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CD Präsentation Andrea Berg

Dienstag, 11. April 2006

Warum ist die Sängerin Andrea Berg so phänomenal? Diese Frage stellen sich wohl viele. Ganz einfach, sie verkörpert das einfache Leben der Frauen, ist trotz ihres Erfolges ganz natürlich geblieben und verleiht mit ihrer Stimme den Liedern einen zart schmelzenden Flair. Ihre Songs sind gefühlvoll und drücken das wahre Leben aus. Beim genauen Betrachten spürt man, dass Andrea Berg ihre Lieder lebt. Denn mit einem einzigartigen Team vom Produzenten bis hin zum Manager, welches voll und ganz hinter ihr steht, schöpft sie ständig ihre Kraft und beweißt in ihren Titeln, wie gefühlvoll Musik klingen kann. Mit ihrem Produzenten Eugen Römer verbindet Andrea Berg eine langjährige Freundschaft. Kein Wunder also, dass die beiden ein eingespieltes Team sind. So kennt ein jeder den anderen hundertprozentig. Deshalb sind Andrea Bergs Lieder genau auf sie zugeschnitten. Andrea Berg ist eine Frau, die sich selbst mit ihren Songs ausleben kann. Sie liebt ihr Publikum und das zeigt sie bei ihren Showpräsenzen auf allen Bühnen. Ihre Musik kommt von Herzen. Des weiteren lässt sie sich nicht zu Skandalen oder Geschichten in der Medienlandschaft verleiten und bleibt lieber privat im Kreise der Familie oder Freunden unter sich. Dadurch identifiziert sich jede Frau von heute mit ihr. Genau das haben zig tausende Fans erkannt, die Andrea Berg für ihre Musik und ihre Bodenständigkeit lieben.

Nachdem ich mich intensiv nach 6 Stunden Autofahrt von der neuen CD “Splitternackt” überzeugt hab, muss ich gestehen, das man die Einzigartigkeit verspürt, die jedes ihrer Titel besitzt. Man hat das Gefühl: Das ist das wahre Leben, mit dem sich manch einer Tag für Tag auseinandersetzen muss. Jedes Lied hat seine eigene Geschichte über die Liebe, das Fremdgehen usw. Melodisch haben alle Titel das gewisse Etwas, das die Musik von Andrea Berg auszeichnet. Man kann mit Andrea Berg traurig und melancholisch sein oder aber sich im Rausch der Liebe verlieren. Sie führt jeden von uns mit ihren Lieder auf eine Reise der Glückseeligkeit oder aber zu tief bewegenden Momenten. Ein ganz hoher Wiedererkennungswert ist da und dieser spiegelt ihre phänomenale Einmaligkeit wieder.

“Splitternackt” heißt ihre neue CD, die am 07.04.2006 im Handel erschienen ist. Einen Tag zuvor luden die Plattenfirma Sony BMG Andrea Berg, ihren Lebensgefährten Ulli Ferber, Eugen Römer, zahlreiche Medienvertreter, Gäste und Freunde nach München ein, um mit ihnen gemeinsam zu feiern. Aber “Splitternackt” erschien Andrea Berg nicht, auch wenn das Cover ihrer CD darauf hindeutet. Sie ist sexy, besitzt Charisma und würde niemals in der Öffentlichkeit “Splitternackt” vor Kameras posieren. Sie ist eben natürlich geblieben und weiß ganz genau, was sich gehört.

Auch einer ihrer langjährigen Freunde, Dieter Thomas Heck, war gekommen. Extra für Andrea Berg verschob er seinen Urlaub um einen Tag. Dieser Mann ist einfach durch seine legendäre ZDF Hitparade für mich eine Kultlegende. Ich war fasziniert, wie natürlich und bodenständig er in seiner ganzen Karrierelaufbahn geblieben ist.

Die Ansprache hielt Jörg Hellwig von Sony BMG. Er begrüßte die zahlreichen Gäste und stellte Edgar Berger vor, der soeben als CEO President von Sony BMG ernannt worden war. Jörg Hellwig beglückwünschte Edgar Berger zu seiner neuen Position.

Auszüge aus Jörg Hellwigs Rede:
“Wir wollen jetzt loslegen, wir sind ein bisschen in zeitlichen Verzug gekommen. Also werden wir das ein bisschen anders aufziehen, als wir das eigentlich gedacht haben. Der Abend besteht aus 2 Elementen. Wir wissen natürlich, einer davon ist immer das Feiern. Aber zuerst wollen wir uns natürlich um die Künstlerin kümmern und deshalb bitte ich um etwas Aufmerksamkeit. Es ist ein neues Album produziert worden. Der Titel lautet “splitternackt”. Daraus wollen wir einige Titel vorspielen. 3 werden vom Band laufen. Anschließend werden wir das, was bei Andrea Berg inzwischen Routine geworden ist, nämlich Gold, Platin und Mehrfachgold verleihen. Danach wollen wir alle natürlich gut essen. Okay, dann würde ich sagen, fangen wir mit der Musik an. Vor einiger Zeit haben wir uns das Album “Splitternackt” angehört. Manch einer hatte wirklich Tränen in den Augen, als er dieses Album gehört hat. Es ist ein phantastisches Album. Und ich würd sagen, fangen wir einfach an, indem wir 3 Tracks präsentieren wollen. Danach erzähle ich noch ein bisschen was dazu”.

Das waren die Einleitungsworte von Jörg Hellwig und es erklangen “Ein bisschen Wahnsinn”, “Heut will ich nur mit dir” und “Nein, das träum ich nicht allein”.

Im zweiten Teil sprach Jörg Hellwig wieder einige Worte:
“Über 180 000 ausgelieferte CD`s warten darauf, dass sofort zugegriffen wird. Der Handel hat große Erwartungen, wir haben große Erwartungen und sind deshalb mächtig stolz, dass Andrea Berg mit ihrer neuen CD die hohen Erwartungen erfüllen wird. Andrea hat wieder einmal großartige Arbeit geleistet. Das Album ist ganz große Klasse geworden. Und jetzt werden wir die Nummer 1 anvisieren, das werden wir auch schaffen. Wir habens mit den letzten zwei Alben geschafft und werden es mit diesem Album auch schaffen. Ich wünsche allen viel Spass für heute Abend. So, und jetzt überschütten wir Künstler, Produzent, Eugen und Andrea mit Edelmetall.”

Und dieses Edelmetall bedeutete:
Gold für das Album “Träume lügen nicht”
Platin für die DVD “Eine Reise durch die Seele” mit über 60.000 verkauften Einheiten
Dreifachgold für die CD “Machtlos”
Vierfachplatin für die CD “Best Of” - 1,4 Millionen verkaufte Alben!!!

und außerdem

Gold für das Album “splitternackt”!
“Das ist eine kleine Überraschung”, schmunzelte Jörg Hellwig. Damit konnte nun weiß Gott keiner rechnen: Mit 180.000 Vorbestellungen hat “splitternackt” bereits am Tag vor der Veröffentlichung Goldstatus erreicht. Eine Sensation!

Eine wirklich phänomenale Ausnahmekünstlerin, die ihre Auszeichnungen würdig verdient hat. Andrea Berg ist zu Recht ganz oben in der Schlagerbranche.

Ein hervorragendes Büffet wurde eröffnet und es gab alles, was man sich wünschen kann. Nach dieser Präsentation sorgte ein Zitherspieler für musikalische Inspirationen u.a. von Andrea Berg und in geselliger Runde war Feiern angesagt. Leider ging der Abend viel zu schnell zu Ende, um die Eindrücke schon verarbeiten zu können. Für mich war es wieder mal ein großartiges Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde. Der lange Weg nach München hat sich wirklich gelohnt.

Unter den Gästen und Freunden befanden sich: Dieter Thomas Heck, Martina Richter, Dennis Wurmdobler, das Team vom Gute Laune TV, Tobias Thalhammer Goldstar TV, Lutz Ackermann NDR, Reinhard Kröhnert WDR4, Manfred Hertlein, Manni Schulte, Karl Heinz Schweter usw.
Ein ganz liebes Dankeschön an Tobias Reitz (Sony BMG) für die Einladung und an Andy Tichler (Smago). Schön, das ich Euch alle mal wiedersehen konnte. Danke an das gesamte Team von Sony BMG, Eugen Römer, Andrea Berg, Management etc. und an Organisatorin Andrea Strigl sowie Danke für das großartige Catering - es war einfach himmlisch.
(c) Daniela Jäntsch

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Diverse Interpreten - Superstars singen Brel

