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Rainer Nitschke - Weihnachts-CD “Die verlorene Schneeflocke”

Freitag, 16. Dezember 2005

Rainer Nitschke - “Die verlorene Schneeflocke” - Weihnachts-CD
Der beliebte SWR- und WDR-Moderator Rainer Nitschke hat eine Mini-CD mit sieben wurnderschönen Weihnachtstiteln veröffentlicht. Seine warme und tiefe Stimme macht diese Titel zu einem Genuss für besinnliche Stunden.

Über Rainer:
Wenn man jung ist, hat man viele Träume und Wünsche. Mancher Traum wird sich erfüllen, doch viele bleiben unerfüllt. So auch bei unserem heutigen FilderTrophäenTräger.
Aufgewachsen in Stuttgart, am Körnerplatz. Vormittags zappelte er am Zeppelingymnasium und wenn alle anderen Mathe und Englisch büffelten, hörte er Radio Luxemburg mit RundfunkGott Camillo Felgen. Sein größter Traum: Einmal so sein wie er.
1968 erstrahlte sein Glücksstern in vollem Glanz. Er lernte die Schauspielerin Ursula Herking kennen. Sie machte ihn mit seinem Traumidol Camillo Felgen bekannt und er durfte vorsprechen. Der Start einer großen Karriere. Volltreffer gleich mit der ersten Sendung “Hallo, Nachtarbeiter”. Dann folgte die “Funkkantine” und der “Fröhliche Wecker”. Der Höhepunkt “Die deutschen 10″ &endash; die große Hitparade. Diese Stimme mit dem Bass. Dieses unnachahmliche “Gewisse Etwas”. Sie wurde sein Markenzeichen.
1969 ging er zurück nach Stuttgart zum damaligen SDR. Seine Karriere schnellte nach oben. Wie eine Rakete schoss sich der junge Stuttgarter in die Ohren seiner Fans. Er wurde zur bekanntesten Stimme des SDR.
Er wurde der Moderator zum Anfassen und gleichzeitig zu dem Radiomann, dem viele Schlagersänger ihre Karriere mitverdanken. 1970 z.B. schickte ihm ein Produzent eine Schallplatte zu. Eine fürchterliche Selbstpressung. Aber das Lied gefiel ihm und er spielte es als erster Radiomann in Deutschland. Danach stürmten die Fans das Funkhaus in der
Neckarstraße. Es war “Du”, Peter Maffays DurchbruchHit.
1985 schob ihm ein junger, noch unbekannter Mann mit dunkelblonden Haaren, über den Pförtner einen kleinen Brief mit Kassette zu, in dem stand: “Ich habe den Hit des Jahres. Den müssen sie sich anhören und dann spielen, bitte”. Es war Patrick Lindner mit seinem Lied “Die kleine Tür zum Paradies”. Lindner wurde zum Superstar der Volksmusik.
Es gab über Hunderte von unvergessenen Begegnungen mit den Stars dieser Welt. Freddy Quinn überredete er, den George Baker Selection Titel “Morning Sky” neu aufzunehmen. Von Freddy`s Version wurden über 800.000 Platten verkauft. Unglaublich. Mit Ilse Werner pfiff er im “Trollinger” über eine halbe Stunde Weinlieder. Mit Roy Black fuhr er SBahn in Stuttgart schwarz. Mit Caterina Valente mampfte er im Park Hotel Rühreier um die Wette. Dem unvergessenen Bruce Low verhalf er mit “Noah” zum zweiten Comeback.

Quelle: Joe Morell - Morell Records

Bryan Adams - Anthology (2 CD)

Mittwoch, 14. Dezember 2005

Der Kanadische Rockstar Bryan Adams, seit nunmehr 25 Jahren im Geschäft, gilt spätestens seit Mitte der 80er Jahre als einer der erfolgreichsten, langlebigsten und zugleich unspektakulärsten Musiker aus der internationalen Szenerie der im Laufe der vergangenen Dekade stark in den Hintergrund getretenen Sparte ?Classic Rock?. 1959 in Kingston/Ontario geboren, startete der scheinbar immerjunge Gitarrist, Bassist, Songschreiber und Sänger bereits 1980 seine bis heute kraftvoll und scheinbar ohne jegliche physische Abnutzungserscheinungen vonstatten gehende Karriere. Nach unzähligen Nummer-1-Hits in 30 Ländern der Erde ? davon zwei in Deutschland ? legt der inzwischen 46jährige dieser Tage eine über weite Strecken vollständige Retrospektive betreffs seiner bisherigen Arbeiten vor. ?Anthology? (Polydor/Universal) komprimiert auf zwei proppevollen Silberscheiben mit einer Gesamtspielzeit von ca. 156 Minuten 36 mehr oder minder erinnerungswürdige Lieder, sämtlich chronologisch geordnet, aus einem Vierteljahrhundert schnörkelloser Rocksounds und graziler bis belangloser Balladen ohne allzu viele Mätzchen und unsinnige technische Spielereien. Während frühere Best-of-Koppelungen wie ?So far so good? (1993) oder ?The Best of me? (1999) stets nur die kommerziell einträglichsten Kracher des vorherigen Holzfäller-Lehrlings beinhalteten, legt ?Anthology? alle nur erdenklichen Facetten des Bryan Adams an den Tag, präsentiert beinahe jede einzelne Single und wartet des weiteren mit ein paar bislang unveröffentlichten Songs, Remixes und Liveaufnahmen auf, so daß Einsteiger wie Altfans einen wertvollen Überblick hinsichtlich des kreativen Schaffens des unpathetischen Rock-Workaholic erhalten.
Als Bryan Adams 1980 loslegte, rechnete man ihn zu einer jungen Generation krosser Mainstreamrocker, die ihre eingängigen, riff-betonten Gitarrenhymnen mit der aufkeimenden Neuen Romantik der 80er verbanden, mit dieser zumeist wohlschmeckenden Melange im Gepäck bald darauf den Sprung über den Großen Teich nach Europa wagten und häufig besonders in der Bundesrepublik ihre größten Erfolge feierten. Doch Bryans einstige Kollegen wie, z.B. Rick Springfield, Huey Lewis oder John ?Cougar? Mellencamp, spielen längst in der zweiten Liga oder sind sogar völlig aus dem Gedächtnis der Musikfreunde entschwunden. Der körperlich kleine Kanadier mit der heiseren Reibeisenstimme hat hingegen alle musikalischen, stilistischen Wellen und Moden ? und mögen diese noch so entfernt gewesen sein von klassischem Rock und harschen Gitarrenriffs ? überlebt und ist auch anno 2005 jederzeit in der Lage, riesige Arenen nicht nur bis auf den letzten Platz zu füllen, sondern dieselben sogleich nach den ersten Takten zum Kochen zu bringen. Der keyboardbetonte, aufreibende Discorocker ?Remember? eröffnet den bezüglich künstlerischer Qualität oft schwankenden Hitreigen auf ?Anthology?, gefolgt von dem immer wieder gerne in Konzerten vernommenen Liveklassiker ?Lonely Nights?. Allerdings erzielten die Frühwerke des Kanadiers ? ?Bryan Adams? (1980) bzw. ?You want it, you got it? (1981) ?, von denen genannte Oldies entnommen wurden, nur in seinem Heimatland bzw. den USA einen gewissen Bekanntheitsgrad. In Europa war Bryan Adams damals noch ein Fremdwort bzw. ein von nur wenigen Rockspezialisten anerkannter Insidertip. Dies änderte sich umgehend, als 1983 die messerscharfe LP ?Cuts like a Knife? erschien und sich der sympathische Twen Dank Auftritten im ?Rockpalast? und ähnlichen Genre-Shows insbesondere hierzulande langsam, aber sicher, einen Namen machte. Dazu trugen nicht nur der hymnische, unterschwellig treibende Titelsong oder der freche, aufputschende Up-Tempo-Rocker ?This Time? bei, sondern in erster Linie die elitäre, sehr gefühlvolle Pianoballade ?Straight from the Heart?. Alle drei aufregend unaufgeregten Rocknummern finden sich natürlich auf ?Anthology?. Ein Jahr darauf veröffentlichte Bryan Adams mit der LP ?Reckless? seinen ersten realen Meilenstein. Sechs von zehn Stücken des durchwegs mitreißenden, keinen einzigen Durchhänger mitschleifenden Albums wurden bis Ende 1985 als Single ausgekoppelt und nun auf ?Anthology? zu neuem Leben erweckt. Während der dunkel-nächtliche Großstadtrocker ?Run to you? (November 1984) und das lautstarke Liebeslied ?Somebody? (April 1985) ausschließlich in den deutschen Rundfunkcharts punkten konnten, gerieten die traumhaft atmosphärische Rockballade ?Heaven? (Juni 1985) und selbstverständlich der Allzeit-Partyhit ?Summer of 69? (August 1985) ? heutzutage vermutlich jedem Menschen ein Begriff, der nur einmal in seinem Leben eine Diskothek besucht hat ? zu ersten Duftmarken in den hiesigen Verkaufshitparaden. Die ohrwurmträchtige Reminiszenz an den wilden Sommer des weltweit von chaotischen Studentenunruhen, freizügigen Love-Happenings und ellenlangen Theoriediskussionen zur Schaffung einer angeblich besseren Gesellschaftsordnung durchzogenen Jahres 1969 erwuchs außerdem zu einem der spezifischen klanglichen Erkennungszeichen der gleichen Jahreszeit 16 Jahre später und stellt bis in die Jetztzeit hinein jenes Lied dar, das man bei eiliger Nachfrage, ohne lange zu überlegen, stehenden Fußes mit dem kanadischen Rockshouter in Verbindung bringt. ?It?s only Love? (November 1985), ein höllischheißes, leicht nervöses Duett mit ?Soul Survivor? Tina Turner, erweiterte Bryan Adams? Reputation als Erschaffer makelloser, anstandslos in die Beine gehender Fetenhymnen, die auf zeitnahe Synthieffekte oder dümmliche Dancefloor-Rhythmen regelmäßig verzichteten. ?Reckless?-Single Numero Sechs, der brachiale Riffrocker ?One Night Love Affair?, wurde jedoch nur noch in den USA und Kanada wahrgenommen. Der Rest der Welt wartete statt dessen gespannt auf eine gänzlich neue Scheibe des von schnieken Teenagern und verträumten Althippies gleichermaßen verehrten Rockrebellen. Dieser ließ sich fast drei Jahre Zeit und legte im Frühjahr 1987 das auf den ersten Blick enttäuschende, weil persönlichere, zurückhaltendere, weitaus weniger partykompatible Opus ?Into the Fire? vor, aus dem der bedrohlich anmutende, eine gefahrenvolle Unruhe vermittelnde Mid-Tempo-Song ?Heat of the Night? sowie der einzige real rockende Track der LP, ?Hearts on Fire?, den Weg auf Single fanden. Kein Wunder, daß ?Into the Fire? weder den Legendenstatus, noch die kommerziellen Höhenflüge seines Vorgängers auch nur annährend zu erreichen vermochte. Es war nicht mehr und nicht weniger als ein traditionelles, gedämpftes Singer/Songwriter-Album, auf dem sich Adams komplexeren Songstrukturen hingab, was von vielen seiner durch ?Reckless? soeben erst gewonnenen Fans nicht nachvollzogen werden konnte.
Diese warteten lieber sehnlichst auf den 1991 veröffentlichten Doppelschlag ?Waking up the Neighbours?, der neben knackigem Gitarrenboogie (?Can?t stop this Thing we started?) oder verliebt-naivem Romantik-Rock (?There will never be another tonight?) ein deutliches Augenmerk auf stille, zeitweise hochspannende, aber auf die Dauer etwas sehr gleichförmige Slow Songs legte. Nachdem ein solcher ? ?Everything I do (I do it for you)? - im Spätherbst 1991 fünf Wochen lang den ersten Rang der deutschen Singlecharts besetzt hielt, schien dies Bryan und seinem Team so sehr zu gefallen, daß künftig zuvorderst langsame (nicht selten mehr als nur anödende) Schmonzetten als singletauglich ausgerufen wurden, temporeiche, dröhnende Rocker im Gegenzug dazu ganz offensichtlich ins Hintertreffen gerieten. Eine nicht unumstrittene Entscheidung, die dazu führte, daß sich manch eingeschworene Altfans, die Bryan Adams spätestens seit ?Cuts like a Knife? gerade aufgrund seiner hinreißend ehrlichen Art zu rocken und zu rollen als kleines Heiligtum verehrten, kopfschüttelnd und vor Wut nur so schnaubend abwandten. ?Thought I?d died and gone to Heaven? folgte Anfang 1992 als weitere 45er; wiederum eine im Tempo gedrosselte Gänsehautballade, der die cleveren Marktstrategen von Bryans damaliger Plattenfirma ?A&M? schleunigst den nun wirklich übel langweilenden Rockschlager ?All I want? hinterherschickten ? dieser schlich wie ein ungemütliches Konglomerat aus ?Everything I do…? und ?Thought I?d died…? aus den Boxen -, bis offenkundig alle Welt ein für allemal verdrängt hatte, daß sich der Greenpeace- und Amnesty-International-Unterstützer aus Ontario kaum ein halbes Jahrzehnt zuvor mit so liebenswertem wie knochentrockenen Gitarrenrock seine ersten Meriten verdient hatte. Diesem Balladenschmus schloß sich 1993 die ebenso aussagelose Popschnulze ?Please forgive me? an, die Bryans erster Best-of-CD ?So far so good? als Appetitmacher beigefügt worden war. Aus dem Historienfilm ?Die drei Musketiere? stammte die Anfang 1994 veröffentlichte Ballade ?All for Love?, die Bryan gemeinsam mit Rod Stewart und Sting eingesungen hatte und das ungleiche Trio im Frühjahr desselben Jahres vier Wochen lang auf dem Spitzenplatz der hiesigen Singlecharts verharren ließ. Um ein Haar hätte man nun vermuten können, der in die Jahre gekommene Ex-Rocker stünde ab sofort nur noch für gepflegte Langeweile zugunsten des gemütlich-gemächlichen Tanztee-Nachmittags ältlicher Damen, wäre im Frühsommer 1996 nicht die CD ?18 ´til I die? auf den Markt gekommen. Auf der plietschen Scheibe hielten sich fesche Rockkracher der besten Sorte und einlullende Popmelodiechen zur Untermalung eines sich in die Länge ziehenden Kaufhausbummels eine gute Waage. Doch zu Hits wurden nicht etwa der dröge Up-Tempo-Rocker ?The only Thing, that looks good on me, is you? oder der augenzwinkernde Titelsong (auf ?Anthology? in Form eines Livemitschnitts von einem Auftritt in Lissabon gewürdigt), sondern das südamerikanisch angehauchte (und davon abgesehen ziemlich zuckerig-klebrige) Gitarrennümmerchen ?Have you ever really loved a Woman? (neun Jahre später übrigens von niemand geringerem gecovert, als von ?Schlagerkanone? Bernhard Brink!), der madige Formatradio-Stomper ?Star? bzw. die unvermeidliche, extrem peinliche Standardschnulze namens ?Let?s make a Night to remember? ? nichts Neues also aus dem Hause Adams. All dies klang, wie schon tausendfach zuvor gehört und entbehrte aller Form von Charme. Nach einem 1997 erschienenen, passablen, aber nicht weltbewegenden Unplugged-Album ? hier vertreten mit dem legeren Gitarrenpopper ?Back to you? und einer sensiblen, nahezu klassisch arrangierten Version des 83er-Trotzrockers ?I?m ready? ? hatte sich Bryan Adams auf der CD ?On a Day like today? ausnahmslos radiotauglichem Mittelmaß geöffnet. Kompakte, streicherverzierte Dreieinhalb-Minuten-Kompositionen wie das verregnet-herbstliche Titellied, das propere Pop/Rock-Duett mit Ex-?Spice Girl? Mel. C., ?When you?re gone?, oder der (für ?Anthology? in einem furchterregenden, nervtötend vor sich hin bumsenden Dancefloor-Remix aufgefahrene) gediegene Rockschlager ?Cloud Number Nine? taten niemandem weh, erzeugten aber beleibe nicht jenes Flair der überbordenden Begeisterung, das Bryans Alt-Hits der Sorte ?Summer of 69? oder ?Hearts on Fire? von einer Sekunde auf die andere auszulösen in der Lage waren. Keyboardverhangen und aller Ecken und Kanten beraubt zeigte sich ebenfalls die 99er-Single ?Best of me?. Über den letztjährigen kreativen Tiefpunkt ?Room Service?, den daraus entliehenen, allenfalls mittelprächtigen Pop/Rock-Verschnitt ?Open Road? und das schier unmögliche Möchte-gern-Tom-Waits-Chanson ?I?m not the Man, you think I am? aus dem Kinofilm ?Colour me Kubrick?, wollen wir gnädig den Mantel des Schweigens hüllen…
?Anthology? führt dem Hörer in grellster Pracht und mit allen Konsequenzen die unselige Mutation eines jahrelang gefeierten Megastars vom aufstrebenden, geradlinigen Rock?n?Roller voller durchschlagender Power und enormem künstlerischen Mitteilungsbedürfnis zu einem sich unnötig altersschwach darbietenden Balladenonkel vor Augen, der außer müde dahinplätschernder Poplangweiler für den Einmalgebrauch kaum mehr etwas hinzukriegen scheint. Darüber mag auch der von der Plattenfirma mit einiger Übertreibung als ?Radiohit? ausgewiesene, straighte Bluesrocker ?So far so good? nicht hinwegtäuschen, der zwar bis dato noch nie auf CD gepreßt wurde, aber immerhin schon 1993 aufgenommen worden war, zu einem Zeitpunkt, als sich Bryan Adams mitten auf dem Zenit seiner Laufbahn befand. Vorliegende Doppel-CD ist musikhistorisch durchaus anregend und von einiger Relevanz. Sie bietet besten, ungeschönten Nachhilfeunterricht in Sachen Bryan Adams und beweist, daß das einstige ?Talentbündel? (?Rolling Stone?) von 1983 bis 1991 tatsächlich zu den ganz Großen auf der internationalen Showbühne gehörte, seine Songs in späteren Jahren aber kontinuierlich an Qualität, Aussagekraft, Ausstrahlung und Partytauglichkeit einbüßten, so daß Bryan im Heute zwar weiterhin als überaus aktive und attraktive Liveattraktion von sich Reden machen, mit seinen matten Studioproduktionen jedoch nur noch einen Platz unter Tausenden ähnlichklingenden Popcroonern für sich in Anspruch nehmen kann.
Gesamtnote: 3
(Holger Stürenburg, 13./14. Dezember 2005)

