensfreude, die Schönheit der Frauen und der Natur, ?Liebe und Sonnenschein? (Liedtitel) bilden die Grundlage letztlich aller Lieder auf ?Du kannst nicht immer 17 sein?. Roberts warnt augenzwinkernd ?Große Mädchen weinen nicht?, schwärmt über einen ?Sonntag im Englischen Garten?, gesteht ein, ?verliebt in einen Engel? zu sein, fährt mit der ?Lady of London? im Doppeldeckerbus durch die britische Hauptstadt, nur ?Brot, Wasser und Du? zählen für das Multitalent aus Münchens Schicki-Micki-Stadtberzirk, manchmal aber genauso ?Du und Paris? oder ?Ein Mädchen vom Lande?. Der volkstümlich anmutende Ohrwurm ?Schöne Blumen bleiben nicht am Wege stehen? wurde zeitgleich auch von Peter Kraus aufgenommen, für den romantischen Mid-Tempo-Schleicher ?Die Zeit heilt alle Wunden? zeichneten als Autoren die beliebten Kollegen Martin Mann und Michael Holm verantwortlich. Dieses wohlmundende Potpourri der Glückseligkeit fand ohne jegliche Ausnahme im klassischen Ralph-Siegel-Sound statt, inszeniert ? wie immer bei dem hochkarätigen Münchener Musikgenie ? mit mannigfaltigen Streichern, Bläsern und Chören. Offensive Chanson-Elemente finden sich in den von Genre-Cracks wie Kurt Hertha, Günther Behrle oder Werner Schüler betexteten Schlagern genauso, wie Volkstümliches oder Balladeskes. Zu dem immensen Erfolg der LP ?Du kannst nicht immer 17 sein? und der gleichnamigen Singleauskoppelung haben Produzent Siegel und Interpret Roberts gleichermaßen ihren Teil beigetragen, so daß diese Kooperation bis in die frühen 80er Jahre hinein Bestand hatte und noch viele gelungene Schlager höchster Qualität ? man denke nur an ?Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara?, ?Wo warst Du? oder ?Hörst Du, sie spielen unser Lied? ? an die Öffentlichkeit beförderte. Das 40minütige Erstlingswerk der beiden Könner ist längst als Klassiker des deutschen Liedguts anzusehen, so daß die Ariola-Macher genau das richtige taten, als sie dieses durchwegs ansprechende Album im Zuge des ?Schlagerfrühlings 2006? endlich (!) aus dem Archiv bargen.
Der gebürtige Berliner Roland Kaiser ist 2006 ein über alle Zweifel und alle musikalische Leichtfüßigkeit erhabener Pop-Gentleman, der mit so elitärem, wie unterkühltem Softpop amerikanischer Prägung generationsübergreifend begeistert und auf diese Weise zu den anspruchsvollsten, langlebigsten und feudalsten Entertainern gehört, die die deutsche Showszene vorzuweisen hat. Doch auch der gelernte Autoverkäufer mit Wahlheimat Münster/Westfalen tat seine ersten Schritte in eher leichterer Muse. Die lange vergriffene LP ?Nicht eine Stunde tut mir leid?, in Fankreisen begehrtes Sammlerobjekt und, nach ?Frei ? das heißt allein? (1976), zweites Album des edlen Popcharmeurs, ist die letzte der sechs Wiederveröffentlichungen, die Ariola/SONY-BMG am 3. März diesen Jahres der erfreuten Schlagerwelt vorstellte. Unvergeßlicher Singlehit des zwölfteiligen Liederprogramms war der fesche Stimmungsschlager ?Sieben Fässer Wein?, der noch heute unumstößlich in Kaisers Konzertrepertoire seinen Platz hat und dem dunkelhaarigen Frauenliebling darüber hinaus eine ungewohnt hohe Akzeptanz und Beliebtheit bei ansonsten eher schlagerfernen jüngeren Semestern bescherte; 1977 Rang 7 der Singlehitlisten, somit Kaisers erstes, sachtes Eindringen in Top-10-Gefilde und seit Jahrzehnten Wochenende für Wochenende auf jeder besseren Discofete aufgelegter Partykracher. Nicht alle, aber die meisten anderen Lieder von ?Nicht eine Stunde tut mir leid? besitzen durchwegs Ohrwurmqualitäten, leben größtenteils von Kaisers stets cool-ironischer Intonation und übertreffen das Gros des klassischen 70er-Jahre-Schlagers in Sachen Charme, Originalität und Emotionalität um Längen. Der inzwischen seit 30 Jahren im Showgeschäft tätige Sänger beschreibt in der von Kollege Howard Carpendale gemeinsam mit dessen Leib-und-Magen-Komponisten Joachim Horn-Bernges konzipierten Ballade ?Ich bin keine Nummer mehr? die Odyssee eines aus dem Gefängnis entlassenen Ex-Häftlings, ?Hey John? erzählt liebevoll die Geschichte des meist im Hintergrund eines Filmerfolgs verbleibenden Stuntman. Bluesig-nächtlich wird?s im düsteren Schleicher ?Kommt jetzt die Jahreszeit (der großen Einsamkeit?)?, peppig-fetzig-ironisch hingegen im augenzwinkernden Up-Tempo-Popper ?Das war nicht schlecht?. Anspruchsvollere Schnulzen (?Was hat er, was ich nicht hab?, ?Wer gewinnt, wenn Du gehst?, Titellied) oder wehend-hymnische Popschlager (?Ich vermisse die hungrigen Jahre?, ?Ich lieb die Frau, die Dir gehört?, ?Ein Wort zuviel?) vervollständigen die Titelliste des 46minütigen musikalischen Leckerbissens ?Nicht eine Stunde tut mir leid?; die schaurige Saga von der ?Toteninsel? allerdings will so gar nicht zu Kaisers ansonsten so gediegenen Pop/Schlager-Mixturen passen, die zwar mit seinen epochalen Softrock-Dramen der 80er und 90er Jahre nicht zu vergleichen sind, aber bereits in seiner Frühzeit deutlich festmachten, daß der Familienvater und Gerhard-Schröder-Freund von jeher weitaus mehr vorzuweisen hatte, als ein durchschnittlicher Schlagerfuzzi. Ohne Frage, der Höhepunkt des ?Schlagerfrühlings 2006?!
Trotz aller, hier ausführlich geschilderter qualitativer Unterschiede, werden sich Tausende Schlagerfreunde die Finger lecken nach den sechs vorliegenden, sämtlich im Original-Artwork gehaltenen CD-Wiederveröffentlichungen. Alle Alben haben auf ihre Weise Schlagergeschichte geschrieben, regen zum Träumen und Mitsingen, zum Lachen, zum Jammern, zum Tanzen und zum Schwofen ein. Doch, so liest man landauf, landab in den einschlägigen Internetforen, sollte die digitale Reanimation dieser sechs Spitzentitel möglichst nur ein Anfang sein. Das Ariola-Archiv ? immerhin aus Fusionsgründen inzwischen erweitert um CBS-, RCA-, Hansa-, Aladin- oder Columbia-Material ? birgt noch so unendlich viele musikalische Goldbarren, daß sich die Verantwortlichen hoffentlich sputen und anderes, seit Ewigkeiten Vergriffenes, aber niemals Vergessenes in gleicher Manier als klanglich optimale Silberscheibe neu aufbereiten. Christian Frankes ?Du und ich? (1982), Lena Valaitis? ?Lena? (dito), Hannes Schöners ?Willst Du träumen? (dito), Chris Roberts? ?Wo warst Du? (1980), Severines ?Sie kam aus Frankreich? (1983), Peter Alexanders ?Genieß Dein Leben? (1980), Udo Jürgens? ?Ein neuer Morgen? (1975), Costa Cordalis? ?Dich berühren? (1982) und unzählige andere hochspannende Schlager-LPs der 70er und 80er Jahren warten nur auf die Einleitung ihrer Wiedergeburt!
Gesamtnote ? Juliane Werding 2-3
Gesamtnote ? Wencke Myhre 2
Gesamtnote ? Bernd Clüver 4
Gesamtnote ? Rex Gildo 3-4
Gesamtnote ? Chris Roberts 2
Gesamtnote ? Roland Kaiser 1
(Holger Stürenburg 9.-11.03.2006)

Bernd Clüver “Der Junge mit der Mundharmonika”

Dienstag, 28. Februar 2006

Bernd Clüver ? “Der Junge mit der Mundharmonika” - VÖ 03.03.2006
Katalog Nr.: 828 767 815 82
Im Rahmen der Aktion “Schlagerfrühling” präsentiert die Catalog-Abteilung der SONY BMG ein paar ganz besondere Highlights: Die erfolgreichsten Schlageralben der großen Stars der Siebziger Jahre zum ersten Mal auf CD! Mit dabei sind die Top ? Alben von Juliane Werding, Roland Kaiser, Rex Gildo, Chris Roberts und Wencke Myhre. Die Schlager-Helden der 70er Jahre feiern ihre Auferstehung ? Exklusiv bei SONY BMG.