Samstag, 08. April 2006

Wird ein einheimischer Rockmusiker gefragt, wo seine musikalischen Wurzeln liegen, wer seine Vorbilder und Einflüsse sind, antwortet dieser häufig mit Namen wie Bob Dylan, Ray Davies (?The Kinks?), John Lennon oder Bruce Springsteen. Stellt man die gleiche Frage jedoch einem deutschen Liedermacher, Kleinkünstler oder Chansonnier, so lautet die Antwort fast unisono: Jacques Brel!
Der 1929 in Belgien geborene Erschaffer und Interpret von mehr als 500 zeitlosen Songs steht letztendlich als Inbegriff des französischen Chansons in den Annalen der Populärmusik verzeichnet. Nachdem er Mitte der 50er Jahre seine Ambitionen hinsichtlich eines bürgerlichen Berufs ? er sollte die Kartonagenfabrik seiner wohlhabenden Eltern in Brüssel übernehmen ? von einem Tag auf den anderen begraben hatte, um ein neues Leben nur für die Kunst, die Musik und die Schauspielerei zu beginnen, übersiedelte er nach Paris, wo 1953 seine erste Single erschien. 20 erfolgreiche, ruhelose, umjubelte Jahre später zog sich der passionierte Kettenraucher ebenso plötzlich, wie er sich erst dem Musikgeschehen zugewandt hatte, aus dem Showgeschäft zurück, kaufte sich ein Segelboot und ließ sich 1976 in Französisch-Polynesien nieder. Dort verstarb er zwei Jahre darauf, übrigens zu einem Zeitpunkt, kurz, nachdem er sich von Eddie Barcley, dem Besitzer seiner Plattenfirma, zu einer Rückkehr auf die Bühne hatte überreden lassen und er mit aktuellen Schallplattenaufnahmen beschäftigt war, an den Folgen von Lungenkrebs.
Nicht nur puristischen Chansonliebhabern waren Brels zumeist aus einer aufregenden Mischung aus Traurigkeit, Melancholie, Ironie und Sozialprotest bestehenden Lieder ein Begriff. Britische Popkünstler, wie Scott Walker, der eine wuchtige englische Version von ?Le Chanson du Jacky? eingespielt hatte, oder Terry Jacks, der 1973/74 mit den radiogerecht verpackten Brel-Adaptionen ?If you go away? (?Ne me quitte pas?) und noch mehr ?Seasons in the Sun? (?La Moribond?) inzwischen zu Evergreens erwachsene Welthits feierte, führten die großen Epen des segelohrigen Hobby-Franzosen gleichsam dem profanen Mainstreampublikum zu, welches sich umgehend für dessen Hymnen begeisterte. Auch viele Sänger und Chansonniers aus deutschsprachigen Gefilden nahmen sich der unvergeßlichen Arbeiten Brels an und transferierten die Inhalte, überwiegend in gekonnter Manier, in hiesigen Kontext. 13 dieser ?deutschen Originalaufnahmen? von Brel-Klassikern stellte die Planegger Firma KOCH/Universal für den soeben veröffentlichten, knapp 48minütigen Sampler ?Superstars singen Brel? zusammen. Darauf hören wir in ihrer Mehrzahl sehr spannende, vielseitige muttersprachliche Bearbeitungen aus dem unergründlichen Fundus des peniblen Beobachters menschlicher Schwächen, umrahmt von einer raren französischen Aufnahme, dargeboten von angesehenen Vertretern verschiedenster stilistischer Genres.
Der in Österreich lebende, gebürtige Ingolstädter Michael Heltau war der allererste Sänger aus diesem unserem Lande, der sich mit eingedeutschten Brel-Songs hervorgetan hatte. Er war Mitte der 70er Jahre vom Komponisten derer persönlich gebeten worden, dessen Repertoire hierzulande breiteren Schichten vorzustellen. So brachte der in ganz Europa renommierte Showstar und Schauspieler 1975 die heutzutage vielgesuchte LP ?Heltau singt Brel? auf den Markt, für die der Wiener Kabarettist und Sportmoderator Werner Schneyder zehn Lieder des Belgiers für alle verständlich nachgedichtet hatte, die Heltau kongenial, mit einer guten Portion Wiener Charme und Schmäh verbunden, neu deutete. Aus diesem von Kritikern wie Fans hochgelobten Meisterwerk fanden der grelle, opulente Akkordeonwalzer ?Wien? (?Vesoul?) und der nervöse, spannungsgeladene Sprechgesang über den potentiellen Selbstmörder ?Franz? (?Jef?) den Weg auf ?Superstars singen Brel?. Ein weiterer hochtalentierter Brel-Kopist war und ist das stets augenzwinkernde Berliner Urgestein Klaus Hoffmann. Der vielfach ausgezeichnete Autodidakt aus der früheren Mauerstadt startete, ebenfalls in den 70ern, erste ernsthafte Gehversuche in Sachen eigenständiger Brel-Interpretationen. Diese seit Jugendtagen betriebene Leidenschaft hatte Hoffmann sogar dann nicht losgelassen, als er sich im Laufe der 70er und 80er Jahre mittels fescher Eigenkreationen bundesweit als gefeierter Liedermacher etablierte, so daß er sich 1996/97 den langgehegten Traum erfüllte und ein vollständiges Album mit selbstübersetzten Epen seines ewigen Idols präsentierte, das im übrigen von niemand geringerem, als Francois Rauber, dem einstigen Leiter und Dirigenten von Brels Begleitorchester, makellos in Szene gesetzt worden war. Mit dem rasanten, bläsergetriebenen Swing-Verschnitt ?Die Stadtmauer von Warschau? (?Les Remparts de Varsoive?) wurde für vorliegende Kompilation ein freches, spitziges, überkandideltes Schmankerl Hoffmanns 97er-Opus ?Hoffmann singt Brel? entnommen, das kraß-offenherzig über eine (nur angeblich) feine Madame auf dem Marktplatz der polnischen Hauptstadt erzählt.
Der sozialkritisch-politisch engagierte Urbayer Konstantin Wecker führte ein nicht weniger faszinierendes Experiment durch: Für seine hervorragende, ansonsten durchwegs selbstgeschriebene 84er-LP ?Inwendig warm? hatte er sich Brels ?Le Chanson Du Jacky? vorgenommen, und kreierte aus dem in seiner Urfassung monumental, großorchestral, monströs und spektakulär inszenierten Lobgesang auf längst vergangene, zwar weitaus weniger erfolgreichere, dafür aber um so bodenständigere, ehrlichere, echtere Zeiten, eine nahezu minimalistisch zu nennende Pianoballade. Er verlangsamte konsequent das Tempo, reduzierte den grandiosen Ohrwurm auf das nötigste ? Stimme, Klavier, eine leise, im Hintergrund plazierte Violine - und verlieh so ?Joe? ? als deutschen Text übernahm Wecker Werner Schneyders zehn Jahre zuvor für Michael Heltau ersonnene Reime ? eine ungeahnte, elektrisierende (gar im Original kaum so phänomenal und überzeugend manifestierte) Atmosphäre voller selbstkritischer Authentizität und resignativer Radikalität. Den KOCH-Verantwortlichen sei herzlichst dafür gedankt, diesen zünftigen Höhepunkt aus Weckers ?uferloser? Liedermacher-Karriere endlich (!) auf Silberscheibe aufbereitet zu haben.
Austro-Chanteuse Maria Bill, die sich in unseren Breitengraden 1985 mit der sanften Rockballade ?I mecht land?n? einen gewissen Ruf ersungen hatte, machte aus dem beschwingten Pianojazz ?Mathilde?, mit eigenen Textworten garniert, das hocherotische, schwärmerische Geständnis ?Geliebter?, gehalten in herrlich geschertem, geradezu schmutzigen wienerischen Dialekt, während die ?Berliner Pflanze? Katja Ebstein erst vor einem Jahr eine hoffnungslose und doch zugleich verträumte, auf norddeutsche Verhältnisse ausgerichtete, überaus sacht instrumentierte Version von ?Le Plat Pays? unter dem Titel ?Mein flaches Land? für ihr Comebackalbum ?Wietkewicz? nutzte. Der niederländische Exzentriker Herman van Veen stellte für ?Superstars singen Brel? das deutlich verhalten vorgetragene Couplet ?Ich lieb Dich noch? (?Chanson des Vieux Amants?) zur Verfügung, von der beinahe 80jährigen ?Grande Dame des Chansons?, Juliette Greco, vernimmt der Interessierte das 1977 hergestellte Klangdrama ?J?arrive?, intoniert mit französischem Urtext aus der Feder Brels.
Ganz und gar nicht zu dessen intensiver, direkter Ausdruckskraft paßt dagegen das seichte, etwas ordinäre Stimmchen von Möchtegern-Jazzerin Evelyn Fischer, die 1999 den Welterfolg ?Ne me quitte pas? als ?Wenn Du von mir gehst? zu einem leichtfüßigen, man möchte sagen: ?nuttig? wirkenden Kneipenschlager herabwürdigte; das sonore Opernorgan des ostzonalen Sängers und TV-Moderators Gunther Emmerlich ? hier vertreten mit der in erster Linie lyrisch abstrusen Ballade ?Einen Freund zu sehen, der weint? (?Voir un Ami Pleuer?) und dem zum billigen Plastikswing verhunzten Bänkelgesang ?Mein allerletztes Glas? (?Le Dernier Repas?) ? will in keinster Form mit dem schwülstig-schummrigen Ambiente des Brüsseler Jahrhundertchansonniers harmonieren. Als einer von drei ?Exklusivbeiträgen? auf ?Superstars singen Brel? dient die so sehnsüchtige, wie drastische Ode auf die dunklen, nächtlichen Seiten von ?Amsterdam?. Eine schlicht phantastische, haarscharfe Milieustudie, bei allen Brel-Freaks beliebt und begehrt. Wer aber hatte den irren Einfall, den Mannheimer Pseudo-Betbruder Xavier Naidoo dieses an sich unzerstörbare Kulturgut trällern ? nein, viel eher schreien, rören, brüllen ? zu lassen? Stimmlich zwischen einem besoffenen Herbert Grönemeyer und einem heiseren Peter Maffay nach drei durchwachten Nächten angesiedelt, preßt das unselige Teenidol jeglichen Charme, jegliche Hemmungslosigkeit, jegliche Erotik, jeglichen Trieb aus ?Amsterdam? mit aller Kraft heraus. Zwar mag die Hinzuziehung dieser grausigen Naidoo-Nummer dafür sorgen, daß womöglich ein paar blutjunge Teenager ihr Taschengeld in ?Superstars singen Brel? investieren und dadurch das musikgeschichtlich hochbedeutsame Schaffen des Chansonniers an Nachgeborene vermittelt wird ? künstlerisch betrachtet, ist und bleibt ?Amsterdam? der absolute Tiefpunkt der davon abgesehen weitgehend mehr als nur trefflichen Brel-Hommage. Die meisten anderen Neuversionen werden dem Schöpfer des Liedmaterials auf vielfältige Weise gerecht, wobei die ausführlicher gewürdigten Highlights von Hoffmann, Wecker und vor allem Heltau qualitativ deutlich herausragen, was KOCH/Universal ? in ihrer Funktion als Verwalterin des alten Polydor-Kataloges ? möglichst dazu verleiten sollte, vielleicht eines schönen Tages die (von Fans seit langem heißblütig verfochtene) Idee einer CD-Retrospektive des seinerzeit an Polydor vertraglich gebundenen Michael Heltau näher ins Auge zu fassen…
Gesamtnote: 2minus
(Holger Stürenburg, April 2006)

