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Konzert Udo Jürgens - 25. Februar 2006 Hamburg Color Line Arena

Montag, 27. Februar 2006

So stark wie derzeit war Udo Jürgens lange nicht mehr gefragt. Zwar brachte der aus dem österreichischen Kärnten stammende Liederschreiber, Pianist und Chansonnier regelmäßig schöne, ausgewogene, meist sehr gelungene Platten, gespickt mit interessanten, gefühlvollen musikalischen Kleinoden auf den Markt, begab er sich auf ausgedehnte Tourneen und absolvierte zudem gefeierte Fernseh- und Galaauftritte ? 2005/06 jedoch scheint die bei genauem Nachrechnen immerhin seit fast 40 Jahren existierende Udo-Jürgens-Mania neue, ungeahnte Höhepunkte anzusteuern. Obwohl manch böswilliger Journalist (?räusper? ? der Verf.) den 71jährigen Großmeister des gehobenen Schlagers womöglich bereits abgeschrieben hatte, erwies sich gerade sein nicht unumstrittenes letztes Studioalbum ?Jetzt oder nie?, trotz nicht weniger seichter Arrangements und einer unnötigen Ausrichtung auf simple Poptauglichkeit, als Publikumsrenner schlechthin; kaum eine von Udos Plattenveröffentlichungen der letzten zehn, 15 Jahre erreichte derart hohe Verkaufszahlen und Rundfunkeinsätze wie ?Jetzt oder nie?.
Seit rund vier Wochen befindet sich der dunkelhaarige, in der Schweiz lebende Frauenheld mal wieder auf großangelegter Konzertreise durch deutsche Lande. Und siehe da: Die Termine im Februar/März waren binnen kürzester Zeit restlos ausverkauft, so daß für den Spätherbst diesen Jahres sage und schreibe ganze 40 weitere Konzerte angesetzt werden mußten. Auch für den über zweieinhalbstündigen Auftritt des offenbar unverwüstlichen Dauerbrenners in der Freien und Hansestadt Hamburg ? in jener Stadt, in der Udo, wie er nicht ohne Stolz erwähnte, bislang die meisten Konzerte seiner Karriere gegeben hat ? waren schon seit vielen Wochen keine Karten mehr erhältlich. Weit über 10.000 Fans aus jeder Altersgruppe pilgerten per Auto oder Shuttle-Bus in die riesenhafte ?Color Line Arena? nahe des Volksparks und bereiteten ihrem Idol dort einen lautstarken, begeisterten Empfang, als dieses wenige Minuten nach 20.00 Uhr das Mikrophon ergriff, zum Gesangsvortrag anhob und, gefolgt von seiner langjährigen Begleitband, dem ?Orchester Pepe Lienhard?, die Bühne betrat.
Wer in seinem Leben bereits das eine oder andere Konzert von Udo Jürgens besucht hat, dem ist in etwa der Aufbau einer solchen Veranstaltung bekannt. Im ersten Teil gibt es zunächst aktuelle Lieder aus der jeweils zur Tournee veröffentlichten CD zu hören, vermengt mit ein paar spezielleren, weniger ohrwurmträchtigen, denn nachdenkenswerten Werken aus der Vorzeit. Diese Vorgehensweise hat sich längst etabliert und wurde bei der ?Jetzt oder nie?-Tour keineswegs verändert. Der Unterschied zu früheren Auftritten bestand aber darin, daß diesmal die überwiegende Mehrheit der anwesenden Zuschauer tatsächlich das Repertoire des letzten Studioalbums in- und auswendig kannte. Einst war es nicht selten der Fall, daß sich viele Menschen zwar entschieden, einen Abend mit Udo zu besuchen, weil es sich gerade anbot ? die im Rahmen der Tournee entsprechend vorgestellte Platte aber war den meisten Besuchern vor Showstart weitgehend unbekannt. 2006 hingegen brandete schon während der ersten Sekunden eines jeden neuen, zuvor noch nie ?live? gespielten Songs nicht schüchtern abwartender, sondern gänzlich zustimmender Beifall auf. Die Hanseaten zeigten sich völlig textsicher und sangen neue wie alte Jürgens-Kompositionen unterschiedslos mit Freude und Elan mit. Dies mag erklären, warum es der erstaunlich jugendlich wirkende, stets tänzelnde, oft steppende, äußerst aktive Altstar sichtlich genoß, für Männlein wie Weiblein, Teenager wie Rentner, Student wie Werktätigem nahezu das gesamte Programm von ?Jetzt oder nie? feierlich zu zelebrieren ? und ohne die häufig grausig anzuhörenden musikalischen Verkleidungen auf ebenjener Studioproduktion, bei denen fast durchgehend alle Ecken und Kanten zugunsten einer irrsinnigen Formatradio-Kompatibilität abgeschliffen worden waren, entfaltete das meiste daraus im unspektakulären Konzertgewand nicht für möglich gehaltenen Charme und unbändige Originalität. Ob rockig-treibende Hymnen (?Verdammt in alle Einsamkeit?), sympathische Mid-Tempo-Schmankerl (?Flieg mit mir?), der nun als bluesiger Boogie Woogie so aufbrausende wie auflebende Titelsong oder still-sensible Balladen (?In allen Dingen lebt ein Lied?) ? im gekonnten Livearrangement der ?Pepe Lienhard Band? kam alles Echte, Originäre, sagen wir ruhig: Trotzige, Dreckige, Erdige, Verruchte zum Vorschein, was den CD-Fassungen letztlich vollkommen fehlt. Auf einem ungewöhnlichen Goethe-Zitat basiert der verhaltene Reggae ?Daß ich Dich liebe ? was geht es Dich an? (Gruß an Carina H.! ? der Verf.), intimst, persönlichst, aber niemals egozentrisch oder gar selbstherrlich gerierte sich das opulente, ausdrucksstarke Chanson ?Bis ans Ende meiner Lieder?, in dessen Reimen Udo all das erläuterte, was bisher seinen musikalischen Lebensinhalt bestimmte und er künftig in künstlerischer Hinsicht vielleicht noch auf die Beine stellen möchte.
Vor Beginn des Konzertes hatte eine Gruppe fröhlicher junger Leute, sämtlich um die 30 Jahre alt, einiges Interesse bei Fans und Presse erweckt. Jeder einzelne von ihnen trug ein T-Shirt, auf dem in großen Lettern der Titel seines spezifischen Favoriten aus dem unerschöpflichen Fundus an Udo-Jürgens-Liedern prangte. Nicht die allseits bekannten Hits und Gassenhauer hatten sich die Jungs und Mädels hierfür ausgesucht, sondern eben genau jene Epen, mit denen sie selbst wichtige Lebenserinnerungen verbanden. Eine junge Frau hatte sich für die leicht soulige Ballade ?Ich kann ? Ich will - I can ? I will? entschieden, die Udo vor 20 Jahren, also 1986, auf seinem phantastischen Album ?Deinetwegen? als Duett mit der farbigen Sängerin Sonja Kimmons aufgenommen hatte. Zu keinem Zeitpunkt ein herausragender Hit, zwar eine Radiosingle ? aber darüber hinaus nicht weiter aufgefallen. Man mag es nicht glauben, aber der Star des Abends erhob inmitten der ausgiebigen Präsentation des ?Jetzt oder nie?-Materials seine zunehmend brüchigere und somit ungeahnt jazzige, rauhe, etwas leidende, beinahe ?schwarze? Stimme und intonierte, zusammen mit einer niedlichen blonden Chorsängerin, eben jenen ?Musikwunsch?, der deutlich sichtbar auf dem T-Shirt des erwähnten Beinhart-Fans aufgestickt worden war. Zufall oder nicht? Die Freude, nicht nur der bunten Fantruppe am Auspacken besonders solcher ?Lieder, die im Schatten stehen?, kann nur als ?unbeschreiblich? klassifiziert werden. Direkt und ungeschminkt aus der Hochphase der gesamtgesellschaftlichen Depression 1982, zu Zeiten von Kriegsangst, Nachrüstungsdebatte, wirtschaftlicher Rezession und bleierner Hoffnungslosigkeit, fand die sacht friedensbewegte Rockballade ?Fünf Minuten vor Zwölf? Eingang ins Konzertprogramm des Jahres 2006; mittels eines feschen, rasanten Potpourris, bestehend u.a. aus Songs der vorzüglichen 2002er-CD ?Es lebe das Laster? (u.a. ?Weichei? oder ?Solang mich Deine Liebe trägt?) untermalt von zur dazugehörigen Tournee aufbereiten Althits (?Eine Hand ist keine Faust?, ?Heute beginnt der Rest Deines Lebens?), gedachte Udo seiner vorangegangenen Marathonkonzertreise, die vor drei Jahren vonstatten ging. Eine aufregende Mixtur aus dem Uralt-Geheimtip ?Die Leute? und dem unschlagbaren Schlagermove-Fetzer ?Ein Ehrenwertes Haus? entließ die bebende ?Color Line Arena? in eine 30minütige Pause.
Wiederum mit ein paar Takten des Titelhymnus seiner jüngsten Erfolgsscheibe, eröffnete Udo den zweiten Teil seiner Show. In diesem stand von jeher das Beliebte, Bekannte, seit Jahrzehnten immer wieder Geforderte im Vordergrund. Folglich griff der Entertainer nach Aufführung des aktuellen Pop/Rock/Jazz-Gemischs ?Frauen?, der gemächlichen 81er-Milieustudie ?Der gekaufte Drachen? und dem semiklassischen Schleicher ?Der Mann mit dem Fagott? ganz tief in die prallvolle Kiste seiner immergrünen Klassiker, Partyknaller und Evergreens. Rockiger, fetziger, ja schelmischer denn je, zauberte der umschwärmte Pop-Playboy ein Stück deutscher Schlagergeschichte nach dem anderen an die Oberfläche. Der witzige Ragtime ?Vielen Dank für die Blumen?, entnommen der 81er-LP ?Willkommen in meinem Leben?, wurde seinerzeit als Erkennungsmelodie der ZDF-Zeichentrickserie ?Tom & Jerry? genutzt; die vielschichtige ?Mini-Popoper? ?Ich war noch niemals in New York?, obgleich zu keinem Zeitpunkt Single oder gar Hitparadenstürmer, löste vor 12/13 Jahren, lange, lange nach ihrem Entstehen, im Zuge des fortschreitenden ?Schlagerrevivals? den endgültigen und bis heute stetig wachsenden Udo-Jürgens-Kult, insbesondere unter jüngeren Semestern, aus. Beim darauffolgenden ?Oldies-Medley? gab?s keinerlei Halten mehr: Hunderte von Fans stürmten dicht an den Bühnenrand und feierten, gemeinsam mit ihrem strahlenden Helden, deutschpoppiges Allgemeingut der Sorte ?Ich weiß, was ich will?, ?Siebzehn Jahr ? Blondes Haar?, ?Griechischer Wein? oder ?Aber bitte mit Sahne? ab. Am liebsten hätten seine Anhänger den Altmeister im Anschluß daran gar nicht mehr von der Bühne gelassen. Mehrfach wurde er von gellenden ?Udo Udo?-Chören ins Rampenlicht zurückgerufen. Die als Zugabe aufgebotene, bombastische Ballade ?Mein Weg zu Dir? hatte allerdings etwas von der intensiven Endgültigkeit an sich, die auch Frank Sinatras selbstironischem Abschiedsgesang ?My Way? innewohnt, der abgeklärte 82er-Hit ?Das wünsch ich Dir? ließ ebenso leise Vermutungen anklingen, daß hier jemand vielleicht verschlüsselt ?Adieu? sagen möchte ? und sei es nur vom nervenaufreibenden Tourstreß und den unzähligen Konzertbühnen…
Nach ?Merci Cherie?, ?Mit 66 Jahren? und zwei solistischen Darbietungen im legendären, gleißend weißen Bademantel war unwiderruflich Schluß ? zumindest für jenen denkwürdigen Samstag Abend, während dessen dem durchwegs positiv enervierten Rezensenten ein Faktum ganz besonders auffiel: Schon oft standen die Fans zum Schluß eines Udo-Jürgens-Konzertes nahe der Bühne, sangen lauthals mit und jubelten ohrenbetäubend, oft wollte der Applaus gar kein Ende nehmen ? derartige Wogen der Begeisterung, der kollektiven Hingerissenheit, der übersprudelnden Emotionen, wie soeben in der ?Color Line Arena? zu Hamburg zur Genüge beobachtet, hat der Rezensent, der seit ?Hautnah?, 1984, so gut wie keine Udo-Jürgens-Tournee teilnahmslos an sich vorüberziehen ließ, bei einem Gastspiel des Österreichers noch nie erlebt. Es ist mehr als offenkundig, daß der unangreifbare ? nein, nicht Schlagerfuzzi oder Poponkel, sondern viel eher - Singer/Songwriter, Liederbarde bzw. singende Geschichtenerzähler in seinem 72. Lebensjahr einen zweiten Frühling durchexerziert. Er tut offenkundig und bärbeißig alles dafür, daß diese subjektive Einschätzung des Verfassers durchaus zutrifft ? also, sei ihm dies aus ganzem Herzen gegönnt. Eines läßt sich jedenfalls ohne Zweifel oder gar Übertreibung festhalten. Die zweieinhalb Stunden am 25. Februar 2006 in der Hamburger ?Color Line Arena? haben eindeutig bewiesen: Selten war Udo Jürgens so gut, so ehrlich, geradlinig, offensiv, faszinierend, kreativ und attraktiv wie heute!
(Holger Stürenburg, 25/26. Februar 2006)