Joe Dassin - Dieser Sänger braucht nur ein Chanson

Dienstag, 13. Dezember 2005

Wenn ein Weltstar von sich selbst behauptet, er habe keine besonders schöne Stimme, dann kann das zweierlei bedeuten: entweder Koketterie oder unverbesserlichen Perfektionismus. Letzteres trifft wohl auf ihn zu: Joe Dassin, die Chansonstimme des letzten Jahrhunderts. Wie kein zweiter hat er in Frankreich wie in Deutschland dieses Genre vertreten und beeindruckende Erfolge gefeiert. Sein Spazierganz über die “Champs-Elysées” vermittelt seit 36 Jahren (ja, so lange ist das schon her) in einem gerade mal zweieinhalbminütigen Lied ein stilbildendes Paris-Gefühl, wie es der Duft von Croissants, das Rauschen der Seine und der Anblick des Eifelturms nicht besser schaffen könnten.

Dassin war nie ein politischer Liedermacher, und das genau unterschied ihn von vielen Zeitgenossen seines Formats. Er war ein Unterhalter der Spitzenklasse, der nie das Ziel verfolgte seine Zuhörer zu erziehen. Und dennoch - oder gerade deshalb - hat er es geschafft das seinerzeit eher beataffine Deutschland für die Feingesponnenheit seiner außergewöhnlichen Musik zu sensibilisieren und so seine Botschaften zu vermitteln. Andere Sänger brauchen dafür Aggressivität, Rebellion oder künstlerische Attitüden - “Dieser Sänger braucht nur ein Chanson”…
Quelle: Tobias Reitz

2 CD 82876736592 - VÖ am 05.09.2005

Albuminfo:
?Ein Chanson ist nicht dafür da, irgendjemandem irgendetwas beizubringen?
Als Interpret von politischen Liedern oder als Verfechter der in den 60er und 70er Jahren angesagten Liedermacherszene fühlte er sich nicht berufen. Seine Arbeit gut zu machen, war das wichtigste Ziel für den Sänger und Schauspieler Joe Dassin. In Deutschland gehört er zu den bekanntesten Vertretern des französischen Chansons.
Als hartnäckig, ehrgeizig und zielstrebig beschrieben ihn Zeitgenossen und Weggefährten. Er selber bezeichnete sich als introvertiert. Seine Schüchternheit, sagte er einmal, sei er nie losgeworden. Trotzdem gelang dem ?Amerikaner aus Paris? in seinem viel zu kurzen Leben eine bemerkenswerte internationale Karriere.
Joseph Dassin wird am 5. November 1938 in New York als Sohn des bekannten Filmregisseurs Jules Dassin und der Geigerin Béatrice geboren. Seine frühe Kindheit verbringt er in Los Angeles. Als sein Vater wenig später als angeblicher Moskau- Sympathisant auf die ?Schwarze Liste? des Senators McCarthy geriet und Berufsverbot befürchten musste, verlässt die Familie die USA und findet in Paris eine neue Heimat. Joe Dassin verbringt seine Schulzeit in der Schweiz, in Italien und in Frankreich. 1955 kehrt er mit seiner Mutter nach Kalifornien zurück; seine Eltern haben sich inzwischen scheiden lassen. Sein Vater lebt nun mit der griechischen Schauspielerin und späteren Kulturministerin Melina Mercouri zusammen, mit der er den Kinowelterfolg ?Sonntags nie? realisiert.
Während sein Vater Weltruhm erlangt, studiert Joe Dassin zunächst in den USA Medizin, wechselt dann aber das Fach, weil er beim Sezieren von Leichen ohnmächtig wird. Die Universität verlässt er als Doktor der Anthropologie. Musikalisch schwimmt er zu der Zeit bereits gegen den Strom: während die amerikanische Jugend vom Rock?n?Roll elektrisiert ist, singt er Lieder des Chansonniers George Brassens zur Gitarre. Seine berufliche Zukunft sieht er deshalb auch in Europa, wo er zunächst mit seinem Vater den Film ?Topkapi? realisiert. Sänger will er damals gar nicht unbedingt werden.
Entdeckt wird er eher zufällig: Seine damalige Freundin und spätere Ehefrau Maryse will ihm zum 26. Geburtstag eine Schallplatte schenken, auf der er das Lied ?Freight Train? singt, mit dem er auf einem gemeinsamen Wochenende ihr Herz erobert hat. Sie knüpft Kontakte zur Schallplattenindustrie und man ist interessiert. Von ?Freight Train? werden 1000 Platten hergestellt, für die sich aber kaum einer interessiert.
Nun hat Joe Dassin aber Blut geleckt: weitere Aufnahmen entstehen. Ende 1965 erzielt er erste Achtungerfolge. Schließlich wird Jacques Plait, der bereits mit Charles Aznavour, Johnny Hallyday und Serge Gainsbourg zusammengearbeitet hat, sein Produzent und Baumeister seiner Karriere. Joe Dassin avanciert zum Star. Ende der 60er Jahre knüpft er Hit an Hit: ?L?équipe de Jojo?, La bande à Bonnot?, ?Ma bonne étoile?, ?Le petit pain au chocolat? und nicht zuletzt ?Les Champs-Elysées?, eine Coverversion von Smacka Fitzgibbon?s ?WaterlooRoad?, die Joe Dassin auch in Deutschland populär machte.
In zahlreichen europäischen Ländern sowie in der Sowjetunion und sogar in Japan belegt er Spitzenplätze. Eine Konzerttournee führt ihn auch durch 10 afrikanische Länder.
Zwei Fernsehauftritte, 1969 in der TV-Unterhaltungsreihe ?Musik aus Studio B? und 1970 in der ?ZDF-Starparade?, sichern Joe Dassin, der von sich selbst sagte, er habe keine schöne Stimme, auch in Deutschland Plätze in den Bestenlisten, und er nimmt einige seiner französischen Hits in deutsch auf: so wird z. B. aus ?La fleur aux dents? ?Es gibt Mädchen so zum Träumen? und aus ?Le cadeau de papa? ?Meines Vaters Sohn?.