Als ?Der Junge mit der Mundharmonika? Anfang des Jahres 1973 die Spitze der deutschen Charts stürmte und danach insgesamt 17 Wochen in denTop Ten verweilte, kannte auf einen Schlag ganz Deutschland den jungen Studenten Bernd Clüver.
1948 in Hildesheim geboren, trat Bernd Clüver, genau wie viele andere deutsche Nachwuchskünstler zu dieser Zeit, zunächst im Talentschuppen des SWF auf. Dort entdeckte ihn der Produzent Peter Orloff, der bereits mit dem für Peter Maffay geschriebenen ?Du? auf einen Nr. 1 Hit zurück blicken konnte, und nahm ihn unter seine Fittiche.
Die erste LP ?Sie kommt wieder? brachte 1972 erste Erfolge, der ganz große Durchbruch gelang dann ein Jahr später mit ?Der Junge mit der Mundharmonika?. Nur zehn Wochen nachdem ?Der Junge mit der Mundharmonika? die Top Ten verlassen hatte veröffentlichte Bernd Clüver mit ?Der kleine Prinz? seinen zweiten großen Hit. ?Der kleine Prinz? belegte ebenfalls Platz 1 der Charts und blieb insgesamt 18 Wochen in den Top Ten. Beide Hit-Singles sind auf dem 1973 erschienen Album ?Der Junge mit der Mundharmonika? enthalten. Für SONY BMG Catalog Marketing Grund genug ?Der Junge mit der Mundharmonika? aus dem Winterschlaf der Vinyltage zu heben und die Original LP erstmalig auf CD heraus zu bringen.
Damit sind für Bernd Clüver Fans und Schlagerfreunde neben den Top Hits ihres Lieblings nun endlich auch lange nicht erhältliche Albumtitel wieder verfügbar, die vielfach schon schmerzlich vermisst wurden und häufig von Fans als Raritäten gesucht werden. ?Der Junge mit der Mundharmonika? steht dabei nicht alleine da: Eine ganze Reihe von großen Schlager Hit- Alben wird nun ebenfalls aus den Archiven solch legendärer Labels wie
Ariola, Hansa oder CBS/Columbia gehoben und sukzessive veröffentlicht.

Titelliste:
1.) Ein Engel der Sehnsucht heißt (Der kleine Prinz)
2.) Der Raum des Schweigens (Sounds Of Silence)
3.) Ein Stern ging auf
4.) Mandolin (Mandoline)
5.) Das Lied der Hoffnung
6.) Der Junge mit der Mundharmonika (Mouth Organ Boy)
7.) Was wird aus einer verlorenen Liebe
8.) Leere Schatten an der Wand
9.) Sie kommt wieder
10.) Alles was ich will
11.) Phantasie (Sugar On Sunday)
12.) Drei Gitarren und eine Mundharmonika
Quelle: Tobias Reitz - SONY BMG

Konzertreihe der Hochschule für Musik Franz Liszt

Montag, 30. Januar 2006

Neue Konzertreihe “A & O” der Hochschule für Musik Franz Liszt
Weimar - Die Hochschule für Musik Franz Liszt beginnt am 28. Januar ihre neue Konzertreihe “A & O” in der Evangelischen Stadtkirche in Waltershausen. Unter dem Motto “Alte Musik und Orgel” finden 2006 sieben Veranstaltungen statt, der Eintritt zu den Konzerten, die in loser Folge bis November laufen, ist frei.
An Instrumenten der Region interpretieren Studenten und Absolventen der Hochschule für Musik Franz Liszt gemeinsam mit den Professoren Bernhard Klapprott (Cembalo) und Myriam Eichenberger (Blockflöte) verschiedenste Kompositionen aus dem Bereich “Alte Musik”. Anlässlich des Ersten Konzertabends in Walterhausen stehen Werke von Bach, Pachelbel und Muffat auf dem Programm.
Zusätzlich bietet die Hochschule für Musik Franz Liszt außerdem die Reihe “Alte Musik auf dem Museumsboden - Quodlibet 2006″ (Eintritt neun Euro) und weiter Konzerte in loser Folge. Weitere Informationen finden sich unter www.hfm-weimar.de.
Hochschule für Musik Franz Lizst live
28.01. Waltershausen, Evangelische Stadtkirche
18.02. Bad Salzungen, Evangelische Stadtkirche
22.04. Kirche Denstedt
6.05. Schmalkalden, Schlosskirche in der Wilhelmsburg
8.07 Büßleben, St. Petrikirche
21.10. Kirche Denstedt
25.11. Ilmenau, St. Jakobuskirche
“Alte Musik auf dem Museumsboden ? Quodlibet 2006″ in Pavillon-Presse, Weimar
17.05. “Galanter Stil” Musik der Söhne Johann Sebastian Bachs
31.05. “Hellas! Amour”, Französische Musik und Lyrik des 16. und 17. Jahrhunderts
14.06. “Le gouts réunis”, Musik des 18. Jahrhunderts aus Frankreich, Deutschland und Italien
weitere Veranstaltungen 2006
20./21.05 Naumburg, St. Wenzelskirche
Mittagskonzerte “Orgel punkt Zwölf”
28.06. Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Festsaal Fürstenhaus
5.10. Bachhaus Eisenach, “Vestiva colli”
6.10. Stadtschloss Weimar,
Nachtkonzert “Wege zu Mozart”
30./31.10. Weimar, Römisches Haus
14.12. Weimar, Wittumspalais, “Alte Musik zum Advent”

Autor: jk
www.hfm-weimar.de
Quelle: Musikmarkt

Bryan Adams - Anthology (2 CD)