Erste Allgemeine Verunsicherung - 100 Jahre E.A.V. live (2 DVD)

Montag, 27. Februar 2006

Damit hatten wohl die meisten nicht mehr gerechnet, daß sich die Wiener Kabarettpopper von der ?Ersten Allgemeinen Verunsicherung? (E.A.V.) nach zähen Jahren der qualitativen Flaute nochmals aufrappeln würden. Von einer bitterbösen Satiretruppe voller Sprachwitz und Formulierungskunst zu einem häufig auf banalster Ebene vor sich hin reimenden Schenkelklopfer-Verein zur Aufheiterung mißratener Kindergeburtstage verkommen, sahen viele Beobachter die Jungs um Klaus Eberhartinger (voc) und Thomas Spitzer (git, Texte) früher oder später auf dem Müllhaufen der Musikgeschichte eintreffen. Doch den beiden charismatischen Musikern und ihren fünf Begleitern gelang es allen Unkenrufen zum Trotz, zu ihrem 25jährigen Bandjubiläum unter dem nicht gerade bescheidenen (aber ? wie seit Urzeiten bei der ?E.A.V.? üblich ? nicht ganz ernst zu nehmenden) Motto ?Hundert Jahre E.A.V. ? Ihr habt es so gewollt?, noch mal die Kurve zu kratzen.
Das gleichnamige Doppelalbum, erschienen im Frühsommer 2005, zog am 14. Juni selbigen Jahres unerwartet auf den überaus ehrbaren 40. Rang der deutschen Longplay-Charts; in der österreichischen Bandheimat konnten sogar die Top 5 geknackt werden. Auf dieser Doppel-CD hatte die zuvorderst in den 80er Jahren nicht aus den europäischen Hitlisten wegzudenkende Chaos-Combo aus dem tiefsten, urigsten Wien über zwei Dutzend ihrer größten Erfolge, schärfsten Sketche und witzigsten Bonmots neueingespielt, angereichert durch ein paar brandaktuelle Nummern, in denen Texter Thomas Spitzer endlich wieder alle Register von Ironie, Sarkasmus und Satire zog, was viele ?E.A.V.?-Fans bei einigen vorherigen Produktionen ihrer Favoriten schmerzlich vermißt hatten. Im Herbst schloß sich diesem rundum geglückten Plattencomeback eine umfangreiche Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz an, im Zuge derer man zwar ? zumindest in unseren Breitengraden - nicht mehr, wie noch 15 Jahre zuvor, in den größten Arenen aufspielte, dafür aber in kleineren bis mittleren Hallen eigentlich ausnahmslos vor ausverkauftem Hause auftrat. Über diese umjubelte Konzertreise legt nun eine soeben erschienene Doppel-DVD der ?Ersten Allgemeinen Verunsicherung? mit Bravour Zeugnis ab: ?100 Jahre E.A.V. ? live? (SONY-BMG) präsentiert zum einen den über 135minütigen, von insgesamt 14 Kameras eingefangenen Mitschnitt des kompletten Konzertes in der proppevollen Wiener Stadthalle vom 1. Dezember letzten Jahres, sowie, auf der zweiten Silberscheibe, eine rund 55minütige Dokumentation aus dem Fundus des legendären Filmteams ?DoRo? (Rudi Dolezal/Hannes Rossacher), das bereits für internationale Künstler wie Bruce Springsteen, ?Queen?, die ?Rolling Stones?, Michael Jackson oder David Bowie tätig war, vollgefüllt mit raren Interviewpassagen, längst verschollen geglaubten Live-Sequenzen aus grauer Vorzeit sowie mit Videoclips, den verschiedensten Bildergalerien und vielem mehr, was das Herz des eingeschworenen ?E.A.V.?-Fans sogleich höher schlagen lassen dürfte.
Sage und schreibe zwei Stunden und 15 Minuten lang standen Eberhartinger, Spitzer und Co. zwischen September und Dezember 2005 allabendlich auf der Bühne. Ungewohnt rockig, straight und gitarrenlastig, alles andere als seicht, radioorientiert, süßlich oder glattpoliert, gaben sich die kultigen Anfang-50er im Rahmen ihrer rasanten, atemlosen Hitrevue. Weniger das theatralische, darstellende Element stand auf dieser ersten Tour der ?E.A.V.? seit sieben Jahren im Vordergrund, sondern viel eher der schier nicht enden wollende Hitreigen, in erster Linie aus den Jahren 1983 bis 1991 stammend, gepaart mit dem so lange vermißten Wortwitz bzw. dem kabarettistischen und spielerischen Element. Das aufgedonnert-hymnische Intro ?Wo ist der Kaiser?, musikalischer Aufhänger der 1990er-LP ?Neppomuck?s Rache?, führte die Band zurück ins Jahr 1905, zu ihrem ach so wahrhaften Gründungsdatum; ein eiliger Zeitsprung erfolgte bald darauf und schleunigst nach 1983, als der Österreichische Rundfunk (ORF) erstmals frühe, in jenen Tagen hauptsächlich rap- bzw. funkorientierte ?E.A.V.?-Singles in sein Programm aufnahm. Diese hießen z.B. ?Alpenrap?, ?Schweine-Funk? oder ?Afrika ? Ist der Massa stolz bei Kassa? und boten frechstes Hip-Hop-Geschnatter in dialektgefärbter Muttersprache zu einem Zeitpunkt, als etwa die ?Fantastischen Vier? noch in ihren Kinderschühchen steckten. Der fesche Rock?n?Roll ?Go, Karli, Go? ? von ?E.A.V.?-Conferencier Klaus Eberhartinger in trefflichster Peter-Kraus-Hüftschwinger-Manier dargeboten ? kam aufgrund zu gewagter Textpassagen jedoch so gut wie nie im Radio zum Einsatz (?Der Vater der schreit “Sakrament / Mein Bub, der spielt in keiner Band!” / Die Mutter fleht zum Himmel “Vater! / Bitt für uns, erspar uns das Theater!”).
1985 sollte sich zweifelsfrei als das große Jahr der ?E.A.V.? herausstellen: Dank der so bissigen, wie niedlich-sympathischen Parodie ?Ba Ba Banküberfall? ? hier im fetten Rap/Funk/Crossover-Sound zelebriert ? schafften die ?chlorbleichen Sieben? (Selbsteinschätzung) den unwiderruflichen Durchbruch in ganz Europa; die vom damaligen CSU-Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann als ?Aufforderung zu Straftaten? arg mißverstandene, weitaus eher zum lauten Mitsingen animierende Popkomödie zog in Österreich schnurstracks in die Top 5 und etablierte unvorhergesehner Weise ihre Erschaffer darüber hinaus in den bundesdeutschen Top 10. Das dazugehörige Album ?Geld oder Leben? erwies sich gleichfalls als Dauerbrenner und wurde nicht nur hierzulande eiligst mit Gold ausgezeichnet. Kein Wunder also, daß die ?E.A.V.? sieben der zehn gesungenen Beiträge aus diesem zeitlosen Leckerbissen undogmatischer Satire für ihre Jubiläumsshow neu aufbereitete. So kamen neben dem schaurig-gruseligen Hardrocker ?Küß die Hand, Herr Kerkermeister? zugleich die konsequent partytauglichen 86er-Singlehits ?Fata Morgana?, ?Heiße Nächte in Palermo? und ? im insgesamt vierteiligen Zugabenblock ? der unverwüstliche Top-10-Reißer über den schlau-ländlichen Discokönig, ?Märchenprinz?, sowie die liebenswert pathetische Abschiedstränendrüsenballade ?Morgen? zum Zuge. Das seinerzeit letztlich ebenso stark gefragte 1987er-Album ?Liebe, Tod & Teufel? ? Rang 3 in Deutschland, Spitzenreiter in Österreich und der Schweiz ? wurde mittels der ironischen Moritat vom ?Sandlerkönig Eberhard?, der grellen Fitneßwahn-Vergackeierung ?An der Copacabana?, natürlich dem bissigen Rockohrwurm ?Küß die Hand, schöne Frau?, und schlußendlich, ebenfalls als Zugabe, mit dem atomkraftverseuchten ?Burli?, einer einst von vielen Radiostationen boykottierten, brachial sarkastischen Aufspießung von physischen Mißbildungen bei Kindern, die unmittelbar nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Umfeld des Reaktors geboren wurden, nicht weniger ausgiebig abgehandelt.
Politisch very unkorrekte Bösartigkeiten über den bräunlichen ?Bazillus Nationalis? eierköpfiger Rechtsradikaler, obskure Fummelaffären in österreichischen Klöstern, geldgierige Gurus und unflätige Wahrsager oder ? ganz besonders gelungen ? eine über zehnminütige skurrile Reise in ein (imaginäres) Wiener Seniorenheim, in dem die Uraltvertreter des Austropop die letzten Jahre ihres Lebens dahinsiechen, garniert mit genialischen, aber niemals beleidigenden Parodien auf rockende Landsleute wie Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros, Falco oder ?STS?, gleichen manch unnötige Längen ? das um den Doowop-Oldie ?Only you? (The Platters) aufgebaute, ziemlich krude Märchen vom Unterweltler ?Don Kaulquappo? und der Bordsteinschwalbe ?Prinzessin vom Gewerbse? nimmt beinahe eine Viertelstunde des Konzertprogramms in Anspruch und bietet kaum Erheiterndes ? oder zu derb aufgetragene Vulgarität (?Möpse?) durchaus passabel aus. Die Möchtegern-Ballermann-Gesänge, mit denen sich (und uns) die ?E.A.V.? die 90er Jahre versaute und nicht wenige Altfans in die Flucht trieb, spart sich das Septett mit Ausnahme eines überschaubaren und somit keineswegs ungenießbaren Medleys, bestehend aus den grellen Karnevalsepen ?Ding Dong? (1991), ?300 PS (Auto…)? (1994) oder ?Drei weiße Tauben? (1999), nahezu vollständig aus, selbst wenn Textzeilen der Sorte ?Drei weiße Tauben / die müssen dran glauben / über allen Dächern ist nun Ruh? derzeit in der alles beherrschenden Vogelgrippe-Hysterie unerwartet an brennender Aktualität gewonnen haben… Einer der Höhepunkte des Konzertabends: der leckere 2005er-Singlehit ?God Bless America?, ein betont gemütlich swingendes, fiedelndes Countryschmankerl, von oben bis unten ausstaffiert mit bitteren, leider durchgehend zutreffenden, keinesfalls aber dümmlich-propagandistischen Wortspielen über den Irrsinn der Kriegspolitik des George W. Bush (?Wir verhelfen der Demokratie zum Recht / und am besten geht das mit dem Folterknecht!?).
Während sich Part-1 (bzw. DVD-01) von vorliegendem 2-DVD-Set für alle Freunde typisch Wiener Humors auf der Basis einer eingängigen, nicht selten allerdings auch zickigen, widerspenstigen Pop/Rock/Funk/Reggae/ Schlager-Melange als ungetrübter Hör- und Sehgenuß erweisen dürfte, dient DVD Numero Zwei vermutlich in erster Linie intimen Anhängern des peppigen Siebeners als reinstes Gottesgeschenk. Der Werbetrailer für ?100 Jahre E.A.V. ? live?, ein den bundesdeutschen Fanclub der Gruppe bewerbendes Filmchen (www.eav-world.de), eine hetzig-gehetzte Betrachtung des hektischen Lebens hinter den Kulissen und zu allem Überfluß die ?Fan-Kamera? eines höchstens zwölfjährigen Mädchens, das Klaus Eberhartinger, Thomas Spitzer und die Seinen im Backstage-Bereich mit bohrenden Fragen nervt (man stelle sich einmal vor, ein zwölfjähriges Mädchen ginge mitsamt ihrer Videokamera zu Udo Jürgens hinter die Bühne; was da nicht alles passieren könnte…, wirft an dieser Stelle süffisant der Verfasser ein!), werden konventionelle Popfans, die nicht gänzlich und unheilbar vom ?E.A.V.?-Fieber befallen sind, garantiert nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen können, sondern eher langweilen. Um die 20 Euro für eine solche Doppel-DVD sind ein happiger Preis. Folglich hätten die Verantwortlichen bei SONY-BMG das gesamte Vorhaben lieber teilen sollen. Eine ?normale? Edition, die ausschließlich die weitgehend hervorragende Konzertaufzeichnung beinhaltet, sowie eine ?DeLuxe Edition? für die beinharten Fans mit beiden hier beschriebenen Bildträgern, wären eine tolle Angelegenheit geworden. Das Jubiläumskonzert der ?Ersten Allgemeinen Verunsicherung? ist spitze; das interne Material auf der zweiten DVD dürfte jedoch bestimmt für die meisten von uns schlicht des Guten zuviel sein.
Wertung ? DVD-01: 2plus
Wertung ? DVD-02: 4
…ergibt ? Gesamtwertung: mittelprächtig
(Holger Stürenburg, 24./25. Februar 2006)