Christian Bruhn schreibt für ihn das Lied ?Das sind zwei linke Schuh?, aus der Feder von Hans Blum stammt ?In Versailles in dem großen Garten?. Der weiße Anzug und der silberne Gürtel werden zu seinem Markenzeichen.
Immer wieder muss Joe Dassin seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen, Herzprobleme begleiten ihn seit seiner frühen Jugend, er wurde deshalb auch vom Militärdienst freigestellt. Häufigere Herzattacken zwingen ihn, kürzer zu treten, was dem Künstler, der 150 bis 200 Auftritte pro Jahr absolviert, schwer fällt. In den Jahren 1973/74 erleidet seine Karriere einen Einbruch, auch Probleme in seiner Ehe mit Maryse machen ihm zu schaffen. Der gemeinsame Sohn Joshua stirbt 1973 fünf Tage nach der Geburt. Tahiti wird sein Refugium. Dort schöpft er neue Kraft und erwirbt sogar ein Haus.
Ende 1974 geht es wieder aufwärts. Mit ?Si tu?t?appelles mélancholie? schafft Joe Dassin ein Comeback. 1975 überrascht er mit seiner Version der italienischen Canzone ?Africa? aus der Feder von Toto Cotugno. Daraus wird der Charterfolg ?L?été indien?, dessen deutsche Version ?Septemberwind? ebenfalls ein Bestseller wird. Das Lied wird der größte Erfolg in Joe Dassins Karriere und erscheint in 25 Ländern.
Nachdem er sich 1977 von seiner Frau Maryse getrennt hat, heiratet er 1978 Christine. Er bekommt zwei Söhne, aber auch diese Ehe zerbricht. Mittlerweile hat er seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Kalifornien verlegt. Doch sein Wunsch, auch in seiner Wahlheimat USA künstlerische Anerkennung zu finden, erfüllt sich nicht mehr. Am 20 August 1980 erleidet er auf Tahiti eine Herzattacke, die er nicht überlebt.
Joe Dassin ist tot, aber seine Lieder leben weiter. Noch bis in die 90er Jahre hinein erzielen seine Platten Rekordumsätze.
Quelle: Sony BMG

Die Schlager des Jahres 2005

Donnerstag, 08. Dezember 2005

Die erste Sendung fand 1995 statt. Wir besuchten die Schlager des Jahres, egal ob Suhl, Chemnitz oder Leipzig seit 1997 jedes Jahr. Immer wieder ist es ein Highlight für uns, dieses Event bzw. diese Aufzeichnung zu verfolgen. Früher sahen wir es aus einem anderen Aspekt, wir fuhren hin, um von einigen Künstlern Autogramme zu bekommen, den einen oder anderen mal zu sehen. Dieser Aspekt hat sich vor 2 Jahren definitiv geändert, denn mittlerweile ist man als Presse vor Ort, um für einige Schlagerportale Fotos oder einen Bericht zu machen. Klappt nicht immer, da durch manche Lichtverhältnisse, die Fotos nicht so werden, wie man es sich selbst vorstellt. Aber so was passiert und man hat trotzdem die Möglichkeit es weiterhin zu versuchen.
In diesem Jahr war es allerdings etwas ganz besonderes. Back to the roots, zurück wo alles begann, dem Ursprung der Wurzeln, nämlich im Congresscentrum in Suhl. Immerhin konnte die Sendung in diesem Jahr 10 jähriges Jubiläum feiern. Anlass für uns wiederum, dorthin zu fahren. Es ist wirklich sehr schön, eine gemütliche Atmosphäre ist vorhanden, viele Räumlichkeiten sind gegeben und man kann sehr viel unternehmen. Am Hotel war das Ottilienbad angegrenzt, ein wunderschönes Bad, wie ich finde, was wir gleich genutzt hatten. Wenn man schon mal dort unten in der Gegend ist, sollte man alles was sich an Freizeitangeboten bietet, mitnehmen.
Ein Höhepunkt für uns ist immer, den Ablauf der Proben mitzuerleben. Die Arbeit, die bei einer so großartigen Sendung dahintersteckt, ist schon enorm. Allein schon die wunderschönen Bühnenbilder des MDR Fernsehens verzaubern. Alles geht Hand in Hand, alles ist korrekt abgesprochen. Der MDR ist für seine Kreativität bekannt, Highlights darzustellen, das perfekte Feeling zu arrangieren, damit man sich als Zuschauer vor Ort gleich wohlfühlen kann oder aber am Bildschirm fesselnd davor sitzt.
Am 25.11. fand die öffentliche Generalprobe und Aufzeichnung statt. Das CCS war ausverkauft gewesen, hatten doch viele Zuschauer das Ziel wahrgenommen, um diese schöne Aufzeichnung live mitzuerleben. Bernhard Brink, der sympathische Sänger und Moderator war ganz schön aufgeregt aber er meisterte seine Moderationen wie immer mit großartiger Bravour. Schließlich kannte man seine gut gelungenen Moderationen aus den Jahren zuvor bzw. vom deutschen Schlagermagazin, welches er über viele Jahre moderierte. Ein grandioses Opening erfolgte mit seinem Titel ?Ich geb nicht auf? seines derzeit aktuellen Albums ?Verdammt Direkt?. So, wie in jedem Jahr war die Begrüßungszeremonie Hallo Suhl und die Zuschauer antworteten mit ?Hallo Bernhard?. Bernhard arbeitet sehr professionell und weiß daher, wie er die Zuschauer in seinen Bann ziehen kann.

Ein bemerkenswert guter Komponist und Sänger war der nächste Künstler Andreas Martin. Sein Motto ?Wir leben nur einmal? ? so heißt jedenfalls sein aktuelles Album. Er erreichte mit diesem Lied Platz 1 in den Party und Schlagercharts. Kostproben seiner größten Hits (Amore Mio, Solo Tu usw.) gab es in einem Hitmedley und sein aktueller Song ?Wir sind immer noch gut? durfte nicht fehlen, welcher derzeit die Radiostationen stürmt.

Wie ihr aktuelles Album so nennt sich ihr Lied ?Morgensterne schweigen? von Mara Kayser. Sie hielt sich damit 9 Wochen in den Airplaycharts Repertoire Volksmusik. Immerhin war ?Morgensterne schweigen? mit 72 Einsätzen Platz 1 gewesen.

Auf 20 Jahre Bühnenjubiläum kann der gutaussehende Hit auf Hit Moderator bzw. der schweizerische Sänger Leonard zurückblicken. ?Ich schenk dir die Sterne? war einige Wochen auf Platz 1 der Airplaycharts. Die Fans können sich mit ihm freuen, denn im Frühjahr 2006 gibt es ein neues Album von ihm.

Ab 1.Januar 2006 darf sich diese Gruppe nicht mehr Karat nennen. Schade, wie ich finde, ist diese Gruppe doch eine Legende bzw. Kult. Der Titel ?Melancholie?, den Claudius mit Bernd, Michael, Christian und Martin zum Besten gaben, wurde vom ersten Sänger der Band Hans Joachim Neumann geschrieben. Im April 2006 werden Karat, wenn auch unter anderem Namen auf Tournee gehen. Man kann zwar den Namen verbieten aber nicht die Musik. Und diese Musik wird weiterleben.

Der Aufsteiger des Jahres 2005 mit seiner sanftschmelzenden Stimme ist eindeutig Semino Rossi. Dieser Mann hat Chartpower. ?La Cancion de la Paz? vom Album ?Tausend Rosen für Dich? ist ein echtes Highlight. Dieses Album hat jetzt in Deutschland Goldstatus erreicht. In Österreich regnet es sogar Platin. Sein neues Album ?Feliz Navidad? stürmt derzeit die Charts ? ob Österreich, Schweiz oder bei uns in Deutschland, er räumt alles ab. Mit seinen 3 Alben ist er weiterhin trendig in den Verkaufcharts. Für das Album ?Alles aus Liebe? gibt es ebenfalls Gold in Deutschland sowohl in Österreich.

Sie moderiert die erfolgreichen Sendungen ?Musik für Sie? und ?Tierisch, Tierisch?. Auch als Sängerin meistert sie alles. Karriere und Beruf, all das bringt Uta Bresan in Einklang. Mit ihrem ?Sommergefühl? war sie Platz 1 in den MDR Schlagercharts und von ihr wird es 2006 ein neues Album geben. Ich freue mich im nächsten Jahr ihre erfolgreiche Sendung ?Musik für Sie? zu besuchen, denn Uta Bresan perfektioniert alles mit ausgezeichneter Bravour.

Er geht 2006 auf große Tournee ?Traummelodien der Volksmusik?. Sehr erfolgreich, ob als Sänger oder Komponist sorgt er immer für das Gute Laune Feeling in seinen Liedern. ?Kali Spera Griechenland? oder aber ?Eine Stunde dein Mann zu sein? G.G. Anderson hat immer Tophits in petto. Alles was G.G. Anderson anpackt, ist immer ein Ohrwurm. Sein aktuelles Album ?Für Dich? - sehr hörenswert.

Immer wieder gern gesehen sind die Könige der Tanzpaläste. Sie sorgen mit ihren Liedern für ein hervorragendes Urlaubsfeeling. Ihr aktuelles Album ?Urlaub für die Seele? verspricht so einiges. Die Gewinner der MDR Hitsommernacht 2005 der Fernando Express gingen ?Barfuss bis ans Ende der Welt?.

Sie kamen mit dem altbewährten Fortbewegungsmittel aus DDR Zeiten an, nämlich dem Trabbi. Olaf Berger und Tochter Maria- im Duett sehr gern gehört. Ihr Titel ?Lend a hand? hat es in sich, denn es gibt ihn einmal in englischer und deutscher Sprache. Dieser wird weltweit über Rotary International vertrieben. Die Rotary Federation feierte in diesem Jahr 100. Geburtstag und suchte aus diesem Anlass einen Song. Der Reinerlös von ?Lend a Hand? geht der Rotary Vereinigung und diverser Hilfsprojekte zugute. Ebenso feierte Olaf Berger 20 jähriges Bühnenjubiläum und bringt im März 2006 ein neues Album raus. ?Ich wein dir keine Tränen hinterher? ist sein aktueller Radiohit.

60igsten Geburtstag feierte in diesem Jahr der großartige Komponist Ralph Siegel. Von ihm stammen unzählige Hits und viele Künstler hatten damit ihre großen Erfolge. Man ließ Revue passieren, indem das MDR Deutsche Fernsehballett in brillianter Tanzformation zum Dschingis Khan Medley glänzte. Eine atemberaubende Performance wurde dargeboten.

Ehrlich, gefühlvoll und authentisch zeichnet sich Mary Roos aus. Ihr aktuelles Album ?Leben? höchst Niveau ? und anspruchsvoll, hat autobiografische Züge. Mit ihrem Song ?Zu schön, um wahr zu sein? profilierte sie in den Airplaycharts auf Platz 1. Mary Roos eine Powerfrau mit höchst elegantem Durchsetzungsvermögen. In ihren Liedern steckt viel Kraft und eine hohe Intensität.

Die Münchener Freiheit hatte allen Grund zum Feiern. 25 Jahre ? so lange können sie zurückblicken. 6 Mal Gold und 5 Millionen verkaufter Platten- das ist die Münchener Freiheit. Ihr Sound ist unverkennbar und damit stürmten sie sogar die Charts im Ausland. Mit einem Hitmedley entführten sie uns in die vergangene Zeit. Ob ?Tausendmal Du? oder ?Ohne dich? das sind Zeitklassiker und immer wieder absolut hörenswert. Aktuell im Hitmedley dabei ?Du bist das Leben?. Zum Jubiläum erschien grad eine Doppel CD und DVD ?Alle Jahre, alle Hits?.

Anke Lautenbach erfüllte sich gerade einen langgehegten Traum. Sie eröffnete ihre eigene Musikakademie in Berlin www.musikakademie-berlin.de . 2005 hatte sie ihren ersten Auftritt in Los Angeles. In den MDR Schlager und Airplaycharts mit ihren Titeln Spitzenpositionen, begeisterte sie uns mit einem Lied ?Immer für dich da mein Kind?, welches sie ihrer 15 jährigen Tochter Sophie widmete. Am 18.11.2005 brachte Anke einen Longplayer ?Erzähl mir mehr von dir? heraus. Ihr stimmliches Potential zeichnet sich in ihren Titeln aus, die bewegen, authentisch und zugleich sehr vielseitig sind.

Ein Zeitmedley durfte nicht fehlen und wer von uns kennt schon alle Hits, die sich um die Zeit drehen? Auch wir haben vorab überlegt, welche Titel gibt es eigentlich ? die das Wort Zeit beinhalten, aber wir kamen nicht auf alle. Der MDR wusste es und verpackte die Songs hervorragend in einem Medley, welches einige Künstler interpretierten. G.G. Anderson sang den Kult Song von Barry Ryan ?Zeit macht nur vor dem Teufel halt?. Anke Lautenbach wollte die Welt anhalten ?Halt die Welt an?. Dieser Song stammte von Vicky Leandros. Olaf Berger hatte auf einmal ?Keine Zeit? mehr, wohin er wollte, verriet er uns leider nicht. Frank Schöbel sang es im Original. Uta Bresan meinte daraufhin ?Du hast noch 5 Minuten Zeit? von Peggy March. Bernhard Brink brauchte die Zeit, denn er rief ?Gib mir etwas Zeit ? Alles braucht seine Zeit”. Dieses Lied sang er selbst im Jahre 1978. Das Original stammte von Suzie Quatro ?If you can?t give me love?. Die Sendung war natürlich noch nicht vorbei. Andreas Martin behauptete ?Zeit die nie vergeht? ? ein Hit von der Gruppe Perl. Leonards Philosophie war ?Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an? ? ein Klassiker von Udo Jürgens und alle zusammen meinten ?Du kannst nicht immer 17 sein? ? ein Hit von Chris Roberts. Alles Klassiker aus den gesamten Jahrzehnten waren im Zeitmedley vertreten.