Mittwoch, 14. Dezember 2005

Der Kanadische Rockstar Bryan Adams, seit nunmehr 25 Jahren im Geschäft, gilt spätestens seit Mitte der 80er Jahre als einer der erfolgreichsten, langlebigsten und zugleich unspektakulärsten Musiker aus der internationalen Szenerie der im Laufe der vergangenen Dekade stark in den Hintergrund getretenen Sparte ?Classic Rock?. 1959 in Kingston/Ontario geboren, startete der scheinbar immerjunge Gitarrist, Bassist, Songschreiber und Sänger bereits 1980 seine bis heute kraftvoll und scheinbar ohne jegliche physische Abnutzungserscheinungen vonstatten gehende Karriere. Nach unzähligen Nummer-1-Hits in 30 Ländern der Erde ? davon zwei in Deutschland ? legt der inzwischen 46jährige dieser Tage eine über weite Strecken vollständige Retrospektive betreffs seiner bisherigen Arbeiten vor. ?Anthology? (Polydor/Universal) komprimiert auf zwei proppevollen Silberscheiben mit einer Gesamtspielzeit von ca. 156 Minuten 36 mehr oder minder erinnerungswürdige Lieder, sämtlich chronologisch geordnet, aus einem Vierteljahrhundert schnörkelloser Rocksounds und graziler bis belangloser Balladen ohne allzu viele Mätzchen und unsinnige technische Spielereien. Während frühere Best-of-Koppelungen wie ?So far so good? (1993) oder ?The Best of me? (1999) stets nur die kommerziell einträglichsten Kracher des vorherigen Holzfäller-Lehrlings beinhalteten, legt ?Anthology? alle nur erdenklichen Facetten des Bryan Adams an den Tag, präsentiert beinahe jede einzelne Single und wartet des weiteren mit ein paar bislang unveröffentlichten Songs, Remixes und Liveaufnahmen auf, so daß Einsteiger wie Altfans einen wertvollen Überblick hinsichtlich des kreativen Schaffens des unpathetischen Rock-Workaholic erhalten.
Als Bryan Adams 1980 loslegte, rechnete man ihn zu einer jungen Generation krosser Mainstreamrocker, die ihre eingängigen, riff-betonten Gitarrenhymnen mit der aufkeimenden Neuen Romantik der 80er verbanden, mit dieser zumeist wohlschmeckenden Melange im Gepäck bald darauf den Sprung über den Großen Teich nach Europa wagten und häufig besonders in der Bundesrepublik ihre größten Erfolge feierten. Doch Bryans einstige Kollegen wie, z.B. Rick Springfield, Huey Lewis oder John ?Cougar? Mellencamp, spielen längst in der zweiten Liga oder sind sogar völlig aus dem Gedächtnis der Musikfreunde entschwunden. Der körperlich kleine Kanadier mit der heiseren Reibeisenstimme hat hingegen alle musikalischen, stilistischen Wellen und Moden ? und mögen diese noch so entfernt gewesen sein von klassischem Rock und harschen Gitarrenriffs ? überlebt und ist auch anno 2005 jederzeit in der Lage, riesige Arenen nicht nur bis auf den letzten Platz zu füllen, sondern dieselben sogleich nach den ersten Takten zum Kochen zu bringen. Der keyboardbetonte, aufreibende Discorocker ?Remember? eröffnet den bezüglich künstlerischer Qualität oft schwankenden Hitreigen auf ?Anthology?, gefolgt von dem immer wieder gerne in Konzerten vernommenen Liveklassiker ?Lonely Nights?. Allerdings erzielten die Frühwerke des Kanadiers ? ?Bryan Adams? (1980) bzw. ?You want it, you got it? (1981) ?, von denen genannte Oldies entnommen wurden, nur in seinem Heimatland bzw. den USA einen gewissen Bekanntheitsgrad. In Europa war Bryan Adams damals noch ein Fremdwort bzw. ein von nur wenigen Rockspezialisten anerkannter Insidertip. Dies änderte sich umgehend, als 1983 die messerscharfe LP ?Cuts like a Knife? erschien und sich der sympathische Twen Dank Auftritten im ?Rockpalast? und ähnlichen Genre-Shows insbesondere hierzulande langsam, aber sicher, einen Namen machte. Dazu trugen nicht nur der hymnische, unterschwellig treibende Titelsong oder der freche, aufputschende Up-Tempo-Rocker ?This Time? bei, sondern in erster Linie die elitäre, sehr gefühlvolle Pianoballade ?Straight from the Heart?. Alle drei aufregend unaufgeregten Rocknummern finden sich natürlich auf ?Anthology?. Ein Jahr darauf veröffentlichte Bryan Adams mit der LP ?Reckless? seinen ersten realen Meilenstein. Sechs von zehn Stücken des durchwegs mitreißenden, keinen einzigen Durchhänger mitschleifenden Albums wurden bis Ende 1985 als Single ausgekoppelt und nun auf ?Anthology? zu neuem Leben erweckt. Während der dunkel-nächtliche Großstadtrocker ?Run to you? (November 1984) und das lautstarke Liebeslied ?Somebody? (April 1985) ausschließlich in den deutschen Rundfunkcharts punkten konnten, gerieten die traumhaft atmosphärische Rockballade ?Heaven? (Juni 1985) und selbstverständlich der Allzeit-Partyhit ?Summer of 69? (August 1985) ? heutzutage vermutlich jedem Menschen ein Begriff, der nur einmal in seinem Leben eine Diskothek besucht hat ? zu ersten Duftmarken in den hiesigen Verkaufshitparaden. Die ohrwurmträchtige Reminiszenz an den wilden Sommer des weltweit von chaotischen Studentenunruhen, freizügigen Love-Happenings und ellenlangen Theoriediskussionen zur Schaffung einer angeblich besseren Gesellschaftsordnung durchzogenen Jahres 1969 erwuchs außerdem zu einem der spezifischen klanglichen Erkennungszeichen der gleichen Jahreszeit 16 Jahre später und stellt bis in die Jetztzeit hinein jenes Lied dar, das man bei eiliger Nachfrage, ohne lange zu überlegen, stehenden Fußes mit dem kanadischen Rockshouter in Verbindung bringt. ?It?s only Love? (November 1985), ein höllischheißes, leicht nervöses Duett mit ?Soul Survivor? Tina Turner, erweiterte Bryan Adams? Reputation als Erschaffer makelloser, anstandslos in die Beine gehender Fetenhymnen, die auf zeitnahe Synthieffekte oder dümmliche Dancefloor-Rhythmen regelmäßig verzichteten. ?Reckless?-Single Numero Sechs, der brachiale Riffrocker ?One Night Love Affair?, wurde jedoch nur noch in den USA und Kanada wahrgenommen. Der Rest der Welt wartete statt dessen gespannt auf eine gänzlich neue Scheibe des von schnieken Teenagern und verträumten Althippies gleichermaßen verehrten Rockrebellen. Dieser ließ sich fast drei Jahre Zeit und legte im Frühjahr 1987 das auf den ersten Blick enttäuschende, weil persönlichere, zurückhaltendere, weitaus weniger partykompatible Opus ?Into the Fire? vor, aus dem der bedrohlich anmutende, eine gefahrenvolle Unruhe vermittelnde Mid-Tempo-Song ?Heat of the Night? sowie der einzige real rockende Track der LP, ?Hearts on Fire?, den Weg auf Single fanden. Kein Wunder, daß ?Into the Fire? weder den Legendenstatus, noch die kommerziellen Höhenflüge seines Vorgängers auch nur annährend zu erreichen vermochte. Es war nicht mehr und nicht weniger als ein traditionelles, gedämpftes Singer/Songwriter-Album, auf dem sich Adams komplexeren Songstrukturen hingab, was von vielen seiner durch ?Reckless? soeben erst gewonnenen Fans nicht nachvollzogen werden konnte.