Belle & Sebastian - The Life Pursuit

Mittwoch, 15. Februar 2006

Wenn es überhaupt eine Band gab, die auch in den vollkommen uncoolen und unmelodischen 90er Jahren zwischen ohrenbetäubendem, monotonem Tekkno-Gehämmer, wimmernden Boygroups, nur zum Zweck der Profitmaximierung am Reißbrett entworfener Dancefloor-Mischpoke, krachenden, zumeist destruktiv-ungemütlichen Grungegitarren und schiefem Alternative Rock, die Fahne der guten, alten angelsächsischen Popmusik des vorherigen Dezenniums hochhielt, dann waren dies ausschließlich ?Belle & Sebastian?. Gegründet im Januar 1996 von Stuart Murdoch (voc, git, key), gedacht als Rehabilitationsmaßnahme der britischen Industriemetropole Glasgow für junge Arbeitslose, traten schon bald weitere interessierte Musikanten dieser lockeren, häufig von personellen Wechseln heimgesuchten Musikergemeinschaft bei, die ihren Namen dem französischen Kinderbuch ?Belle et Sebastian? von Cecile Aubry entliehen hatte, das über den Jungen Sebastian und seinen Hund ?Belle? handelt und bereits mehrfach verfilmt wurde. Mit ihrer in einer Miniauflage von kaum tausend Exemplaren hergestellten Vinyl-Premiere ?Tigermilk? machten Murdoch und seine Kumpellinnen und Kumpel ? gerade die bis 2002 mitwirkende, wohlproportionierte Cellistin Isobel Campbell trug viel zum anfänglichen Ruhm des Projekts bei ? erstmals auf sich aufmerksam. Dennoch blieben ?Belle & Sebastian? zunächst ein rein britisches Thema, Auftritte außerhalb des Königreichs waren an einer Hand abzuzählen, mit Presse- und Medienvertretern jeglicher Ausrichtung mieden die schüchternen Glasgower vorerst sämtliche Kontakte. Musikalisch spielten sich die frühen ?Belle & Sebastian?-Epen meistens im liebgewonnenen, aber in den 90ern von vielen schmerzlich vermißten, perlenden Gitarrenpop-Rahmen ab, für den in der kühlen Dekade z.B. Lloyd Cole, ?Deacon Blue?, ?The Adventures?, ?The Grapes of Wrath?, weniger die ?Hothouse Flowers?, dagegen umsomehr die unvergessenen ?The Smiths? standen. 1996, im Gründungszeitalter von ?Belle & Sebastian?, hatte sich so gut wie keine neu in der Szene auftauchende Nachwuchstruppe mehr jenem gitarrenlastigen Wohlklang verschrieben. Dieser galt als abgesagt, altmodisch, generell chancenlos, um im Haifischbecken der Musikindustrie fußfassen zu können. Der medial angefachte Hype um die ultracoolen Post-Synthipopper ?Pulp? war spätestens 1995/96 geplatzt, die ?Lightning Seeds? des augenzwinkernd-verschrobenen Exzentrikers Ian Broudie waren drauf und dran, sich mittels ihrer läppischen Fußballgrölhymne ?Three Lions? der Lächerlichkeit preiszugeben.
So kamen ?Belle & Sebastian? gerade recht, um den ob des dümmlichen Instantpop der mittleren 90er Jahre stark verärgerten 80er-Kindern ein bißchen heimelig-wohliges Flair ihrer Jugendtage zu vermitteln. Die strikte Verweigerung von Pressemeetings und die nur seltenst durchgeführten Konzerte sprachen sich eiligst herum. In Verbindung mit den so spitzbübischen wie perfekten Popkompositionen von Stuart Murdoch und den Seinen, sorgte dies alles sehr schnell für eine weltweite Fangemeinde, die ihre neuen Helden sogleich zu Kultobjekten ausrief. 1999 legte Virgin Music das legendäre Debüt ?Tigermilk? erstmals auf CD auf, die Reputation der Band stieg stetig an, bis 2000 ihr Hit ?Legal Man? unverhoffter Maßen die britischen Top 20 stürmte, woraufhin die Gruppe nicht widerstehen konnte, dieses hervorragende klangliche Machwerk in der hauptsächlich von Teenagern millionenfach frequentierten Mainstream-Hitshow ?Top of the Pops? zum Besten zu geben. Damit beendeten ?Belle & Sebastian? ihre selbstgewählte Isolation, begaben sich auf ausgedehnte Welttournee ? im Rahmen derer auch erste Auftritte in deutschen Landen auf der Liste standen ? und überraschten im Herbst vor drei Jahren mit dem opulent arrangierten Meisterstück ?Dear Catastrophe Waitress?, für das niemand geringeres, als 80er-Legende Trevor Horn hinter den Reglern saß, und mit dem sie sogar hierzulande kurzzeitig in die offiziellen Top 100 der Albumcharts einziehen konnten (höchster Rang: 64).
Inzwischen bekannten sich ?Belle & Sebastian? zur zuvorderst in Großbritannien verbreiteten Stilistik des sog. ?Twee Pop?, der 1986 erstmals aufgetreten war und in erster Linie durch schlichte, eingängige, ein wenig süßliche Melodien und romantisch-gefühlvolle Texte gekennzeichnet ist, die überwiegend von freundlichen, weichen, wehenden, zirpenden Gitarrenläufen untermauert werden. Dieser Tage erschien nun das sechste Studioopus der momentan siebenköpfigen Combo, welche von der bisherigen, oft imagebestimmenden Cellistin Isobel Campbell übrigens längst verlassen wurde, deren Rolle als Sängerin und Streicherin seitdem die Violinistin Sarah Martin übernommen hat. ?The Life Pursuit? (Rough Trade) wartet wiederum mit traumhaften, einfühlsamen, ausnahmslos makellosen Melodiebögen auf, die mit teils abgeklärten, teils deutlich skurrilen, aber ein ums anderen Mal eindeutig landestypischen, britischen Texten bestückt sind. Weniger ?Smiths?-ähnlicher Gitarrenpop steht auf ?The Life Pursuit? im Vordergrund, denn eine außergewöhnliche und zugleich durchwegs sympathische Mischung aus einer nicht zu überhörenden Portion Glamrock der frühen 70er Jahre, klassischen, flinken Surfsounds amerikanischer Machart und zickigem Vaudeville-Beat a?la ?The Kinks?, wobei sachte Ausflüge in soulige, bluesige, gar swingende Gefilde keineswegs eine Seltenheit sind.
13 in sich geschlossene Songdiamanten mit einer Gesamtspielzeit von rund 50 Minuten erzählen über absurde Vorgänge des Alltagslebens in überaus gewählten Worten mit Widerhaken. Es geht um verträumte Schülerinnen im Religionsunterricht (?Act of the Apostle?), sadomasochistisch angehauchte Gruftiejüngerinnen (?Sukie in the Graveyard?) oder nie enden wollende Landausflüge mit der Liebsten an warmen Frühsommertagen (?Another Sunny Day?). Obskure Gitarrensynthesizer sorgen für drallen Glamrock-Style (?White Collar Boy?), eine explosive Melange aus britischem 60er-Beat und White Soul der frühen 80er macht den unvergänglichen, überbordenden Charme der ersten Singleauskoppelung ?Funny little Frog? aus, von treibendem, schneidenden Rhythm?n?Blues, fies-parodistischen ?T.Rex?-Gitarrenriffs und feingliedrigen Chören a?la ?Beach Boys? wird der rasante Rocker ?The Blues are still blue? getragen. ?Dress up in you? ist ein tieftrauriger, gedämpfter Slow-Swing auf dröger Pianobasis; mild, sommerlich, sonnig, relaxed ertönt es hingegen im seinem Titel alle Ehre machenden ?Song for Sunshine?. Streicherverziert und gerade richtig süßlich austariert, präsentiert sich der klassische, flirrende Popsong ?To be myself completely?, leger und ?very, very british? der flotte Mid-Tempo-Popper ?For the Price of a Cup of Tea?. Den schleichenden Blues ?Act of the Apostle II? hätte ein Ray Davies nicht schmieriger, ironischer, deftiger hinbekommen; in der letzten Nummer von vorliegender Silberscheibe, ?Mornington Crescent? wagen ?Belle & Sebastian? sanfte Reminiszenzen an balladesken US-Country-Folk.
Was an ?The Life Pursuit? besonders fasziniert, ist, daß es dem kunstvollen Bandprojekt regelmäßig gelingt, trotz aller noch so wüster Stil-Sprünge und Mixturen, gänzlich unaufgeregt, durchgehend frohsinnig, nett, niedlich, schlicht und einfach so positiv wie liebenswert zu klingen. Selbst ein aufwiegelndes, brodelndes Funk-meets-Soul-Gebräu, wie z.B. ?We are the Sleepyheads?, kann dem Hörer seine träumerische Ruhe beim Genießen der CD niemals nehmen. Ein schrullig-geniales Popkleinod reiht sich ans nächste; schwächere Momente fehlen absolut, Durchhänger gibt es keine, störende Wiederholungen, gar das Widerkauen von Vergangenem bleiben ohne Ausnahme aus. Ein weiteres Mal haben es ?Belle & Sebastian? also vermocht, einen zeitlosen, modernen, aber ganz und gar nicht modisch-zeitgeistigen Popleckerbissen vorzulegen, der zwar sicherlich, wie eingangs erwähnt, im düsteren Gitarrenpop der 80er Jahren seine musikalischen Wurzeln hat, aber darüber hinaus auch und insbesondere im neuen Jahrtausend alles andere als altbacken oder gar reaktionär wirkt. Gäbe es ?The Smiths? heutzutage noch, sie klängen garantiert kaum anders, als ihre einzigen legitimen Nachfolger ?Belle & Sebastian?.
Gesamtnote: 2plus
(Holger Stürenburg, 13./14. Februar 2006)

