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Günter Geißler – “Ich hab’ die gute Laune im Gepäck”

Von Irina Heidkamp

Günter GeißlerAm Ende hatte er sein wertvolles Gepäckstück wohl verloren. Günter Geißler, geboren am 19.12.1929, nahm sich im Alter von 76 Jahren am 17. Juli 2006 das Leben in einem Waldstück nahe Cottbus, seiner Heimatstadt. HITHAUS möchte mit dem Künstler dieser Woche an den Schlagersänger und vor allem großartigen Komponisten und Textdichter Günter Geißler erinnern.

Er war eine Frohnatur, begeisterte sein Publikum mit seiner beschwingten, freundlichen Wesensart. Für Günter Geißler war sein Werk „Ich hab’ die gute Laune im Gepäck“ Programm.

Wie für diese Generation üblich, begann er seinen Werdegang mit einer soliden Ausbildung. Früh war für Günter Geißler klar, dass er sein Leben mit Musik gestalten wollte und so begann er ein Studium am heimischen Konservatorium in Cottbus. Er studierte erfolgreich Gesang und nahm in Folge dessen verschiedene Bühnenengagements an. Bis er schließlich 1957 vom DDR-Fernsehrundfunk entdeckt wurde und mit dessen Band eine Tournee startete. Zwei Jahre später schrieb es gemeinsam mit dem Komponisten Horst Reipsch seinen ersten Hit: „Gitarren klingen leise durch die Nacht“.

Bereits bei diesem ersten erfolgreichen Werk zeichnete sich ein erstaunlicher Trend ab. Viele Werke von Günter Geißler, der als Schlagerinterpret vorwiegend in der DDR bekannt und beliebt war, sind mit anderen Interpreten bundesweit erfolgreicher geworden, als mit dem Urheber selbst als Künstler. Noch heute ist der Künstler Geißler vorwiegend in den neuen Bundesländern ein Begriff. Der Urheber Geißler hat sich hingegen bundesweit einen Namen gemacht.

So spielte Geißler eine eigene Aufnahme seines Werkes „Gitarren klingen leise durch die Nacht“ ein. Die Aufnahme wurde jedoch niemals weiter verwertet, da sich sein Komponisten - Kollege Horst Reipsch nach München in den Westen absetzte und das Werk dort an den Künstler Jimmy Makulis vermittelte, der dieses neu aufnahm und sehr erfolgreich veröffentlichte. Das Werk wurde zum Titelsong eines gleichnamigen Films.

Geißler tourte weiter durch die ehemalige DDR und landete dort verschiedene Hits mit den Werken „Marina“ (1960), „Die Primaballerina meiner Träume“ (1963), „Ein verliebter Gondolier“ (1963) und anderen. Das Werk „Das schönste Mädchen der Welt“ (1966) wurde sein größter Hit, doch wieder einmal war er nicht selbst der erfolgreiche Interpret. Dieses Werk hatte Geißler vollkommen alleine aus der Taufe gehoben, Musik und Text gingen allein aus seiner Feder hervor. Er lies auch eine eigene Aufnahme einspielen, doch diese wurde lediglich im Osten bekannt. Der damals noch unbekannte, westdeutsche Künstler Peter Orloff interpretierte das Werk und dieses verhalf ihm zu seinem großen Durchbruch. Das Werk erlangte mit Peter Orloff Weltruhm.

Günter Geißler hingegen verblieb im Gebiet der DDR. Er trat häufig in Fernsehsendungen des DDR-Rundfunks und auf großen Bühnen auf. Innerhalb der ehemaligen DDR wurde er einer der erfolgreichsten und beliebtesten Schlagerinterpreten, seine Laufbahn ging jedoch mit dem Fall der Mauer ebenfalls zu Ende, er zog sich 1990 ins Privatleben zurück und lebte bis 2006 in Cottbus.

Sein Rückzug von der Bühne kam für viele Fans ein wenig unerwartet und war nicht für jeden nachvollziehbar. Die DDR war für Geißler ein überschaubares, vertrautes Feld gewesen. Mit dem Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland hätte er seinen Platz im Musikgeschäft neu behaupten und definieren müssen. Vielleicht war ihm diese Herausforderung zu groß. Es scheint, dass die „Wende“ auch eine Wende im Leben von Günter Geißler gewesen ist. Der einstige Schlagerstar des Ostens wurde medienscheu. Er lebte zurückgezogen und wollte nicht mehr öffentlich in Erscheinung treten. Es existieren aus der Zeit nach 1990 kaum journalistische Zeugnisse seines Lebens und Wirkens. Erst am 17. Juli 2006 gibt es eine neue Meldung von dem einstigen Schlagerstar. Günter Geißler ist tot. Er wählte den Suizid. Günter Geißler war am selbigen Tag mit einem Pferd von einem Reitstall nahe Cottbus ausgeritten. Das Pferd kehrte herrenlos von diesem Ausflug zurück. Man fand Günter Geißler stranguliert im Wald. Warum hatte der große Urheber und Schlagerinterpret der Nachkriegszeit den Lebensmut verloren? Dies bleibt eine ungeklärte Frage.

Artikel vom 20. Mai 2007

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