Diese warteten lieber sehnlichst auf den 1991 veröffentlichten Doppelschlag ?Waking up the Neighbours?, der neben knackigem Gitarrenboogie (?Can?t stop this Thing we started?) oder verliebt-naivem Romantik-Rock (?There will never be another tonight?) ein deutliches Augenmerk auf stille, zeitweise hochspannende, aber auf die Dauer etwas sehr gleichförmige Slow Songs legte. Nachdem ein solcher ? ?Everything I do (I do it for you)? - im Spätherbst 1991 fünf Wochen lang den ersten Rang der deutschen Singlecharts besetzt hielt, schien dies Bryan und seinem Team so sehr zu gefallen, daß künftig zuvorderst langsame (nicht selten mehr als nur anödende) Schmonzetten als singletauglich ausgerufen wurden, temporeiche, dröhnende Rocker im Gegenzug dazu ganz offensichtlich ins Hintertreffen gerieten. Eine nicht unumstrittene Entscheidung, die dazu führte, daß sich manch eingeschworene Altfans, die Bryan Adams spätestens seit ?Cuts like a Knife? gerade aufgrund seiner hinreißend ehrlichen Art zu rocken und zu rollen als kleines Heiligtum verehrten, kopfschüttelnd und vor Wut nur so schnaubend abwandten. ?Thought I?d died and gone to Heaven? folgte Anfang 1992 als weitere 45er; wiederum eine im Tempo gedrosselte Gänsehautballade, der die cleveren Marktstrategen von Bryans damaliger Plattenfirma ?A&M? schleunigst den nun wirklich übel langweilenden Rockschlager ?All I want? hinterherschickten ? dieser schlich wie ein ungemütliches Konglomerat aus ?Everything I do…? und ?Thought I?d died…? aus den Boxen -, bis offenkundig alle Welt ein für allemal verdrängt hatte, daß sich der Greenpeace- und Amnesty-International-Unterstützer aus Ontario kaum ein halbes Jahrzehnt zuvor mit so liebenswertem wie knochentrockenen Gitarrenrock seine ersten Meriten verdient hatte. Diesem Balladenschmus schloß sich 1993 die ebenso aussagelose Popschnulze ?Please forgive me? an, die Bryans erster Best-of-CD ?So far so good? als Appetitmacher beigefügt worden war. Aus dem Historienfilm ?Die drei Musketiere? stammte die Anfang 1994 veröffentlichte Ballade ?All for Love?, die Bryan gemeinsam mit Rod Stewart und Sting eingesungen hatte und das ungleiche Trio im Frühjahr desselben Jahres vier Wochen lang auf dem Spitzenplatz der hiesigen Singlecharts verharren ließ. Um ein Haar hätte man nun vermuten können, der in die Jahre gekommene Ex-Rocker stünde ab sofort nur noch für gepflegte Langeweile zugunsten des gemütlich-gemächlichen Tanztee-Nachmittags ältlicher Damen, wäre im Frühsommer 1996 nicht die CD ?18 ´til I die? auf den Markt gekommen. Auf der plietschen Scheibe hielten sich fesche Rockkracher der besten Sorte und einlullende Popmelodiechen zur Untermalung eines sich in die Länge ziehenden Kaufhausbummels eine gute Waage. Doch zu Hits wurden nicht etwa der dröge Up-Tempo-Rocker ?The only Thing, that looks good on me, is you? oder der augenzwinkernde Titelsong (auf ?Anthology? in Form eines Livemitschnitts von einem Auftritt in Lissabon gewürdigt), sondern das südamerikanisch angehauchte (und davon abgesehen ziemlich zuckerig-klebrige) Gitarrennümmerchen ?Have you ever really loved a Woman? (neun Jahre später übrigens von niemand geringerem gecovert, als von ?Schlagerkanone? Bernhard Brink!), der madige Formatradio-Stomper ?Star? bzw. die unvermeidliche, extrem peinliche Standardschnulze namens ?Let?s make a Night to remember? ? nichts Neues also aus dem Hause Adams. All dies klang, wie schon tausendfach zuvor gehört und entbehrte aller Form von Charme. Nach einem 1997 erschienenen, passablen, aber nicht weltbewegenden Unplugged-Album ? hier vertreten mit dem legeren Gitarrenpopper ?Back to you? und einer sensiblen, nahezu klassisch arrangierten Version des 83er-Trotzrockers ?I?m ready? ? hatte sich Bryan Adams auf der CD ?On a Day like today? ausnahmslos radiotauglichem Mittelmaß geöffnet. Kompakte, streicherverzierte Dreieinhalb-Minuten-Kompositionen wie das verregnet-herbstliche Titellied, das propere Pop/Rock-Duett mit Ex-?Spice Girl? Mel. C., ?When you?re gone?, oder der (für ?Anthology? in einem furchterregenden, nervtötend vor sich hin bumsenden Dancefloor-Remix aufgefahrene) gediegene Rockschlager ?Cloud Number Nine? taten niemandem weh, erzeugten aber beleibe nicht jenes Flair der überbordenden Begeisterung, das Bryans Alt-Hits der Sorte ?Summer of 69? oder ?Hearts on Fire? von einer Sekunde auf die andere auszulösen in der Lage waren. Keyboardverhangen und aller Ecken und Kanten beraubt zeigte sich ebenfalls die 99er-Single ?Best of me?. Über den letztjährigen kreativen Tiefpunkt ?Room Service?, den daraus entliehenen, allenfalls mittelprächtigen Pop/Rock-Verschnitt ?Open Road? und das schier unmögliche Möchte-gern-Tom-Waits-Chanson ?I?m not the Man, you think I am? aus dem Kinofilm ?Colour me Kubrick?, wollen wir gnädig den Mantel des Schweigens hüllen…
?Anthology? führt dem Hörer in grellster Pracht und mit allen Konsequenzen die unselige Mutation eines jahrelang gefeierten Megastars vom aufstrebenden, geradlinigen Rock?n?Roller voller durchschlagender Power und enormem künstlerischen Mitteilungsbedürfnis zu einem sich unnötig altersschwach darbietenden Balladenonkel vor Augen, der außer müde dahinplätschernder Poplangweiler für den Einmalgebrauch kaum mehr etwas hinzukriegen scheint. Darüber mag auch der von der Plattenfirma mit einiger Übertreibung als ?Radiohit? ausgewiesene, straighte Bluesrocker ?So far so good? nicht hinwegtäuschen, der zwar bis dato noch nie auf CD gepreßt wurde, aber immerhin schon 1993 aufgenommen worden war, zu einem Zeitpunkt, als sich Bryan Adams mitten auf dem Zenit seiner Laufbahn befand. Vorliegende Doppel-CD ist musikhistorisch durchaus anregend und von einiger Relevanz. Sie bietet besten, ungeschönten Nachhilfeunterricht in Sachen Bryan Adams und beweist, daß das einstige ?Talentbündel? (?Rolling Stone?) von 1983 bis 1991 tatsächlich zu den ganz Großen auf der internationalen Showbühne gehörte, seine Songs in späteren Jahren aber kontinuierlich an Qualität, Aussagekraft, Ausstrahlung und Partytauglichkeit einbüßten, so daß Bryan im Heute zwar weiterhin als überaus aktive und attraktive Liveattraktion von sich Reden machen, mit seinen matten Studioproduktionen jedoch nur noch einen Platz unter Tausenden ähnlichklingenden Popcroonern für sich in Anspruch nehmen kann.
Gesamtnote: 3
(Holger Stürenburg, 13./14. Dezember 2005)