Neil Diamond - 12 Songs

Sonntag, 12. Februar 2006

?Ja, ja, der gute, alte Neil Diamond!?, entfuhr es dem Autor dieses Berichts, als er vor kurzem das neueste Werk eines der beliebtesten Popbarden der Goldenen 70er Jahre aus seinem Postfach fischte. Letztendlich war es einzig und allein der in Brooklyn/New York geborene Singer/Songwriter gewesen, dem die Ehre zuteil geworden war, der allererste reale Popmusiker zu sein, der eines schönen Tages in das (damals noch sehr junge) Dasein des Rezensenten Einzug halten sollte. Im Kindergarten war dieser soeben von dem bösartigen Grafen Hubertus (der hieß wirklich so!) heftig verdroschen worden, so daß sich die Kindergärtnerin ? obwohl wir uns im Frühjahr 1977 mitten in der Hochphase der antiautoritären Experimentalpädagogik aufhielten ? in der prekären Lage befand, dagegen harsch eingreifen zu müssen, wobei sie jedoch in ihrer Reaktion keinesfalls dem ?Muff von tausend Jahren? anheim fallen oder sich gar zu ?patriarchalisch-reaktionären? Erziehungsmethoden hinreißen lassen wollte. Folglich setzte Frau Schönfeld ? so die hieß die Kindergartentante ? auf eine krude ?Deeskalationsstrategie?: Sie sandte den bösen Grafen zurück in den Gruppenraum, während sie sich den Rezensenten schnappte und ihn, zur allgemeinen Beruhigung der Situation, auf einen vormittäglichen Ausflug mitnahm. Frau Schönfeld mußte nämlich einen Termin beim Frauenarzt im nahegelegenen Eppendorf wahrnehmen, zu diesem sie der Rezensent, bis sich der Staub vorangegangener Prügelei gelegt hatte, begleiten durfte. In der Praxis, die Frau S. und Verfasser nur wenig später betraten, war ein Radio eingeschaltet. So etwas hatte es im bis dahin rund sechsjährigen Leben des Verfassers nicht gegeben. Zu Hause hörte er ?Biene Maja?- oder ?Pumckel?-Platten auf dem eigenen Plattenspieler bzw. klassischen Big Band Jazz, Swing, Blues, Gospels, Musicalmelodien und Schlager der 50er Jahre auf dem des Vaters. Zeitnaher Pop aus den Hitparaden dieser Welt wurde in der Familie des Rezensenten gänzlich gemieden. Man rief Frau S. in den Untersuchungsraum; der Rezensent schaute sich unterdessen ein paar herumliegende Illustrierten an - und vernahm aus eben erwähntem Rundfunkgerät eine traumhafte, wiegend-romantische und doch gleichzeitig fordernd-offensive Weise der Sorte ?einmal gehört, nie mehr vergessen?. Ein paar Tage später lauschte der Rezensent mal wieder den jüngsten Plattenerrungenschaffungen seines Herrn Papa. Darunter fand sich auch irgendeine jener Billigproduktionen, wie es sie seinerzeit zuhauf gab, auf denen namenlose und meist vollkommen unbegabte Möchtegern-Orchester bekannte Melodien in supermarkttauglicher Manier instrumental verhunzten. Und siehe da: Jenes Liedchen aus dem Wartesaal des Eppendorfer Gynäkologen war ebenfalls mit im Programm. ?Let me take you in my Arms again? hieß das gute Stück und entstammte (wie der Rezensent selbstverständlich erst Jahre später eruierte) aus der LP ?I?m glad, you?re here with me tonight?, 1977 eingesungen und veröffentlicht von niemand geringerem als Mister Neil Diamond persönlich.
Mitte der 70er Jahre präferierten all jene Menschen, denen Rod Stewart zu laut, Bonnie Tyler zu heiser, Engelbert zu schwülstig, Cliff Richard zu christlich oder Tony Christie zu großspurig war, die in jenen Tagen wie am laufenden Band erscheinenden Alben des einstigen High-School-Kameraden von Edelchanteuse Barbra Streisand. Sowohl in seiner amerikanischen Heimat, als auch (und insbesondere) in deutschen Gefilden, feierte der hünenhafte Entertainer mit gerade der richtigen Portion Pathos in der kräftigen, ausdrucksvollen Stimme einen Erfolgsschlager nach dem anderen: ?Beautiful Noise? (1976), ?Desiree? (1977) ?Forever in Blue Jeans?, ?You don?t bring me Flowers? (beide 1978), ?September Morn? (1979), ?Love on the Rocks?, ?Hello Again?, ?America? (1980), ?Yesterday?s Songs? (1981), ?Heartlight? (1982)… Hit reihte sich an Hit, vor allem, seit jenem denkwürdigen Datum, als Neil Diamond von der Plattenfirma MCA zu CBS gewechselt war und fortan seine Reputation in Europa beständig ausbaute. Erst 1984, zu Zeiten der nicht gänzlich mißlungenen, aber bei weitem nicht mehr glamourös umhauenden LP ?Primitive?, ließ, zumindest hierzulande, das Interesse an dem mehrfachen Familienvater aus dem tiefsten Brooklyn merklich nach. Zwei Jahre darauf erwies sich das arg aufgedonnerte Synthispektakel ?Headed for the Future? als veritabler Flop. Als Diamond Ende der 80er die verschrobene Idee gebar, auf zwitschernde Countrysounds umzusatteln, fehlte den meisten teutonischen Musikfreunden jegliches Verständnis dafür. Im Zuge der 90er Jahre blieb Neil Diamond ergo überwiegend ein rein amerikanisches Thema. Er brachte ? neben einer Unzahl von Best-of- und Live-Kollektionen ? in erster Linie Neuaufnahmen klassischer Weihnachtslieder (hervorragend!), von Oldies der 50er und 60er Jahre (passabel) sowie von allseits angesehenen Filmliedern (durchwachsen) auf den Markt; Eigenkreationen traten immer mehr in den Hintergrund. Doch, nach der 2001 veröffentlichten, selbstverfaßten CD ?Three Chord Opera?, die von den Kritikern hoch goutiert, von den einheimischen Popfans allerdings schmählich vernachlässigt wurde, erschienen im November vergangenen Jahres, zunächst ausschließlich in den USA, zwölf brandneue, eigenständig geschriebene Lieder des heute 65jährigen Popgentleman auf einer Silberscheibe, die unverhofft auf Platz 4 der Billboard Charts landete und somit als erneuter Erfolg des Pop-Altmeisters in die Annalen einging. Mit ein paar Monaten Verspätung, gibt es ?12 Songs? (SONY-BMG) nun ebenfalls in unseren Breitengraden offiziell zu kaufen. Das 57-Minuten-Opus ist, um zwei Bonuslieder angereichert, ab dem 17. Februar 2006 nicht mehr nur in der Import-Abteilung der deutschen Plattenläden erhältlich.
Was einem beim ersten Hören der CD sofort in wohlige Unruhe versetzt, ist die karge, weitestgehend akustische Instrumentierung vorliegenden Dutzends aktueller Diamond-Nummern. Stoisch, von dunklem, sonorem Timbre beseelt, zählt der frühere Auftragskomponist den so verliebten, wie liebevollen Eröffner ?Oh, Mary? ein, daraufhin begleitet er in rauchigem, folkig-düsteren Ambiente seine weiterhin kraftvolle, wenn auch inzwischen etwas rauh-garstig gewordene Stimme nur mittels einer zurückhaltend gezupften Konzertgitarre; eine äußerst sachte Keyboarduntermalung unterstützt dieses rohe Bluesgefühl kurz später. Selbst als urplötzlich eine gemächlich vor sich hin fiedelnde Geige hinzugezogen wird, hat das Ergebnis dieses Tuns rein gar nichts von den früher so bombastisch und großorchestral inszenierten Poparien an sich, die in der Vorzeit bei Herrn Diamond stets an der Tagesordnung waren. Balladesk, schleichend, spröde, leicht abgeklärt, wenn nicht gar einwenig ängstlich, verharrt die beinahe sakrale Stimmung im resümeeziehenden Abschiedschanson ?Hell Yeah?. Der Eindruck, daß Diamond sich, seine Stimme und sein Gitarrenspiel konsequent, geradezu radikal, verbissen und unabänderlich in den Vordergrund stellt, der musikalische Hintergrund hingegen bettelarm an Bedeutung bleibt, und sich der Sänger mehr denn je als verschrobener Geschichtenerzähler, denn als glitzernder Popheroe versteht, verfestigt sich, je intensiver man sich in ?12 Songs? hineinarbeitet ? denn zum Nebenbeihören ist vorliegende CD in keinem Falle geeignet. Ruhe, Stille, Demut, Dunkelheit, Nacht, Blues, Ausweglosigkeit und Lebensweisheit sind jene verschiedenartigen und doch perfekt aufeinander abgestimmten Begrifflichkeiten, die sich einem in Anbetracht des durchgehend getragenen und gediegenen Opus sogleich unweigerlich aufdrängen. Sogar, wenn, wie z.B. bei ?Evermore?, wirklich mal ein aufbrausendes Moment zum Vorschein kommt, geriert sich dieses eher klassisch, ja, man möchte ?neudeutsch? sagen: ?sophisticated?, denn schmalzig, poplastig oder gar Las-Vegas-orientiert. Wird ? was selten genug geschieht - das Tempo angezogen (?Delirious Love?), geht dies auf keinen Fall einher mit Aufregung, Schrille, Lautstärke oder gar übertrieben in Szene gesetzter Extrovertiertheit: Trockener Rock?n?Roll scheint also in konzentriert kammermusikalischem Flair durchaus umsetzbar, flirrend jazzige Spielereien (?I?m on to you?) nicht weniger und, daß diese gewollte Sparsamkeit zudem bei aufgedrehtem Blues funktioniert (?Man of God?), ist gar keine Frage. Neil Diamond macht in all diesen rapide zurückgeschraubten, aber niemals eine mutmaßliche künstlerische Einschränkung seiner Person an den Tag legenden Klangkaskaden eine zumeist sehr gute Figur, ohne jedoch die Klasse seiner unvergeßlichen Welterfolge der Vergangenheit zu erreichen. Als Bonustracks beinhaltet ?12 Songs? das ähnlich wie das Restalbum aufgebaute, überaus bedächtige Kabinettstückchen ?Men are so easy?, sowie eine muntere ? ja, tatsächlich: muntere ? Gemeinschaftsfassung von ?Delirious Love?, in Form eines Duetts mit dem unangreifbaren Ex-?Beach Boy? Brian Wilson.
Für die provokativ unspektakulären, schamlos auf das Wesentlichste reduzierten Verkleidungen von Neil Diamonds aktuellen Kompositionen trägt vermutlich hauptsächlich Starproduzent Rick Rubin die Verantwortung. Der 43jährige einstige Hip-Hop-Pionier saß bereits bei Aufnahmen von Rappern (?LL Cool J?, ?Run DMC?, Beastie Boys?) oder Heavy-Metal-Acts (?AC/DC?, ?Danzig?, ?Slayer? etc.) hinter den Reglern, machte aber darüber hinaus zugleich Erfahrungen mit weniger drallen, krachenden Künstlern wie z.B. Tom Petty oder Johnny Cash, für dessen umjubeltes Comeback in den letzten Jahren vor seinem Tod hauptsächlich Rubins Verständnis vom Zusammenspiel von Melodie, Arrangement und Darbietung sorgte. Gitarre, Piano, Percussions, mal ein Glockenspiel, ein Akkordeon, eine punktuell eingestreute Silde-Gitarre oder Hammondorgel ? viel mehr war nicht nötig, damit Rubin seinem jüngsten Schützling Neil Diamond ein unvergleichliches, ausnahmslos sanftes, aber keineswegs banal-schnulziges Klangbild zurechtzaubern konnte.
Neil Diamond hat im Laufe seiner über 40jährigen Karriere, wie hier geschildert, alles mögliche an Stilen, Richtungen, Themen ausprobiert. Auf seine alten Tage scheint sich der Erschaffer so unvergeßlicher, hundertfach gecoverter Evergreens wie ?Song Sung Blue?, ?Sweet Caroline? oder ?I?m a Believer? ganz gern im näheren Umfeld eines Leonard Cohen (minus dessen übertriebener Nachdenklichkeit) oder eines Randy Newman (minus dessen textlichen Sarkasmus?) einfinden zu wollen. Manch Altfan des vornehmen alten Herrn des gehobenen US-Entertainment, der bis in die Fingerspitzen hinein von Blues und Lebenserfahrung durchzogen ist, wird womöglich den Kopf schütteln, wenn er hier vorgestellte zwölf plus zwei gedämpfte, oft sorgenverhangen anmutende Songdramen seines langjährigen Favoriten vernimmt: Für Radio, Singlecharts, Oldieparty oder Tanztee-Nachmittag ist ?12 Songs? wahrlich in keinster Weise geeignet. Tolerantere, über den Tellerrand des Mainstreams hinaus blickende Popfeinschmecker, die Diamond vor allem mit seiner Lust zu experimentieren und zuvor unbeschrittene Wege zu gehen, in seinen Bann zieht, dürften dagegen großen Gefallen an dessen nicht schrulligem, eher durchatmenden, unnötigen Ballast abwerfenden, tönenden Altersreifezeugnis finden ? auch, wenn ein auf Ewigkeitstauglichkeit angelegter Hit, wie in der Einleitung dieses Reviews so sentimental beschriebenes ?Let me take you in my Arms again?, auf ?12 Songs? nirgendwo auszumachen ist.
Gesamtnote: 3plus

(Holger Stürenburg, 11./12. Februar 2006)