Ein Newcomer in den Reihen der Schlager des Jahres Guido Hoffmann feat. Freddy the Piper. Mit dem ?Song of eilean? sorgten sie für Furore. Immerhin Platz 98 der Media Control Charts, mit 4000 Stück war die Single ?Song of Eilean? die meistverkaufte Single im ersten Halbjahr. Sensationelle Platzierungen im Radio hatte der Song mit seinen schottischen Klängen und die Zuschauer wählten ihn auf Platz 3 in der MDR Hitsommernacht. Ende Herbst 2006 ist eine Tournee von Guido Hoffmann mit einer Live Band geplant.

Der sympathische Moderator Bernhard Brink durfte sich ebenfalls als Sänger betätigen, indem er ein Hitmedley ( Ich will die Nacht mit dir, Geh doch, Wie kann man so bescheuert sein, Verdammt ich bin wie ich bin) präsentierte. Alles Hits, die sich überall gut platzierten (Geh doch Platz 1 in den Airplaycharts und zweimal Platz 1 der MDR Schlagercharts usw.) und die im Hörfunk sehr gern gespielt werden. Die Brinki Fans dürfen sich freuen, am 20.1.2006 wird es ein neues Album von ihm geben. Denn 33 Jahre Bühnenjubiläum sind Grund zum Feiern, um sein neues Album danach zu benennen. Sicherlich werden viele Hits enthalten sein. ?Am allerliebsten? heißt seine brandneue Radiosingle.

Gratulation an die 3 Gewinner der Zuschauerumfrage aus der Zeitschrift Super Illu. Die 3 beliebtesten Osthits waren zu Gast bei den Schlagern des Jahres.
Gerd Christian, der 1979 einen sagenhaften Erfolg mit ?Sag ihr auch? verbuchen konnte, kam auf Platz 3 bei der Super Illu Umfrage und auf Platz 2 bei der Hier ab vier Umfrage. ?Sag ihr auch? wurde schon von namhaften Künstler wie z.B. Bernhard Brink, Leonard, Kastelruther Spatzen und der Montanara Chor erfolgreich gecovert. ?Ich werde da sein? so lautet sein aktuelles Album auf dem u.a. der Song ?Sag ihr auch? zu finden ist. ?Das Bild in meiner Hand? erfreut sich zur Zeit auf Platz 1 der MDR Schlagercharts. Gerd Christian befindet sich auf großer Weihnachtstournee ?Winterzeit ? Schöne Zeit.

Platz 2 erreichte die Gruppe Karat mit ihrem Titel ?Über sieben Brücken?. Ed Swillms Keyboarder, Komponist und die Seele der Band kam zurück. Er arrangierte und bearbeitete für Claudius, Martin, Bernd, Christian und Michael den Song von 1978 wieder neu. Es waren schöne Stunden im Studio, erzählte die Managerin der Gruppe. Aber auch Platz 2 bei Unsere Besten Jahrhunderthits im ZDF zeigen doch, das der Erfolg weiterhin seit 30 Jahren ununterbrochen und Karat eine legendäre Kultband ist.

?Jugendliebe? das Meisterwerk aus DDR Zeiten von Ute Freudenberg hat allen Grund zu feiern. Ob in der Super Illu Umfrage oder aber in der Hier ab vier Umfrage beide Male Platz 1. Ein sagenhafter Erfolg für den Osthit aller Zeiten. Am 21.9.2005 nahm sie ihre Auszeichnung bei der Goldenen Henne im Friedrichstadtpalast entgegen. Ihre aktuelle Single ?Herbstwind? befindet sich derzeit in den Radiohitparaden. Gerd Christian, Karat und Ute Freudenberg erhielten im Anschluss nach ihren Beiträgen eine goldene CD überreicht. Allen 3 Gewinnern sagen wir Herzlichen Glückwunsch.

Von 0 auf 7 schoss sein Album ?Unverwundbar? in die Charts. Und man lud ihn ein nach Suhl ?Ich bin nicht verliebt? (Unverwundbar) die Single, die gleich viele Herzen eroberte. Denn der Erfolg für ihn war nicht immer einfach gewesen. Abends nach der Aufzeichnung feierten noch einige Kollegen mit ihm im Restaurant, um 0 Uhr (26.11) auf seinen Geburtstag anzustoßen. Glückwunsch nachträglich Matthias Reim.

?Liebt Euch? heißt sein aktuelles Album und auf 40 Jahre kann Michael Holm zurückblicken. Mit der Instrumentalformation Cusco hatte er 19 Alben und über 5 Millionen Platten verkauft. 3 Mal war er für den Grammy Award nominiert. Als Produzent sowohl als Sänger beliebt, denn von ihm gab es auch etwas neues ?Ich trag noch dein Bild in mir?. Übrigens der Klassiker ?Tränen lügen nicht? durfte nicht fehlen und im ZDF bei Unsere Besten Jahrhunderthits kam dieser Titel auf Platz 79.

Ihr Best of Album hält sich seit 4 Jahren ununterbrochen in den Top 100 Album Charts. 6 fach Platin ein sagenhafter Erfolg. Ihre anderen Alben konnten ebenfalls viele Auszeichnungen verbuchen. 2 Mal gewann sie den Amadeus in Österreich und 3 Mal den Echo. Andrea Berg ? berührt mit ihren Liedern die Seelen der Menschen. ?Lass mich jetzt noch nicht gehen? präsentierte sie aus ihrem aktuellen Album ?Du?.
Gigantisch gingen die Schlager des Jahres wieder zu Ende. Ein Highlight jagte das andere. Eine bemerkenswerte Sendung, Top Moderation, Top Künstler am Start ? eine Vielfalt an ausgewogenem Programm, welches sich wirklich lohnt am 11.12.2005 um 20.15 Uhr im MDR zu verfolgen. Wer nicht dabei war, hat echt was verpasst. Die Sendung ist wärmstens zu empfehlen. Für die Einladung ein ganz liebes Dankeschön an Uwe Nagel vom MDR Fernsehen. Wir freuen uns immer wieder dabei zu sein, um so ein grandioses Ereignis nicht zu verpassen. Danke an das Catering und die Betreuung im Hotel Mercure. Also schaltet den Fernseher ein, wenn es heißt Back to the roots ? Die Schlager des Jahres 2005 am 11.12.2005 um 20.15 Uhr im MDR Fernsehen.
Einen CD Tipp habe ich noch: Bernhard Brink präsentiert Die Schlager des Jahres Folge 10 mit allen Künstlern aus der Sendung sowie vielen anderen Hits aus diesem Jahr ? ist ab sofort im Handel erhältlich.
(c) Daniela Jäntsch

Weitere Fotos in der Bildergalerie von Hithaus

Peter Maffay Sechsundneunzig (DVD) und 96 live (DVD) (Wiederveröffentlichung)