Morrissey - Ringleader of the Tormentors

Samstag, 08. April 2006

1988 war tatsächlich kein besonders interesseerweckendes, vielseitiges, erinnerungswürdiges Popjahr. In den Charts trieben in erster Linie nümperne Discomarionetten aus der umstrittenen ?Hit-Factory? des ausschließlich auf Kommerz bedachten GB-Produzententrios Stock/Aitken/Waterman ihr Unwesen, nichts anderes tat darüber hinaus ein, einer klanglichen Diarrhö gleichender, am Reißbrett entworfener Billigpop-Trash von heutzutage zurecht längst vergessenen ?Ein-Hit-Wundern? der Sorte ?Milli Vanilli?, Guillermo Marchena, Taylor Dayne oder ?Koreana?. Jenseits des Mainstreams kam auch nicht allzuviel Erhellendes zum Vorschein, so daß 1988 wahrlich als eine der aussagelosesten und banalsten Perioden der ansonsten so auf- und anregenden kühlen Dekade gilt. Fragt man einen 80er-beflissenen Musikkenner, welches 88er-Produkt sich dieser womöglich heutzutage noch gerne auf seinen Plattenteller legt, welche die seiner Meinung nach bedeutsamste und folgenreichste Veröffentlichung innerhalb jener zwölf Monate war, so kann es eigentlich nur eine einzige Antwort darauf geben: ?Viva Hate?, das Solodebüt des genialischen Misanthropen Steven Patrick Morrissey. Dieser war zuvor Sänger und Texter der britischen Independent-Legende ?The Smiths? gewesen, die sich Ende 1987 nach internen Streitigkeiten aufgelöst, aber derart viel Grandioses, Bleibendes erschaffen hatte, daß sie vor zwei Jahren vom ?New Musical Express? zur ?einflußreichsten Band aller Zeiten? auserkoren wurde.
Der introvertierte Oscar-Wilde- und ?New York Dolls?-Verehrer Steven Patrick Morrissey, der seinen Nachnamen als Pseudonym gewählt hatte, setzte im Frühjahr vor 18 Jahren den übermäßigen Erfolg, die immense Wirkung, die er zwischen 1982 und 1987 mit seinen ?Smiths? hatte genießen dürfen, anstandslos fort. ?Viva Hate? wirkte zwar ob des Verlustes der nun natürlich nicht mehr einfließenden kompositorischen Künste des ?Smiths?-Gitarristen Johnny Marr, musikalisch betrachtet, ab und an einwenig schwerfällig, zickig, obskur, beinhaltete aber mit dem mutmaßlich homoerotischen Liebesschmachter ?Suedehead? und dem ? die allgemein vorherrschende Stimmung des Jahres 1988 punktgenau treffenden ? Lobgesang auf die Freuden der Langeweile, ?Every Day is like Sunday?, gleich zwei Dauerbrenner, die bis in die Jetztzeit hinein zum Besten gerechnet werden, was das britische Popleben jemals hervorgebracht hat. Seit 1988 brachte der so schüchterne, wie verbal provokante Asket mehr als eine Handvoll solistischer Versuche auf den Markt, die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können. Während sich der mit kaum mehr als 30 Minuten Spielzeit extrem kurzgeratene 91er-Auswurf ?Kill Uncle? als schlicht unausgegoren, öde, gar einschläfernd gerierte, überraschte das in sich gekehrte Genie ein Jahr darauf mit dem frohgemut krachenden, beinahe lustvollen Glamrock-Statement ?Your Arsenal?, übrigens einer der letzten LPs, an der der im Mai 1993 an Krebs gestorbene ?Mott the Hoople?-Gründungsvater Mick Ronson beteiligt war, Freund und Feind gleichermaßen. Laute, pralle Ohrwürmer wie ?You?re the One for me, Fatty?, bissige Politsatire a?la ?Certain People, I know? oder der von rechts bis links gnadenlos fehlinterpretierte, zugegebenermaßen doppeldeutig auslegbare Tanzsaalschocker ?The National Front Disco? begeisterten die Popgourmets rund um den Globus, regten zu harschen Diskussionen an und etablierten Morrissey erstmals in US-amerikanischen Gefilden. Bis 1997 ? das damals erschienene Album ?Maladjusted? war wiederum eher ansprechend, denn dröge geraten ? folgte CD auf CD, bevor es für lange Jahre völlig ruhig um den häufig mißverstandenen, schwermütigen Intellektuellen wurde, der sich mit seinen bitterbösen Äußerungen über pakistanische Zuwanderer, schwarze Musik, belanglosen Teeniepop, Ex-Premierministerin Margret Thatcher oder die königliche Familie des Inselreichs pausen- und respektlos weit über die Grenzen der ?politischen Korrektheit? hinweggesetzt hatte und ? so ist anzunehmen ?, verursacht durch die daran anschließenden Presseschelte starken Depressionen anheimgefallen war.
Niemand mochte es zunächst glauben, als Morrissey vor rund zwei Jahren plötzlich wieder im Mittelpunkt des Geschehens stand. Sein 2004er-Comebackwerk ?You are the Quarry?, erschienen auf dem unabhängigen Label Sanctuary Records, ließ Scharen von Fans und sogar die dessen Interpreten gegenüber zuletzt äußerst verschlossene Musikpresse lauthals jubilieren. Die taufrische, perlende, allerdings durch und durch ernsthafte Scheibe erreichte in Morrisseys Heimat den zweiten, hierzulande den siebten Rang der Hitlisten. Eine berauschende Tournee fand statt, danach standen in kürzesten Abständen Live-CD und ?DVD in den Läden. Der inzwischen knapp 47jährige Proklamator des Trübsinns, dessen derzeitiger Wohnsitz nicht bekannt ist, war auf einmal wieder in aller Munde. Entsprechend hoch zeigten sich gleichsam Erwartungen und Vorschußlorbeeren in Bezug auf seine für den 7. April 2006 angekündigte, aktuelle Studioarbeit ?Ringleader of the Tormentors? (Attack/Sanctuary).
Mit den ungewohnt dröhnenden, nahezu brachialen Gitarrenläufen des grollenden Rockers ?I will see you in Far-Off Places? startet das überwiegend im Mid-Tempo-Bereich angesiedelte 12-Song-Opus, ein paar Sekunden später läßt sich der längst zum unangreifbaren Kultidol mehrerer Generationen von Popfans gewachsene 80er-Chronist zum ersten Mal auf seiner neuen Produktion in bekannter Manier herab, in seiner unnachahmlichen Intonationsart über alles Übel der Welt zu jammern und zu zetern ? umgehend ist dieselbe wieder in Ordnung für den gemeinen Anhänger des wohl ehrlichsten, sensibelsten und gleichzeitig offenherzigsten Depressivo-Poppers des Universums, der Liedfragment um Liedfragment tief in seine Seele blicken läßt. Balladesk, gemächlich, streicherverziert, unter Einsatz einer originären Kirchenorgel ein sakrales Flair verbreitend, fleht Morrissey in der Rolle einer Art ?Jacques Brel des 21. Jahrhunderts? kurz darauf den Schöpfer all dieser Grauslichkeiten an: ?Dear God, please help me?. Der dritte Song, ?You have killed me?, erste Auskoppelung aus ?Ringleader of the Tormentors?, gemahnt dagegen eindeutig an die so ewig vermißten Klangstrukturen des düster-hoffnungslosen 80er-Gitarrenpop, selbst wenn darin ? der unbeugsame Black-Music-Verächter Morrissey würde folgender These niemals zustimmen ? gar leichte, aber deutlich spürbare soulige (!) Anleihen durchaus herauszuhören sind. Wiegend, schwelgend, schaukelnd, als befänden wir uns inmitten des coolen Dezenniums, geht?s weiter im treibenden, offensiven Rocker ?The Youngest was the most loved?, gefolgt vom gitarrenlastigen, auf ironische Weise sehnsüchtig-erwartungsvoll ausgestalteten Fast-Bluesrocker ?In the Future, when all?s well?; ?Moz?, wie der Weltstar Widerwillen von seinen Freunden genannt wird, beendet den nervösen Superohrwurm jedoch mit einer steten Wiederholung der niederschmetternden Textzeile ?The Future is ended by a long, long Sleep?. ?The Father, who must be killed? berichtet zu verzerrter, riffbetonter Gitarrenschrammelei, untermalt von bizarren Kinderchören, ? wie sooft bei Morrissey ? über absonderliche familiäre Konflikte, während der sympathische Schwarzseher im anschließenden, zuallererst radikal zurückhaltend instrumentierten, erst nach und nach zu einer orchestralen Orgie ausartenden, über siebenminütigen Weltschmerz-Epos die nicht gerade zukunftsgläubige (im übrigen sinngemäß von Franz Josef Strauß entliehene, aber, so meint der Verfasser mit vollster Überzeugung, absolut zutreffende) Behauptung aufstellt, das Leben sei der reinste Saustall (?Life is a Pigsty?). Niemals und für niemanden mehr einen Helden darstellen zu wollen, fordert das Idol von Millionen nachdenklichen, nachfragenden Popfeinschmeckern in den still und verhalten vor sich hin segelnden, knapp vier Minuten von ?I?ll never be anybody?s Hero now? für sich ein. ?On the Streets I ran? rennt im wahrsten Sinne des Wortes mit voller Wucht voran, dezente Keyboards und führende Klampfen ergänzen sich vorzüglich, Morrissey ist stimmlich kurz vorm Heulen angekommen ? hat also seine Passion nun endlich und endgültig gefunden und verharrt in dieser Position auch in der schleichenden Ballade ?To me you are a Work of Art?, die mit der Aussage ?I live the Life / I feel the Pain? trefflich eröffnet wird. ?Ich mag diesen Jungen jetzt glücklich sehen ? warum ist dies so eine üble Sache? sinniert Morrissey ? über sich selbst? ? zu den letzten Takten des amerikanisch anmutenden Rockhymnus ?I just want to see this Boy happy?; der dramatische, folk-angehauchte Techno-Walzer ?At Last I am Born? beschließt ein durchwegs perfektes, ja geradezu meisterliches Alterswerk eines scheinbar unbelehrbaren, mit ganzem geschundenen, verletzten Herzen so eigenwilligen wie ?artigen Dauerskeptikers, der sich Dank ?Ringleader of the Tormentors? zweifellos erneut von Nichts und Niemandem verstanden fühlen wird ? wobei er, dies zeigen die zwölf neuen Songs ebenfalls in aller Schärfe und Deutlichkeit auf, vielleicht zugleich von seiner Umwelt gar nicht (mehr) verstanden werden will.
Gesamtnote: 1
(Holger Stürenburg, April 2006)

Roland Kaiser - Kinderzeit Unsere schönsten Kinderlieder

Samstag, 08. April 2006

Gestern erst sinnierte er über ungewöhnlich geendete One-Night-Stands (?Warum denn aus Liebe weinen?, 1999) und schwüle Sehnsüchte nach tabulosen Seitensprüngen (?Sie ließe sich so gerne fallen?, 2004) ? heute hören wir aus seinem Munde gänzlich anderes. Keine gesungenen erotischen Phantasien voller prickelnder Lust und Leidenschaft, sondern nicht mehr und nicht weniger, als allseits geläufige Hort-Hymnen, Kindergarten-Stomper und Tagesstätten-Choräle der Sorte ?Zeigt her Eure Füße? oder ?Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann?… Roland Kaiser, gefeierter Starentertainer aus Berlin mit Wohnsitz Münster/Westfalen, hat unter strengster Begutachtung durch Töchterlein Annalena (6) und Sohnemann Jan (9) sowie mit deren jubilierendem vokalistischen Support ein vollständiges, über 41minütiges Album, angefüllt mit ? man höre und staune! ? real existierenden Kinderliedern, aufgenommen, das unter dem Titel ?Kinderzeit ? Unsere schönsten Kinderlieder? soeben von White Records/SONY-BMG der erstaunten Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Es ist beileibe keine Seltenheit, daß sich etablierte Showstars deutschen Zungenschlags immer wieder mal den musikalischen Vorlieben unserer Jüngsten annehmen. Der Kärntner Popchansonnier Udo Jürgens vertonte bereits 1971/72 in flotter Manier kindgerechte Texte des legendären Bestsellerautors James Krüss (z.B. ?Die Blumen blühen überall gleich?), Deutschrocker Peter Maffay ersann zwölf Jahre später die musical-ähnliche Saga vom kleinen Drachen ?Tabaluga?, ein Unterfangen, das sich mit bis heute insgesamt vier Folgen, millionenfach verkauften Tonträgern und umjubelten Livedarbietungen als äußerst einträglich erwies und somit frühere Zweifler schnellstens mundtot machte. Das ewigjugendliche NDW-Fräuleinwunder Nena besang im Zuge der 90er Jahre ? allerdings mit weitaus geringerer Anerkennung bedacht ? ebenfalls drei ganze LPs mit Kinderliedern (z.B. ?Komm, lieber Mai und mache?, 1990) und sogar der so brillante wie verkopfte ?Niedermacher? und Popgermanist Heinz Rudolf Kunze komponierte und interpretierte kürzlich im Auftrag des Fernsehsenders ?Kinder-Kanal? das Titelthema der Zeichentrickserie ?Little Amadeus?. Nun also ist Roland Kaiser an der Reihe, seit über 30 Jahren mit großem Erfolg und hoher Reputation im Geschäft, einer der langlebigsten einheimischen Popsänger, emsiger Hitlieferant, von den 70ern (?Sieben Fässer Wein?, ?Amore Mio?, ?Schach matt?) über die 80er (?Santa Maria?, ?Manchmal möchte ich schon mit Dir?, ?Joana?), die 90er (?Wind auf der Haut und Lisa?, ?Sag niemals nie?, ?Alles, was Du willst?) bis ins neue Jahrtausend hinein (?Pure Lust?, ?Hunderttausend Fragen?, ?Du bist weg?) ? schlicht der sprichwörtliche Edelmann des deutschen Softpop, unterkühlt, elitär, ohne Ausnahme tadellos gekleidet, gebildet, feinsinnig und vornehm.
In Anbetracht eines solchen Lebensstils, hatte es kaum einer ? den seit 1980 durchgehend Kaiser-begeisterten Rezensenten miteingeschlossen ? überhaupt für möglich gehalten, daß es der begnadete Sänger und Texter, immerhin seit Jahren als ?Erotomane des deutschen Schlager? beliebt und begehrt, tatsächlich anstandslos schaffen würde, sein bislang stets mit ihm in Verbindung gebrachtes Metier für eine Plattenlänge zu verlassen, an völlig anderen musikalischen Ufern aufzutauchen, dort neu zu erstrahlen und ein mit Herz, Verstand und seinen beiden Kindern liebevoll zusammengestelltes Liedmaterial, das für den konventionellen Popkonsumenten fraglos eine recht gewöhnungsbedürftige Ausprägung aufweist, nicht nur ohne jegliche stilistische, genrebedingte Probleme, sondern sogar, selbst für gestandene Erwachsene, ansprechend, interessant, hörens- und genießenswert auszugestalten.
Der Münsteraner Frauenschwarm hat für sein aktuelles Konzeptalbum ? gerade dies sei ihm in einer Zeit, in der das Liebgewonnene, Traditionelle, Gewachsene zunehmend als ?gestrig? gescholten wird und entsprechend in den Hintergrund rückt, besonders zu danken ? nicht etwa auf schmalspurige Neo-Kinderlieder a?la Rolf Zuckowski, Detlev Jöcker oder gar Volker Rosin bzw. das unsägliche ?Schni-Schna-Schnappi?-Gehabe zurückgegriffen, sondern von wenigen (überaus positiven) Ausnahmen abgesehen, aus dem unergründlichen Strauß nicht selten jahrhundertealter ?Evergreens? des über Generationen weitergegebenen Liedguts für die Kleinsten mehr als 20 Stücke herausgesucht und diese auf einer hochspannenden klanglichen Balance zwischen leicht poppigen Avancen und gewohnter, klassischer Instrumentierung revitalisiert. Ob kecke Titelmelodien von Jung und Alt gleichermaßen gerngesehener TV-Kinderserien (?Hey, Pippi Langstrumpf?, ?Michel aus Lönneberga? oder ?Hurra, Hurra, der Pumuckl ist da?), vermutlich jedem, der einst ein Kind war, in Leib und Seele übergegangenes tönendes Allgemeingut, das uns unsere Eltern und Großeltern in Kindertagen allabendlich mit mal mehr, mal weniger Stimmkraft vorträllerten (?Fuchs, Du hast die Gans gestohlen?, ?Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp?, ?Ein Männlein steht im Wald?, ?Hänsel und Gretel? etc.) oder eher dem breiten Spektrum der originären Volksmusik entstammende Überlieferungen (z.B. ?Alle Vögel sind schon da?, ?Kommt ein Vogel geflogen?, ?Es klappert die Mühle am rauschenden Bach?) ? Kaiser und seine beiden Kids tragen all dies mit Inbrunst, Spaß an der Sache und starker, glaubhafter innerer Überzeugung vor. Selbst, wenn der knapp 54jährige Popcrooner extrem leichtfüßige bis sinnfreie, aber eben vom Nachwuchs höchstgradig goutierte Reime der Art ?Backe, backe Kuchen?, ?Alle meine Entchen? oder ?Häschen in der Grube? mit so cooler wie sonorer Stimme ? für die ihn der teutonische Schlagerfreund seit über drei Jahrzehnten zutiefst verehrt ? intoniert, hat dies auch in Nuancen nichts Peinliches, Lächerliches, Ironisches an sich, sondern zeigt viel eher eine weitere imposante Facette des singenden Multitalents auf (- man stelle sich einmal illustriert vor, Kaiser sänge auf einer seiner ?erwachsenen? Popscheiben mehrdeutige Textfragmente wie etwa ?Häschen, schluck, Häschen, schluck?… die ?Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften? stünde umgehend auf dem Sprung zur Indizierung…;). Und, daß es von der urbanen ?Midnight Lady? ? 1986 ein fulminanter Top-20-Hit für Kaiser ? zur gemütlich-abendlichen Herbstode ?Laterne, Laterne, kein allzu weiter Weg hinsichtlich Flair, Atmosphäre und Gefühl ist, konnten wir in dieser Form gleichfalls so gut wie nicht erahnen.
?Kinderzeit ? Unsere schönsten Kinderlieder?, produziert von Kaisers Langzeit-Tonmeister Peter Wagner, unterstützt von Top-Arrangeur Alfons Weindorf und natürlich Labelchef Jack White, begleitet vom professionellen Berliner Kinderchor ?Die Gropiuslerchen?, verfällt in keiner einzigen Sekunde ins Parodistische, gar Trashige, Höhnische. Der glückliche, zufriedene Familienvater Roland K. wollte viel mehr sich, seinen und Hunderttausenden anderen Kindern eine nettgemeinte, durchwegs Frohsinn verbreitende Freude zum Mitsingen und Mitspielen bereiten, an der auch wir Großen, Reifen, ?Alten? unseren Spaß haben können. Dies anzustreben, begann sicherlich als ergebnisoffenes Experiment, aber Kaiser hat es wahrlich perfekt vermocht, mit seinem neuen Repertoire uns alle ? ob 4, 14 oder 40 ? zu begeistern, so daß vorliegende Silberscheibe am kommenden Sonntag Morgen mit einiger Garantie in vielen, vielen Osternestern dieser Republik zu finden sein wird.
Im Sinne einer Vorab-Veröffentlichung endet die CD mit der elfminütigen ersten Folge einer mehrteiligen Hörspielreihe namens ?Die Gibblinge?, die von Roland Kaiser und seinem Co-Autoren Georg Babetzky erdacht und verfaßt wurde, und im weiteren Verlauf des Jahres unter Beteiligung angesehener Schauspieler eingespielt und daran anschließend auf den Markt gebracht werden soll.
Gesamtnote: 2
(Holger Stürenburg, April 2006)