Angelika Milster “Best of Milster” VÖ 17.02.2006

Samstag, 11. Februar 2006

Theater, Film und Fernsehen, Musical, Filmhit, Schlager, Pop, Chanson und Kirchenkonzert ? der universelle Gesangsstar Angelika Milster ist jedes musikalische Wagnis eingegangen ? mit Erfolg: Top-Platzierungen in den Charts und ein ECHO! Seit November 2005 bis Mai 2006 ist Angelika Milster mit dem “Überraschungsfest der Volksmusik” auf Tournee. All das feiert White Records mit einem ?Best of?.
Nachdem sich die Sängerin Angelika Milster mit dem Welterfolg ?Cats? als Musicalstar etabliert hatte, entstand 1994 unter der Produzentenregie von Jack White das erfolgreiche Popschlager-Album “Ich liebe Dich? (ECHO 1996). Spätestens mit dem Nachfolge-Album “Sehnsucht”, ebenfalls ein Verkaufs- und Publikumsschlager, wurde Angelika Milster Dauergast in allen bedeutenden Musikshows des deutschen Fernsehens: “Musik liegt in der Luft”, “ZDF-Hitparade”, “Melodien für Millionen”, “Die Goldene Eins”, ” Patrick Lindner-Show”, “Showpalast”, “ZDF-Hitparty”, “ZDF-Sonntagskonzert”, “Das Jahrhundertwunschkonzert”, “ZDF-Fernsehgarten”.
?Best of Angelika Milster? bietet einen qualitativ hochwertigen wie garantiert unterhaltsamen Querschnitt der musikalischen Höhepunkte dieser erfolgreichen Schlager- und Musical-Jahre. Von ?Du bist wie der Wind? über ?Ich Liebe dich? bis ?Wenn aus Liebe Sehnsucht wird?, Angelika Milster ? besser geht?s nicht.
Quelle: Dagmar Ambach - White Records

Nico Sanders - Die LIVE-Shows in der Schweiz

Dienstag, 07. Februar 2006

Nico Sanders - Erlebt den symphatischen Schweizer Sänger LIVE
Im kommenden halben Jahr stehen für den sympathischen Schlagersänger Nico Sanders wieder viele tolle Auftritte an.
09. ? 12. März 2006: Schneestern in Savognin
Ein unvergessliches Frühjahr Schnee-Erlebnis erwartet Euch vom 9. ? 12. März 2006. Marianne Cathomen mit ihrem Schneestern-Team möchte mit Euch ein unvergessliches Wochenende in der märchenhaften Landschaft von Savognin verbringen. Geniesst im Schnee bei Sonnenschein mit vielen prominenten Ski-, Sport- und Showstars ein gemütliches Beisammensein, Unterhaltung und viel Musik.
Nico Sanders wird an diesem Wochenende für das Nicht-Skifahrer-Programm zuständig sein. Ausserdem wird er zusammen mit Marianne Cathomen, ChueLee und den Calimeros für musikalische Unterhaltung sorgen.
Weitere Informationen gibt es auf www.marianne-cathomen.ch oder www.savognin.ch

25. ? 26. März 2006: Schneefest auf der Alp Sellamatt ? Alt St. Johann ? Toggenburg
Vom 25. ? 26. März 2006 findet auf der Alp Sellamatt im schönen Toggenburg erstmals ein grosses Schneefest mit viel Musik und Unterhaltung statt.
Am Samstagnachmittag wird Nico Sanders die Skifahrer bei einer stimmungsvollen Après-Ski Party so richtig für das tolle Abendprogramm einheizen. Am Samstagabend steigt im Berghotel Sellamatt eine musikalische Hüttenparty mit der Stimmungs-Sängerin Diana, dem Schlagersänger Nico Sanders sowie der österreichischen Schlagerband Galant.
Am Sonntagnachmittag zeichnet dann der TV-Sender U1 eine Folge von ?Alpenwelle unterwegs? auf. Diese Sendung wird bei schönem Wetter in freier Natur aufgezeichnet. Ansonsten im Berghotel Sellamatt. Mit dabei sind Manuela Fellner, Tris, KrainerStolz, Gruppe Galant, Romanticas und Nico Sanders.
Weitere Attraktionen: Iglu mit Glühwein-Bar und Hundeschlittenfahrten. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
Weitere Informationen findet Ihr auf www.limacher-music.ch , www.sellamatt.ch und www.alpen-welle.ch

10. Juni 2006: 3. Nico Sanders Schlager-Festival
Am Samstag, 10. Juni 2006 findet im Gasthof Kreuz in Jona bereits das 3. Nico Sanders Schlager-Festival mit vielen internationalen Schlagerstars statt. Mit dabei sind: Oliver Thomas, Marianne Cathomen, Marleen und Charly?s Partyband und natürlich Nico Sanders, welcher auch durch das Programm führen wird.
Weitere Informationen über das 3. Nico Sanders Schlager-Festival findet Ihr auf www.nico-sanders.ch oder www.limacher-music.ch
Viele weitere Termine und Informationen findet Ihr auf www.nico-sanders.ch
Quelle: limacher music - Stefan Limacher

Tommy Steiner - Die Größten Hits

Mittwoch, 01. Februar 2006

Am 25. April 1983 trat ein schmächtiges Kerlchen in einem grauslich grell orangen Pullover erstmals in der ?ZDF-Hitparade? auf. Kaum 21 Jahre alt, war der aus dem württembergischen Aalen stammende BWL- und Jurastudent Karl-Heinz Steiner auf einem Gesangswettbewerb von Produzent Jürgen Kramer entdeckt worden. Dieser versuchte daraufhin, den eigentlichen Elvis-Fan Steiner in der 1982/83 prächtig blühenden Romantik-Schlager-Szene zu etablieren, die in gewisser Hinsicht als bürgerlich-gediegene Antwort auf die Neue Deutsche Welle (NDW) zu verstehen war und von jungen Talenten wie Andy Borg, Andreas Martin, Christian Franke oder Nino de Angelo von Erfolg zu Erfolg geleitet wurde. Der gutaussehende Nachwuchssänger mit der fröhlich-einschmeichelnden Stimme legte den sperrigen Vornamen ?Karl-Heinz? ab und nannte sich fortan Tommy Steiner. Als dessen erste Single war ein sehnsüchtiger Sommer-Sonnen-Südseeschlager ausgesucht worden, den der Wiener Jungspund Andy Borg - von nun an jahrelang einer der härtesten Konkurrenten für Tommy ? bereits zugunsten seines Ende 1982 erschienenen Debütalbums ?Adios Amor? eingesungen hatte. ?Die Fischer von San Juan?, eine der letzten gemeinschaftlichen Kompositionen des legendären Schlagerteams Tex Schultzieg/Kurt Feltz, entstanden kurz vor Feltz? Tod im Sommer 1982, war jedoch niemals eine Single des pummeligen Österreichers. Ergo nahm Produzent Kramer den Ohrwurm zur Hand und ließ seinen Schützling Tommy Steiner eine neue Version dessen aufnehmen, die ihren schüchternen Interpreten 1983 nicht nur umgehend auf den zweiten Platz der oben genannten April-Ausgabe der ?ZDF-Hitparade? führte, sondern zugleich ? und dies ist mitten zu Hochzeiten der schrillen NDW-Popspielereien durchaus als kleine Sensation aufzufassen ? auf den 13. Rang der offiziellen deutschen Singlecharts. ?Hitparaden?-Conferencier Heck erzählte, der knabenhafte, brünette Aalener sei am Abend des 25. April 1983 ein ums andere Mal über das weitläufige Gelände der Berliner Unionfilm-Studios gehastet und habe ihn, Heck, immer wieder gefragt, ob es denn tatsächlich wahr sei, ob er wirklich mit ?Die Fischer von San Juan? namhafte Kollegen wie die bekannten NDW-Protagonisten Hubert Kah und Frl. Menke oder den friesischen Bluesbarden Hans Hartz hinter sich gelassen und den zweiten Rang der Monatsendauswertung erzielt habe…
Seitdem ist viel Wasser die Spree, die Elbe oder ? um in der Nähe von Tommys Geburtsstadt zu bleiben ? die Kocher herabgeflossen. ?Das Märchen von Rhodos? (1983), ?Das ewige Feuer?, ?Wenn Dein Herz Dir nicht sagt?, ?Der Morgen danach? (alle 1984), ?Märchenland?, ?Der Stern von Korsika? (1985), ?Parlez-Vous Francaise?, ?Jennifer? (1986) ?Insel im Wind? (1988) oder ?Es ist ein Wunder geschehen? (1989) hießen weitere, zumeist überaus erfolgreiche romantische Popschlager des sympathischen Württembergers, bis sich dieser Anfang der 90er vorübergehend vom aktiven Musikerdasein zurückzog und sich statt dessen der Schauspielerei widmete bzw. für angesehene Kollegen wie z.B. Michelle oder Leonard zur Feder griff und diesen Lieder auf den Leib schrieb. Eigene Produktionen erschienen nur noch sporadisch und wurden oft nur von ganz wenigen Hardcore-Fans wahrgenommen. Nach dem Millennium unterzeichnete Steiner, der inzwischen in erster Linie als Komponist, Texter, Produzent und Verleger tätig war, einen neuen Kontrakt bei der auf Schlager, Deutschpop und Volkstümliches spezialisierten, in Martinsried bei München ansässigen Firma KOCH/Universal. Dort veröffentlichte Tommy Steiner drei CD-Alben, deren beste und beliebteste Beiträge soeben für die mit 21 Titeln wahrhaft proppevolle Best-of-Koppelung ?Die Größten Hits? zusammengestellt wurden, die am 17. Februar 2006 auf den Markt kommt und ein weitgehend positives Resümee der vor kurzem in gegenseitigem Einvernehmen beendeten Zusammenarbeit zwischen dem heute 43jährigen Showstar und der oberbayerischen Company zieht. ?Komm in meine Arme? (2002), ?Liebesrausch? (2003) und ?Wilde Jahre? (2004) hießen die Arbeiten, denen ?Die Größten Hits? nun Referenz erweist.
Ein Fall für die Verkaufscharts war Tommy Steiner schon seit langem nicht mehr. Dafür aber stürmte er, gerade in der jüngsten Vergangenheit, in steter Regelmäßigkeit die bundesdeutschen Radiohitparaden mit seinen meist selbstgeschriebenen Popschlagern, die nahezu ausnahmslos über eine sehr eingängige Melodie, einen tanzbaren, aber nicht allzu aufdringlichen Rhythmus und eine gefühlvoll-sehnsüchtige Betextung verfügen. So führte der swingende Popohrwurm ?Es ist Sommer? in ebendieser Witterungsperiode des Jahres 2002 wochenlang die Radiocharts ?Deutscher Schlager? und ?Konservativ? unangefochten an; davor hatte die liebevolle, eher balladeske, auf sachter Gitarrenbasis gehaltene Ode auf ?Julia? im einheimischen Rundfunk ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen. Ein Jahr darauf wurde der Mid-Tempo-Schlager ?Und wenn tausend Träume sterben? aus Tommys 2003er-Werk ?Liebesrausch? ausgekoppelt und kam ? obgleich er im Refrain überdeutlich an Dirk Buschs legeres Popchanson ?Du bist keine Mona Lisa? erinnert ? sehr häufig im Radio zum Einsatz. Letztes Jahr schließlich wuselte der freche Disco-Fox-Reißer ?Ich will Sommer? die Radiohitlisten durcheinander, entnommen dem über weite Strecken sehr nachdenklich und ernsthaft geratenen KOCH-Album Numero Drei, ?Wilde Jahre?. Von der Machart her ähnlich ausgerichtete, kurzweilige Albumsongs aus allen drei genannten KOCH-Produktionen, angesiedelt zwischen Schlager, Pop und leichten Disco-Fox-Anleihen, bestimmen die fast 75 Minuten von ?Die Größten Hits?: So z.B. die herzliche Aufforderung ?Laß uns lieben? (2003), die wiegende, 50er-Jahre-beeinfußte Edelschnulze ?Grenzenlos zärtlich? (dto.) bzw. die rasanten, aufmunternden Tanzsaalfüller ?Komm in meine Arme, Kleine? (2002), ?Wie kannst Du denn einfach so von mir gehen? (2004), ?Ich fühl mich wohl in Deinem Leben? (2003 ? hat nichts mit Roland Kaisers gleichnamiger 1984er-Ballade zu tun!), der schnittige Romantik-Popper ?Wein Dich bei mir aus? (2002) oder der locker-flockige Discoschlager ?Was ich Dir noch sagen wollte?, der entfernt an den hibbeligen Spät-80er-Pop aus dem Hause Stock/Aitken/Waterman gemahnt.
Ruhige, nächtlich schleichende Balladen (?Im Liebesrausch?, 2003), nicht uninteressante Mixturen aus Chansonangehauchtem und Volkstümlichem (?Schön, daß Du bei mir bist?, 2002), gar gehobener Großstadtpop im Sinne eines Andreas Martin, mit einem knarzenden Saxophon verfeinert (?Wilde Jahre?, 2004), oder fetzige, verspielte Boogie-Woogie-Anklänge (?Zehn mal täglich?) tragen pfundige stilistische Abwechslung in das ansonsten recht konventionelle Schlagerrepertoire des Wahl-Münchners, der seit einiger Zeit einmal pro Monat in Frankfurt/Main eine gutbesuchte Kultschlagerparty veranstaltet und nicht selten selbst dort ein paar seiner Lieder anstimmt. Unnötig pathetisch und betroffen wird?s dagegen im ungewohnt stillen, in sich gekehrten Pseudo-Protestsong ?Lieber Gott? (2004); simple Melodiechen, mit hundertfach zuvor gehörten Tralala-Liebesreimen versehen ? z.B. ?Du liebst mich? (2002), ?Ich denk an Dich? (2004) oder ?Dann ist das Liebe? (2002) -, verbleiben zudem im konsequenten Mittelmaß und versprühen nichts Eigenständiges, Aufregendes, Mitreißendes. Eine rhythmusbetonte Neuabmischung von Tommys Einstiegshit ?Die Fischer von San Juan? und ein vierminütiger Hitmix, bestehend aus dessen Hitparadenstürmern der kühlen Dekade, runden eine nette, freundliche, stets stimmungsvolle Schlagerkollektion ab, deren Titel ?Die Größten Hits? allerdings etwas in die Irre führt. Denn die wahrlich bedeutungsvollsten Songs seiner Karriere lieferte Tommy Steiner, wie eingangs erwähnt, nun mal in den 80er Jahren ab. Die Mehrzahl derer erschien seinerzeit bei der einstigen Hamburger Plattenfirma POLYDOR ? und eben jener POLYDOR-Katalog wird längst von KOCH/Universal verwaltet. So wäre es für die Macher von ?Die Größten Hits? sicher ein Leichtes gewesen, zusätzlich zu vorliegenden aktuellen Schmankerln, ein paar ultrarare, bei Sammlern und 80er-Freaks heißbegehrte, weil seit Jahren nur noch im Zweite-Hand-Spektrum, teils ausschließlich auf Vinyl, erhältliche Perlen aus des gebürtigen Aaleners phänomenaler Frühphase der ansonsten keineswegs mißlungenen Silberscheibe hinzuzufügen, um auf diese Weise dem hochtrabenden Titel der CD ohne Übertreibungen gerecht zu werden ? denn ein realer ?Hit?, der es womöglich in höhere Sphären der Singlecharts geschafft hätte, ist auf ?Die Größten Hits? nirgendwo zu vernehmen!
Gesamtwertung ? Musik: 2-3
Gesamtwertung ? Zusammenstellung: 4
(Holger Stürenburg, 30./31. Januar 2006)