Mittwoch, 07. Dezember 2005

Knapp zehn Jahre sind ins Land gezogen, seit Deutschrocker Peter Maffay im Frühjahr 1996 das Album ?Sechsundneunzig? auf den Markt gebracht hat. Nach der kühlen, technokratischen, beinahe sterilen 92er-Mittelmäßigkeit ?Freunde und Propheten? und einer weiteren Folge der in erster Linie bei Kindern sehr beliebten ?Tabaluga?-Saga, 1994, überraschte der in Siebenbürgen geborene Langzeitstar am 4. März 1996 mit einer unerwartet kernigen und rohen Rockscheibe. Sie ist für viele Maffay-Fans nicht nur eine seiner besten Arbeiten überhaupt, sondern vor allem der vermutlich letzte ausnahmslos gelungene Auswurf des vorherigen Schlagersängers, der 1979 einen Schwenk zu härteren Klängen vollzog und seitdem Musikfreunde nahezu aller Generationen vereint und mit seinen am amerikanischen Mainstream-Rock angelehnten Kompositionen begeistert. Was auf ?Sechsundneunzig? folgte, war gut gemeint, jedoch nicht zielführend (?Begegnungen?, 1998), öder, dahinplätschernder Radiopop (?X?, 2000), wärmte nur bereits Dagewesenes auf (?Heute vor 30 Jahren?, 2001) oder wirkte wirr, unausgegoren und verfügte über sehr unglückliche Qualitätsschwankungen (?Laut & Leise?, 2005) ? durchgehend auf hohem Niveau, überzeugend und klischeefrei rockte Maffay tatsächlich 1996 letztmalig.
?Sechsundneunzig? gilt als diejenige Scheibe Peter Maffays, die am intensivsten und langwierigsten vorbereitet wurde. Denn nicht nur die eigentlichen Aufnahmen in dessen seinerzeit hauseigenem ?Red Rooster?-Tonstudio am Starnberger See mußten bewältigt werden. Es wurden zusätzlich im fernen Australien zwei Videoclips gedreht, so daß Maffay und seine Truppe insgesamt über zwölf Monate an den elfeinhalb Songs der CD ? das gelungene Antikriegsstatement ?Siehst Du die Sonne? hört man als bedrohlich hardrockende, sowie als rein akustische, im Tempo gedrosselte Version - herumexperimentierten. Zeitgleich mit der Veröffentlichung begab sich der langmähnige Motorradfreak auf eine betuliche, 14tägige Club-Tour, im Rahmen derer er in kleineren Hallen vor höchstens 800 bis 1000 Zuschauern pro Abend ?Sechsundneunzig? in Gänze ?live? vorstellte, woran sich zum Jahresende eine weit ausholende Konzertreise durch die größten Arenen der Republik anschloß. Kurz nach Erscheinen des Audio-Silberlings gab es zudem ein properes VHS-Video zu kaufen, in dessen Mittelpunkt eines der genannten Clubkonzerte stand, und das darüber hinaus die beiden Clips aus ?Down Under? und ein paar Eindrücke der Aufnahmesessions im Tutzinger Studio beinhaltete. Genau dieses Produkt liegt nun erstmals auf DVD vor. ?Peter Maffay ? Sechsundneunzig? (SONY-BMG) beweist ein ums andere Mal, daß der sympathische Freiheitsrocker seither wahrlich nie mehr so frech, munter und schnörkellos rockte, wie vor knapp zehn Jahren. Drumcomputer, Synthesizer oder eine übermäßige Nutzung von Elektronikspielereien fanden in den zehn Livesongs zu keinem Zeitpunkt, nicht mal in Nuancen, statt; rohe, erdige Gitarrenriffs, heißblütige, unbändige Gitarrensoli und geradlinige, monströse Gitarrenwälle des riesenhaften Friesen Carl Carlton, des früheren Mitstreiters der NDW-Combo ?FEE?, Andreas Becker, und des stets verwegen dreinblickenden Brummbären Frank Diez stellten die unwiderrufliche Grundlage des Dargebotenen dar. Zwar kommen auf vorliegender DVD zwei Albumtracks (?Kannst Du das verstehen?, ?Niemals gesagt?) nicht zum Zuge, aber die besten Nummern aus ?Sechsundneunzig? hatten es in die Setlist des Clubgigs und somit auf die 80minütige Silberscheibe geschafft, die ? Maffay war schon immer ein auf Perfektion bedachter Vollprofi ? selbstverständlich mit durchwegs passabler Ton- und Bildqualität aufwartet. Allem, was in der Rockszene des vergangenen Jahrhunderts von Bedeutung war, erwiesen Maffay und Kumpane auf ihrem 96er-Meisterstück Reverenz. Wir hören krossen Bluesrock (?HBF Blues?), hymnische Heavy-Gitarren (?Siehst Du die Sonne?), ultraschnellen Rockabilly (?Es hat keinen Zweck?), spritzigen Talking-Blues (?Moment mal?) oder sonnige Up-Tempo-Rocker (?Ich sag ja?). Hier ein paar Soul-Einsprengsel (?Freiheit, die ich meine? ? im Duett mit Landsfrau und Textautorin Jule Neigel), dort eine schwülstige Rockballade a?la Bon Jovi (?Dich zu sehen?) ? lyrische Banalitäten hatten genauso selten Einzug in die prächtigen Rockhämmer gehalten, wie arrangementbezogener Billigschmus oder unsinnige Gefühlsduselei, wie es etwa 1989 bei ?Tiefer? oder 1991 bei ?Sorry Lady? Gang und Gebe war. ?Sechsundneunzig? ? CD wie DVD ? ist und bleibt eine der ehrlichsten, echtesten und originellsten Stellungnahmen in der inzwischen rund 35jährigen Karriere des knuddelig-ruppigen Sängers, Gitarristen und Komponisten aus Siebenbürgen.
Woher Maffay seine Inspiration für derartige Leckerbissen schöpfte, legte er seinen Hundertausenden Fans auf der umfangreichen Arenen- und Hallentournee zu ?Sechsundneunzig? dar, die im Spätherbst 1996 vor sich ging. Seine Auftritte in der Dortmunder Westfalenhalle, am 12. und 13. Dezember genannten Jahres, ließ der Erfolgsrocker per Kamera aufzeichnen; ein Unterfangen, was der breiten Öffentlichkeit nur wenig später als VHS-Video angeboten wurde. ?Maffay 96 live? (SONY-BMG) gibt es nun ebenfalls zum ersten Mal im DVD-Format und führt dem interessierten Beobachter erneut mit aller Pracht und Wahrhaftigkeit vor Augen, weshalb Peter Maffay nach wie vor als einer der mitreißendsten und impulsivsten Livekünstler Deutschlands anzusehen ist.
Auf einer gitarrenförmigen Bühne in der Mitte des Saales startete der Bürgerlichen Lieblingshippie seine über dreistündige Show in ungewöhnlicher Manier: ?Als Brücke? (Zitat) zu seinen späteren, eigenen Songs dienten Maffay in den 60er Jahren längst zu unangreifbaren Kultobjekten avancierte Klassiker aus Rock, Blues und Beat, die der ganz in weiß bekleidete Rockentertainer mit kleiner Bandbesetzung im Rücken, akustisch und ungeschminkt in Form eines rund 30minütigen Medleys aufbereitete: Er huldigte den ?Beatles? (?Love me do?, ?Please, Please me?), den ?Searchers? (?Needles and Pins?) oder ?Creedence Clearwater Revival? (?Proud Mary?, ?Who?ll stop the Rain?), verbeugte sich vor Elvis Presley (?Can?t help falling in Love?) oder Otis Redding (?Sittin on the Dock of the Bay?), ließ den urwüchsigen Blueser heraushängen (?It?s all over now?) oder zeigte sich als sanfter Balladencrooner (?Crying in the Rain?, ?Sound of Silence?, ?Love hurts?). Diese Evergreens, so Maffay, geleiteten ihn wiederum zu seinen eigenen Popschlagern der 70er Jahre, von denen er einige, mit leichtem Augenzwinkern und sachten, liebevollen Anflügen von Selbstironie, zur Freude seiner in der Halle vielzahlig versammelten Altfans sogleich den musikalischen Heiligtümern der Apo-Generation folgen ließ. ?Samstag Abend in unserer Straße?, ?Spuren einer Nacht?, ?Josie?, ?Und es war Sommer?, gar eine längst ausgelutscht erscheinende Edelschnulze, wie Maffays Erstlingshit, ?Du?, lebten in der ?Unplugged?-Verkleidung enorm auf und machten auf diese Weise deutlich, worin glasklar die Unterschiede zwischen ewigkeitstauglichen Hochglanz-Schlagern und schnellvergänglichem Chartspop liegen.
Nach kurzer Umbaupause, von Maffay mit heftigen Publikumsflirts überdauert, stand es nun an, dem gerecht zu werden, wozu Beatles, Stones oder John Fogerty einst Kraft und Mut verliehen hatten, nämlich einem neunteiligen, vielfältigen Melodienstrauß aus dem mottogebenden Album ?Sechsundneunzig?, angefangen mit ?Siehst Du die Sonne?, über ?Freiheit, die ich meine?, den infernalischen ?HBF Blues?, bis hin zu der unterschwellig rockenden Soulballade ?Kannst Du das verstehen?, die auf eingangs erwähnter DVD ?Sechsundneunzig? nicht berücksichtigt wurde. Als Intermezzo zwischen der Präsentation der damals aktuellen CD und dem unvermeidlichen Greatest-Hits-Part, diente der von Band-Schlagzeuger Bertram Engel am Piano, begleitet von Keyboarder Pascal Kravetz, vorgetragene, softe Schleicher ?Dying to live?, bevor der Star des Abends, auf einer dicken Harley thronend, zurück auf die Bühne brauste und dort den Höhepunkt des Spektakels einläutete. Von nun an gab?s kein Halten mehr, denn Maffay griff weit in die Schatzkiste seiner unzähligen, zum Mitsingen und Mitfühlen bestens geeigneten Rockperlen der 80er Jahre. So kamen z.B. die aufpeitschende 84er-Motorradrockerhymne ?Schatten, den die Haut tätowiert?, der 85er-Mid-Tempo-Rocker ?Alter Mann? oder die im Studiogewand überaus langweilende 89er-Tränenballade ?Tiefer? zum Vorschein, die ?live? allerdings besonders durch die souligen Hintergrundgesänge der farbigen Chordame Sheryl Hackett an Überzeugungskraft und ? ja ? Tiefe gewann. Die so pessimistische wie brachial drauflosrockende Zukunftsvision ?Liebe wird verboten? fand ebenso Einsatz in Maffays Reise durch seine Ohrwürmer der kühlen Dekade, wie die heutzutage etwas arg pathetisch-betroffen anmutende Anti-Nachrüstungswarnung ?Eiszeit? (1982) und natürlich die ?deutsche/deutsche Originalaufnahme? des einstigen Hits der ?DDR?-Band ?Karat?, ?Über sieben Brücken mußt Du gehen?, die der singende Entspannungspolitiker Maffay 1980 über die innerdeutsche Grenze in den Goldenen Westen holte und hier zu einem generationenüberdauernden Top-Hit ausgestaltete. Dies aber sollte noch bei weitem nicht alles sein, was die nach Dortmund gereisten Maffay-Freaks bei jenem Konzerthighlight erwartete. Da die hier beschriebene Tournee in der Ruhrpott-Stadt nach 40 Stationen zu Ende ging und der Dortmunder Gig bekanntlich für vorliegenden Videofilm mitgeschnitten wurde, begrüßte der glückliche Rockstar drei bedeutsame Genrekollegen, die jeweils ihre neuesten Lieder vortragen durften. Diese zuvor unangekündigten ?Special Guests? waren niemand geringeres als Soulröhre Jule Neigel, die immerhin für die Texte zweier Songs aus ?Sechsundneunzig? verantwortlich zeichnete und den schrillen Soulrocker ?Halleluja? interpretierte, der aus Wien stammende ?Austro-Dylan? Wolfgang Ambros, der den feschen Titelsong seines 96er-Albums ?Verwahrlost, aber frei? zum Besten gab, und ? last, but not least ? BAP-Chef Wolfgang Niedecken mit der locker-flockigen Jugenderinnerung ?Nix wie bisher?, erste Single von BAPs 96er-CD ?Amerika?.
Eine überlange, beinahe zehnminütige, treibende und Gegensatz zur eher synthilastigen Studioversion stark entschlackte, gitarrenbetonte Zelebration des 85er-Überhits ?Sonne in der Nacht? und eine nur von Maffay selbst, solistisch, mittels Halbakustischer, vorgetragene Fassung von ?Siehst Du die Sonne? beendeten nach über drei Stunden Partystimmung eine hervorragende, straight rockorientierte, alle Liebhaber bluesiger, rockiger Gitarrensounds ohne künstlichen Schnickschnack höchst zufriedenstellende Mixtur aus Altem und Neuem, eigenen Liedern und favorisierten Fremdstücken, die hoffen ließ, 19?Sechsundneunzig? habe der Geradeaus-Rocker in Peter Maffay neues Lebenselixier verabreicht bekommen. Daß dem nicht so war, konnte damals noch keiner erahnen!
Gesamtwertung ? ?Peter Maffay ? Sechsundneunzig? 2
Gesamtwertung ? ?Peter Maffay ? 96 live? 1
(Holger Stürenburg, 04./05. Dezember 2005)

Helmut Lotti on Tour 2006 / 2007

Donnerstag, 01. Dezember 2005

Funke Media präsentiert Helmut Lottis Deutschland-Tournee 2006/2007
Hamburg - Der belgische Tenor Helmut Lotti, der nach seinen letzten Auftritten im Sommer diesen Jahres eine Schaffenspause einlegt, wird im Winter 2006/2007 wieder auf Tournee gehen. Der Sänger absolviert von November 2006 bis Februar 2007 insgesamt 28 Konzerte in Deutschland.
Lotti wurde nicht nur für seine Interpretationen klassischer Musik, sondern auch für seine Stilsicherheit im Latin- und Pop-Bereich, etwa bei der Interpretation von Elvis-Presley-Songs, bekannt. Über 80 Platinauszeichnungen hat der Sänger inzwischen erhalten.
Der Vorverkauf für die Tournee, die von Funke Media veranstaltet wird, hat bereits begonnen. Tickets kosten 30 bis 80 Euro inklusive VVK. Sie sind über die Hotlines 01805 ? 663 661 und 01805 ? 544 944 sowie über www.getgo.de erhältlich.

Helmut Lotti live 2006/2007
23.11.2006 Essen, Philharmonie
24.11. Bielefeld, Stadthalle
06.12. Zwickau, Stadthalle
07.12. Erfurt, Messehalle
08.12. Braunschweig, Stadthalle
09.12. Cottbus, Stadthalle
10.12. Berlin, ICC
19.12. Hamburg, CCH 1
20.12. Bremen, Stadthalle
21.12. Kassel, Stadthalle
22.12. Karlsruhe, Kongreßzentrum/Brahmssaal
23.12. Stuttgart, Liederhalle
26.12. Düsseldorf, Philipshalle
27.12. Heilbronn, Harmonie
28.12. München, Philharmonie
29.12. Mannheim, Rosengarten
30.12. Saarbrücken, Saarlandhalle
10.01.2007 Bonn, Beethovenhalle
11.01. Oldenburg, Kongresshalle/Weser-Ems-Halle
12.01. Mainz, Phönix-Halle
14.01. Freiburg, Konzerthaus
25.01. Leipzig, Gewandhaus
26.01. Frankfurt, Jahrhunderthalle
28.01. Göttingen, Lokhalle
06.02. Chemnitz, Stadthalle
07.02. Dresden, Kulturpalast
09.02. Nürnberg, Meistersingerhalle
10.02. Hannover, Kuppelsaal
Autor: ml
Quelle: Musikmarkt

Heinz Rudolf Kunze 25 Jahre HRK Man sieht sich! (DVD/CD-Set)