The Twins - Live in Sweden (DVD)

Samstag, 08. April 2006

Mitte der 80er galt das Berliner Duo ?The Twins?, bestehend aus Ronny Schreinzer (voc, dr) und Sven Dohrow (synth, voc), neben ?Alphaville?, ?Two Of Us? oder ?Propaganda?, als eines der wichtigsten stilbildenden und erfolgreichsten Bandprojekte aus deutschen Landen, das der weltweit operierenden New Romantic-/ Synthipop-Bewegung Tribut zollte und in diesem musikalischen Umfeld zeitweise überall in Europa die Clubcharts und Tanzsäle durcheinanderwirbelte. Die beiden Schulfreunde orientierten sich klanglich an der unterkühlten Ästhetik britischer New-Wave-Heroen wie ?Heaven 17?, ?O.M.D.? oder ?Depeche Mode?, setzten allerdings ebenso auf die leicht versnobte Eleganz von ?Roxy Music? oder die distanzierte Dekadenz eines David Bowie. Sechs reguläre Alben und eine Remix-LP erschienen zwischen 1981 und 1993; das Ende 1983 veröffentlichte Meisterwerk ?A Wild Romance? erwies sich als qualitativer wie kommerzieller Höhepunkt der ?Zwillinge? und warf drei bei traditionellen Discokids und exklusiven Club-Exzentrikern gleichermaßen hochgradig angesehene Singleknüller ab, die sich zudem ihren Weg in die offiziellen deutschen Hitlisten zu bahnen vermochten.
Nachdem es im Laufe der 90er immer stiller um Schreinzer und Dohrow geworden war, steigerten die beiden End-40er nach Anbruch des neuen Jahrtausends wiederum enorm ihre Aktivität. Sämtliche LPs aus den 80ern (leider noch nicht die etwas an den Rand gedrängte 93er-Arbeit ?The Impossible Dream?!) wurden 2003/04 auf dem hauseigenen Label ?Passion Factory? als Silberscheibe neuaufgelegt, erstmals seit Ewigkeiten fanden wieder viele Livekonzerte statt. Beide Faktoren sorgten dafür, daß sich die heute 35- bis 40jährigen, ergo die Generation der New Romantics, Popper, Blitz Kids und Yuppies ? jene Personengruppen fühlten sich seinerzeit mit besonderer Vorliebe vom cool-feudalen Ambiente der ?Twins? angezogen ?, der Helden ihrer Pubertät entsannen und so die Band im wiederaufgeblühten 80er-Gedenken zu realen Kultstars erhoben.
Am 25. Februar vergangenen Jahres reiste das Duo, begleitet von Keyboarder Enrico Horn und den zwei hübschen Chordamen Carolin ?Cally? Stronk und Stefanie ?Steffi? Heller, weit gen Norden, genau gesagt ins schwedische Göteborg. Dort, in einer schummrigen Diskothek namens ?Romo Night?, die sich seit langem die stete Erinnerung an 80er-Sounds und die ideelle Aufrechterhaltung des spannenden Zeitgeists jener cool-grellen Dekade auf die Fahnen geschrieben hat, gaben die beiden Berliner ihr allererstes Konzert in Schweden überhaupt, ein Ereignis, das zugleich die offizielle Feier zum 25jährigen Gründungsjubiläum der ?Twins? darstellte, denn 1980 ? ein Vierteljahrhundert zuvor ? war das feine Projekt aus der Taufe gehoben worden. Deshalb trugen alle fünf Musiker ? Dohrow, Schreinzer und erwähnte BegleiterInnen ? in ihrer Gesamtheit dunkle, vornehme Schlipse während der Show und zelebrierten darüber hinaus die besten Songs und größten Hits aus 25 Jahren ?The Twins?.
Kameras und Aufnahmegerät waren hierbei eingeschaltet, so daß bereits im letzten Frühsommer eine bei jenen Festivitäten mitgeschnittene CD unter dem Titel ?Live in Sweden? auf den Markt kam, der am 21. April 2006 eine DVD gleichen Namens folgt (?Live in Sweden?, Passion Factory/DA Music). Auf dem DVD-Debüt der ?Twins? befindet sich das 81minütige, hier im Gegensatz zur CD-Version nahezu ungeschnittene Happening, das im Februar vor einem Jahr im Göteborger ?Romo Night? über die Bühne ging. Im Rahmen dessen präsentierten Schreinzer ? exaltiert, offensiv, effektiv im Mittelpunkt stehend ? und Dohrow ? eher ruhig, verschlossen, still, auf die korrekte Bedienung der diversen Tasteninstrumente konzentriert, im Hintergrund verharrend ? 17 Songs aus dem Zeitraum 1980 bis 1993, die in Gänze schon auf der gleichnamigen CD zu hören waren: Unvergängliche Klassiker und seltener Gehörtes, deprimiert Technokratisches, neben aufreibend Rhythmisiertem. Die ?Twins? zauberten im winterlichen Schweden alle Facetten ihres Könnens hervor, was sich der interessierte Freund anspruchsvoller Synthiklänge nun nicht mehr nur zu Ohren, sondern auch zu Augen führen kann.
Fünf frühe, größtenteils eiskalt-balladesk gehaltene Synthidramen, wie z.B. ?Satellite City? (1981), ?New Days, New Ways? (1982) oder ?Private Eye? (1983), wurden Form eines fast viertelstündigen Medleys ins Heute transferiert; drei Nummern aus dem wenig beachteten 93er-Nachzügler ?The Impossible Dream?, darunter der unendlich eingängige Up-Tempo-Fetzer ?Tonight?, der eigentlich viel zu schade war, um in den hemmungslos ausgebrochenen 90er Jahren, irgendwo im Schatten von irrsinniger Dancefloor-Pampe, diffusem Grungerock und kreischender ?Take That?-Hysterie gnadenlos unterzugehen, bewiesen, daß die ?Twins? sogar nach dem unvermeidlichen Abflauen der New-Romantic-Welle weiterhin in der Lage waren, prickelnde Klangwerke zum Tanzen und Träumen zu kreieren. All dies zumeist ausschließlich Beinhart-Fans Geläufige, umrahmten die insgesamt fünf Bühnenarbeiter selbstverständlich mit ihren erfolgreichsten und beliebtesten Synthiepen aus der legendären Ära von ?Bonner Wende?, Wörner/Kießling-Affäre, Bhagwan-Hype und Tschernobyl-GAU, als die fesche, geschniegelte Jugend der Republik oft und gerne zu den frechen, rasanten, stets perfekt gestylten Tanzpop-Perlen der ?Twins? abhottete. Ob die versponnen-melodische 85er-Single ?The Game of Chance?, das schroffe, drastische 83er-Highlight ?Not the Loving Kind?, die mit einem niedlich-verträumten Refrain ausgestattete, ansonsten wie gehabt obercoole Nightlifehymne ?Ballet Dancer? (1983), die gehetzt-zickige 84er-Komposition ?Love System? oder ? als letzte Zugabe dargebracht ? ?Face to Face ? Heart to Heart?, jener Song, Dank dessen die ?Twins? Ende 1982 zunächst in südeuropäischen Ländern ihren verdienten Durchbruch erzielen, hierzulande aber zumindest erste Reputation jenseits von Spezialistenkreisen einfahren konnten ? alles, was das Herz des unverbesserlichen 80er-Jüngers höher schlagen läßt, ist auf ?Live in Sweden? in überaus passabler Bild- und Tonqualität nachzuempfinden.
Die beiden putzmunteren Technik-Freaks vermieden jegliche modische Experimente und beließen es, auch im Livegewand ihrer Evergreens, ohne Ausnahme bei genau jenen Arrangements, die uns Alt-80er seit 25 Jahren begleiten und uns natürlich längst in Leib und Seele übergegangen sind. Kein dümmlicher Tekkno-Beep, keine zeitgeistigen Bumbum-Rhythmen wurden den musikalischen Zeitzeugnissen beigemischt. Keine künstliche Verjüngung, die nur hätte als Peinlichkeit enden können, (zer)stört den phänomenalen Hörgenuß und zuvorderst das unbändige 80er-Flair, das kaum eine Band heutzutage noch so originalgetreu, jugendlich, frisch und echt wiederzubeleben in der Lage ist, wie es eben jenen beiden sympathischen Jungs aus der damaligen Mauerstadt binnen Jahresfrist im verschneiten Göteborg gelungen war, die übrigens zu Pfingsten 2006 auf dem sagenumwobenen ?Wave-Gothic-Treffen? in Leipzig einen Gig beisteuern und dort mit ihren einstigen Vorbildern ?Heaven 17? zusammentreffen werden. Die zutiefst empfehlenswerte Konzertaufzeichnung ?Live in Sweden?, ergänzt um die 25minütige Reisedokumentation ?Journey to Sweden? mit Impressionen aus Übungsraum, Tourbus und vom Soundcheck vor Ort, verkürzt die Wartezeit bis zum spektakulären Meeting der Schwarzen und Nachtschattengewächse dieses unseren Landes im Mai ungemein!
Gesamtnote: 1
(Holger Stürenburg, April 2006)

Relax - Das Beste vom Besten (2 CD)