Konzertreihe der Hochschule für Musik Franz Liszt

Montag, 30. Januar 2006

Neue Konzertreihe “A & O” der Hochschule für Musik Franz Liszt
Weimar - Die Hochschule für Musik Franz Liszt beginnt am 28. Januar ihre neue Konzertreihe “A & O” in der Evangelischen Stadtkirche in Waltershausen. Unter dem Motto “Alte Musik und Orgel” finden 2006 sieben Veranstaltungen statt, der Eintritt zu den Konzerten, die in loser Folge bis November laufen, ist frei.
An Instrumenten der Region interpretieren Studenten und Absolventen der Hochschule für Musik Franz Liszt gemeinsam mit den Professoren Bernhard Klapprott (Cembalo) und Myriam Eichenberger (Blockflöte) verschiedenste Kompositionen aus dem Bereich “Alte Musik”. Anlässlich des Ersten Konzertabends in Walterhausen stehen Werke von Bach, Pachelbel und Muffat auf dem Programm.
Zusätzlich bietet die Hochschule für Musik Franz Liszt außerdem die Reihe “Alte Musik auf dem Museumsboden - Quodlibet 2006″ (Eintritt neun Euro) und weiter Konzerte in loser Folge. Weitere Informationen finden sich unter www.hfm-weimar.de.
Hochschule für Musik Franz Lizst live
28.01. Waltershausen, Evangelische Stadtkirche
18.02. Bad Salzungen, Evangelische Stadtkirche
22.04. Kirche Denstedt
6.05. Schmalkalden, Schlosskirche in der Wilhelmsburg
8.07 Büßleben, St. Petrikirche
21.10. Kirche Denstedt
25.11. Ilmenau, St. Jakobuskirche
“Alte Musik auf dem Museumsboden ? Quodlibet 2006″ in Pavillon-Presse, Weimar
17.05. “Galanter Stil” Musik der Söhne Johann Sebastian Bachs
31.05. “Hellas! Amour”, Französische Musik und Lyrik des 16. und 17. Jahrhunderts
14.06. “Le gouts réunis”, Musik des 18. Jahrhunderts aus Frankreich, Deutschland und Italien
weitere Veranstaltungen 2006
20./21.05 Naumburg, St. Wenzelskirche
Mittagskonzerte “Orgel punkt Zwölf”
28.06. Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Festsaal Fürstenhaus
5.10. Bachhaus Eisenach, “Vestiva colli”
6.10. Stadtschloss Weimar,
Nachtkonzert “Wege zu Mozart”
30./31.10. Weimar, Römisches Haus
14.12. Weimar, Wittumspalais, “Alte Musik zum Advent”

Autor: jk
www.hfm-weimar.de
Quelle: Musikmarkt

Cutting Crew - Grinning Souls

Montag, 30. Januar 2006

Im Herbst vor 20 Jahren sorgte eine junge Band für Furore, die sich offensichtlich nicht entscheiden konnte, ob sie nun klassischen amerikanischen Rock, britische New-Romantic-Ästhetik oder schlicht und einfach sympathisch perlende Popklänge fürs Radio fabrizieren wollte. In dieser Wirrnis liegt vermutlich begründet, weshalb die Truppe recht schnell wieder von der Bildfläche verschwand und Ende der 80er Jahre längst dem Vergessen anheimgefallen war. Die Rede ist von ?Cutting Crew?, einem einstmals vierköpfigen Projekt englisch-kanadischen Unsprungs, das 1985 gegründet wurde und ein Jahr später seine gefeierte Debüt-LP ?Broadcast? auf den Markt brachte. Mit dem dunkel-sehnsüchtigen Synthirocker ?(I just) died in your Arms? stürmten die Jungs um Nick van Eede (voc) und Kevin Scott MacMichael (git) weltweit die Hitparaden. Zuerst erzielten sie im September 1986 in Großbritannien einen passablen Rang 4, hierzulande wurde binnen Monatsfrist ebenfalls Platz 4 erreicht, während in den USA ? wenn auch mit einer zeitlichen Verzögerung von über einem halben Jahr ? im Mai 1987 ganze 14 Tage lang die Spitzenposition gehalten werden konnte.
Für ein lupenreines New-Romantic-Exponat war ?Died in your Arms? viel zu gitarrenlastig geraten, für einen krossen Radiorocker hingegen zu romantisch, wehmütig und schwülstig. Der klasse Ohrwurm begleitete uns den gesamten Herbst des Jahres 1986, bevor Single Numero 2, die schaurig-schöne Popballade ?I?ve been in Love before?, die in erster Linie durch ihre perfekte Mixtur aus hintergründigem Rhythmus und melodischem Gesang lebte, beweisen sollte, daß ?Cutting Crew? sich zunächst keinesfalls in die ellenlange Liste der ?Ein-Hit-Wunder? einzureihen gedachten. In Deutschland wurden immerhin noch gut die Top 50 genommen, in den Radiocharts im Januar 1987 sogar der zwölfte Rang erklommen. Doch bereits die dritte Singleauskoppelung aus ?Broadcast?, der hymnisch-treibende Gitarrenrocker ?One for the Mockingbird?, verfehlte, zumindest in unseren Breitengraden, deutlich die Verkaufshitparaden; der vierten 45er, ?Any Colour?, einem peppigen Waverocker, angesiedelt irgendwo zwischen ?U2? und den ?Simple Minds?, wiederfuhr im Sommer 1987 dasselbe Schicksal. ?Broadcast?, eine bis heute vorzüglich mundende Scheibe ohne auch nur einen Durchhänger, blieb der einzige reale Höhepunkt in der Karriere von van Eede und seinen Mannen. Das erst 1989 veröffentlichte Zweitwerk, ?The Scattering?, bot ausschließlich einen matten Pop-meets-Dancefloor-Eintopf, dem Charme und Eigenständigkeit vollständig abgingen, so daß LP und gleichnamige Single alles andere als überwältigende Reißer wurden. Von der 1992 erschienenen, dritten ?Cutting Crew?-LP, ?Compus Mentus?, nahm niemand mehr Notiz. Die Band zog aus dem anhaltenden Mißerfolg die Konsequenz und löste sich 1993 auf, die einzelnen Mitglieder blieben allerdings weitgehend der Musikszene erhalten. So spielte Gitarrist MacMichael bis zu seinem Krebstod Ende 2002 zusammen mit Ex-?Led Zeppelin?-Vokalist Robert Plant, Nick van Eede tourte in der Weihnachtszeit selbigen Jahres mit ?The Nokia Night of the Proms? durch Deutschland und bot im Rahmen dieser Konzertreihe ein paar ?Cutting Crew?-Schmankerl in klassischem Ambiente dar. Der frühe Tod seines langjährigen Freundes MacMichael zog den sensiblen Briten sehr in Mitleidenschaft. Als Therapie zur Bewältigung seiner Trauer, begann der einstige 80er-Held, nach vielen, vielen Jahren künstlerischer Enthaltsamkeit, wieder Songs zu verfassen. Um diese musikalisch umsetzen zu können, rief er 2003 eine neue Band namens ?Grinning Souls? ins Leben. Deren Debütalbum erschien dieser Tage bei Hypertension/Soulfood mit dem aktuellen Bandnamen ?Grinning Souls? als Titel, während van Eede als letztes verbliebenes Mitglied der Urbesetzung der ?Cutting Crew?, als Interpreten ebendiese angibt ? wohl deshalb, weil gerade in Europa dieser Name weiterhin als Gütesiegel gilt.
Zwölf üppig arrangierte, oft über sechsminütige Klangdramen, darunter ein mit klebrigen Streicherelementen völlig verunziertes Instrumental (?Lauren?s Theme?), sind auf ?Grinning Souls? zu vernehmen. Sämtliche dieser ausufernden Epen wurden von van Eede ? meist im Alleingang ? komponiert und betextet. Mit dem schiefen Mid-Tempo-Rocker ?Apparent Depth? befindet sich zudem eine allerletzte Gemeinschaftsarbeit von ihm und seinem verstorbenen Ex-Gitarristen Kevin Scott MacMichael auf der rund 55minütigen Silberscheibe. Sechs ansonsten nicht näher bekannte Instrumentalisten gehören zu van Eedes derzeitiger Begleitband, sechs weitere sowie ein dreiköpfiger Hintergrundchor waren bei der Einspielung des Comebackopus zugegen. Wiederum scheint ein diffuses Entscheidungsproblem bei den Aufnahmen vorliegender CD im Raum gestanden zu haben. Nick van Eede ? letztendlich ist er sowohl ?Grinning Souls?, als auch ?Cutting Crew? in Personalunion ? wußte offenkundig nicht so recht, ob er mit seinen neuerschaffenen Werken stilistisch im musikalischen Zeitgeist der 80er Jahre verharren bzw. sich seiner damals erarbeiteten Wurzeln entsinnen sollte oder, ob er nicht viel eher ein dröhnendes Rock/Pop-Konglomerat im Sinne des neuen Jahrtausends zurechtzimmern wollte. So trafen sich beide Extreme in der Mitte. ?Grinning Souls? ist also eine Produktion geworden, wie es sie 1993/94, als Grunge, College- und Alternative-Rock Dank massentauglicher Combos wie ?Counting Crows?, ?Crash Test Dummies? ?Stiltskin? oder ?Deep Blue Something? im Mainstream angekommen waren, an jeder Ecke zu hören gab, so daß sie vor zehn, zwölf Jahren durchaus hätte ein nachhaltiger Erfolg werden können. Krachende Gitarrenwälle, bedrohlich anmutende Akkordfolgen, nervöse Rhythmen, hysterischer, beinahe jammernder Gesang, kaum Platz für Romantik, Wärme und Schöngeist, statt dessen hörbar gemachte Betroffenheit und Hoffnungslosigkeit in den rohen, lauten, nicht selten nervenaufreibenden Arrangements bestimmen das alles andere als feingliedrige Klangbild von ?Grinning Souls?. Im temporeichen Eröffner ?Shot of Democracy? geht der heute 47jährige Sänger, Gitarrist und Keyboarder mit der ?Religiösen Rechten? in den USA hart zu Gericht, die als erste Single ausgekoppelte Ballade ?Hard on you? verstrahlt keinerlei Liebe, Zärtlichkeit, Ruhe und Ausgeglichenheit. Im von Akustikgitarren dominierten Düster-Blues ?No Problem Child? wimmert van Eede in einer pathetischen Übertreibung, als seien mitten an einem achten Mai drei Atomkraftwerke explodiert und fünf Regenwälder abgeholzt worden. Das niedliche Pianointro von ?Silhouette? darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß kurz darauf erneut die Grunge-Gitarren losholzen und somit jeglichen (anfangs vielleicht sogar geplanten) Wohlklang konterkarieren. Wie eine lausige Schülerband, die vergeblich versucht, die harschen Progressiv-Rock-Attacken von ?Marillion? unter Steve Hogarth zu imitieren, wirkt der mit knapp sieben Minuten überlange, ja, viel zu ausführliche ausgewalzte Titelsong. Nicht unsympathisch dagegen zeigt sich der textlich bedrückende, melodisch aber sehr sonnig-relaxte Piano-Popper ?Left of Heaven?, in dem die E-Gitarren wirklich nur dann zum Einsatz kommen, wenn dies klar zur Songstruktur paßt, und nicht nur einfach alle Optionen, einen tatsächlich tollen Popsong zu kreieren, durch Lautstärke übertönen und auf diese Weise zunichte machen. Wäre Nick van Eede 1986 etwa mit dem stoisch langweiligen, gottlob nur zweiminütigen Folkblues ?Capture? bei einer Plattenfirma von Rang und Namen vorstellig geworden, hätte man ihn garantiert umgehend wieder vor die Tür gesetzt.
Richtig gut werden die neuen ?Cutting Crew? erst in genau jenen Momenten, wenn sie im Tempo anziehen und gar einwenig mit originärem Punk- und New-Wave-Gefühl der frühen 80er experimentieren. Dies geschieht z.B. im rasanten Rock?n?Roll-Hammer ?Boomerang? bzw. im ebenso schnellen, treibenden Rockhymnus ?Understudies?, der hinsichtlich songschreiberischer Tiefe, gesanglicher Offensive und frecher Riffs ohne Probleme als ?One for the Mockingbird Version 2006? durchgehen könnte. Der Rest allerdings dürfte jene Mittdreißiger unter uns, die im Herbst 1986 womöglich unter Zuhilfenahme von ?(I just) died in your Arms? oder ?I?ve been in Love before? ihren ersten Liebeskummer zelebrierten, keineswegs vom Hocker reißen. Zu neumodisch, zu unsensibel, zu rauh und (vor)laut ertönt das meiste, was Nick van Eede nach dem Millennium so eingefallen ist
Der Verehrung der 80er-Kinder für ebengenannte Kultsongs tut ?Grinning Souls? bestimmt keinen Abbruch. Diese sind und bleiben feste, unzerstörbare Bestandteile unserer Pubertät. Jedoch sollten überzeugte Alt-86er nur mit allergrößter Vorsicht an Nick van Eedes eigentlich ja langersehntes Lebenszeichen herangehen. Mit traditionellen Klangfarben unserer Jugend, jener Ära beider gerade erwähnter, unschlagbarer Popklassiker, hat ?Grinning Souls? rein gar nichts gemein. Obwohl mit ?Rush?-Produzent Terry Brown derselbe Produzent hinter den Reglern saß, wie vor 20 Jahren bei ?Broadcast?, so wird die jugendliche Frische, die brodelnde Intensität, die liebevolle Aussagekraft und herzzerreißende Emotionalität des legendären Debüts heutzutage nur noch in kleinsten Nuancen erreicht. Nachgewachsene Freunde angesagter, zeitnaher Rocksounds des Jahres 2006 aber können unbesehen zugreifen. Unter den Hunderten ?modernen? Rockproduktionen der Jetztzeit, sticht ?Grinning Souls? weder als besonders gut gelungen, ansprechend und betörend hervor, noch als allzu arg danebengegangen, sinnlos oder gar schmerzauslösend.
Gesamtnote: 3minus
Hoffentlich weitaus mehr alte, denn neue Songs seiner nunmehr 20 Jahre währenden Karriere präsentiert Nick van Eede mit seiner neuen ?Cutting Crew? im Februar 2006 im Rahmen einer dreiwöchigen Deutschlandtournee:
03.02.2006 Bad Endbach Qygen
04.02.2006 Freudenburg Ducsaal
05.02.2006 Bonn Klangstation
06.02.2006 Essen Zeche Carl
08.02.2006 Hamburg Downtown Bluesclub
10.02.2006 Melle Kulturzentrum
11.02.2006 Isernhagen Blues Garage
12.02.2006 Wetter Earth Music Hall
14.02.2006 Frankfurt Sinkkasten
15.02.2006 Berlin Quasimodo
16.02.2006 Augsburg Spectrum
17.02.2006 Zwönitz Musikcafe
18.02.2006 Schwerin Speicher