Mittwoch, 30. November 2005

Wenige Tage vor Weihnachten 2004 feierte der wahrscheinlich polarisierendste, wortgewandteste und lyrisch brillanteste deutsche Rockmusiker und Liederschreiber sein 25jähriges Bühnenjubiläum: Heinz Rudolf Kunze, 1956 geboren im Flüchtlingslager zu Espelkamp, wandelnde Zeitgeistablehnung, einst als ?Niedermacher? gefürchteter Popliterat, Schriftsteller, Musicalübersetzer und Multiinstrumentalist, lud am 22. Dezember vergangenen Jahres seine Fans zu Zelebrationszwecken in den Hannoveraner Liveclub ?Capitol?. Dies lag nahe, denn seit 1988 residiert HRK ? wie ihn seine Anhänger gerne abkürzend nennen ? in der Leinestadt, nachdem er bereits 1985 begonnen hatte, mit dem von dort stammenden Gitarristen Heiner Lürig zusammenzuarbeiten. Beinahe volle drei Stunden lang boten Kunze, seine unter dem Namen ?Verstärkung? firmierende Begleitkapelle sowie die Gastmusiker Martin Huch (Lap Steel, Pedal Steel, Mandoline) und Wolfgang Stute (Percussions) die bedeutsamsten, wichtigsten, erfolgreichsten und beliebtesten Songs aus einem Vierteljahrhundert HRK auf. Dies hieß: Beißender Zynismus, sarkastischer Sprachwitz, bitterböse Gesellschaftskritik, liebevolle Gefühlsausbrüche, absurde Wortspiele und politisch unkorrekte Satire pur.
Anwesend war zudem das Fernsehteam der WDR-Sendereihe ?Rockpalast? und zeichnete an insgesamt vier Drehtagen stolze 920 Minuten Filmstoff auf. Nach einer TV-Ausstrahlung des Jubiläumskonzertes und ein paar darum herum mitgeschnittenen Statements von Jubilar, seinen Musikern, Freunden und Fans, kam Gitarrero Heiner Lürig, seit nunmehr 20 Jahren nahezu ständiger Begleiter des widerspenstigen Rockentertainers, auf die Idee, das vollständige Szenario als DVD für all diejenigen Kunze-Liebhaber aufzubereiten, die vor einem Jahr nicht in Hannover dabei sein konnten, aber trotzdem die spezielle, siedendheiße Stimmung der konzertären Feierstunde im ?Capitol? nachempfinden möchten. So erschien am 18. November 2005 die fulminante DVD-Box ?25 Jahre HRK ? Man sieht sich!? (Turbine/Alive), die mit spannendem, mitreißendem und informativem Material über den ?Meister der Doppelbödigkeit? (?Rolling Stone?) auf zwei DVDs und einer CD wahrlich nicht geizt. So befindet sich auf DVD-01 der ungekürzte Auftritt, welchen HRK samt Verstärkung am 22. Dezember letzten Jahres durchwegs freudig, stets abwechslungsreich und nicht selten von einer gewissen, kaum hörbaren, aber dennoch deutlich zu verspürenden Wehmut durchzogen, absolvierten. Die Setlist des Abends differierte nur wenig mit jenem Programm, das der ?Verbalpyromane? (?Die Welt?) im Frühjahr 2005 auf einer kleinen Deutschland-Tournee präsentierte, die im Oktober/November ihre Fortsetzung fand.
Das nun vollendete erste Vierteljahrhundert HRK läßt sich grob in vier Phasen unterteilen. Aus all diesen kamen - Dank vorliegenden DVD-Sets ab sofort für alle nachhörbar - die jeweils interessantesten Perlen zum Vorschein, wobei der Jubilar immer wieder seine eigenen Favoriten einstreute, die vom breiten Publikum häufig nicht so intensiv wahrgenommen wurden, wie es sich ihr Autor vielleicht gewünscht hatte.
In Phase Eins gab sich der damalige Mitt-20er HRK, der sich soeben entschieden hatte, sein Studium in Germanistik und Philosophie zugunsten einer profanen Musikerkarriere einschlafen zu lassen, oft radikalst kopflastig, auf sympathische Weise weltfremd, ein wenig verbissen, still, in sich gekehrt und weltschmerzend. Er kauerte gebeugt, geradezu ängstlich, hinter dem Piano und spie zu nicht selten übermäßig vertrackten Harmonien und Rhythmen Gift und Galle gegen die Gedankenwelt der in jenen Tagen vonstatten gegangenen ?Bonner Wende?. Kunzes Schallplattendebüt, die verletzend-verletzliche ?Bestandsaufnahme? in Sachen der schon damals längst etablierten, verfetteten und bewegungsunfähigen 68er-Generation, mittels derer er am 9. November 1980 im Würzburger Stadttheater alle elf Mitbewerber eines unter dem Motto ?Folk, Lied Song? durchgeführten ?Pop-Nachwuchs-Festivals? alt aussehen ließ, fand letztes Jahr in Hannover ebenso Eingang ins Konzertrepertoire, wie die 1982 veröffentlichte Ballade ?Regen in Berlin?, die HRK einst dem Berliner Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay gewidmet hatte, der am 22. September 1981 bei der Räumung eines belagerten Hauses durch die Polizei zu Tode kam, oder das auf den ersten Blick so sanft, harmlos, beruhigend wirkende und doch so ungemein ausdrucksstarke, schonungslose, leidende Titellied der 83er-LP ?Der Schwere Mut?. Die kühle Synthifassung des Kinks-Klassikers ?Lola?, dessen deutsche Übersetzung aus der Feder HRKs das ohnehin bereits phänomenale, kaum zu übertreffende englische Original weit in den Schatten stellte, läutete im Herbst 1984 das Ende der ?depressiven? Periode des zu jener Zeit in Osnabrück wohnenden Popgenies ein; auf ?25 Jahre HRK - Man sieht sich!? haben bei jener rockigen Verbeugung vor dem verführerischen Mannweib aus Dortmund-Nord muntere, kreischende Slidegitarren das schüchtern-mystische Computerflair der Studioeinspielung selbstverständlich längst abgelöst.
Den Frühsommer des Jahres 1985 kann man getrost als Geburtsstunde der zweiten Phase in der vielschichtigen Karriere HRKs bezeichnen. Der ?heißblütige Fabulierer? (?Die Welt?) hatte sich von seinem bisherigen Gitarristen, Komponisten und Mentor Mick Franke getrennt und statt dessen den schlaksigen Hannoveraner Heiner Lürig zur Verstärkung seiner ?Verstärkung? angeworben, der Anfang der 80er für die obskure NDW-Combo ?Bernward Büker Bande? in die Saiten schlug. Lürig trieb seinem neuen Chef schleunigst übertriebene Lustlosigkeit, Körperfeindlichkeit und Kopflastigkeit aus, so daß die kommenden Jahre ganz im Zeichen einer bundesweiten Hitparaden-Karriere des zuvor so verklemmten Piano-Zynikers standen. Samtweiche Balladen, lockerer Radiorock amerikanischer Prägung, fetzige Ohrwurmmelodien und ? Kunze-Fans der ersten Stunde haben darüber manche Träne vergossen ? leider auch des öfteren banale Mainstream-Popklänge führten den Um-ein-Haar-Studienrat in bislang so unbekannte wie für unerreichbar gehaltene Chartgefilde. So gedachte Kunze im ?Capitol? u.a. der allerersten Gemeinschaftsarbeit von ihm und Lürig: Der regentrüb-nächtliche, gar etwas New-Romantic-angehauchte Gitarrenrocker ?Fallensteller? begründete eine fabelhafte Kooperation zweier hochtalentierter Künstler, die ein in menschlicher wie beruflicher Hinsicht auf hervorragende Weise miteinander harmonierendes Team werden sollten, das inzwischen seit 20 Jahren fast pausenlos seiner Kreativität freien Lauf ließ. In diese Ära, deren unüberhörbarer Startschuß der luftig-leichte (wenn auch von den meisten gnadenlos mißverstandene) Popschlager ?Dein ist mein ganzes Herz? darstellte, und die bis 1991/92 andauerte, fielen Kunzes kommerziell ertragreichste Radiodauerbrenner, gleichzeitig aber zusätzlich manch peinliche Schmonzetten aus den Untiefen des Allerweltspop im Niemandsland zwischen halbgaren Synthi-Oden und penetrantem Schlagerambiente. Zur Genüge gelang es Kunze und Lürig jedoch besonders in jener Zeitspanne, Massenkompatibilität mit höchstem textlichen Niveau zu verbinden. Dies belegen auf DVD-1 von ?25 Jahre HRK - Man sieht sich!? z.B. der melodiöse 86er-Poprocker ?Mit Leib und Seele?, der so mitsingbare wie zutiefst (selbst-)kritische Geschichtsnachhilfeunterricht ?Wunderkinder?, im Rahmen dessen Kunze in garstigsten Worten die deutsche Nachkriegshistorie spöttisch und bedrückt zugleich nachzeichnete, die heißblütige, überkandidelte Detektivsaga ?Finden Sie Mabel? oder der Phil-Collins-ähnliche Europop/Discorock-Verschnitt ?Dies ist Klaus?, Anfang 1986 Nachfolgesingle zu HRKs unumgänglichem Chartbreaker ?Dein ist mein ganzes Herz?. Deftige Rock?n?Roll-Exzesse mit Ohrwurmgarantie verbreiteten die temporeichen Livefavoriten ?Alles, was sie will? (1989) und ? ungeheuer wiegend, anregend, treibend, eingängig ? ?Wenn Du nicht wiederkommst? (1991), melancholische Abgeklärtheit hingegen der gefühlvolle Gitarrenpopper ?Meine eigenen Wege? (1988) und zerbrechlich Balladeskes der göttliche Pianoschleicher ?Ich hab?s versucht?, einer der ganz wenigen tatsächlich erwähnenswerten Beiträge des ansonsten so unglücklichen 89er-Billigpopwirrwarrs ?Gute Unterhaltung?.
Wäre der auf eben genanntem kreativen Tiefstpunkt eingeschlagene Weg ohne nachzudenken fortgesetzt worden, hätten wir HRK womöglich bald darauf im ?Musikantenstadel? oder bei den ?Lustigen Musikanten? bewundern dürfen. Doch die brachialen Gitarrengewitter der phantastischen 92er-Scheibe ?Draufgänger? weckten Kunze und Band aus (un)seligen Popstar-Träumen auf und sorgten dafür, daß Phase Numero Drei zwar fernab des Hauptstroms (und darausfolgend auch der Singlehitlisten) stattfand, der zuvor so unschlagbare Lyriker Kunze aber wiederum zur Hochform auflief, was seine Truppe mit ausnahmslos anspruchsvollen, oft verschrobenen, aber keinesfalls unsympathischen Rocksounds untermauerte. Die zynische Ode auf den ?Einfachen Mann? ? eine grandiose Verhohnepiepelung des typischen mallorcaurlaubenden und doppelmoralinsauren BRD-Spießers ?, der groteske ?Stirnenfuß?, der humanistisch geprägte Pophymnus ?Aller Herren Länder?, der draufgängerisch drauflosrockende ?Draufgänger? oder die freundlich-gemächliche Liebeserklärung ?Leg nicht auf? repräsentieren auf vorliegender DVD diesen von Kritikern in steter Regelmäßigkeit hochgradig goutierten, vom alltäglichen Poppublikum allerdings sträflich vernachlässigten Karriereabschnitt des dauerhaften Brillenträgers und Zeitgeistverächters aus Niedersachsen.
Nach dem Millennium trat Phase 4 in Kraft und HRK tat sich mit jungen Musikern aus dem Umfeld der ?Hamburger Schule? zusammen, deren ungestüme Power dafür Rechnung trug, daß der weiterhin exzellente Songschreiber mit zunehmendem Lebensalter nicht etwa erstarrte oder auf der Stelle trat, sondern die um die 30 Jahre alten Jungspunde als profunde Inspirationsquelle nutzte. So kam er in die glückliche Lage, auch im neuen Jahrtausend, obgleich er sich selbst gerne augenzwinkernd als ?Mann des vorigen Jahrhunderts? apostrophiert, die Zeichen der Zeit zu erkennen (dieselben lyrisch wie eh und je bestialisch auseinanderzunehmen) und dies in propere, fesche Rockklänge ohne Verfallsdatum zu verpacken. Daß dies sogar nach 25 Jahren härtester Bühnenarbeit künftig ebenfalls bedenkenlos möglich ist, bewiesen jene Songs, die Kunze auf seiner Jubiläumsparty vorab aus dem im März diesen Jahres dem Markt zugeführten 25. Album ?Das Original? vorstellte: Kernige Rocker (?Der zweite Mann?) wechselten sich ab mit verzwickten Kompositionen, die das übliche Rockschema kraftvoll durchbrachen (?K.?), punkiger Offensive (?Mein wahres Gesicht?) oder einschmeichelnden Liebesschwüren (?Geh mir nah?). Zu einem kleinen Radioerfolg geriet die schwärmerische Mid-Tempo-Single ?Immer für Dich da?, als Erkennungsmelodie des diesjährigen Evangelischen Kirchentages diente die eher konventionell gehaltene Pop/Rock-Melange ?Mehr als dies?.
Dies alles und noch viel mehr brachte der zeit- wie musikgeschichtliche Streifzug des HRK vor einem Jahr in Hannover direkt, schnörkellos und ungeschminkt ans Tageslicht, was nun endlich jeder HRK-Fan aus aller Herren Länder nochmals in perfektester Ton- und Bildqualität auf sich wirken lassen kann. 15 der besten Livesongs des Abends fanden außerdem Platz auf einer zu ?25 Jahre HRK - Man sieht sich!? gehörenden Audio-CD, die darüber hinaus die bisher unveröffentlichte Simon-&-Garfunkel-Coverversion ?Bridge over troubled Water? beinhaltet. Auf der zweiten DVD erfährt der Interessierte eine Menge über die Arbeitsweise von HRK, Heiner Lürig und der einzelnen Bandmitglieder, die Entstehung von Melodien und Texten sowie manch menschliche Facette des als ?Workaholic? bekannten Paradedichters. Fans äußern sich über ihre Vorliebe für den Jubilar; man erhält Einblicke in den Backstage-Bereich des ?Capitol? und vernimmt sechs Songs aus den Proben für den Jubiläumsabend.
Heinz Rudolf Kunze kann ohne Abstriche als einer der Väter der derzeit mal wieder so stark boomenden deutschen Rockmusik bezeichnet werden; viele junge Künstler des Heute sehen in ihm ihr Vorbild. Trotz allen Lobes, aller Beliebtheit und manch unvergeßlicher Hitsingle, blieb HRK stets ein Unikum im einheimischen Rockgeschehen, ein kreativer, nicht zur Ruhe zu bringender Kopf, der ein ums andere Mal sprachliche wie politische Tabus brach und mit diesem Tun unzählige scheuklappenbehaftete Gutmenschen zur Weißglut trieb. ?Mal ehrlich: Was wäre die deutsche Rockmusik ohne diesen Mann? lautet die Eingangsfrage im, dem DVD-Set für uns Journalisten beigefügten Presseinfo. Die Frage ist recht einfach zu beantworten: Sie wäre langweilig, gleichförmig, unspektakulär, uninspiriert und ? so ist zu vermuten ? nach Abebben der Neuen Deutschen Welle und der daran anschließenden kurzzeitigen Deutschpop-Begeisterung eiligst wiederum ein konsequentes Randgruppe-Thema für verquere Elfenbeinturm-Intellektuelle geworden. Kunze sei Dank ist dieses Horrorszenario niemals mehr eingetreten!
Gesamtnote: 1
(Holger Stürenburg, 29./30. November 2005)