Take That Never forget The Ultimate Collection (CD u. DVD)

Mittwoch, 30. November 2005

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, die 80er Jahre ihre letzten Atemzüge taten und die relevantesten internationalen Musikstile der ?Decade of Cool? ? New Wave, New Romantic, Synthipop ? außerhalb von Kreisen unverbesserlicher Modernisierungsverweigerer so gut wie keine Rolle mehr spielten, entstand in Großbritannien, zunächst ebenso unbeachtet von breiteren Publikumsschichten, die Vorhut, die ?Mutter?, des vermutlich spezifisch zeitgeistbestimmendsten Popphänomens der 90er Jahre: Der Musikmanager Nigel Martin Smith lernte den knapp volljährigen Hobbysänger und ?komponisten Gary Barlow kennen, nahm ihn unter Vertrag und leitete damit die ersten Schritte zur Gründung einer sog. ?Boygroup? ein. Smith ging mit Barlow ins Tonstudio und traf dort den stillen Lehrjungen Mark Owen, wie Barlow ein überaus gutaussehendes, fesches Jüngelchen. In Smith erwuchs nun die Idee, eine erfolgversprechende Vokalgruppe, formiert aus mädchenherzenbrechenden Hübschlingen, zu ?entwerfen?, deren musikalische Begabung bei der Vermarktung des Projekts niemals die erste Geige spielen mußte. Auf Tanzwettbewerben trieb Smith die kessen Breakdancer Howard Donald und Jason Orange auf, die er sogleich für sein Vorhaben engagierte. Fünf schnieke Männer sollten die Truppe schlußendlich bilden; das fünfte und jüngste Mitglied suchte der gerissene Popfunktionär per Zeitungsannonce: Ein gerade mal 17jähriges Großmaul aus Manchester namens Robbie Williams stieß so zu Smith? musikalischer Kreation, die er bald darauf ?Take That? nannte. Auf diese Weise war die allererste europäische ?Boygroup? geboren, die nicht nur rekordverdächtige Plattenverkäufe bescherte, alleine in Großbritannien acht Nummer-Eins-Hits feierte, sich zu einem alles in den Schatten stellenden Zeitgeistereignis per Excellance auswuchs, das weit über das allgemeine Poppublikum hinaus Beachtung fand, sondern zudem die Entwicklung des Mainstream-Pop in den 90er Jahren maßgeblich beeinflußte, wenn nicht gar steuerte.
Rund zehn Jahre nach der (vorübergehenden?) Auflösung von ?Take That?, erscheinen am 2. Dezember 2005 bei SONY-BMG zwei knuffige Reliquien der seligen ?Take That?-Hysterie, die zum einen selbst dem unbelehrbarsten 80er-Freak und konsequentesten 90er-Verächter, wie z.B. dem Rezensenten, launige ?Weißt Du noch…?-Melancholie entlocken und zum anderen, darüber hinaus, glaubt man den zur Zeit vielzahlig kursierenden Gerüchten, eine Wiedervereinigung von zumindest vier Mistreitern der einstigen Teenagerlegende in den Rahmen des Möglichen gerückt haben. ?Never forget ? The Ultimate Collection? gibt es als lecker silbern verpackte Hochglanz-CD mit 16 Liedern aus den Jahren 1992 bis 1996, zwei Live-Remixes sowie dem typisch britisch perlenden Popopus ?Today I?ve lost you?, das 1995 als Single auf ?Back for good? folgen sollte, aber seinerzeit nicht mehr fertiggestellt werden konnte, so daß die Endabmischung erst im September diesen Jahres vorgenommen wurde. Zusätzlich liegt eine genauso feudal ausstaffierte, gleichnamige DVD vor. Diese beinhaltet 16 Videoclips und acht quirlige Livemitschnitte u.a. aus der ?Wembley Arena? in London bzw. der ?Hometown? in Manchester. Unveröffentlichte Tourneeeindrücke und eine ausführliche Photogalerie vervollständigen das rund 123minütige Programm.
Beide Tonträger dürften 2005 unter vielen Weihnachtsbäumen auf der ganzen Welt ihren Platz finden, sowohl bei inzwischen beruflich arrivierten, gesellschaftlich etablierten Ex-Teenies a.D. im späten Studentenalter, als auch bei nachgeborenen Mitt-90er-Gören, deren erste Tapse im Kindergarten mit der Trennung von ?Take That? in etwa zusammenfielen. Keinesfalls auszuschließen ist es sogar, daß der eine oder andere selbsternannte Musikintellektuelle in einem stillen, unbemerkten Moment nach der Einbescherung seine geliebten Dylan- und Leonard-Cohen-Scheiben beiseite legt und sich schamhaft am begehrtesten Weihnachtgeschenk seiner Tochter vergreift: Nämlich an der CD bzw. DVD ?Never forget ? The Ultimate Collection?! Der verschrobene Musikgourmet wird in kürzester Zeit merken, daß seine ? vor allem aus Prestigegründen - bis heute aufrechterhaltene Anti-Haltung in Sachen ?Take That? dringend einer Überarbeitung bedarf. Denn, was der kompositorisch tatsächlich talentierte Gary Barlow, der schüchterne Marc Owen, die beiden wilden, expressiven Tänzer Jason und Howard sowie der einstige ?Bandclown? und ?Böse Bube? Robbie in den ca. sieben Jahren ihres gemeinsamen Wirkens zustandegebracht haben, war ? nicht insgesamt, aber über weite Strecken ? gar nicht so übel.
Schon auf ihrem ersten Album, ?Take That & Party? (1992) gab es, umrahmt von banalen, einzig und allein auf den ZahnspangenträgerInnen-Markt zugeschnittenen Dancefloor/Pop-Verschnitten simpelster Machart (?Promises? oder ?Once you?ve tasted Love?), eine ganze Menge Feines zu hören; inspiriert vom guten, alten Discofieber der 70er genauso wie von späten New-Romantic-Spielereien und dem hektischen Stock/Aitken/Waterman-Tanzbeat der Folgedekade. So beispielsweise den unverbesserlichen Urlaubsohrwurm ?I found Heaven?, den kein Popmusikfreund ? ob er nun auf Dylan oder Dancefloor schwört ? so schnell vergessen kann. Die bombastische, im Tempo radikal angezogene Neufassung von Barry Manilows 76er-Reißer ?Could it be Magic? ist beileibe nicht von schlechten Eltern; mit der schummrig-naiven Liebesballade ?A Million Love Songs? durfte Leadsänger Barlow erstmals selber als Songschreiber in Erscheinung treten. Zwar konnten Band und Management bei ihrem Debüt natürlich nicht auf Erzkommerzielles, wie z.B. den bumsenden Tekknorenner ?It only takes a Minute, Girl?, verzichten; dennoch zeigten die meisten der hier genannten (und selbstverständlich sämtlich auf ?Never forget ? The Ultimate Collection? nachhörbaren) Popschmankerl, daß es das erste und wichtigste Anliegen von ?Take That? war, schnittige, stets ins Ohr gehende Popklänge für die aufflackernden 90er Jahre zu kreieren, ohne dabei unnötige Nerv-Rhythmen oder allzu extreme Plastiksounds einzusetzen.
Trat man zu Karrierebeginn fast ausschließlich in Homosexuellen-Bars auf, zu denen Manager Smith auch persönliche Kontakte pflegte, so begeisterten sich zunehmend pubertierende Teenieköniginnen zwischen erster Regel, erstem Mal und erstem Liebeskummer für die fünf ?süüüüßen? Boys. Immer größere Hallen mußten in der Bandheimat angemietet werden. Tanz, Akrobatik und Show standen bei ?Take That?-Auftritten im Vordergrund, der vielstimmige Gesang gar nicht so sehr; die Instrumentierung bzw. die Arrangements überließen die Fünf auch auf der Bühne ausnahmslos hochprofessionellen Studiomusikern.