(Holger Stürenburg, 28./29. Januar 2006)

Rainhard Fendrich - Hier + Jetzt

Montag, 23. Januar 2006

Er sang über Machos und Männer in der Midlife Crisis… Aber das war gestern. Heute ist Rainhard Fendrich weit weg von Stereotypisierungen und gesteht den Zusammenhängen des Lebens immer feinere Nuancen zu. Reifer ist er geworden, und gelernt hat er eine ganze Menge. Nicht alle Erfahrungen der letzten Jahre waren schön, aber umso deutlicher und überzeugender wiegt seine Zwischenbilanz heute. “hier + jetzt” ist die Bestandsaufnahme eines Lebens voller Höhen und Tiefen, die sich mit allem beschäftigt, was im Lauf der Zeit so passieren, sich aufbauschen, abebben oder von selbst erledigen kann.

Zum Beispiel das Älterwerden: Da wird es allmählich schwerer mit den Jüngeren und ihrer eigenen Welt klar zu kommen. Betont subjektiv bringt Fendrich darum eine Hymne auf “Mei Tscheneräischen” (My Generation), die sich endlich mal einen Applaus verdient hat. Zum Beispiel das Verlieren: Für seine vor 17 Jahren verstorbene Tochter Theresa-Valentina hat Fendrich nun rückblickend ein Abschiedslied gesungen: “Die Rosen”. Zum Beispiel die Angst vor morgen: Gemeinsam mit seinem Lebensgefährtin Ina Nadine Wagler steuert Fendrich das Duett “Nimm mir einfach nur die Angst” bei, ein stilles, intimes Statement gegen Krieg und Zerstörung und all das Elend, das sich vor der Haustür abspielt. Aber natürlich wird der Kreis durch all das geschlossen, was auch nach Jahren immer noch da ist: die Liebe, die Lust und Leidenschaft. Auch hier + jetzt ist Fendrich immer noch “Rettungslos verliebt” und schickt mit dem gleichnamigen Opener die erste Single aus dem Album in die aktuellen Airplay-Charts.
Quelle: Tobias Reitz Sony BMG

CD 82876679922
VÖ am 20.01.2006

Rainhard Fendrich auf Tour:
03.03.2006 Wiener Neustadt Arena
04.03.2006 Loeben Sporthalle
05.03.2006 Graz Sporthalle
08.03.2006 St. Pölten VAZ
09.03.2006 Linz Brucknerhaus
10.03.2006 Salzburg Arena
11.03.2006 Innsbruck Olympiahalle
13.03.2006 Stuttgart Beethovensaal
01.04.2006 Villach Contress
02.04.2006 Bregenz Festspielhaus
05.04.2006 Wien Stadthalle
07.04.2006 Liezen Sporthalle
08.04.2006 München Olympiahalle
10.04.2006 Nürnberg Meistersingerhalle
11.04.2006 Frankfurt Jahrhunderthalle
12.04.2006 Hamburg CCH Saal 2