Diverse Interpreten - Bääärenstark 2005 (2 CD)

Sonntag, 27. November 2005

Was in den 70er und 80er Jahren noch ?Super 20? hieß und von einem aufgeregt umherflatternden bunten Vogel mit inzwischen legendärer Quäkstimme (erinnere: ?… die von Arrrrrrrrriola?) präsentiert wurde (der zum Ende der kühlen Dekade kurzzeitig ?Super-Willi? getauft wurde, bevor man ihn voller Undankbarkeit auf den Müllhaufen der Marketingstrategien verfrachtete), trägt nun im zwölften Jahr ? nach einem schnellen Intermezzo unter der Bezeichnung ?Einfach spitze!? - den längst etablierten Namen ?Bääärenstark?. Als Conferencier dieser CD-Serie, die seit Urzeiten in regelmäßigen Abständen die beliebtesten und wichtigsten einheimischen Hits eines jeweiligen Zeitabschnitts aufbietet, dient ein gemütlich-freundlicher Braunbär.
Phantasievolle Tierfiguren galten stets als Verkaufsgaranten der einstigen Münchener Schallplattenfirma Ariola. Diese fungiert aktuell als Unterlabel des ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt ansässigen Medienriesen SONY-BMG und kümmert sich überaus rührend und nahezu ausschließlich um deutschsprachige Künstler aus Schlager, Volkstümlicher Musik, Pop, Rock und klassischem Chanson bzw. Liedermachertum. Von 1994 an erschien bei Ariola ohne Ausnahme zum Jahresende jeweils eine prallgefüllte Doppel-CD, die, mit dem liebenswerten Bären Balu auf dem Cover, die besten und erfolgreichsten deutschen Schlager und Popsongs der vorangegangenen zwölf Monate zusammenfaßte. Nun liegt die 2005er-Ausgabe von Balu?s Schlager-Hitparade mit den 42 größten Hits des Jahres vor. Ein bunt ausstaffierter Brummbär läßt auf dem CD-Deckblatt von ?Bääärenstark 2005? in einer verschneiten Berghütte die Korken knallen und lädt ein zu einem insgesamt knapp 145minütigen Hörvergnügen auf zwei Silberscheiben, im Rahmen dessen alle Freunde deutschsprachigen Liedguts fast jeder Stilistik auf ihre Kosten kommen.
Alteingesessene Entertainer und Showstars sind genauso mit von der Partie wie frische Nachwuchskünstler, die oft soeben erst begannen, sich einen Namen in der Schlagszene zu machen. Kritische Deutschrocker reichen sich die Hände mit intelligenten Weltenwanderern zwischen Schlager, Rock und Pop; Volkstümlich-Barockes gibt?s auf ?Bääärenstark 2005? ebenso zu hören, wie plietsche Partyschlager und Fetenaufmischer.
Zunächst fallen einem mit einiger Wahrscheinlichkeit die großen alten Damen und Herren der hiesigen Schlagerzunft ins Auge. So etwa Altmeister Udo Jürgens, dem 2005 trotz seiner inzwischen 71 Jahre und damit verbundener leichter Stimmprobleme mit dem munteren Popblues ?Jetzt oder nie? ein erneuter Superknaller inkl. Hitgarantie aus der Feder geflossen ist, der gehörig Appetit macht auf seine Tournee im kommenden Frühjahr. Schmuse-Gentleman Roger Whittaker veröffentlichte bereits Ende 2004 eine überdurchschnittliche Kollektion seiner bekanntesten internationalen Hits, die er sämtlich in deutscher Sprache eingesungen hatte. Aus dieser wurde der elitäre Folk/Pop-Verschnitt ?So weit, so gut? (im Original ?So far, so good?) für ?Bääärenstark 2005? berücksichtigt. ?Lady Show? Ireen Sheer gelang vor wenigen Wochen, nach ein paar eher ruhigen Jahren, ein fundamentales Comeback Dank des Albums ?Bin wieder verliebt? und besonders der flotten Single ?Heut verkauf ich meinen Mann?, die trotz Jack-White-typischen Plastiksounds und nicht immer vollständig nachvollziehbarer Schenkelklopferlyrik vor Charme und Jugendlichkeit nur so überquillt. Die Nordhorner ?Schlagerkanone? Bernhard Brink ist zwar auch schon 53 Jahre alt, aber gerade in letzter Zeit beliebter, umschwärmter und begehrter denn je. Sein knackiger 2005er-Discohammer heißt ?Geh doch? und lädt sogleich zum Tanzen und Schwofen ein. Die unverwüstlichen ?Flippers? brachten vor kurzem ihr 40. Studioalbum ?Hundertmal? auf den Markt, dessen peppiger Titelsong hundertprozentig ein weiterer Ewigkeitsklassiker der drei betagten Romantik-Popper werden dürfte. Schlagerchansonnier Andreas Martin, dessen Lebensalter die magische 50 ebenfalls längst überschritten hat, betont augenzwinkernd und aufmunternd, zu properen Reggaerhythmen ?Wir sind immer noch gut?; G.G. Anderson, langjähriger Spezialist für flachsenden Frohsinn und schmalzige Liebesdramen gleichermaßen, träumt provokativ und frech davon, ?Eine Stunde Dein Mann zu sein?. Die immer selbstbewußter und reifer agierende Ex-?Friedenstaube? Nicole beweist mit dem schleichenden Soulpop ?Engel ohne Flügel?, daß sie auch ohne die Mentorenschaft Ralph Siegels sehr gut in der Lage ist, feine, ins Ohr gehende Popmelodien mit internationalem Anspruch hervorzubringen. Der Sauerländer Countrybarde Tom Astor begeistert mit der gemächlichen, von niemand geringerem als Christian Bruhn verfaßten Westcoast-Ballade ?Winter in Kanada?.
Selbstverständlich darf der Schlager-Shootingstar des Jahres auf ?Bääärenstark 2005? keinesfalls fehlen: Andrea Berg schmettert gefühlvoll und melancholisch die düstere Popballade ?Ich hab nie wieder im Regen getanzt?. Konventionell bleibt es dagegen (wie es nicht anders zu erwarten war…) bei Claudia Jung (?Geh?n wir zu mir oder zu Dir?), Gaby Baginsky (?Heut Abend geh?n wie aus?) oder Michelle (?Fliegen?). Die madige Ballade ?Ich will nicht länger nur nachts von Dir träumen? des Südtiroler Schlagerbarden Andreas Folterer (Entschuldigung, dies fällt in die Kategorie ?Freudscher Versprecher?, der Herr hört auf den Namen ?Fulterer?…) klingt, wie schon tausendmal zuvor vernommen. Viel lieber erfreuen wir uns dafür an rhythmusbetonten Partyschlagern der kessesten Sorte von z.B. Kristina Bach (?Reden ist Silber und Küssen ist Gold?) oder Michael Morgan (?Das geht vorbei?). Properen, mundharmonikadurchtränkten Pop/Rock mit Blueseinflüssen stellte Frauenschwarm Matthias Reim für ?Bääärenstark 2005? zur Verfügung (?Ich bin nicht verliebt (Unverwundbar)?). Italo-Crooner Nino de Angelo beschäftigt sich derzeit mit Springsteen-ähnlichem AOR-Rock und sang sich 2005 mittels der wehenden Rocknummer ?Wie der Wind? in die Herzen seiner Fans. Wortakrobat und ?Niedermacher? a.D. Heinz Rudolf Kunze überraschte zu seinem 25jährigen Bühnenjubiläum mit dem einschmeichelnden Mid-Tempo-Rocker ?Immer für Dich da?, die Austro-Kabarettisten von der ?Ersten Allgemeinen Verunsicherung? zogen im herrlich bitterbösen Text ihres genialischen Anti-Bush-Pamphlets ?God Bless America? alle Register eines konstruktiven Zynismus.
Auch weniger bekannte Namen traten dieses Jahr mit profunden Popperlen an die Öffentlichkeit: So glänzt die von 1996 an musikalisch aktive Passauerin Vivien Lindt auf ?Bääärenstark 2005? mit dem so nachdenklichen wie melodiösen Popchanson ?Und trotzdem liebe ich Dich?, der 28jährige Oliver Thomas aus dem Schwarzwald fabrizierte eine hochkarätige Liebesballade namens ?Jede Menge Leben? (die harmonisch übrigens verdammt an die (un)selige Nationalhymne der Sowjetunion gemahnt…), der Nürnberger Herzensbrecher Axel Becker orientierte sich in ?Ich schwöre Dir? am synthilastigen Romantikschlager der 80er Jahre a?la Tommy Steiner oder Michael Stein, während sich Jens Bogners mitreißender Gitarrenpopper ?Es gibt doch keinen Grund zu lügen? in Sachen Stil, Arrangement und Intonation ganz in der Nähe Howard Carpendales aufhält. Die freiberufliche Moderatorin, Sängerin und Entertainerin Edwina de Pooter verspricht zu burschikosen Discorhythmen der alternden Männlichkeit ?Das geht auch noch über ?30?, Schauspieler und Musicalstar Andreas Zaron setzt hingegen auf Optimismus und ?Meine Rosa Brille? (Songtitel). Ralph Siegels jüngste Entdeckung July Klein schmachtet ?Neue Liebe braucht mein Herz?, die klassisch ausgebildete, diplomierte Musiktherapeutin Anke Lautenbach ist mit der hochemotionalen Soulballade ?Mach Dich stark? mit von der Partie. Paloma, 1998 zur ?Miss Schweiz? gekürt, gehört ebenfalls seit kurzem zum Hause Siegel und suchte für ?Bääärenstark 2005? den heißblütigen Latinopop-Versuch ?It?s a Wonderful Life? heraus. Etwas fehl am Platze wirken der niederländische Orchesterchef Danny Malando und seine gewöhnungsbedürftige Interpretation des 20er-Jahre-Schnaderlhüpferls ?In einer kleinen Konditorei?, den er im langweilenden Kaufhaus- und Fahrstuhlmusik-Gewand aller Spritzigkeit beraubt.
Nicht jedermanns Sache sind und waren von jeher volkstümelnde Schmonzetten naiv-schöngeistiger Natur. Doch eine auf Vollständigkeit bedachte Hitkoppelung, die möglichst alle in einem gewissen Zeitraum bedeutsamen nationalen Produktionen ohne Wertung einbinden möchte, kann nicht darauf verzichten, den unsäglich vor sich hin jodelnden Ex-Skistar Hansi Hinterseer (?Beim Alpenglühen und Edelweiß?), die selbst dem tolerantesten Freund gehobener deutscher Popsounds (als ein solcher der Rezensent hinreichend bekannt ist) Wutfalten ins Gesicht treibenden ?Folkrocker für Hartz-4-Empfänger?, die ?Seer? (?Sun, Wind und Regen?), oder das schwülstige Geschnulze der ?Geschwister Hoffmann? (?Wehrlos?) unter die ansonsten, wie beschrieben, über weite Strecken sehr gelungenen, zumindest aber gut genießbaren Beiträge aus dem Schlager- und Popbereich zu mischen. Über ?De Randfichten? (?Jetzt geht die Party richtig los?) hüllt der geschmackssichere Musikgourmet ohnehin lieber den Mantel des Schweigens; der deftige Minnegesang auf die dralle ?Edeltraut? hätte in den frühen 70er Jahren, etwa interpretiert von einem Chris Roberts oder Peter Orloff, durchaus seine Berechtigung gehabt. Anno Domini 2005 vermittelt die penetrante Fröhlichkeit des einfältigen Bierzeltstampers einen arg aufgesetzten und sinnlosen Eindruck.
Bei einer 42 Lieder umfassenden Kompilation ist es eben unvermeidlich, daß sich darunter auch schwächere, weniger erfreuliche Lieder befinden. So fragt sich der Rezensent seit Stunden, weshalb der in Österreich residierende, argentinische Möchtegern-Julio-Iglesias Semino Rossi dieser Tage von Presse und Fans unisono und pausenlos bejubelt, gar vergöttert wird (hier vertreten mit ?Ja ? ich würd es immer wieder tun?), oder warum die Hamburger (bzw. Maschener) Uralt-Cowboys von ?Truck Stop? meinen, in der heutigen Zeit unbedingt mit einem sacht kapitalismuskritisch angehauchten Betroffenheitsschunkler wie ?Deine Sorgen möchte ich haben? punkten zu können. Kumpel-Popper Wolfgang Petry, der einst so gnadenlose Partyhymnen wie ?Der Himmel brennt?, ?Wahnsinn?, ?Verlieben, verloren, vergessen, verzeihen? oder ?Augen zu und durch? im Programm hatte, ist nach immensem Rückgang seiner Plattenverkäufe nichts anderes eingefallen, als seine Kölner Wurzeln herauszukehren und sich neuerdings als matter ?Kölsche Jung? für die hinterstgelegene Mallorca-Kaschemme anzubieten, wobei die Ariola-Verantwortlichen ?Wolle? auf ?Bääärenstark 2005? sogar gleich zweimal die Chance zur rheinischen Selbstfindung einräumten: Neben dem unmöglichen Titelsong seiner diesjährigen CD ?Ich bin ene kölsche Jung? (was in korrektem Südstadt-Kölsch allerdings heißen müßte: ?Ich benn eene Kölsche Jong?!), darf sich der geneigte Hörer ganz zum Schluß der Doppel-CD darüber hinaus an einem vierminütigen ?Kölschen Hit-Mix? delektieren, in dem Petry billigste Faschingsstomper mit den miesesten Auswürfen der sonst so schmackhaften ?Bläck Fööß? pietätlos vermengt.
?Bääärenstark 2005? umfaßt beinahe das gesamte Spektrum deutschsprachiger Unterhaltungsmusik. Daher ist es völlig unrealistisch, anzunehmen, daß jedem Rezipienten jedes auf vorliegender Doppel-CD vorgestellte Lied ohne Unterschiede aus dem Herzen spricht. Der liebevoll zusammengestellte Hitsampler ist jedenfalls in bester Manier dazu in der Lage, einen spannenden, umfangreichen und ausführlichen Überblick über all das zu vermitteln, was in den vergangenen Monaten eine herausgehobene Rolle in der traditionellen einheimischen Schlager- und Popszene spielte.
Gesamtnote: 2
(Holger Stürenburg, 22./23. November 2005)