Während ?Take That & Party? anfangs hauptsächlich in Großbritannien wahrgenommen wurde, brach ein Jahr darauf hierzulande ebenfalls ein überschwengliches Fieber nach Gary, Marc, Robbie, Jason und Howard aus. Album Numero Zwei nannte sich ?Everything changes?, erschien im Sommer 1993 und sorgte längst europaweit für kreischende, nicht mehr zu bändigende Mädels (auf manchen Konzerten hielten ebensolche selbstgemalte Plakate mit der Aufschrift ?F*** me, Robbie? in die Lüfte!), wartete aber wiederum mit ein paar überdurchschnittlichen Popsongs, neben schnellvergänglichem Teeniegesäusel auf. Der programmatische Titelsong verband freundlichen 60er-Soul mit einer hymnischen Melodie in bestem Wham!-Stil, der (erneut von Gary Barlow verfaßte) Mid-Tempo-Popper ?Pray? hätte, kaum anders verkleidet, zehn Jahre zuvor ebenso gut ein Tophit für ?Spandau Ballet? oder ?Duran Duran? werden können. Flirrenden 70er-Nightlightexzessen huldigte diesmal eine frische Version des Dan-Hartman-Discofetzers ?Relight my Fire?, zum Kuschel-Muschel-Kleinmädchentraum schlechthin geriet die (davon abgesehen ziemlich matte) Ballade ?Babe?. Unzulänglich dagegen: das langweilend vor sich hinplätschernde Popnümmerchen?Why can?t I wake up with you? oder die jämmerliche Schnulze ?Love ain?t here anymore?.
Im Frühjahr 1994 ließen sich ?Take That? erstmals in diesem unserem Lande blicken. Die mit dem größten Fassungsvermögen ausgestatteten Arenen der Republik waren innerhalb nur weniger Tage restlos ausverkauft. Viele Zusatztermine mußten anberaumt werden. Der Verfasser gesteht an dieser Stelle, voller Schamesröte im Gesicht, öffentlich ein, in jenen Tagen selbst so heftig vom ?Take That?-Virus befallen gewesen zu sein, daß er nicht nur ein Konzert der Band in der Münchener Olympiahalle aufsuchte, sondern dafür auch noch ganze 60 Mark auf dem Schwarzmarkt hinblätterte. Weiterhin standen die fünf Hübschen hoch im Kurs, immer offensichtlicher jedoch nicht mehr nur bei kleinen Mädchen; deren Eltern und größere Geschwister besuchten nicht weniger hingerissen die Auftritte der munteren Gesangscombo. Um ?Take That? kam Mitte der 90er Jahre nun mal niemand herum.
Der ? nun übermäßig feudal, filigran ertönende ? Schwanengesang des Quintetts ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Es kam Anfang 1995 die CD ?Nobody else? auf den Markt. Sie präsentierte kaum noch zuckerige Klänge für frühreife ?Matratzen? aus der siebten Realschulklasse; viel eher gehobene, beschwingte Popmelodien für Herz und Hirn fanden sich auf dem Silberling. Diese eigneten sich keineswegs zur Untermalung feuchter Pubertätsträume, visierten sie doch ganz unverblümt ältere Publikumsschichten an. Aufhänger des erfolgreichen Albums: Die romantische, verregnete Gitarrenballade ?Back for good?, ein phänomenaler, durchaus erwachsener Perfekter Popsong, der alles in sich trug, was einen Evergreen für die Ewigkeit ausmacht. Als zweite Single wurde das dramatische, beinahe klassisch anmutende Club-Kleinod ?Never forget? ins Rennen geschickt, bei dessen Produktion der US-Amerikaner Jim Steinman hinter den Reglern saß, immerhin seit Meat Loafs ?Bat out of Hell? (1977) und Bonnie Tylers ?Faster than the Speed of Night? (1982) unangefochtene Koryphäe für opulente, überkandidelte Klanggewänder. Dem neuen Höhenflug in den europäischen Charts schloß sich der Schock schlechthin an: Robbie Williams, von Drogen- und Alkoholmißbrauch sichtlich gezeichnet, verließ im Frühsommer 1995 von heute auf Morgen die Band ? manch kritische Stimmen behaupteten diesbezüglich, man habe den gestrauchelten Sunnyboy förmlich zu diesem Schritt gedrängt, um das klinisch reine ?Saubermann-Image? des zuvorderst von ganz jungen Hörern angehimmelten Projekts nicht zu gefährden. Als die Kunde von Williams? Ausstieg bei ?Take That? die Runde auf Schulhöfen und in Jugendzentren gemacht hatte, war die Hölle los: Die Plattenfirma der Band konnte sich vor wütenden Anrufen heulender Teenager nicht retten, es wurden Unterrichtsboykotte ausgerufen, gar zu Selbstmorddrohungen kam es ? in München fand zu allem Überfluß eine originäre ?Protestdemonstration? niedlicher Teenieschönheiten statt, mittels derer man Robbie zum Verbleib bei ?Take That? überreden wollte.
Von dieser Zäsur erholten sich ?Take That? nicht mehr. Es war den verbliebenen Mitgliedern unmöglich, ihre Arbeit zu viert fortzusetzen, so daß am 13. Februar 1996 die endgültige Trennung bekanntgegeben wurde. Zwar brach das daraufhin eiligst zusammengestellte Best-of-Album ?Take That ? Greatest Hits? nochmals alle Rekorde, erwies sich die gleichzeitig veröffentlichte Abschiedssingle ?How deep is your Love?, eine poppig-peppige Neufassung der 78er-Hitballade von den ?Bee Gees?, als Riesenhit ? nur wenige Monate später jedoch, hatten sich die Wogen geglättet, zumal mit den ähnlich ausgerichteten US-Formationen ?Backstreet Boys? und ?N*Sync? bereits optionale Nachfolger in den Startlöchern standen. Doch all das, was der marktgerecht ausgeschlachtete Boygroup-Wahn der zweiten Hälfte der 90er Jahre zu Tage förderte, erreichte bei weitem nicht mehr den freudig verspielten, lustig-schwärmerischen Charme der ?Mutter aller Boygroups?, ?Take That?.
Um sich von der Richtigkeit dieser These überzeugen zu können, dient ?Never forget ? The Ultimate Collection? in vollendeter Form. Wir hören darauf Höhe- wie Schwachpunkte aus fünf rasanten, schillernden Jahren eines am Reißbrett entworfenen Kunstprodukts, das sich nicht mit mühevoller Kleinstarbeit aus dem Übungskeller in die Stadien hochgespielt hatte. Statt dessen waren die fünf Teenidole ohne viel eigenes Zutun von einem geschäftstüchtigen Manager zum flinken Geldverdienen regelrecht zusammengepfercht worden. Dies mag bei ?Take That? sehr gut, mehr nur als rentabel und nicht selten künstlerisch famos funktioniert haben ? die durch das Kuschel-Quintett begründete ?Casting-Orgie? zur Findung MTV-kompatibler Popsternchen makellosen Aussehens hat im Laufe der letzten zehn Jahre nicht nur nichts Gleichwertiges mehr hervorbringen können, sondern außerdem das Niveau des kommerzorientierten Hitparaden-Pop so drastisch gesenkt, daß heutzutage keine Mainstream-Popband mehr existiert, zugunsten derer selbst kulturbeflissene Musikgenießer für ein paar gefühlvolle Stunden ihre hochheiligen Dylan- oder Cohen-LPs beiseite legen würden, wie es bei ?Take That? garantiert tausendfach der Fall war!
Wertung ? Musik: 3
Wertung ? Historische Bedeutung: 1
(Holger Stürenburg, 28./29. November 2005)