Info
Er ist der größte lebende Popstar Österreichs. Er ist Liedermacher, Entertainer, Komponist, Musical-Autor, Schauspieler, Fernsehmoderator ? und er ist immer die Nummer 1. Doch trotz unzähliger Gold und Platin-Auszeichnungen, trotz mehrerer Amadeus-Awards und Romys, des World Music Awards und all der anderen Preise, Trophäen und Erfolge der Vergangenheit ist er vor allem ein Mann, dessen künstlerisches Bewusstsein aufs engste mit der Gegenwart verwoben bleibt. Rainhard Fendrich 2006, das ist Rainhard Fendrich im hier und jetzt, das ist Leben im hier und jetzt.
Mit seinem neuen Album ?hier + jetzt? meldet sich Rainhard Fendrich als kritischer Beobachter der Zeitläufte zurück. Verwurzelt in der großen Tradition der Liedermacher und bestens vertraut mit den unterschiedlichsten Spielarten internationaler Popmusik, versammelt der 50-Jährige in seinen Songs Geschichten und Skizzen, die sich sowohl mit dem großen politischen Ganzen als auch mit den persönlichen Alltagserfahrungen seiner Generation auseinandersetzen. ?Ich glaube, dass es wieder an der Zeit ist, dass die Kunst wieder zu verschiedenen Problemen Stellung bezieht?, sagt er. ?Viele meiner neuen Lieder sind nicht sehr bequem, und es gibt Leute, die schockiert sein werden. Aber genau das ist meine Absicht. Unterhaltung hat für mich einfach etwas mit Haltung zu tun.? Und somit gibt es auf ?hier + jetzt? neben Liebesliedern wie ?Rettungslos verliebt? oder ?Nimm mir einfach nur die Angst? ausgesprochen politische Songs wie ?Brüssel? oder bissige Satiren wie ?V.I.P.? oder ?Sexy Hexi?.
Doch ganz gleich, welchem Genre die einzelnen Titel zuzuordnen sind ? immer sind es tiefenscharfe Momentaufnahmen eines kosmopolitischen Europäers mit wienerischen Wurzeln, eines Künstlers, der seine Herkunft nie verleugnet hat und vor allem eins ist: ein sehr guter Beobachter. ?Es kann sein, dass ich beispielsweise im Theater sitze, und ich höre den Nachbarn über ein Thema reden. Das kann für mich schon wieder Anlass genug sein, daraus etwas zu machen?, verrät Fendrich. Er besitzt einfach die Gabe, aus jeder noch so profanen Situation poetische Funken zu schlagen. Sein Ziel ist es, ?dass ein Gedankenkeim vor dem inneren Auge des Zuhörers ein stimmiges Bild erzeugt. Es geht mir nicht um das pseudorealistische Vorkauen irgendeines Tatsachenberichtes im Stil eines Polizeiberichts. Es geht um Poesie? Der kreative Prozess, der bei dem Autor und Komponisten beginnt, setzt sich somit bei jedem einzelnen Zuhörer fort. Auf diese Weise entsteht eine Art innere Kommunikation über die in den Songs angesprochenen Themen, die so lange funktioniert, so lange Rainhard Fendrich Musik macht und ihm jemand dabei zuhört.
Entstanden sind die Lieder von ?hier + jetzt? übrigens meist im Flugzeug. ?Dort habe ich in der Regel keinen Gitarre und nichts zum Schreiben dabei?, sagt der Autor. ?Schon allein deswegen mussten die Songs sehr eingängig sein, damit ich sie mir auch merken konnte. Aber das mache ich eigentlich immer so: Es küsst mich die Muse, aber ich schreibe nichts auf. Ich genieße erst einmal den Kuss. Die eigentliche Arbeit kommt viel später.?
Und diese Arbeit fand wieder auf Mallorca statt, dort wo Fendrich über einer traumhaften Piratenbucht eine Finca mit eigenem Aufnahmestudio besitzt. Hier in der Abgeschiedenheit der mediterranen Idylle entwickelte er die Songs weiter, formulierte Notizen aus und schickte seine Musik per E-Mail in verschiedene Studios in Deutschland und Österreich, wo die Mitglieder seiner Band ihre Beiträge hinzufügten. Als Produzent und Arrangeur zeichnete bei den meisten Songs Tato Gomez verantwortlich. Mit ihm hatte Rainhard Fendrich bereits 1988 den Hit ?Macho, Macho? aufgenommen. ?Das Lied des Fischers? entstand in Kooperation mit dem international renommierten Arrangeur Christian Kolonovits (José Feliciano, Plácido Domingo, Michael Bolton, Wolfgang Ambros), und die Produktion von ?Piroshka? und ?Die Rosen? übernahm Johnny Bertl, der Komponist des Musicals ?Falco Meets Amadeus?.
Nicht zuletzt in Folge dieser arbeitsteiligen Vorgehensweise ist ?hier + jetzt? eines der musikalisch vielfältigsten Alben in Rainhard Fendrichs Karriere. Pop (?Mama?s Fenster?) wechselt mit Rock (?Mai Tscheneräischen?), Funk (?Pfusch?) oder Jazz und Blues wie namentlich im ?Pantoffelhelden Blues?. Fendrich: ?Ich habe eine sehr gute Band, und ich wollte dieser Band auch Platz geben. Ich habe mich da mit meinem Gitarristen und meinem Keyboarder beraten, was sich auch der Bühne herstellen lässt. Und ich möchte kein Album haben, was sich auf der Bühne nicht spielen lässt.?
hier + jetzt ? Tour 2006
Und Rainhard Fendrich und Band werden auf der Bühne spielen. Am 3. März 2006 startet die ?hier + jetzt?-Tour 2006. Bis Mitte April stehen 17 Termine in Deutschland, Österreich und in der Schweiz an. Im Herbst folgen weitere Auftritte in Deutschland. Mit den neuen Songs und der neuen Live-Besetzung ist Fendrich 2006 so rockig wie nie. Der geniale Robby Musenbichler brilliert wieder an der Gitarre, der klassisch ausgebildete Hannes Oberwalder sorgt einmal mehr an den Keyboards für jede Menge Sounds, und das neue Bandmitglied Willi Langer empfiehlt sich als Koryphäe am Bass. Den Rhythmus und den Beat der Fendrich-Songs treiben Schlagzeuger Peter Wrba, einst Drummer in Thomas Gottschalks Showband, und der den Groove veredelnde Perkussionist Stephan Maass nach vorne.
Der Superstar aus Wien-Alsergrund
Rainhard Fendrich wurde am 27. Februar 1955 in Wien-Alsergrund geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in einem Internat. Mit 15 lernte er Gitarre spielen, nach der Matura begann er verschiedene Studiengänge, darunter Jura. Schließlich studierte er Schauspielerei und nahm Gesangsunterricht. Seine Karriere als Schauspieler begann er 1980 am Theater an der Wien, im gleichen Jahr unterschrieb er auch seinen ersten Plattenvertrag und brachte unter dem Titel ?Ich wollte nie einer von denen sein? sein Debütalbum heraus.
1981 gelang ihm im Alter von 26 Jahren der große Durchbruch: Die Single ?Strada del Sole? wurde zum Sommerhit und verkaufte sich allein in Österreich 99.000 Mal. Von nun an folgte Hit auf Hit: ?Schickeria? (1981), ?Oben ohne? (1982), ?Razzia? (1982) und ?Es lebe der Sport? (1982), ein Klassiker, dessen Titel im ganzen deutschen Sprachraum zum geflügelten Wort geworden ist. Die gesamten 80er Jahre hindurch beherrschte Rainhard Fendrich die österreichischen Charts und feierte auch in Deutschland einen Erfolg nach dem anderen. Seine Alben mit Hits wie ?Weus?d a Herz hast wia a Bergwerk? (1984), ?Wien bei Nacht? (1985) und ?Macho, Macho? (1988) brachten ihm zahlreiche Gold- und Platin-Auszeichnungen, mehrere Amadeus-Trophäen und den Preis der deutschen Schallplattenkritik ein.
In den 90er Jahren feierte Rainhard Fendrich große Erfolge als Fernsehmoderator. In Deutschland übernahm er die Moderation der ARD-Sendung ?Herzblatt? (1993 ? 1997), und für den ORF moderierte er die Show-Reihe ?Nix is fix?. Darüber hinaus arbeitet er verstärkt als Schauspieler. Im September 1998 feierte das Musical ?Chicago? mit Rainhard Fendrich in der Hauptrolle im Theater an der Wien Premiere.
Doch auch musikalisch blieb er oben auf. ?I Am From Austria?, der Titelsong seiner gleichnamigen TV-Show, avancierte seit 1990 zu einer Art neuen österreichischen Nationalhymne. Mit seiner Band gab er Hunderte von Konzerten und spielte sechs Alben ein, darunter das mit Doppelplatin ausgezeichnete Meisterwerk ?Blond?. Darüber hinaus gründete er gemeinsam mit Wolfgang Ambros und Georg Danzer das legendäre Trio AUSTRIA 3, die absolute Supergroup des Austro-Pop. Bis heute sind drei Alben des Trios erschienen. Während des gesamten Jahrzehnts schrieb Fendrich Musik für Film- und Fernsehproduktionen.
Auch im neuen Jahrtausend bleibt Rainhard Fendrich im Fernsehen, auf der Konzert- und Musical-Bühne Österreichs Entertainer Nummer 1. Im Zuge einer österreichweiten Umfrage des Nachrichtenmagazins ?NEWS? wurde er zum besten Entertainer des Jahrzehnts gewählt. Die Alben ?Männersache?, ?AufLeben? und ?So weit so gut? wurden mit Gold und Platin ausgezeichnet.
Quelle Sony BMG

Graham Bonney - “Der letzte Rock`n Roll”

Freitag, 20. Januar 2006

Graham Bonney
Die “unbelievable” Medientour zum 40jährigen Bühnenjubiläum von GRAHAM BONNEY featuring: “DER LETZTE ROCK`N ROLL”…. noch lange nicht!!!!!
40 Jahre erfolgreich in einem so tagesaktuellen Geschäft das kann nur einer, der wirklich das Temperament in den Adern hat, der Musik im Blut hat, er beweist es seit nunmehr fast 40 Jahren auf bis zu hundert Shows im Jahr, er ist einfach ein Spitzen-Entertainer von Format !
ER reißt das Publikum von den Stühlen, begeistert mit seiner Show, egal ob große Gala, Betriebsfest, Festzelt oder Stadtfest. Just like Johnny Walker …… still going strong!
Nun im Jahre 40 nach “Supergirl” präsentiert Graham eine neue Show, dazu die neue CD “Der letzte Rock`n Roll”!

Seine Vita liest sich wie ein Bestseller. Die Karriere eine “unbelievable” Story. Und nach 4o Jahren live auf der Bühne klingen seine Hits, inzwischen “Golden Oldies”, immer noch im Sound von heute!
Die Rede ist von GRAHAM BONNEY: Sänger, Entertainer, Songschreiber, Produzent mit eigenem Tonstudio, Sonnyboy der 60er, Tausendsassa und Multitalent in einer Person…

Quelle: Heidi Esser - Media Consulting

Rainhard Fendrich - Hier und Jetzt

Montag, 16. Januar 2006

Nach seinen enttäuschenden Studioproduktionen ?AufLeben? (2004) und ?Männersache? (2001), überraschte der österreichische Liedermacher, Popsänger, Musicaldarsteller und TV-Moderator Rainhard Fendrich vor rund einem Jahr mit der exquisiten CD ?So weit, so gut?, auf der er aus Anlaß seines 25jährigen Schallplattenjubiläums 16 seiner größten Hits und beliebtesten Lieder der Jahre 1980 bis 2004 in vorzüglichen, ungewohnt gitarrenbetonten, zumeist knackig drauflos rockenden Arrangements neu eingespielt hatte. Hochgradig elektrisierende 2005er-Versionen von z.B. ?Wien bei Nacht? (1985), ?Zweierbeziehung? (1980), ?Strada del Sole? (1981) oder ?Tango Korrupti? (1988) entschädigten umgehend für manch kompositorische und lyrische Simplizität der Vorjahre, in denen Fendrich scheinbar orientierungslos zwischen billigstem Plastikschlager und unausgegorenem Discochanson hin und her irrte und dabei nicht wenige Altfans, denen seine oft skurrilen, schrulligen, aber niemals verletzenden Popchansons nicht selten ihre Jugend versüßt hatten, ratlos und achselzuckend am Wegesrand stehenließ.
Entsprechend hoch sind nun natürlich die Erwartungen an das kommende Opus des knapp 51jährigen Wieners, auf dem ausschließlich aktuelle, bislang unveröffentlichte Songs enthalten sind. Am 20. Januar 2006 ist es soweit und ?Hier und jetzt? (SONY-BMG) erblickt das Licht der Welt: 13 brandneue Songs, fast sämtlich aus der Feder ihres Interpreten, hauptsächlich ersonnen auf Reisen im Flugzeug, weitergesponnen in Fendrichs hauseigenem Tonstudio auf Mallorca, produziert in erster Linie von Tato Gomez (Purple Schulz, Anne Haigis, Opus), aufgenommen aber auch unter der Regie von Christian Kolonovits, der übrigens schon bei Fendrichs 85er-Geniestreich ?Wien bei Nacht? hinter den Reglern saß, und Johnny Bertl, dem Autor des Musicals ?Falco meets Amadeus? ? und leider bis auf wenige Ausnahmen ein durch und durch zweifelhaftes Vergnügen, das öfters einen sehr faden Nachgeschmack hinterläßt.
Musikalisch bleibt das trotz allem ungemein vielfältige Programm von ?Hier und jetzt? einerseits typisch Fendrich, selbst wenn das Schlagzeug kräftiger hämmert als bisher, die Gitarren roher und rockender vor sich hin schrammeln und darüber hinaus der Baß in den einzelnen Arrangements deutlich an Bedeutung zugelegt hat. Andererseits beschreitet der Gitarrist und Sänger zusätzlich und ohne auch nur in Nuancen störende Brüche ungewöhnliche, extravagante Wege: Klassischer Fendrich-Folkrock (?Rettungslos verliebt?, ?Mamas Fenster?) wechselt sich ab mit einer Prise Elektro-Swing (?Sexy Hexy?) und einwenig frechem, frankophilen Chansonflair (?Brüssel?). Nettgemeinte Blicke in Richtung funkigen Riff-Rocks (?Mai Tscheneräischen?) finden genauso statt wie sachte R?n?B-Adaptionen (?V.I.P.?), kesse Prince-Zitate (?Pfusch?) oder augenzwinkernder, akustisch gehaltener Blues?n?Boogie (?Pantoffelhelden Blues?). Keinesfalls fehlen dürfen in diesem nicht unerquicklichen Stil-Mix ohne Frage die unvermeidlichen Monumentalballaden und Songdramen üblicher Machart (?Das Lied des Fisches?, eine Komposition von C. Kolonovits, ?Die Rose?, ?Nimm mir einfach nur die Angst? ? gesungen als Duett von Fendrich und seiner Lebensgefährtin Ina Nadine Wagler). Fendrich gelingen die wildesten und unerwartetsten stilistischen Sprünge, ohne jemals seine musikalische Herkunft und Grundtendenz zu verleugnen, stets mit der Garantie, sich und seinem Image problemlos treu zu bleiben. Trotz aller Vielseitigkeit, sticht allerdings keine der 13 Nummern besonders hervor. Ein Überhit, ein Evergreen, ein alles in den Schatten stellender Allzeit-Klassiker, derer Fendrich in seinem Repertoire eine Vielzahl sein Eigen nennt, ist auf ?Hier und Jetzt? nirgendwo in Sicht.
Hinsichtlich der Qualität und Aussagekraft seiner lyrischen Ergüsse hat der mittelblonde Entertainer aus der Donaumetropole ebenso seit Jahren kontinuierlich abgebaut. Schlußendlich war ?Brüder?, erschienen 1993, seine letzte durchwegs grandios betextete Platte. 2006 verbrät der Wiener Schlagzeilenfüller pseudophilosophische Sinnlosigkeiten (?Es werde Licht?, ?Nimm mir einfach nur die Angst?) oder greift auf hundertmal zuvor in der Popdichtung angewandte und entsprechend ausgelatschte Themen, Klischees und Plots zurück (?Sexy Hexy?, ?Pantoffelhelden Blues?, ?Pfusch?). Als inzwischen dritter Austropopper seiner ?Ts