Various Artists - Album “Ein Lied für unsere Tiere”

Samstag, 26. November 2005

Various Artists - “Ein Lied für unsere Tiere” - VÖ: 09.09.2005
Tierliebe wird in Deutschland groß geschrieben: über 23 Millionen Haushalte in Deutschland leben mit einem Haustier. Dass auch den Stars der Volksmusik am Wohl der Tiere gelegen ist, zeigen sie nun mit der neuen CD “Ein Lied für unsere Tiere”. Ein Euro pro verkaufter CD geht dabei an den Deutschen Tierschutzbund.
Auf der CD finden sich 20 Titel von so bekannten Interpreten wie STEFANIE HERTEL, FLORIAN SILBEREISEN, Marianne Michael und Maxi Arland. Jeder der Sänger ist bekennender Tierfreund. Deutschlands Volksmusik-Star Nummer eins, Stefanie Hertel, steht als Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes

Pate für dieses Projekt. Dabei gilt ihr Einsatz besonders den Heimtieren: “Jeder Tierfreund sollte sich für Tiere im Heim einsetzen. Auch mit kleinen Spenden lässt sich viel bewirken. Es gibt viele Dinge, die Tierfreunde ohne viel Aufwand tun können, damit sich Tiere im Heim wohlfühlen.” Der eine Euro, der aus dem Verkauf jeder CD an den Deutschen Tierschutzbund fließt, ist ein solch wichtiger Beitrag zum Wohle der Tiere.

Trackliste
1 00:25 Ein Lied Für Unsere Tiere - Hertel, Stefanie / Mross, Stefan / Hertel, Eberhard
2 03:40 Die Engel Der Meere - Irena & Die Regenbogenkids
3 03:00 Die Sprache Der Tiere - Arland, Maxi
4 03:13 4 Hufe & 1 Herz - Marco, Nicole De
5 02:59 Storchenwalzer - Eva-Maria
6 03:04 Kleiner Kater Sascha - Sarro, Gillian
7 03:42 Er Wohnt In Deinem Haus Und Auch In Deinem Herz - Hertel, Eberhard
8 03:23 Gnadenhof Der Liebe - Fischers, Die
9 03:54 Der Hund Vom Kleinen Fritz - Carrell, Rudi
10 03:29 Liebe Auf Ver Pfoten - Mühlenhof Musikanten
11 00:25 Gebet Für Tiere - Harzbecker, Astrid
12 02:29 Jedes Tier Braucht Ein Zuhause - Leia, Ramona / Anja
13 03:15 Das Robbenlied - Silbereisen, Florian / Volksmusikspatzen, Die
14 03:00 Kuschel Ist Wieder Da - Gebhardt, Christian
15 03:18 Heute Kam Ein Brief Von Unserem Hund - Irena & Die Regenbogenkids
16 00:34 Für Sissi - Sandrina
17 02:57 Felix - Brandl, Sissy
18 03:15 Hallo Partner Auf Vier Beinen - Wildecker Herzbuben
19 03:30 Gspusi Mit Lucy - Marianne & Michael
20 02:38 Unser Bernhardiner - Vreni & Rudi

Duran Duran Live from London (DVD)

Mittwoch, 23. November 2005

Nach etlichen Jahren, in denen sie zwischen zweiter Liga und Versenkung verharrten, wagten vor rund zwölf Monaten ?Duran Duran?, die uneingeschränkten Könige der britischen ?New Romantics?, eine von ihren Hunderttausenden Fans langersehnte, aber schlußendlich immer weniger für realistisch gehaltene Rückkehr in das Haifischbecken des internationalen Showgeschäfts. Ihr im Herbst 2004 veröffentlichtes Comebackalbum ?Astronaut? blieb zwar in erster Linie ein Geheimtip (höchste Notierung in Deutschland: Platz 23), rief aber Dank eines darum herum entstandenen, riesigen Medienrummels und einiger wirklich gelungener Nummern die einstige Teenielegende um den noch heute edel und charmeversprühend agierenden Sänger Simon Le Bon nicht nur ihren früheren Anhängern ins Gedächtnis zurück, sondern sorgte zudem dafür, daß sich unwissende Nachgeborene endlich eingehender mit den Helden ihrer Eltern und/oder großen Geschwister beschäftigen konnten.
Immerhin hatte es ?Duran Duran? in der Originalbesetzung seit 1989/90 nicht mehr gegeben. Im Anschluß an die CD ?Thank you? (1994), auf der die Duranies Coverversionen ihrer persönlichen Favoriten nur selten gekonnt aufkochten, war Proklamator Simon zeitweilig der einzige Verbliebene, der sein bisheriges Flagschiff am Leben zu erhalten versuchte, selbst wenn spätere musikalische Versuche wie ?Electric Barbarella? (1995) oder ?Pop Trash? (2000), sowohl qualitativ, als auch quantitativ, gnadenlos scheiterten. Fast ein Vierteljahrhundert nach ihren Anfängen, kamen die fünf Ex-Mädchenschwärme nach dem Millennium erneut miteinander ins Gespräch, begruben manch länger siedenden Streit, begaben sich für die Aufnahmen von ?Astronaut? zunächst wohlgemut ins Studio und daran anschließend auf eine ausgedehnte Welttournee. Und siehe da: Der Jubel, die Begeisterung, die Faszination fielen kein Jota schwächer aus, als es zu Beginn der 80er der Fall war, als manch britischer Musikjournalist in den fünf Schönen aus Birmingham gar die neuen Beatles zu erkennen vermochte.
?Live from London? (CHS/Soulfood), eine über zweistündige DVD in überdurchschnittlicher Klang- wie Bildqualität, mitgeschnitten 2004 in der ausverkauften ?Wembley Arena? zu London, legt nun in bester Manier Zeugnis darüber ab, daß es ?Duran Duran?, allen vorherigen Irrungen und Wirrungen zum Trotz, in keinster Weise verlernt haben, wie man junge (bzw. sich jung fühlende), verträumte Menschen in eine kongeniale Melange aus Ekstase und Melancholie stürzen kann, tief hinein in die Abgründe einer grellen, hektischen, konstruktiv dekadenten Welt, in der man vor lauter Abscheu in Anbetracht der grausigen Realitäten am allerbesten lachend und feixend in den Untergang tanzt. Musikalisch wesentlich härter, griffiger, gitarrenlastiger als zur Hochphase von Synthesizer und Computerpop, angeführt von einem so konsequent charismatischen wie stimmstarken Frontmann, und stets mit einer sympathischen Portion Selbstironie ausgestattet, präsentierte die Band in der britischen Hauptstadt 20 knackige Pop-Oden aus 25 Jahren ?Duran Duran?: Tanzbare Discodramen, von Punk und Funk gleichermaßen beeinflußt, ohne die unsere pubertären Leidens- und Liebeszeiten womöglich völlig anders vonstatten gegangen wären: Um einiges langweiliger, ereignis- und emotionsloser und ? so ist zu vermuten ? Jahre später kaum einer verklärten Rückschau wert.
Der krosse Riffrocker ?(Reach up for the) Sunrise?, erste Single aus ?Astronaut?, dem man anhand keiner Note, keiner Harmonie anmerken kann, daß er tatsächlich erst 2004 und nicht schon 1984 entstanden ist, eröffnete eine kompakte, hervorragend inszenierte, aber keineswegs sterile oder vorhersehbare Zeitreise mitten in die Ära von Nachrüstung und Neuer Romantik, eisiger Atomangst und buntester Gefühlsausbrüche. Kein Hit fehlte, keine ? noch so umstrittene ? Phase der Band wurde programmatisch ausgespart. ?Duran Duran? zelebrierten sich und ihre enorme Bedeutung für den perfekten Power Pop der 80er Jahre, ohne sich einerseits unnötig und übertrieben im wiedererkämpften Ruhm zu sonnen, andererseits aber auch ohne nur einen Augenblick lang vergessen zu machen, um wie vieles ärmer das Musikleben der kühlen Dekade gewesen wäre, wenn ?Duran Duran? über den Status eines unerfüllbaren Traums mitteilungsbedürftiger Kunststudenten und Schauspielschüler nicht herausgekommen wären.
?Hungry like the Wolf?, im Mai 1982 ?Duran Durans? erstes von der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommenes Lebenszeichen hierzulande, rockte lecker vor sich hin; ohne Umschweife und große Worte gefolgt von dem zickigen Rock/Disco-Gewitter ?Is there something I should know?, das im Frühjahr 1983 die positive Reputation der Duranies außerhalb Großbritanniens festigte, sowie von der kosmopolitischen Yuppie-Hymne ?Union of the Snake? (ebenfalls 1983) ? mit klingenden Zeitzeugnissen geizten die fünf hübschen Männer, die von jeher zu weitaus mehr befähigt waren, als nur gut auszusehen, wahrlich nicht. Selbst ein lediglich mittelprächtiges Opus, wie die zweite 93er-Single ?Come Undone?, erstrahlte zwölf Jahre später in unverhoffter Größe. ?A View to a Kill?, das sagenumwobene James-Bond-Titelthema aus dem Sommer 1985 und für viele der beste ?Duran Duran?-Song überhaupt, fehlte genausowenig wie hibbelige, leicht avantgardistische und daher niemals zu Singleehren gekommene Klangexperimente a?la ?The Chauffeur? (1982) oder ?Night Boat? (1981), welche die fünf Endvierziger regelmäßig, ohne Abbruch der brodelnden Stimmung, zwischen ihre unvergänglichen Gassenhauer einstreuten. ?This is Planet Earth?, grandioser Discoexzeß aus der nur nach der Band benannten 81er-Debüt-LP, begründete mittels der Textzeile ?Some New Romantic looking for the TV Sound? eben jene exzentrische Bewegung der schrillen, aber durch und durch bürgerlich-gediegenen ?New Romantics?, die zusätzlich bzw. abgeschwächt als ?Popper? oder ?Blitz Kids? bekannt wurden und zu den bedeutsamsten modischen Trendsettern der 80er Jahre zählten. Aufpeitschende, tiefschwarze Funk-Orgien zauberten Simon und seine Begleiter 1988 in ?I don?t want your Love? hervor, ein Unterfangen, das im Rahmen der 2004/05er-Konzertreise auf der Bühne, mit Unterstützung der farbigen Chorsirene Sara Brown, nach so vielen Jahren Abstinenz zu neuem Leben erweckt wurde und rein gar nichts von seiner früheren melodramatischen Nightlife-Atmosphäre eingebüßt hatte. ?But I won?t cry for Yesterday / there?s an Ordinary World / Somehow I have to find? hieß es in der traumhaften Ballade ?Ordinary World?, mit der ?Duran Duran? 1993, vollkommen neben dem seinerzeit herrschenden musikalischen Zeitgeist schwimmend, nicht nur unvermittelt die US-Charts stürmten, sondern a