Samstag, 08. April 2006

In die grell-bunte Welt der Neuen Deutschen Welle paßten sie letztendlich so gar nicht hinein: ?Relax?, (damals) fünfköpfige Popcombo aus dem tiefsten Bayern. Trotzdem verdankten die Jungs um Sänger Peter Volkmann genau jenem Phänomen, das von Ende 1981 bis ca. Mitte 1983 das teutonische Musikgeschehen nahezu vollends beherrschte, ihren größten kommerziellen Erfolg: ?Weil I Di mog? hieß die ? insgesamt zweite ? Single des 1979 von Discokönig Bernie Paul (alias Bernd Vonficht) entdeckten und protegierten Projekts, die zwar klanglich kaum Gemeinsamkeiten mit den hibbeligen Synthiorgien von Hubert Kah, Frl. Menke, Markus, ?UKW und anderen NDW-Heroen aufwies, aber dennoch vermutlich ausschließlich aufgrund dieses zeitweilig alles umwerfenden Genres, das mit Wucht die Ohren vieler Popfreunde für muttersprachliche Texte geöffnet hatte, jenseits von Spezialistenkreisen überhaupt wahrgenommen wurde. Und nicht nur das: Bis auf den ehrenvollen sechsten Rang der einheimischen Verkaufscharts stieg jene in urig boarischer Mundart gehaltene Softpop-Ballade, die, um als traditioneller Schlager durchzugehen, zu plietsch, keck und zeitgeistorientiert, für typische NDW-Spielereien jener Tage hingegen viel zu verträumt und romantisch daherkam. Von nun an zählten Volkmann und die Seinen für ein paar Jährchen zur Spitze der sich nach und nach aus den Trümmern des Deutschwelligen entwickelnden Deutschpop-Bewegung. Stilistisch zeigten sich ?Relax? dabei überaus vielfältig: Ob frecher, fingerschnippender Funk (?Radio hör?n?, 1982), krosser, gitarrenlastiger Bluesrock (?Jo mei (Des Derf doch net sei)?, 1983), ernstere Rockballaden (?Vui z?vui G?fui? ?Marie?, dito) oder augenzwinkernder Juxpop (?Oh Rosita?, 1984) ? eine Menge von dem, was das seinerzeitige Popgeschehen aufzubieten hatte, fand sich umgehend im Programm der fröhlichen Mundartpopper wieder. Ende 1984 aber traten poppige und rockige Elemente zunehmend in den Hintergrund: In erster Linie Balladeskes, Schmusiges, Stilles, Ruhiges zeichnete die folgenden Hits der Band, wie z.B. ?Ein weißes Blattl Papier? (1984), ?Du bist genau, was I will? (1985) oder ?Heut geh ma net hoam? (1986), aus. Die Deutschpop-Fraktion wandte sich weitgehend ab, in klassischen Schlagergefilden fanden ?Relax? demgegenüber viele neue Freunde, selbst wenn höhere Hitparadenplazierungen fortan eine Seltenheit blieben. Bandmitglieder kamen und gingen, Peter Volkmann galt als die einzige Konstante; letztmalig vom breiten Poppublikum wahrgenommen wurde die Truppe beim deutschen Grand-Prix-Vorentscheid des Jahres 1992, wo sie als eine von sechs Vorschlägen die unendlich eingängige Romantik-Ballade ?Blue Farewell River? präsentierte, aber leider von den mährigen Eurovisions-Abonnenten ?Wind? (?Träume sind für alle da?) übertrumpft wurde, welche die nationale Vorrunde für sich entscheiden konnten. So wandten sich ?Relax? einer poppigen Variante des volkstümlichen Schlagers zu und unterzeichneten ein Jahr später einen Kontrakt mit Koch Records (heute: KOCH/Universal). Unter der Obhut der Planegger Firma veröffentlichte die zum Trio ? Peter Volkmann, Matthias Schmidt, Peter Näder, seines Zeichens übrigens offizieller Popularmusikbeauftragter des Regierungsbezirks Unterfranken ? geschrumpfte Band zwischen 1993 und 1997 drei Alben und eine Best-of-Kompilation, die zumeist nur noch in Rundfunkhitparaden und volkstümlichen TV-Shows eine gewisse Rolle spielten, dort aber durchaus für den einen oder anderen beliebten Ohrwurm verantwortlich zeichneten.
Bevor Gerüchten zufolge in Kürze ?Relax?, zwar ohne Frontmann Volkmann, dafür allerdings angeführt von dem ?heimgekehrten? Gründungsmitglied Claus-Mathias Clamath (voc), mit neuem Vertrag bei Ariola/SONY-BMG in die deutsche Popszene zurückkehren, schickte KOCH/Universal am 21. März 2006 eine prallgefüllte Doppel-CD unter dem Titel ?Relax ? Das Beste vom Besten? ins Rennen, die zwar (deshalb täuscht der Titel einwenig) keinerlei 80er-Aufnahmen beinhaltet, statt dessen aber schlußendlich die ?Completed Works? der KOCH-Jahre komprimiert versammelt. Abgesehen vom unvermeidlichen Evergreen ?Weil I di mog? sowie dem Gewinner der ?ZDF-Hitparade? vom Januar 1985, ?A weißes Blattl Papier? ? in Form von Neuaufnahmen versteht sich ?, und einem rund viereinhalbminütigen Hitmix, vernimmt der interessierte Hörer auf ?Das Beste vom Besten? ausnahmslos ?Relax?-Werke der vergangenen zehn Jahre. Da wären z.B. der hintergründig rockende Weckgruß ?Gut?n Morg?n Schatz? zu nennen, neben freundlichen Popschlagern (?I hob Di so gern?, ?Du derfst nie mehr von mir weggehen?, ?Ich denk oft an Dich?, ?Eile mit Weile?, ?Laß mi nie wieder geh?n?), anspruchsvollem Deutschpop in bester 80er-Tradition (?Warum schaugst mi net o?, ?Du, I mog Di?, ?Weil Du so wie Du bist?, ?Jed?n Dog a Ros?n?, ?Nie im Leb?n?), niedlich Angejazztem (?Weil Dei Stern vom Himmi foit?), naiv 50er-Seligem (?Was ist eigentlich hier los?, ?Ich sehn mich so nach Dir?), Flippers-ähnlichem Romantik-Schlager (?I bin so gern bei Dir?), gefühlbetonten Superohrwürmern der gehobenen Güteklasse (?Nur bei Dir?, ?Du, I woaß?), einer feschen deutschen Version des McGuinness/Flint-Klassikers ?When I?m dead and gone? (?Heut bleib I net dahoam?), schottisch Angehauchtem (?Dahoam is Dahoam?) oder gar Beinahe-Rockabilly im Sinne des 85er-Sommerklopfers ?Walking on Sunshine? (?Oh mei, oh mei?) - und all dies ertönt in einem durchwegs lieblichen, unaufgeregten, unaufdringlichen, daher zugleich außerordentlich sympathischen Sound, ohne übertriebene Modernität, klischeehafte Volkstümlichkeit oder gar bumsende Discorhythmen.
Doch sogar auf einem Tonträger, der sich ?Das Beste vom Besten? nennt, ist nicht alles ist Gold, was glänzt: ?In Deinen Augen? ist und bleibt melodisch und stimmungsbezogen eine uninspirierte ?Weil I Di mog?-Kopie, als mehr als schenkelklopfender Blödsinn ist eine unsägliche Schmonzette der Sorte ?Amore, Amore, Amore? auch nicht zu bezeichnen, läppische Pseudo-Reggae-Verschnitte wie etwa ?Mausi? oder ?Laß mi net alloa heit Nacht? strotzen nicht gerade vor Charme und Atmosphäre, sondern trüben nur das liebenswerte Flair der ansonsten über weite Strecken sehr gelungenen Kollektion gediegener Mid-Tempo-Popschlager. Schlicht langweilig zeigen sich unnötig rhythmusbetonte Popballaden-Schinken wie ?Gib mir Deine Hand?, die drall wiegende Schnulze ?Setz Di her zu mir? oder das trotz lyrischer Erwähnung des großen bayrischen Politikers Franz Josef Strauß arg dümmliche Stimmungsliedchen ?Im Himmel ist der Teufel los?. Alles andere jedoch ist durchgehend nicht nur gut genießbar, sondern absolut ansprechend, vielversprechend, wohlmundend!
33 Songs auf zwei Silberscheiben, inklusive eines (keineswegs weltbewegenden) ?Hitmixes?, mit insgesamt fast zwei Stunden Spieldauer, geben einen hervorragenden Überblick über jene Phase von ?Relax?, als die großen Massen der Musikfreunde bedauerlicherweise nicht viel davon mitbekamen, daß die gefühlsseligen Bayern-Jungs immer noch munter und unentwegt am Musizieren waren. Schade eigentlich, denn das Überwiegende dessen, was Volkmann und Co. in ihren späteren Tagen vorzuweisen hatten, war wahrlich nicht besser und nicht schlechter, als jenes, womit ?Relax? vor langsam mehr als 20 Jahren ein ums andere Mal ihre Hunderttausenden Fans begeisterten und auf die spektakulärsten Ränge der Hitlisten stürmten!
Gesamtnote: 2plus

(Holger Stürenburg, April 2006)

Andy Borg - Die größten Single-Hits (2 CD)

