Hinweise zu den aktuellen Störungen und Veränderungen bei HITHAUS finden Sie ab sofort hier im Blog

Das Wunschkonzert der Wehrmacht

Von Alexander Marcus

Wunschkonzert der WehrmachtGustaf Gründgens eröffnete das erste Wunschkonzert für die Wehrmacht aus dem großen Sendesaal des Hauses des Rundfunks in Berlin, mit einem Gedicht, das die „Stimme der Heimat“ darstellen sollte.

„…So weit die Grenzen der Heimat gespannt, steht Ihr, Soldaten, zum Schutz für das Land. Steht als ein starker, lebendiger Wall, als ein doppelter Wall aus Herzen und Stahl – Und Euch alle umschließt das gemeinsame Band. Die Heimat, für die Ihr steht und wacht – Die Heimat ist bei Euch bei Tag und bei Nacht….“

Damit begann die populärste Musiksendung, Sendung überhaupt, des Rundfunks im nationalsozialistischen Deutschland. Das dreistündige Konzert wurde bis 1941 im Winterhalbjahr mittwochs und sonntags ausgestrahlt. Fast alle großen Künstler traten gegen ein sehr geringes Entgelt in diesem auf. Dazu gehörten Marika Rökk und Zarah Leander. Erstaunlich war dabei, das in dieser Sendung ausländische Künstler auftraten während dessen die deutschen Sängerinnen und Sänger stiften gingen. Dieses Konzert wurde über alle deutschen Sender ausgestrahlt. Somit wurde die herzzereissende Verbindung zwischen Heimat und Front und umgekehrt hergestellt.

Propagandaminister Goebels, der die Federführung des Konzertes hatte, gab folgende Weisung für diese Rundfunkproduktion heraus.

„Genau so wichtig wie Kanonen und Gewehre sind optimistische Lieder und lebensbejahende und herzerhebende Musik“.

Titel wie „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ ließen bei den Zuhörern ein euphorisches Lebens- und Glücksgefühl.

Damit war der Weg frei für ein gigantisches Wunschkonzert, das Tränen fliesen lies durch solche Lieder wie „Gute Nacht, Mutter“ und „Heimat deine Sterne“. Den herzergreifenden Höhepunkt stellte dann die Abmoderation dar. Hierbei war besonderst die des Heinz Goedecke sehr erfolgreich. Er sagte:

„Das Wehrmachts – Wunschkonzert geht jetzt zu Ende, die Heimat reicht der Front die Hände, die Front reicht ihrer Heimat nun die hand. Wir sagen: Gute Nacht, auf Wiederhören, bis wir zum nächsten Male wiederkehren. Auf Wiedersehen! Sagt das Vaterland!

Damit waren die Bande geknüpft und das Volk gestählt für den weiteren Kampf Deutschlands an allen Fronten. Durch die Musik, die sich jeder wünschen konnte, wurde dem Menschen eine heile Welt vorgeführt.

Trotz aller Propaganda war das Wunschkonzert beim Volk sehr beliebt, so beliebt, das 1940 ein UFA - Film mit Ilse Werner und Karl Raddatz darüber gemacht wurde. Diesen gibt es auch Heute als DVD zu kaufen. In diesem Film befinden sich die einzigen originalen Filmaufnahmen dieser Konzertreihe.

Im Wunschkonzert wurden grundlegende Regeln der psychischen Manipulation eingehalten. So wurden neben Wunschtiteln auch die Namen von Neugeborenen vorgelesen und als fester Bestandteil ein Spendenaufruf durchgeführt. Bis 1941 kamen so über 15 Millionen Reichsmark zusammen.

Am 25. Mai 1941 endete das Wunschkonzert. Es wurde ohne Begründung eingestellt.

In der Militärgeschichte nimmt es den Platz in der Kategorie „Ideologische Kriegsführung“ ein, den Krieg ohne Toten.

Aber auch die Alliierten bedienten sich jener Zeit dieses Kampfmittels.
Sei es wie es war, es gehört in die große Geschichte erfolgreicher deutscher Musikveranstaltungen und muss damit auch erwähnt werden, gerade in einer Zeit, in der eine Wertediskussion zur Debatte steht. Auch muss erwähnt werden, dass während des Konzertes Soldaten im Kampf ihr Leben ließen.

Alexander Marcus von Hithaus meint: Sei es wie es sei, das „Wunschkonzert der Wehrmacht“ gehört zu den erfolgreichsten Musikevents der deutschen Musikgeschichte. Auch soll hier unbedingt erwähnt werden, dass damals im Krieg alles Live war und die Künstler richtig singen mussten. Die Logistik war für diese Zeit und Bedingungen überwältigend. Es war eine schwere Zeit, aber mit positiven Punkten, die in die Geschichte ohne Bedenken übernommen werden können.

Artikel vom 12. Dezember 2007

Hinterlasse eine Antwort