Duran Duran Live from London (DVD)

Mittwoch, 23. November 2005

Nach etlichen Jahren, in denen sie zwischen zweiter Liga und Versenkung verharrten, wagten vor rund zwölf Monaten ?Duran Duran?, die uneingeschränkten Könige der britischen ?New Romantics?, eine von ihren Hunderttausenden Fans langersehnte, aber schlußendlich immer weniger für realistisch gehaltene Rückkehr in das Haifischbecken des internationalen Showgeschäfts. Ihr im Herbst 2004 veröffentlichtes Comebackalbum ?Astronaut? blieb zwar in erster Linie ein Geheimtip (höchste Notierung in Deutschland: Platz 23), rief aber Dank eines darum herum entstandenen, riesigen Medienrummels und einiger wirklich gelungener Nummern die einstige Teenielegende um den noch heute edel und charmeversprühend agierenden Sänger Simon Le Bon nicht nur ihren früheren Anhängern ins Gedächtnis zurück, sondern sorgte zudem dafür, daß sich unwissende Nachgeborene endlich eingehender mit den Helden ihrer Eltern und/oder großen Geschwister beschäftigen konnten.
Immerhin hatte es ?Duran Duran? in der Originalbesetzung seit 1989/90 nicht mehr gegeben. Im Anschluß an die CD ?Thank you? (1994), auf der die Duranies Coverversionen ihrer persönlichen Favoriten nur selten gekonnt aufkochten, war Proklamator Simon zeitweilig der einzige Verbliebene, der sein bisheriges Flagschiff am Leben zu erhalten versuchte, selbst wenn spätere musikalische Versuche wie ?Electric Barbarella? (1995) oder ?Pop Trash? (2000), sowohl qualitativ, als auch quantitativ, gnadenlos scheiterten. Fast ein Vierteljahrhundert nach ihren Anfängen, kamen die fünf Ex-Mädchenschwärme nach dem Millennium erneut miteinander ins Gespräch, begruben manch länger siedenden Streit, begaben sich für die Aufnahmen von ?Astronaut? zunächst wohlgemut ins Studio und daran anschließend auf eine ausgedehnte Welttournee. Und siehe da: Der Jubel, die Begeisterung, die Faszination fielen kein Jota schwächer aus, als es zu Beginn der 80er der Fall war, als manch britischer Musikjournalist in den fünf Schönen aus Birmingham gar die neuen Beatles zu erkennen vermochte.
?Live from London? (CHS/Soulfood), eine über zweistündige DVD in überdurchschnittlicher Klang- wie Bildqualität, mitgeschnitten 2004 in der ausverkauften ?Wembley Arena? zu London, legt nun in bester Manier Zeugnis darüber ab, daß es ?Duran Duran?, allen vorherigen Irrungen und Wirrungen zum Trotz, in keinster Weise verlernt haben, wie man junge (bzw. sich jung fühlende), verträumte Menschen in eine kongeniale Melange aus Ekstase und Melancholie stürzen kann, tief hinein in die Abgründe einer grellen, hektischen, konstruktiv dekadenten Welt, in der man vor lauter Abscheu in Anbetracht der grausigen Realitäten am allerbesten lachend und feixend in den Untergang tanzt. Musikalisch wesentlich härter, griffiger, gitarrenlastiger als zur Hochphase von Synthesizer und Computerpop, angeführt von einem so konsequent charismatischen wie stimmstarken Frontmann, und stets mit einer sympathischen Portion Selbstironie ausgestattet, präsentierte die Band in der britischen Hauptstadt 20 knackige Pop-Oden aus 25 Jahren ?Duran Duran?: Tanzbare Discodramen, von Punk und Funk gleichermaßen beeinflußt, ohne die unsere pubertären Leidens- und Liebeszeiten womöglich völlig anders vonstatten gegangen wären: Um einiges langweiliger, ereignis- und emotionsloser und ? so ist zu vermuten ? Jahre später kaum einer verklärten Rückschau wert.
Der krosse Riffrocker ?(Reach up for the) Sunrise?, erste Single aus ?Astronaut?, dem man anhand keiner Note, keiner Harmonie anmerken kann, daß er tatsächlich erst 2004 und nicht schon 1984 entstanden ist, eröffnete eine kompakte, hervorragend inszenierte, aber keineswegs sterile oder vorhersehbare Zeitreise mitten in die Ära von Nachrüstung und Neuer Romantik, eisiger Atomangst und buntester Gefühlsausbrüche. Kein Hit fehlte, keine ? noch so umstrittene ? Phase der Band wurde programmatisch ausgespart. ?Duran Duran? zelebrierten sich und ihre enorme Bedeutung für den perfekten Power Pop der 80er Jahre, ohne sich einerseits unnötig und übertrieben im wiedererkämpften Ruhm zu sonnen, andererseits aber auch ohne nur einen Augenblick lang vergessen zu machen, um wie vieles ärmer das Musikleben der kühlen Dekade gewesen wäre, wenn ?Duran Duran? über den Status eines unerfüllbaren Traums mitteilungsbedürftiger Kunststudenten und Schauspielschüler nicht herausgekommen wären.
?Hungry like the Wolf?, im Mai 1982 ?Duran Durans? erstes von der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommenes Lebenszeichen hierzulande, rockte lecker vor sich hin; ohne Umschweife und große Worte gefolgt von dem zickigen Rock/Disco-Gewitter ?Is there something I should know?, das im Frühjahr 1983 die positive Reputation der Duranies außerhalb Großbritanniens festigte, sowie von der kosmopolitischen Yuppie-Hymne ?Union of the Snake? (ebenfalls 1983) ? mit klingenden Zeitzeugnissen geizten die fünf hübschen Männer, die von jeher zu weitaus mehr befähigt waren, als nur gut auszusehen, wahrlich nicht. Selbst ein lediglich mittelprächtiges Opus, wie die zweite 93er-Single ?Come Undone?, erstrahlte zwölf Jahre später in unverhoffter Größe. ?A View to a Kill?, das sagenumwobene James-Bond-Titelthema aus dem Sommer 1985 und für viele der beste ?Duran Duran?-Song überhaupt, fehlte genausowenig wie hibbelige, leicht avantgardistische und daher niemals zu Singleehren gekommene Klangexperimente a?la ?The Chauffeur? (1982) oder ?Night Boat? (1981), welche die fünf Endvierziger regelmäßig, ohne Abbruch der brodelnden Stimmung, zwischen ihre unvergänglichen Gassenhauer einstreuten. ?This is Planet Earth?, grandioser Discoexzeß aus der nur nach der Band benannten 81er-Debüt-LP, begründete mittels der Textzeile ?Some New Romantic looking for the TV Sound? eben jene exzentrische Bewegung der schrillen, aber durch und durch bürgerlich-gediegenen ?New Romantics?, die zusätzlich bzw. abgeschwächt als ?Popper? oder ?Blitz Kids? bekannt wurden und zu den bedeutsamsten modischen Trendsettern der 80er Jahre zählten. Aufpeitschende, tiefschwarze Funk-Orgien zauberten Simon und seine Begleiter 1988 in ?I don?t want your Love? hervor, ein Unterfangen, das im Rahmen der 2004/05er-Konzertreise auf der Bühne, mit Unterstützung der farbigen Chorsirene Sara Brown, nach so vielen Jahren Abstinenz zu neuem Leben erweckt wurde und rein gar nichts von seiner früheren melodramatischen Nightlife-Atmosphäre eingebüßt hatte. ?But I won?t cry for Yesterday / there?s an Ordinary World / Somehow I have to find? hieß es in der traumhaften Ballade ?Ordinary World?, mit der ?Duran Duran? 1993, vollkommen neben dem seinerzeit herrschenden musikalischen Zeitgeist schwimmend, nicht nur unvermittelt die US-Charts stürmten, sondern auch harsch, aber gleichzeitig sehr sanft und selbstkritisch ankündigten, in den uncoolen 90er Jahren ebenfalls nicht schweigen zu wollen ? was, wie wir wissen, größtenteils ein frommer Wunsch blieb. Liebenswerte Erinnerungen an die unvergleichliche Ferienliebe in der neunten, zehnten Klasse, zwischen herben ?Stone-Washed Jeans? und überdimensionalen Ghettoblastern, wurden wach Dank der versinnbildlichten Strandromanze ?Save a Prayer?, zuerst unbeachtetes Albummaterial der 82er-LP ?Rio?, das Anfang 1985 mir nichts, Dir nichts, in Form einer verspäteten Singleauskoppelung hervorgekramt wurde und die Duranies als feinste Popchansonniers der feudalsten Sorte etablierte.
Je weiter der ca. 112minütige Konzertabend gedieh, desto tiefer griffen Simon und Co. in ihre schier unendlich erscheinende Schatzkiste. Beim 86er-Funkknaller ?Notorious? gab es endgültig kein Halten mehr: Blutjunge Mädels tanzten neben betagteren Geschlechtsgenossinnen und brüllten sich die Seele aus dem Leib. Während der ersten Takte der nervösen 84er-Single ?The Reflex? ? im Juni des ?Orwell-Jahres? erster Top-10-Erfolg der fünf schnieken Briten in unseren Breitengraden ? erdröhnte ein Geschrei und Gekreische, als sei soeben Otto Graf Lambsdorff zurückgetreten und Kanzler Kohl mitsamt der ?Gnade der späten Geburt? von seinem vieldiskutierten Israel-Besuch heimgekehrt. Kunstvolle, futuristische Videoeinspielungen bewiesen als Untermalung des treibenden, hitzig-hetzenden 81er-Poprockers ?Careless Memories? den hohen visuellen Anspruch der Band, bevor die vertonte SM-Obsession ?The Wild Boys? (Ende 1984) das ?Grande Finale? einleitete. Dieses bestand aus der hedonistischen Yuppiehymne ?Girls on Film?, im Zuge derer jedes einzelne Bandmitglied seine Künste am entsprechenden Instrument ausführlich, aber niemals langatmig darbieten durfte, und dem Lifestyle-Epos des Jahres 1982, ?Rio?, glitzernd-urbaner Titelsong der zweiten Duran-Scheibe und auf ?Live from London? in einer über neunminütigen Langfassung bis zum bitteren Ende orgiastisch ausgepreßt.
Mehr ?Duran Duran? war nicht möglich. Erschöpft und glücklich zugleich verließen, Simon Le Bon, Nick Rhodes (key), Andy Taylor (git), John Taylor (b) und Roger Taylor (dr) die Bühne des Wembley Stadions. Zwischen ?Arena ? recorded around the World?, der ersten Liveplatte der Duranies, und ?Live from London? liegen mehr als 20 Jahre. Gaben sich die Fünf auf ?Arena? als schnuckelige Posterfüller für schummrige Jungmädchenzimmer, die oft mehr süßlich und klebrig, denn rockig und ernsthaft klangen, so sind ?Duran Duran? anno 2005 ? und dies beweist ?Live from London? in vollster Pracht ? eine erwachsene, intellektuelle, kräftig und deftig reinhauende Rockband bester Güteklasse geworden. Zu hoffen ist nun, daß ?Astronaut? und die damit verbundene (für vorliegende DVD festgehaltene) Tournee nicht nur ein nettes Intermezzo ältlicher Popstars darstellten, sondern den furiosen Start einer zweiten Karriere fernab von ?BRAVO? und Co, dafür aber gefeiert und mit Lob überschüttet von Feuilleton- und Kulturredakteuren der gehobenen Weltpresse!
Zusätzlich zum 112minütigen Konzert beinhaltet ?Live from London? eine umfangreiche, 80teilige Photogalerie, Audiokommentare der Bandmitglieder zu zehn Songs sowie eine mitreißende Dokumentation über die Geschichte einer der zeitgeist-, mode- und stimmungsbestimmendsten Popheroen der 80er Jahre.
Gesamtnote: 1
(Holger Stürenburg, 15./16. November 2005)