Samstag, 08. April 2006

Im 24. Jahr seiner Karriere ist der aus Österreich stammende Schlagersänger Andy Borg gefragter denn je. So wurde der gebürtige Wiener vor kurzem dazu auserkoren, ab September 2006 die legendäre ARD/ORF-Samstagabendshow ?Musikantenstadl? in Nachfolge des umstrittenen Bierzelt-Conferenciers Karl Moik zu moderieren, wobei er sich im Auswahlverfahren dem Vernehmen nach gegen durchaus prominente Genrekollegen wie Stefan Mross, Francine Jordi oder Marc Pircher mit Bravour hatte durchsetzen können. ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm lobte seinen Landsmann als einen ?professionellen Entertainer?. Dieser sei ?einer, der wenigen Künstler, die die Gabe besitzen, sowohl Musiker und Sänger, als auch mitreißender Showmaster zu sein?. Bereits binnen Jahresfrist hatte Borg nach längerer Hitparadenabstinenz eine phänomenale Rückkehr in die deutsche Chartswelt gefeiert. Sein opulentes 2005er-Werk ?Wenn erst der Abend kommt?, Einstand bei seiner neuen Plattenfirma MCP Media, für das er 14 Schlagerklassiker seines großen Vorbildes Peter Alexander, von ?Hier ist ein Mensch? über ?Ich zähle täglich meine Sorgen? bis ?Die kleine Kneipe?, auf faszinierende Weise gesanglich aufgefrischt hatte, knackte Ende April vor einem Jahr schnurstracks die hiesigen Top 100 und zog in Borgs österreichischer Heimat sogar bis auf Rang 36.
Bevor der pummelige Sympath, der in zweiter Ehe mit Birgit Borg verheiratet ist und zwei Kinder hat, dieser Tage sein aktuelles Studioopus ?Das ist mir zu gefährlich? bei MCP vorstellt, präsentiert seine ehemalige Company KOCH/Universal 30 klasse Borg-Schlager auf zwei, zusammengerechnet knapp 110minütigen CDs unter dem Moto ?Die größten Single-Hits?. Diese Namensgebung aber entspricht leider nur der halben Wahrheit. Den ersten ? rein kommerziell betrachtet, weitaus ertragreicheren ? Teil seiner nun schon fast seit einem Vierteljahrhundert währenden künstlerischen Laufbahn verbrachte der grandiose Livekünstler und augenzwinkernde Hobby-Ironiker nämlich unter den Fittichen des Kölner Multis EMI. Erst 1994 wechselte Borg vom Rhein gen Planegg bei München und unterzeichnete dort einen Vertrag bei KOCH. Ausschließlich dieser Ära ? qualitativ selbstverständlich nicht weniger interessant als die ?EMI-Years? ? entspringen vorliegende zweimal 15 fröhliche Lieder des heute 45jährigen Multitalents. Nichtsdestotrotz muß der überzeugte Andy-Borg-Fan natürlich in keinster Form auf dessen allergrößte Anfangserfolge verzichten. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit hatte der gelernte Mechaniker ein paar seiner unvergeßlichen Evergreens aus den 80ern für KOCH/Universal reanimiert und im Sound des Jetzt und Hier neu eingesungen. So beginnt die erste der beiden Silberscheiben mit dem unumgänglichen Romantik-Schunkler ?Adios Amor? ? seinerzeit, im Hochsommer 1982, lieblich tönende Geheimwaffe der traditionellen Schlagerfans gegen die immer stärker um sich greifende Neue Deutsche Welle. Zwischen all den schrillen Hubert Kahs, ?UKWs?, Frl. Menkes und ?Trios? dieser Welt setzte sich der gemächliche Superohrwurm aus der Feder des bekannten 50er-Jahre-Komponistenteams Tex Schultzieg/Kurt Feltz bahnbrechend durch, führte in den besonders in bundespolitischer Hinsicht hochbrisanten Vor-Wende-Wochen, genau gesagt vom 23. August bis zum 27. September 1982, unangefochten die nationalen Singlecharts an und ließ sämtliche NDW-Apologeten des ?legendären Sommers? Eightytwo gänzlich ins Hintertreffen geraten. Kurz darauf hatte Deutschland einen neuen Bundeskanzler ? und zugleich einen ebenso frischen, neuartigen Schlagerstar.
Doch auch in den vergangenen zehn, zwölf Jahren feierte Andy Borg ein paar gelungene Hits, selbst wenn höhere Chartpositionen damit nicht mehr erreicht werden konnten, was im ungemütlichen Zeitalter von Hip Hop, Boygroups, ?Blümchen? und ?Captain Jack? keinesfalls gegen Borg?sches Liedgut der 90er Jahre sprechen soll. All diese stets mitsingbaren Muntermacher finden sich auf ?Die größten Single-Hits?. Den mitreißenden 94er-Kracher ?Ich brauch ein bißchen Glück? oder das vom Interpreten bei Liveauftritten oft selbstparodistisch als ?Schenk mir eine Sonnenbrille? umgetextete Schmankerl ?Schenk mir eine Sommerliebe? (1995) gibt?s genauso zu hören, wie den kessen 98er-Gassenhauer ?Zum Teufel mit der Einsamkeit?, den schmachtenden Titelsong der dazugehörigen LP, ?Ich sag Ja zu Dir?, oder eine freundliche Neuversion von Borgs 82er-Nummer ?Die Fischer von San Juan? (die, was, die wenigsten wissen, zwar im Mai 1983 von Tommy Steiner zu einem realen Chartbreaker gemacht wurde, ein Jahr zuvor jedoch schon von Andy Borg auf dessen Debüt-LP ?Adios Amor? berücksichtigt worden war, ohne jemals als Single ausgekoppelt worden zu sein). Weniger bekannte Up-Tempo-Popschlager wie ?Zärtlichkeit braucht Zeit?, ?Wie kannst Du mich bloß lieben?, ?Mit wem ich lache? bzw. ?Wieder in die Sonne fliegen?, schmusige Balladen (?Liebe ist stärker?), melancholische Reiseerinnerungen a?la G.G. Anderson (?Carneval in Venedig?), gar rasante, gitarrenlastige Beinahe-Rocker (?Ich freu? mich auf Dich?) oder das (allerdings einwenig langatmige geratene) Duett mit dem nümpernen Popmäuschen Petra Frey, ?Zusammen geh?n?, runden das nur von geringen, kaum spürbaren, langweilenden Momenten unterbrochene, ansonsten tatsächlich pure Lust versprühende Hörvergnügen auf der ersten Silberscheibe so konsequent wie heiter ab.
Mit dem mutmachenden 2002er-Hymnus ?Tausche Alltagsgrau gegen Himmelblau? setzt sich die propere Gute-Laune-Stimmung zu Beginn von CD-02 nahtlos fort. Wiederum eine Menge eingängiger, peppiger Schlagerperlen (?Es bleibt so viel?, ?Liebe ist unsterblich?, ?Da lacht das Leben?) wechseln sich darauf ab mit drallen, treibenden Partykrachern (?Ich will nur Dich?), stilleren Schleichern (?Wieviel Liebe hat ein Leben?, ?Doch, wenn Du mir Dein Lachen schenkst?), dem radikal fetzigen Titelgeber von Borgs letzter regulärer KOCH-CD ?Träumen erlaubt (Zärtliche Augen)?, liebenswert schmalzigen Mid-Tempo-Songs wie ?Herzklopfzeichen?, Weil ich Dich so unendlich lieb hab? oder ?Erst die Liebe ? dann das Glück? bzw. etwas zu volkstümelnden Magermilch-Schmonzetten (?Wenn das kein Grund zum Feiern ist?). ?Arrivederci Claire?, wiegender Top-10-Reißer aus dem Winter 1982/83 und das übrigens niemals als Handelssingle veröffentlichte (einst von ?Niedermacher? Heinz Rudolf Kunze auf genialische Weise ad absurdum geführte) Liebesgeständnis ?Die berühmten Drei Worte?, LP-Track aus Borgs 82er-Debütalbum und veritabler Rundfunkhit im März 1983, kommen als kecke Neuaufnahmen zum Zuge.
Überwiegend geschrieben von namhaften Könnern und Schlagerspezialisten wie Alfons Weindorf, Frank Thorsten, Bernd Meinunger, Andreas Bärtels oder Irma Holder, nicht selten aber auch verfaßt vom Künstler persönlich, meist in Zusammenarbeit mit seiner in Berlin ansässigen Managerin Ingrid Reith, bereitet hier beschriebenes 30teiliges, nur von ganz, ganz wenigen musikalischen ?Spaßbremsen? (wie etwa dem obligatorischen, dumpf vor sich hin bumsenden ?Andy Borg Hit-Mix” ? wer braucht so etwas??) gestörtes Programm liebenswürdigsten Frohsinn in bester kompositorischer, wie gesanglicher und klanglicher Ausprägung. Manche besserwisserische, dauersauertöpfische BedenkenträgerInnen mögen über Andy Borg herziehen, von wegen, er schildere penetrant nur positive, herzliche, gefühlvolle ?Heile-Welt?-Themenkreise und vermeide durchgehend betroffenes Zeigefingerschwenken ? für optimistische, mit wachen, hellen, erwartungsvollen Augen in die Welt blickende Freunde gediegener Schlagerkost zwischen Pop, Ballade und Volkstümlichem, ohne modische Mätzchen und unsinnige lyrische Platitüden, erweist sich ?Die größten Single-Hits? überaus schnell als genau die richtige Kaufentscheidung!
Gesamtnote: 2
(Holger Stürenburg, April 2006)

Matthias Carras ganz stolz: Sohnemann David (8) darf ins Fussball-WM-Stadion einlaufen

Donnerstag, 06. April 2006

MATTHIAS CARRAS
Papa ganz stolz: Sohnemann David (8) darf ins Fussball-WM-Stadion einlaufen
Zig-Hunderttausende von kleinen Fussball-Fans träumen davon, bei der für die anstehende Fussball-Weltmeisterschaft von MCDonalds und der FIFA ausgerufenen Aktion ?Fussball-Eskorte? dabei sein zu dürfen. Für David (8), den Sohn von Schlager-Star Matthias Carras, wird dieser Traum nun wahr. Am 19. Juni wird David in Dortmund beim Spiel Togo gegen die Schweiz in neuem, eigenen Trickot und mit Stutzen und Schuhen ausgerüstet einlaufen ? an der Hand eines Nationalspielers. ?David hat gebrüllt vor Freude, als er die Nachricht bekam?, erzählt Matthias Carras stolz, ?er ist ein riesiger Fussball-Fan und die WM wird für ihn das bislang Grösste. Aber nun auch live mit auf dem Rasen stehen zu dürfen, dass bereitet ihm schon jetzt schlaflose Nächte!?
Der Papa selbst wird den Sohn (der unter vielen wohl wegen des frechen Bewerbungsbildes ausgewählt wurde) nach Dortmund begleiten und dafür eine kleine Pause in der ausgedehnten Truck-Tour einlegen, die er und seine Freunde von NEUERDINXX in den kommenden Monaten bestreiten werden. ?Manchmal ist Familie einfach wichtiger?, sagt Matthias und dafür haben seine musikalischen Freunde Franz und Torben vollstes Verständnis.
Quelle: 1a-media

“Weihnachtszeit… Schöne Zeit” - Die Tournee 2006

Dienstag, 28. März 2006

Weihnachtstour 2006 “Weihnachtszeit… Schöne Zeit”
mit Inka, Andy Borg, Judith & Mel, Andreas Fulterer, Maryland-Showband
01.12.2006, 20:00 Uhr, 86368 Gersthofen, Stadthalle
02.12.2006, 20:00 Uhr, 16515 Oranienburg, Mehrzweckhalle
03.12.2006, 18:00 Uhr, 39615 Seehausen, Wichlandhalle
04.12.2006, 19:30 Uhr, 01877 Bischofswerda, Kulturhaus
05.12.2006, 19:30 Uhr, 15907 Lübben, Mehrzweckhalle
06.12.2006, 19:30 Uhr, 06449 Aschersleben, Ballhaus
07.12.2006, 19:30 Uhr, 19243 Wittenburg, Mehrzweckhalle
08.12.2006, 19:30 Uhr, 15749 Mittenwalde, Stadthalle
09.12.2006, 19:30 Uhr, 06618 Naumburg, Euroville
10.12.2006, 16:00 Uhr, 16278 Angermünde, Mehrzweckhalle
11.12.2006, 19:30 Uhr, 19376 Marnitz, Mehrzweckhalle
12.12.2006, 19:30 Uhr, 06749 Bitterfeld, Kulturpalast
13.12.2006, 19:30 Uhr, 09376 Oelsnitz, Stadthalle
14.12.2006, 16:00 Uhr, 21698 Harsefeld, Mehrzweckhalle
15.12.2006, 19:30 Uhr, 04442 Zwenkau, Stadthalle
16.12.2006, 19:30 Uhr, 29410 Salzwedel, Event-und Freizeitcenter
17.12.2006, 16:00 Uhr, 59494 Soest, Sporthalle
18.12.2006, 19:30 Uhr, 06729 Alt - Tröglitz, Hyzet Kubhaus
19.12.2006, 19:30 Uhr, 23992 Neukloster, Stadthalle
20.12.2006, 19:30 Uhr, 06237 Spergau, Jahrhunderthalle
21.12.2006, 19:30 Uhr, 39179 Barleben, Mittellandhalle
22.12.2006, 19:30 Uhr, 04600 Altenburg, Goldener Pflug
Quelle: Inka-Fanclub

Angelika Milster - “Mit den Augen der Liebe”

Donnerstag, 23. März 2006

Angelika Milster - “Mit den Augen der Liebe” - VÖ: 24.03.2006

Die Welt mit den Augen der Liebe zu sehen, das ist schon eine besondere Begabung, die viel positive Energie, ein gutes Selbstwertgefühl und reichlich Umsichtigkeit erfordert. Drei Charakterzüge, die man Angelika Milster bedenkenlos zuschreiben kann. Und so hat sie denn auch ihr neues Album betitelt: “Mit den Augen der Liebe”.
Darauf zu finden: Neue Songs, Standards, Chansons, Musicalstücke und Balladen. “Und auch`n bisschen Rock`n`Roll”, zwinkert die stimmgewaltige Interpretin. Und immer dreht es sich dabei um das schönste Thema der Welt: die Liebe. Und zwar in all ihren Facetten.

Die Erotik, die sich hinter Geschichten wie “Schau mich bitte nicht so an” oder “Du kommst mir viel zu nah” verbirgt, hat da genauso ihren Platz wie die Verzweiflung in “Unser Traum darf niemals sterben (Io Che Non Vivo)” und “Was wird aus mir (Et maintenant)”; die Poesie von “Boote in der Nacht” aus “Elisabeth” oder der wunderschönen Ballade “Er war gerade 18 Jahr`” (im Original von der unvergessenen Dalida) genauso wie das positive Lebensgefühl in Liedern wie “Der Stoff aus dem Gefühle sind”, “Mit den Augen der Liebe (What A Differece A Day Made)” oder der ersten Single “Der Weg ist das Ziel”, geschrieben übrigens von den Starautoren Jean Frankfurter und Irma Holder.

