Bruno Balz
History wird in größeren Abständen sich Personen und Ereignissen der deutschsprachigen Musikgeschichte widmen.
In seiner 1. Ausgabe geht es um den Komponisten Bruno Balz. Er wurde am 6. Oktober 1902 in Berlin geboren. Im Alter von 16 Jahren wusste dieser schon genau, das er Liedtexter werden wollte. Mit 17 war ihm klar, dass er schwul war.
Dies konnte er aber im damaligen liberalen Berlin der Zwanziger Jahre voll ausleben. Balz arbeitete als Nacktmodell für den damaligen Szenefotografen und Verleger Adolf Brand und verkehrte auch mit dem jüdischen homosexuellen Arzt und Bürgerrechtler Magnus Hirschfeld.
Er war des weiteren Mitglied im schwul – lesbischen „Bund für Menschenrechte“ und schrieb Gedichte, Aufsätze und Liebesgeschichten für homoerotische Zeitschriften. Mit der Machtübernahme durch die Nazis fand dieser Lebenswandel ein abruptes Ende. 1936 wurde Balz zum ersten Mal verhaftet und acht Monate später unter strengen Auflagen wieder aus der haft entlassen. Zu den Auflagen zählten unter anderem die Streichung seines Namens aus allen Veröffentlichungen und die Heirat mit der den Nazis ergebenen pommerschen Bäuerin Selma.
Nach Denunziation wurde er mit einen jungen Verehrer erwischt und kam wieder in Haft. Jetzt ging es für diesen um Gestapo – Folter mit anschließender KZ – Inhaftierung.
Da kam diesem der Zufall zu Hilfe. Die UFA arbeitete gerade an der Vorbereitung deren erster großer Filmproduktion und für diese benötigte sie für die Sängerin Zarah Leander im Film „Die große Liebe“ neue Titel. Michael Jary wendete sich an Goebbels und erklärt, dass dieser ohne Balz den Wunsch des Führers nach „optimistischen Durchhalteliedern“ nicht erfüllen kann. Noch am selben Tag wird der Liedtexter daraufhin aus der Haft entlassen, um innerhalb von 24 Stunden die gewünschten Lieder zu schreiben. In dieser einen Nacht entstehen die späteren Evergreens „Davon geht die Welt nicht unter“ und „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“.
Nach dem Krieg wurde es für Balz nicht besser, da der § 175 von den Nazis übernommen wurde. Einen Hehl machte er aus seinen Beziehungen zu Männern allerdings nicht.
Auch in dieser Zeit wurde sein Name in noch immer populäre Filme nicht eingefügt. Balz lernte dann den jungen Maler, Schauspieler und Fotografen Jürgen Draeger kennen. Durch diese Beziehung wurde er zu dem Lied „Wir wollen niemals auseinandergehen“ animiert. Diese schrieb er wiederum für Zarah Leander.
Michael Jary ließ es von Heidi Brühl singen, die damit den 2. Platz beim „Grand Prix de la Chanson“ belegte und einen Hit landete. An diesem Vorfall zerbrach die Künstlerfreundschaft zwischen Balz, Jary und Zarah Leander. Balz zog sich ins Privatleben zurück.
Dennoch machte dieser aber noch einmal mit dem 1941 verfassten Lied „Mama“ im Jahre 1968 Schlagzeilen. Dieses wurde in der Version von Heintje ein Megahit. Am 14. März 1988 starb Bruno Balz als einer der produktivsten deutschen Text – und Schlagerdichter im Alter von 85 Jahren im bayerischen Bad Wiessee. In seinem Testament verfügte er, dass in den ersten zehn Jahren nach seinem Tod nicht über ihn gesprochen werden darf.
Sein Vermächtnis ist, viele Unbekannte machte er zu Stars. Zu seinen erfolgreichsten Interpretinnen und Interpreten zählen Zarah Leander, Heinz Rühmann, Willi Forst, Ilse Werner, Peter Alexander, Rosita Serrano, Evelyn Künneke, Johannes Heesters, Marika Rökk und, viel später, Heintje. Auf sein Lebenswerk gehen 1037 Liedtexte, darunter Weltschlager, Evergreens, Gassenhauer und Millionen - Hits wie „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“, „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n“, „Roter Mohn“, „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, „Mama“ und „Kann denn Liebe Sünde sein?“
Auch der Titelsong für den ersten deutschen Tonfilm „Dich hab ich geliebt“ mit Mady Christian geht auf sein Konto.
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