Franz Posch & seine Innbrüggler - Album “Guat aufg´legt”

Dienstag, 04. Oktober 2005

Franz Posch & Seine Innbrüggler - “Guat aufg´legt” - VÖ: 20.09.2005

Bei Franz Posch spürt man die Liebe zur echten Volksmusik, wenn er als TV-Moderator seine Musik präsentiert, wenn er seine Musikstudenten unterrichtet und vor allem, wenn er mit seinen wiedervereinten Innbrügglern meisterhaft musiziert!

Trackliste
1 Kapitän Rimek Marsch
2 Der Bamschneider
3 Marsch Der Medici
4 Hochzeitsglocken
5 Jodelpolka
6 Seidemann Und Seidefrau
7 Vivat Ingrid
8 Rosa Walzer
9 Helli Voll In Fahrt
10 Thresl Boarischer
11 Posaune In Laune
12 Verena Walzer
13 Der Hans Der Kann`s
14 Flügelhorn Landler
15 Achensee Marsch
16 Der Einirearer
17 Cantonati Polka
18 Aeronauten Marsch

Eric Burdon & the Animals Athens Traffic Live

Montag, 12. September 2005

Im April vergangenen Jahres veröffentlichte der aus der britischen Hafen- und Arbeiterstadt Newcastle stammende Bluesshouter Eric Burdon sein erstes Studioalbum seit 1988. ?My Secret Life?, benannt nach einem dunklen Slowblues von Leonard Cohen, den der einstige Vorsteher der ?Animals? auf eben jener Silberscheibe in kongenialer Weise reanimiert, überraschte nicht nur durch enorme Stilvielfalt ? von klassischem Blues und Boogie über US-Radiorock-Anleihen bis hin zu Poppigem und Folkigem war alles dabei, was der anspruchsvolle Rockfan mit Vorliebe goutiert -, sondern auch und besonders durch einige überaus gekonnte Ausflüge in jazzige, swingende, gar chansonartige Gefilde, die Eric Burdon zuvor nur allerseltenst betreten hatte. Kritiker und Fans zeigten sich hellauf begeistert von Erics aktuellem Opus. Jahrelang hatte man sich auf frische Aufnahmen des heute 64jährigen Stehaufmännchens des proletarischen Bluesrock gefreut. Doch immer wieder verschob sich das Erscheinungsdatum oder gingen geplante Kooperationen mit Plattenfirmen zu Bruch. Erst die Hannoveraner Firma SPV zeigte reales Interesse an Erics neuesten Werken, nahm sich daher des wohl besten, weil eindrucksvollsten und echtesten weißen Bluessängers an und brachte ?My Secret Life?, zeitgleich mit einer gedruckten Autobiographie gleichen Titels, auf den Markt. Kaum war die CD draußen, schon überschlugen sich die Lobespreisungen durch die Rezensenten. Mit so kecken, unverbrauchten und jugendlich-frisch anmutenden Klängen eines Musikern, der schon so häufig abgeschrieben und totgesagt wurde, hatte wahrlich niemand mehr gerechnet. Eric fackelte nicht lange und begab sich schleunigst auf eine ausgiebige Tournee, die monatelang andauerte und ihn durch alle wichtigen Länder der Erde führte. Eines schönen Tages, im Dezember 2004, machten er und seine Begleitband in der griechischen Hauptstadt Athen Station. Vor einem aus dem Häuschen geratenden Publikum, präsentierte das seit 1960/61 in der Musikszene aktive Arbeitstier des Blues ein mehr als eineinhalbstündiges Programm, dessen beste Momente für die CD ?Athens Traffic Live?, die am 29. August diesen Jahres, ebenfalls bei SPV, das Licht der Welt erblickt, in zwar nicht herausragender, aber zumindest durchgehend passabler Klangqualität festgehalten wurden.
Der ?Unfehlbare aus Newcastle? (Sounds) hatte zum Zweck seiner letztjährigen Konzertreise eine aktuelle Formation der ?Animals? zusammengestellt, die natürlich mit der Urbesetzung der ersten Stunde nur noch den Namen gemein hatte. Der ?schwarze Weiße? selbst sang in erster Linie, griff ab und zu auch zu Gitarre oder Perkussion, und wurde begleitet von Dean Restum (git), Martin Gershwitz (key, violin), Dave Meros (b) und Bernie Pershey (dr). Nicht die unumgänglichen, inzwischen fast ein wenig abgegriffenen ?Greatest Hits? standen bei Erics aktuellen Bühnendarbietungen im Vordergrund. Die 175. Variation von ?The House of the Rising Sun? oder ?We?ve gotta get out of this Place? wird dem Hörer von ?Athens Traffic Live? gottlob nicht aufgedrängt. Von ?When I was young? und ?Tobacco Road? abgesehen, verzichtete Eric vollkommen auf Evergreens und Oldies aus seiner über 40jährigen, sehr wechselhaft verlaufenen Karriere. Stattdessen finden sich auf vorliegender Silberscheibe sechs der spannendsten Nummern von ?My Secret Life?, dazu der eine oder andere Geheimtip aus Erics umfangreichem Repertoire sowie leckere Wiederaufbereitungen von Rock?n?Roll- und Blues-Standards bekannter Genre-Kollegen, denen Eric mittels seiner weiterhin kraftvollen, ausdrucksstarken, manchmal leidend, angestrengt, dadurch aber so sympathisch und erdig-ehrlich wirkenden Intonation eine außergewöhnliche Note verleiht.
So frißt sich der 64jährige zu Beginn seines Athener Auftritts durch John Lee Hookers unruhigen, rauhen Talking Blues ?Boom Boom?, gedenkt daran anschließend in abgeklärter und doch so liebevoll-melancholischer Weise seiner aussichtslosscheinenden und zugleich doch so ereignisreichen Jugend im grauen Alltag der britischen Working Class (?When I was young?), um kurz darauf das stille, so sehnsüchtig flehende irische Traditional ?Factory Girl? gefühlsstark vorzutragen: Ein folkiges Klagelied aus den Arbeitersiedlungen des anbrechenden 20. Jahrhunderts, das ihm seine Großmutter zu Kinderzeiten oft und gerne vorgesungen hat. Das von US-Blueser Robert Blackley geschriebene ?Once upon a Time? beschreibt, auf der Basis fetter Hammondorgelklänge, getragen von einer poppigen, leicht ins Ohr gehenden Melodie, die wilden 60er Jahre zwischen Vietnamkrieg, ?Summer of Love?, Studentenrevolte, Hippietum und den damals zeitgeistbestimmenden Persönlichkeiten von Marvin Gaye bis Martin Luther King, dargeboten von Eric in der (ihm durchaus gut zu Gesicht stehenden) Rolle eines augenzwinkernden Geschichtslehrers, der bei all den großen, weltbewegenden Ereignissen, von denen er seiner Nachwelt vorschwä