Abwechslungsreicher kann Musik kaum sein! Aufgenommen wurde das edle, festliche Album übrigens mit dem 60 Mann starken The Berlin International Orchestra unter der Leitung von André Bauer. Das ist ein Album für besondere Stunden! Sowas kann nicht jeder. Aber sie schon: Angelika Milster.
?Mit den Augen der Liebe? ? so heißt das neue, mit Spannung erwartete Album von Angelika Milster. ?Mit der Augen der Liebe? ist dabei aber nicht nur der deutsche Titel des amerikanischen Standards ?What A Difference A Day Made?, der auf diesem Album vertreten ist und auserkoren wurden, der gesamten CD den Namen zu geben. Im Gespräch mit der sympathischen Künstlerin wird schnell deutlich, dass sich weit mehr dahinter verbirgt: ?Für mich hat das ganze Leben etwas mit Liebe zu tun. Jeder Mensch möchte geliebt werden, und jeder Mensch sollte darauf achten, dass er selbst auch Liebe geben kann. Zuneigung, Zärtlichkeit, Harmonie ? all diesen Empfindungen, die so unentbehrlich für unser Leben sind, liegt eines zugrunde: Liebe.?
Und auch ihrem Beruf widmet sich Angelika Milster voller Liebe und Hingabe. Ob als Sängerin oder Schauspielerin, ob auf der Theaterbühne, vor der Kamera oder im Konzertsaal? wer Angelika Milster bei der Arbeit beobachtet, spürt sofort die Leidenschaft, mit der sie jede ihrer vielfältigen künstlerischen Aufgaben erfüllt. Ihr neues Albums ist dafür der beste Beweis. Mit ihrem Produzenten André Bauer hat sie zwölf mitreißende Songs aufgenommen, die allein schon durch Angelika Milsters außergewöhnliche, wandlungsfähige Stimme und ihre sensiblen Interpretationen faszinieren. Aber zusammen mit den gefühlvollen Arrangements und dem hervorragenden, 80 Mann starken Berlin International Orchestra ist ein Hörerlebnis entstanden, wie es in der deutschen Musiklandschaft einzigartig sein dürfte.
?Es wäre sicher übertrieben oder gar vermessen zu behaupten, dass ?Mit den Augen der Liebe? von Anfang an für uns so etwas wie ein Motto gewesen ist. Aber rückblickend betrachtet kann ich schon sagen, dass uns dieser Gedanke - vielleicht ganz unbewusst ? durch alle Stadien der Produktion geführt und begleitet hat.? Ganz am Anfang stand dabei die Suche nach den richtigen Titeln. Auch hier gingen die Künstlerin und ihr Produzent ausgesprochen liebevoll zu Werke und stellten eine Auswahl zusammen, die durch ihrer Vielseitigkeit überrascht und durch ihre Treffsicherheit überzeugt. Musicalmelodie und Filmsong, Chanson und Operarie, Pop und Schlager ? das neue Album bietet ein ungewöhnlich breites musikalisches Spektrum. ?Ich weiß genau, was Sie jetzt fragen wollen?, lacht Angelika Milster, ?aber was kümmern mich irgendwelche Schubladen, Kategorien, Sparten oder was weiß ich! Die einzige Klassifizierung, die mich interessiert, ist ?gut? oder ?schlecht?.? Trotzdem sei eine Frage zu den drei neuen Titel erlaubt, die von den beiden Schlager-Urgesteinen Jean Frankfurter und Irma Holder beigesteuert wurden. Angelika Milster, der große Musical-Star, die strahlende Diva und der deutsche Schlager ? wie geht das zusammen? ?Ich gehöre weiß Gott nicht zu denen, für die ?Schlager? ein Schimpfwort ist. Auch hier entscheidet einzig und allein die Qualität. Irma Holder gehört für mich zu den versiertesten Textern in unserem Land, und Jean Frankfurter ist ohne Zweifel mit der kostbaren Gabe gesegnet, wunderschöne und eingängige Melodien zu komponieren. Glauben Sie mir, ich hätte diese Titel nicht aufgenommen, wenn ich nicht hundertprozentig hinter ihnen stehen würde.? Und so wurde konsequent auch eines dieser drei Lieder, ?Der Weg ist das Ziel?, als erste Single ausgewählt. ?Man muss sich immer einen Weg suchen, um im Leben weiterzukommen. Sonst hat man keine Zukunft?, erklärt die Künstlerin. ?Es gibt nichts Schlimmeres als Stillstand.?
Und von Stillstand kann bei Angelika Milster wahrlich keine Rede sein. Sie sprüht geradezu vor Begeisterung, wenn sie zu jedem Titel ihre persönlichen Anmerkungen macht:
Unser Traum darf niemal sterben (Io che non vivo)
?Dusty Springfield war eine der Pop-Ikonen der 60er Jahre. ?You don?t have to say you love me? hieß einer ihrer großen Hits, der damals pausenlos im Radio lief. Eigentlich kommt das Lied aus Italien, und ich freue mich, dass ich es jetzt auf Deutsch singen darf.?
Schau mich bitte nicht so an (La vie en rose)
?Piaf? Was soll ich sagen? Einfach die Größte! Und ?La vie en rose? ist und bleibt eines meiner Lieblingslieder. Am deutschen Text mag ich besondern die heimliche Erotik, die zwischen den Zeilen schwingt.?
Er war gerade 18 Jahr (Il venait d?avoir 18 ans)
?Ist das nicht eine wunderbare Geschichte? Das Lied erinnert mich an eine Begegnung mit einem jungen Mann. Ich war Mitte 20 und er noch ein Teenager. Er hatte sich in mich verliebt, aber er war noch so jung ? das konnte einfach nicht gut gehen. Es gibt Lieder, die mich mein Leben lang begleitet haben und darum auch etwas mit meinem Lebensgefühl zu tun haben. Das hier ist eines davon.?
Was wird aus mir (Et maintenant)
?Die Piaf habe ich leider nie live erlebt, aber ihm habe ich bei einem seiner letzten Konzerte in Hamburg zugejubelt: Gilbert Bécaud! Man nannte ihn nicht umsonst ?Monsieur 100.000 Volt?. Diese Energie war einfach unbeschreiblich!?
Wo sind die Helden (Holding Out For A Hero)
?2004 habe ich im Film ?Shrek 2 ? Der tollkühne Held kehrt zurück? die Rolle der Guten Fee synchronisiert und auch den Titelsong ?Holding Out For A Hero? gesungen. Kein leichtes Lied, aber ein rasanter Up-Tempo-Song, den Bernd Meinunger für dieses Album eingedeutscht hat.
Nur ein Blick (With One Look) (aus ?Sunset Boulevard?)
?Ich werde oft gefragt, ob es eine Traumrolle gibt, die ich gerne einmal spielen möchte. Da muss ich nicht lange überlegen: Die Norma Desmond in ?Sunset Boulevard?! ?Nur ein Blick?, Normas Liebeserklärung an die Schauspielkunst, ist für mich einer der größten Musicaltitel, die je geschrieben wurden.?
Boote in Nacht (aus ?Elisabeth?)
?Für mich ist ?Elisabeth? zurecht das erfolgreichste deutschsprachige Musical. Ich habe damals, vor der Welturaufführung in Wien, die Elisabeth auf den Demobändern gesungen. Für die Bühnenrolle der jungen Kaiserin war ich aber leider schon zu alt. Dennoch ist dieses Lied wie ein Geschenk, denn Michael Kunze hat es eigens für mich vom Duett zum Solotitel umgeschrieben.?
?Nessun dorma? (aus ?Turandot?)
?Ich weiß nicht, woher es kommt, aber ich habe einfach ein Faible für Tenor-Arien! Und weil mein Mann immer zu mir sagt, dass ich eigentlich eine Art weiblicher Tenor sei, haben wir uns als musikalischen Schlusspunkt des Albums für diese Puccini-Komposition entschieden. Mit diesem großartigen Orchester an meiner Seite habe ich die Herausforderung gern angenommen. Vincerò!?
Und sie wird siegen! Denn mit diesem Album untermauert La Milster einmal mehr ihren Status als absolute Ausnahmekünstlerin von internationalem Rang. Das fulminante ?Nessun dorma? lässt nur erahnen, welches Potential es bei ihr in der Zukunft zu entdecken gilt. ?Ich kann Ihnen nicht sagen, was als nächstes kommen wird. Ich habe kein festes Ziel, nichts was ich unbedingt erreichen will. Der Weg ist das Ziel. Ich weiß nur, dass ich mir auf diesem Weg immer selbst treu bleiben muss und mein Publikum niemals belügen will. Ansonsten halte ich es mit Christian Morgenstern: ?Alles ist schön, was man mit den Augen der Liebe betrachtet?.

Angelika Milster im TV:
25.03.2006 ARD, Frühlingsfest der Volksmusik
26.03.2006 BR 3, Boulevard Bayern
31.03.2006 MDR, Magazin zum Frühlingsfest
21.04.2006 SWR, Fröhlicher Weinberg
25.04.2006 ZDF, Volle Kanne
18.06.2006 ARD, Immer wieder Sonntags
24.08.2006 ZDF, Lustige Musikanten
11.11.2006 ZDF, Willkommen bei Carmen Nebel
03.12.2006 ZDF, Adventsshow

Angelika Milster auf Tournee “Das Frühlingsfest der Volksmusik”
01.04.2006 Mannheim, SAP Arena
02.04.2006 Regensbur, Donau-Arena
03.04.2006 Cottbus, Stadthalle
04.04.2006 Cottbus, Stadthalle
05.04.2006 Chemnitz, Stadthalle
06.04.2006 Chemnitz, Stadthalle
07.04.2006 Bremen, AWD-Dome (Stadthalle)
08.04.2006 Köln, Kölnarena
21.04.2006 Kiel, Ostseehalle
22.04.2006 Oberhausen, König-Pilsener-Arena
23.04.2006 Grefrath, Eissporthalle
24.04.2006 Niedernhausen, Rhein Main Theater
25.04.2006 Alsfeld, Hessenhalle
26.04.2006 Münster, Halle Münsterland
27.04.2006 Göttingen, Lokhalle
28.04.2006 Saarbrücken, Saarlandhalle
29.04.2006 Koblenz, Sporthalle Oberwerth
30.04.2006 Halle/Westfalen, G. Weber Stadion
01.05.2006 Magdeburg, Bördelandhalle
02.05.2006 Dresden, Kulturpalast
03.05.2006 Dresden, Kulturpalast
04.05.2006 Nürnberg, Frankenhalle
05.05.2006 Kempten, Big Box
06.05.2006 Karlsruhe, Europahalle
07.05.2006 Augsburg, Schwabenhalle
12.05.2006 Berlin, ICC 1
13.05.2006 Heilbronn, Knorr-Arena
14.05.2006 Ingolstadt, Saturn-Arena
15.05.2006 Passau, Streif-Arena

Quelle: Tobias Reitz

Roger Whittaker Einfach leben Dankeschön für all die Jahre (2 CD)

Dienstag, 21. März 2006

Jeder von uns, der in 80er Jahren aufgewachsen ist und von jeher ein Faible für gutgemachte, anspruchsvolle Schlagerklänge zum Schmusen, Träumen und Mitfühlen besaß, wird um den gebürtigen Kenianer Roger Whittaker keinesfalls herumgekommen sein. Seine immergrünen Lieder versüßten uns unsere Jugendzeit, sprachen zugleich unseren Eltern und Großeltern aus der Seele, und werden bis heute ein ums andere Mal im Rahmen von Wunschsendungen in Radio und TV unverändert gerne und häufig eingefordert. Daß Roger Whittaker inzwischen im fünften Jahrzehnt seines künstlerischen Schaffens angekommen ist und garantiert noch für den einen oder anderen Erfolgsschlager gut sein dürfte, war anfangs nicht abzusehen. Denn um ein Haar wäre der spätere Gentleman des romantischen Popsongs ein gewiß anerkannter Biochemiker, Zoologe, Naturkundler geworden, hätte er sich nicht seit frühesten Lebensjahren dem Musizieren verschrieben. Er focht Anfang der 60er Jahre regelrechte innere Kämpfe mit sich aus, ob er nun die Laufbahn eines renommierten Naturwissenschaftlers einschlagen oder es lieber singend, gitarrespielend, ja gar pfeifend, auf den ?Brettern, die die Welt bedeuten?, versuchen sollte. Der Schlagerfan wird ihm äußerst dankbar dafür sein, daß seine kreative Begabung schlußendlich seine Interessen für Forschung und Experiment übertrumpft hat, so daß sich Whittaker im Laufe der 60er und 70er Jahre zu einem der begehrtesten und angesehensten Entertainer, ob in den USA, in Großbritannien, in Kanada oder Australien, entwickelte. Letztlich überall auf der Welt schienen er und seine gefühlvollen Lieder zwischen Ballade, Folk, Pop und klassischer Singer/Songwriter-Attitüde überaus stark gefragt zu sein. Auch in Deutschland etablierte sich der Beinahe-Meeresforscher mit einigen, zunächst englischgesungenen Folkohrwürmern wie ?The Last Farewell? (1970) oder ?River Lady? (1975), die allesamt die Hitlisten dieses unseren Landes erstürmten und im Rundfunk rauf und runter gespielt wurden. Ende der 70er aber kam Whittakers damaliger Produzent auf die Idee, seinen Schützling dessen größte internationale Erfolge zusätzlich in deutscher Sprache einsingen zu lassen, weil viele seiner Fans im deutschen Sprachraum die fremdsprachigen Texte nicht nachvollziehen konnten. Obwohl der großbürgerliche Popcharmeur seinerzeit kein Wort unserer Muttersprache verstand, man ihm die eingedeutschten Verse jahrelang in großen Lettern, sogar in Lautschrift gehalten, im Studio und auf der Bühne in Plakatform aufhängen mußte, willigte er ein; vorerst jedoch verblieb Whittaker mit deutschbetexteten Schmuseschlagern der Sorte ?Du warst mein schönster Traum?, ?Das alte Schiff? oder ?Indiana Lady? im Mittelfeld hängen. Die Reputation seiner englischen Folkchansons konnte er damit nicht erzielen. Dies änderte sich erst, als sich der notorische Hobbypilot 1981 mit dem in Hamburg ansässigen Komponisten, Produzenten und Arrangeur Klaus ?Nick? Munro zusammentat. Diese von Anbeginn an sehr fruchtbare Kooperation zwischen dem weltmännischen Bühnenmenschen und dem feudalen hanseatischen Musikmogul sorgte dafür, daß Roger Whittaker innerhalb kürzester Zeit zu einem der ganz Großen in der deutschen Schlagerbranche erwuchs, der bis in die Jetztzeit hinein nicht aus TV, Konzertsälen und Plattenschränken wegzudenken ist, aber zuvorderst in den 80er Jahren von Hit zu Hit sprang…
… und nun ist er soeben 70 geworden, der junggebliebene Edelmann, einer der wenigen Schlagerinterpreten, dem es stets vergönnt war, mehrere Generationen, von ganz jung bis hochbetagt, gleichermaßen anzusprechen und zu begeistern. Am 22. März vor siebzig Jahren erblickte Klein-Roger also in der kenianischen Metropole Nairobi das Licht der Welt ? 2006 kann der Grandseigneur gediegener Popschlager auf über 100 internationale, darunter 25 deutschgesungene LP- bzw. CD-Alben zurückblicken, die sich weltweit insgesamt über 56 Millionen mal verkauften und seinem Schöpfer mehr als 250 Edelmetallauszeichnungen einbrachten. Aus Dank dafür, was ihm insbesondere seine hiesigen Fans in seinem bislang 70jährigen, vielseitigen, aufregenden, nicht selten ruhelosen und trotzdem biederen, völlig skandalfreien Leben an glücklichen Stunden, an Zuneigung und Verehrung haben zuteil werden lassen, schenkt uns Roger Whittaker nun eine 40 Lieder umfassende Doppel-CD mit dem Titel ?Einfach leben ? Dankeschön für all die Jahre?, die am 17. März 2006 bei SONY-BMG erschien und tatsächlich nahezu alles auf zwei bis zum Bersten gefüllten Silberscheiben komprimiert, was man aus dem schier endlos erscheinenden Repertoire des glücklichen Geburtstagskindes kennen (und möglichst gleichsam) lieben sollte. Nun gut, den brandneuen, zuvor unveröffentlichten Eröffnungssong des zusammengerechnet knapp 147minütigen Hitfeuerwerks, ?Dankeschön?, kann man getrost überspringen. Das flache, uninspirierte Schnaderlhüpferl aus der Feder der (zurecht) vollkommen unbekannten mutmaßlichen Hobbyautoren Michael Hagel und Janine Scholz klingt, als träten die ?Wildecker Herzbuben? volltrunken in einem irischen Pub auf, und dürfte zu den schwächsten Momenten in Roger Whittakers rund 45jähriger Karriere im globalen Showbusineß zählen. Doch nach diesen unnötigen drei Minuten und 32 Sekunden volkstümelnder Kneipenseligkeit geht?s so richtig los: ?Albany?, jener inzwischen Legendenstatus innehabende, folk-angehauchte Mid-Tempo-Popper aus der Feder Nick Munros, bedeutete im Frühjahr 1982 den großen und endgültigen Durchbruch Roger Whittakers in der teutonischen Schlagerszene. Mitten zu Hochzeiten der Neuen Deutschen Welle, im April 1982, stürmte die hypereingängige Saga über einen blutigen Familienzwist der schottischen McKenzie-Sippschaft bis auf Rang 3 der hiesigen Singlecharts und ließ somit grelle NDW-Ikonen wie Falco, Hubert Kah oder die ?Spider Murphy Gang? weit hinter sich. Nicht nur das Lied von ?Albany? (hier in einer raren, verkürzten Radioversion berücksichtigt), sondern alle ? ausnahmslos alle - weiteren Singlehits, die Roger Whittaker, erst im Verbund mit Mentor Munro, ab Mitte der 90er öfters zudem von anderen Produzenten unterstützt, bis dato in unseren Breitengraden feiern konnte, garniert mit ein paar liebenswerten Albumtracks, Seltenheiten und Skurrilitäten fanden Platz auf hier beschriebener Doppel-CD, wobei der erste Silberling in erster Linie mit den längst als unumstößliches Allgemeingut des gehobenen Popschlagers geltenden Klassikern der 80er Jahre, sowie ein paar ausgesuchten 90er-Knallern aufwartet, denen aber nicht mehr allzu oft der Weg in höhere Sphären der Verkaufscharts vergönnt war. Ob die sehnsüchtigen Romantikschlager ?Wenn es Dich noch gibt? und ?Tanz heut Nacht mit mir? (beide 1983), der einschmeichelnde Top-10-Erstürmer ?Abschied ist ein scharfes Schwert? oder der verträumt-herbstliche Gitarrenpopper ?Eloisa? (beide 1984), die flotten Mid-Tempo-Schunkler ?Leben mit Dir? und ?Fernweh? (1985), der abgeklärte Großstadtschlager ?Laß mich bei Dir sein? (1987), die schwülstigen Edelschnulzen ?Du ? Du bist nicht allein? und ?Das Lied von Aragon? (1988), der wiegende Tangoverschnitt ?Was ist dabei, wenn wir zwei uns lieben? oder der spannende Fast-Gospel ?Sieben Jahre, sieben Meere? (1990) ? auf ?Einfach leben ? Dankeschön für all die Jahre? wird wahrlich nichts ausgelassen, was das Herz eines originären Roger-Fans begehrt. Ein wenig Blues (?Sag ihr?) hatte der sympathische Popakademiker 1991 im Gepäck, ein Jahr darauf sachte Reggae-Rhythmen (?Du wirst alle Jahre schöner?) und 1996, übrigens produziert von niemand geringerem als ?Pop-Titan? Dieter Bohlen, einen (im Refrain verdächtig an das bekannte Spiritual ?Michael row the Boat ashore? angelehnten) Superohrwurm namens ?Wir sind Jung (Oh Maria)?. All diese traumhaft perlenden, unweigerlich in Kopf, Herz und Beine gehenden (und dort auch auf ewig verharrenden) Melodien, die sich vom meist penetrant auf fröhlich, seicht und leicht getrimmten Schnulzeneinerlei der G.G. Andersons, Kristina Bachs, Rex Gildos oder Claudia Jungs dieser Welt auf sehr wohltuende Art und Weise abheben, sind auf CD-1 vorliegenden Doppelpacks in bester Klangqualität zu vernehmen. Diese regelmäßig sehr gelungenen, durchwegs auf hohem kompositorischen wie textlichen und natürlich gesanglichen Niveau angesiedelten Ewigkeits-Schlager führten dazu, daß ihr Interpret seit 1982/83 auf einer Augenhöhe mit einem Udo Jürgens, Howard Carpendale oder Roland Kaiser zur Creme de la Creme der deutschen Entertainment-Szene gerechnet werden muß, Jahr um Jahr durch konsequent ausverkaufte Konzertsäle tourt und darüber hinaus dazu, daß fast jede seiner Album-Veröffentlichungen nur kurz nach Erscheinen Gold-, wenn nicht gar Platinstatus erzielt.
CD-2 startet mit der programmatischen, lebensfrohen Hymne ?Alles Roger? (1999) und setzt davon abgesehen beinahe ausschließlich auf Raritäten, außergewöhnlichere Schmankerl, noch nie im CD-Format erhältliche Spezialistentips sowie auf einige brandneue Aufnahmen des 70jährigen Multitalents, wobei von letzteren hauptsächlich die peppig-eingängige Single ?Die Zeit meines Lebens?, das opulent-orchestrale Opus ?Meine Liebe gehört nur Dir? und die erneut von Nick Munro ersonnene Pianoballade ?Dich zu verlieren? einen positiven Eindruck hinterlassen. In der englischen Urfassung gibt?s Whittakers 75er-Hit ?River Lady? sowie den unzerstörbaren Gassenhauer ?The Last Farewell?, der sogar bereits von Elvis Presley intoniert wurde, zu hören; auf Französisch erklingt das liebliche Chanson ?Une Rose pour Isabelle?, seine persönliche Lieblingskomposition ?I don?t believe in if anymore? kommt in einer spanischen Version als ?Solo se la realidad? zum Zuge, nur lässig vor sich hin gepfiffen ertönen die Konzertreißer ?Mexican Whistler? bzw. ?Swaggy (Australian Whistler)?. Zu den frühesten jener Songs, die Whittaker ins Deutsche transferierte, gehört das aufmunternde Couplet ?Desillusioned Fool?, im Original B-Seite von ?River Lady?, das auf Deutsch als ?Ein hoffnungsloser Narr? auf ?Einfach leben? zum ersten Mal auf Silberscheibe verfügbar ist.
Einige weitere 90er-Nummern ? z.B. ?Bleib heut bei mir?, ein Duett mit Cindy Berger (1990), ?Ein Kissen voller Träume? (1994), ?A Perfect Day? (1996 ? aus der Feder von Dieter Bohlen) ? oder Whittakers still-bedrückte 2005er-Benefizsingle ?So viele tausend Seelen?, die er den Hunderttausenden Opfer der Tsunami-Katastrophe im vorvergangenen Winter im indisch-asiatischen Raum gewidmet hatte, werden auf Silberscheibe Numero Zwei in bester Klangqualität abgehandelt. Mit dem 86er-Juxhit ?Ein bißchen Aroma? (allerdings leider nur in der konventionellen Singlefassung, nicht in der stark gesuchten, knapp siebenminütigen Maxiversion) und dem bedächtigen Abschiedsepos ?Goodbye ist Goodbye aus demselben Jahrgang endet eine vorzügliche Zusammenstellung der wichtigsten, beliebtesten und unvergeßlichsten Lieder des genialischen, britischstämmigen Showtalents aus Kenia, das trotz letztens erlittener Stimmbandentzündung weiterhin singt wie ein junger Gott. Einziges Manko des ansonsten grandiosen, geradezu makellosen Hörvergnügens: Eine thematische, zumindest chronologische Einordnung der einzelnen Stücke hätte dem Musikgeschichtler und Sammler eine besondere Freude bereitet; so wirkt die Plazierung der Songs sehr chaotisch bzw. wie wirr durcheinandergewirbelt!
Gesamtnote: 1
(Holger Stürenburg, 17./18. März 2006)

Barry Manilow - The Greatest Songs of the Fifties

Sonntag, 19. März 2006

Wer erinnert sich nicht an die gestochen scharfen Pianoarien ?Mandy?, ?I write the Songs? oder ?Could it be Magic? bzw. an so softe wie edle Discopopper der Sorte ?At the Copacabana? oder ?You?re looking hot tonight?. Gediegene, nebenbei durchaus etwas hochtrabend-elitäre Melodien zum Träumen und Schwofen, die in den 70er und frühen 80er Jahren in allen bedeutsamen Popnationen nicht aus den Radioprogrammen wegzudenken waren. Urheber dieser stets gern gehörten Oldies ? zwar nicht zuallererst als Komponist, aber als Interpret und musikalischer Darsteller - war der in Brooklyn/New York geborene Pianist, Sänger, Arrangeur und Entertainer Barry Manilow ? hauptsächlich in seiner amerikanischen Heimat eine bis heute gefeierte Showlegende, doch hierzulande den Freunden opulenter Popdramen ebenfalls ein positiver Begriff.
?Mandy?, ein 1971 vom darüber hinaus nicht weiter aufgefallenen Singer/Songwriter Scott English (zunächst unter dem Titel ?Brandy?) verfaßtes Balladenkleinod, setzte 1974/75 den Startschuß dafür, daß Barry Manilow mehr als zehn Jahre lang ein ums andere Mal die internationalen Hitlisten durcheinanderzuwirbeln vermochte. Produziert hatte diese traumhafte Liebeselegie Manilows Landsmann Clive Davis, der bei der Plattenfirma Arista als Nachwuchsförderer tätig war. Er hatte kurz nach Anbruch der 70er Jahre den damaligen musikalischen Kompagnon von Hollywood-Sirene Bette Midler entdeckt, ihn mit einem Solovertrag bei seinem Label ausgestattet und im Laufe der Zeit viele, viele Hits gemeinsam mit ihm ersonnen, arrangiert und eingespielt. Anfang der 80er endete die bis dato überaus einträgliche Kooperation. Manilow begab sich zeitweilig unter die Fittiche von Bombastrock-Maestro Jim S